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Full text of "Die Hansestädte, Dänemark und Norwegen von 1369 bis 1376"

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■ME HANSESTÄDTE, 



DÄNEMARK UND NORWEGEN 



VON 1369 BIS 1376 



VON 



D^' HARRY DENICKE. 










HALLK 

MAX NIEMETEB. 

1880. 



\ 



MEINEM VATER 



IN 



DANKBARSTER LIEBE 



ZUGEEIGNET. 



Vorwort, 



üjin solches würde überflüssig sein, empßlndc Verfasser 
nicht das Bedürfniss die Nachsicht des Lesers für BeurtheiluDg 
der vorliegenden Arbeit zu erbitten, über die er selbst und 
zwar gutentheils durch sie in mancher Beziehung hinaus- 
gewachsen zu sein glaubt. Entstanden zu einer Zeit, da er 
eben anfing mit Ernst und Eifer geschichtliche Studien auf- 
zunehmen, zeigt sie nicht selten noch die Unfertigkeiten eines 
ersten rasch gewagten Versuches. Gleichwohl hat er sie, durch 
kundigen Zuspruch ermuntert, einer Veröffentlichung für wei-th 
gehalten, da sie die dargestellte Periode, die grösste der 
deutschen Hanse in steter gewissenhafter Anlehnung an das 
jüngst erschlossne reiche Urkundenmaterial nach vielen Seiten 
mit einer ^zuvor nicht möglichen, hernach nicht versuchten 
Ausführlichkeit behandelt. 

Stolberg a/H., im December 1879. 

Der Verfasser. 



INHALT. 



Seite 

I. Capitel: Vorgeschichte des stralsnnder Friedens 1 

II. Capitel: Der stralsnnder Frieden 29 

III. Capitel: Bis znm Tode König Waidemars 125 

IV. Capitel: Die dänische Thronfrage 241 

Anhang: Eine Steuer- und Zolltabelle zu S. 73 £f. 



Einige Bericlitigangen. 

S# 30 Z. 11 V. o. lies : raschem. 
8. 46 Z. 16 V. u. lies: repressiven. 
S. 81 Z. 8 V. o. lies: Dechers. 
S. 81 Z. 5 V. u. lies: dem inneren. 
S. 170 Nachweiszeile lies: H.R. IV. Nr. 282 (vgl. 261 § 29) 
Rec. e. preuBS. Städtetags v. 15. Juli 1395. 



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L 

Vorgeschichte des slralsuoder Friedens. 

Die letzte Hälfte des 14. Jahrhunderts war für das mittel- 
alterliche Norddeutschland, abgesehen von der ihm mit den übrigen 
Reichstheilen gemeinsamen politischen Zersplitterung, in vielfacher 
Hinsicht ein Zeitalter der Blüthe. Fast überall regen sich seine 
besonderen staatlichen und staatsähnlichen Bildungen in rüstigem 
Fortschritt. So sehen wir die holsteinischen Grafen die Bahn, 
die ihr genialer Vater mit so grossem Erfolg betreten, treu und 
energisch einhalten, sehn sie immer weiteren Boden auf der Halb- 
insel gewinnen; und ihnen zur Seite erhebt sich die meklen- 
burgische Dynastie zu bisher ungekannter Höhe, besetzt den Thron 
Schwedens und greift nach der Krone von Dänemark; und noch 
weiter gen Osten gestaltet sich immer noch ins Weite strebend, 
nach innen jenes wunderbare, kriegerisch -religiöse Gebilde, der 
preussische Ordensstaat stets reicher und zweckvoUer aus. Da- 
zwischen aber entfaltet sich, fast überraschend schnell nach der 
bisherigen langen und langsamen Entwicklung jener weitverzweigte 
Städtebund der deutschen Hanse zu seinem höchsten Glänze, 
wesentlich anderen Interessen zugewandt, als die Territorialfürsten 
vorzugsweise pflegten. 

Früh daran gewöhnt, ihre Kraft aus sich selbst zu schöpfen 
and entwöhnt, von dem politisch verarmten Kaiserthum oder dem 
Laudesfürstenthum erhebliche Unterstützung ihrer städtischen Inter- 
essen zu gewärtigen, ja einem Eingriff dieser Gewalten in ihr 
Eigenleben meist abhold, hatten sie sich dafür, dem in allen 
Schichten und allerorten sich regenden Associationsdrange gemäss, 
unter einander verbunden. Wenn die anfangliche Hervorbildung 
ihrer später so ausgedehnten Corporation zeitlich nahezu mit der 
Entstehung des rheinischen Städtebundes zusammenfallt, so tritt 
in den Zielen und dem Charakter beider Bildungen ein schroffer 

D e n i c k e , Beziehungen der Hansestädte etc. 1 






2 

Unterschied zu Tage. War dieser durchaus auch auf politische 
Dinge, auf die Ordnung der darniederliegenden wichtigsten Reichs- 
angelegenheiten gewandt, und forderte dieser Zweck eine straffe 
organisatorische Durchbildung des Bundes, deren glückliches, 
gleichviel ob flüchtiges Resultat nach der gesammten Lage der 
Verhältnisse ihm jenes Ansehen von etwas Urplötzlichem, fast 
Wunderbarem gibt, so richteten die norddeutschen Communen, an 
der See und der Peripherie des Reiches gelegen, wie sie waren, 
ihr vorzüglichstes Augenmerk auf den Handel, namentlich auf den 
auswärtigen, gingen Zwecken nach, die eine losere Verbindung 
im Inlande vertrugen und nur im Auslande eine stärkere Cen- 
tralisation ihrer kaufmännischen Kräfte zu gegenseitigem Schutz 
nöthig machten. Erst in ganz allmähliclier und wechselvoller 
Weise festigte und erweiterte sich diese lockere Föderation der 
Städte einmal in engeren territorialen Kreisen und dann in der 
Beziehung dieser zu einander. So hatten die wendischen Städte, 
die für den Entwicklungsgang der Hanse von je und dauernd 
bedeutsamste Gruppe, am Ende des 13. Jahrhunderts schon einen 
grossartigen Erfolg ihrer gemeinsamen Politik gegen Norwegen 
zu verzeichnen, der anziehend und befestigend auf das Bundes- 
gefüge wirkte. Allein da wusste der alte begehrliche Nachbar 
Deutschlands, Dänemark, von neuem wie vor 100 Jahren erstar- 
kend, von Erfolg zu Erfolg seinen fremden, störenden Einfluss in 
den nordalbingischen Bereichen durchzukämpfen. Die Herrschaft 
über die Ostsee und ihre wichtigsten Uferlande war ein Lieblings- 
wunsch dänischer Eroberungspolitik, den auch die geographische 
Lage, die Natur selbst nahe genug legte. Dem Tode des that- 
kräftigen Königs Erich, dem seine Durchführung zu gelingen 
schien, folgte freilich eine reissende Gegenströmung, die Däne- 
mark geradezu überfluthete; die deutschen Ritterheere der hol- 
steinischen Grafen, vor allem des grossen Gerhard, occupirten das 
Inselreich, brachten Sund und Belt unter ihre Herrschaft.^ — 



1 Im Allgemeinen vgl. für das Folgende: Dahlmann, Gesch. v. Däne- 
mark Bd. II, bes. p. 32 — 54. — Waitz, Gesch. v. Schleswig- Holstein 
Bd. I, bes. p. 245—260. — Nitzsch, Deusche Studien, Aufsatz IV (Nord- 
albingiscbe Studien) Abschn. HI. — Koppmann's Vorbemerkungen zu 
den einzelnen Recessen und Einleitungen zu den beiden ersten Recess- 
bänden. — Suhm, historie af Danmark Bd. XIII u. XIV (die betr. Jahre). — 
Styffe, bidrag til Scandinaviens historia; Idelen, bes. p.XXVlI— LXVHI. 



3 

Die Städte aber brauchten eine lange Zeit der Erholung, ehe sie 
den Schlag, mit dem König Erich sie betroflFen, verwanden. Jetzt 
war es nicht mehr das gebrochne Dänemark, das sie zu fürchten 
hatten, sondern das rapide, für sie und ihren Handel bedrohliche 
Anwachsen landesherrlicher Macht in nächster Nachbarschaft. Ihr 
Interesse ging bis zu einem gewissen Punkte Hand in Hand mit 
dem, das der junge König Waldemar von vornherein veiirat und 
in einer langen, ebenso mühsamen wie unverdrossenen Arbeit 
durchfocht, Dänemark nämlich von diesem fremdherrlichen Ein- 
fluss zu reinigen, seiner Königsmacht nach innen wie aussen 
wieder Achtung und Geltung zu gewinnen. Freilich wuchs mit 
den Erfolgen in dieser Richtung, mit dem endlichen Ueberflügeln 
der zurückgedrängten Eindringlinge auch wieder ihre Bedrohlich- 
keit für die Städte, in demselben Masse als die von Seiten der 
fürstlichen Nachbarn annahm. Im Ganzen jedoch war von neuem 
ein gewisser Gleichgewichtszustand in dem weiten politischen 
System des Nordens hergestellt, den ganz besonders die Städte 
zu wünsclien Ursache hatten; gab er doch bei der Aggressive 
des Einen leicht Rückhalt und Deckung bei dem Anderen. Wal- 
demar aber hatte so viel unruhigen Ehrgeiz als stürmische That- 
kraft, und wie jener mit den Erfolgen zunahm, schien auch diese 
sich noch zu steigern. Fast frei wieder von den deutschen 
Drängern ging er mit Erfolg daran, auch das alte, reiche Stamm- 
land Schonen, das er selbst in seiner drangvollen ersten Regie- 
rungszeit an Schweden cedirt hatte, durch eine kluge diplo- 
matische und kriegerische Aktion wieder an sich zu bringen.^ 
Die Städte erfüllte dieser weitere Fortschritt mit banger Besorg- 
niss; Schonen war ja für sie unter allen ihren ausländischen Ver- 
kehrsplätzen vielleicht der wichtigste; und dass der König kein 



— Munch, Det norske Folks historie, Abth. H, Bd.I p. 789—841 ; Bd. II bis 
p. 73. — Ich füge die bedauernde Bemerkung hinzu, dass die vorliegende 
Arbeit dem letzten, dann durch längere Krankheit und andere widrige 
Umstände verzögerten Abschluss bereits ganz nahe war, als die über 
das Preisthema hinaus bis 1376 fortgeführte Preisschrift D. Schäfer's 
„Die Hansestädte und König Waldemar'^ im Druck erschien (Juli 1879), 
80 dass ich nur ihre Angabe über das Werthverhältniss der damaligen 
lübischen Münze zu unserer jetzigen Reichsmünze und über den Tonnen- 
gehalt einer Last Häringe nachträglich noch ausgebeutet habe. 
» Munch a. a. 0. I p. 689 ff. 

1* 



Freund deutschen Bürgerthums, das mit seinem Verkehi-süberge- 
wicht auf dem nationalen Leben Dänemarks lastete, mochte ihnen 
längst bekannt sein und wurde unzweideutig klar mit jenem im- 
provisirten Eroberungszug, dem die Insel Gothland, die altehr- 
würdige Verkehi-smetropole der Ostsee erlag. Auf das Empfind- 
lichste wurde des Kaufmanns Interesse dadurch gekränkt, mehr 
noch als das der schwedischen Landesherrschaft. Die Trauer- 
botschaft aber von Wisbys Einnahme ward der Weckruf zu neuem 
und kräftigerem Leben der Hanse. Nicht als ob sogleich die 
zahlreichen Städte im weitgedehnten Eüstenlande Norddeutschlands 
sich zur Rache des geschehenen, zur Abwehr künftigen Unheils 
entschlossen zusammengestellt hätten, aber es traten doch die wich- 
tigsten, die wendischen, zu Greifswald zu einem energischen Kriegs- 
bund zusammen und versucliten zudem uicht ohne Glück, jene 
zur Unterstützung heranzuziehen. Nun nahm freilich ihr Waifen- 
gang wesentlich durch Verschulden der Vertragsbrüchigen nor- 
wegisch-schwedischen Bündner einen unglücklichen Verlauf, der 
ihr Selbstvertrauen und damit die Grundlage ihrer Vereinigung 
für einige Jahre wieder arg erschütterte. Aber es waren wenige, 
Dank der räuberischen, mehr von blinder Leidenschaft als klar- 
denkender Vernunft vorgeschriebenen Haltung des Däneuköuigs, 
der jetzt zwar mit seinen nordischen Nachbarn gut Freund, an 
den Holsteinern und Meklenburgern der schlimmen Feinde schon 
genug hatte, welchen letzteren in dieser Zeit eine über das miss- 
liebige königliche Regiment ausbrechende Adelserhebung und ihr 
eigenes Waffenglück die Krone Schwedens zugebracht hatte (1364). 
So standen denn die alten Erbfeinde der Dänen, die Holsteiner 
und die Meklenburger daheim und in Schweden entgegen der 
Coalition von Dänemark und Norwegen, die zuvor schon in der 
Verheirathung der dänischen Königstochter Margaretha mit dem 
norwegischen König Hakon ihren symbolischen Ausdruck gefunden 
hatte. In gradezu trunknem Uebermuthe reizte Waldemar nach 
einer kurzen, für ihn nothwendigen Friedensepisode die friedsamen 
Städter, so dass sie ihre Bedenken vor einem neuen Angriffs- 
kriege mehr und mehr aufgaben. Das Interesse der Städte von 
Ost- und Westsee war, wenn natürlich auch nicht ganz gleich- 
massig, bedroht und damit der Zeitpunkt gekommen, wo sich aus 
ihrem losen Nebeneinander eine fester geeinte Waffengenossen- 
schaft, die kölner Conföderation d. J. 1367 erheben sollte. Nun 



denke man niclit, dass etwa alle Hansestädte, wenn nicht durch 
eigene Gesandten, so durch Bevollmäclitigung der Theilnehmenden 
bei ihrer Bildung mitgewirkt hätten. Das ist so wenig der Fall, 
als dass sich nur hansische Städte darin verbanden. War dieser 
Begriff auch ziemlich dehnbarer Natur, so dürften doch die 
meisten niederländischen Gemeinden ihnen noch nicht zugehört 
haben. Andrerseits konnten sich nicht einmal alle bedeutenderen 
Seestädte, auf die man vor allem rechnen musste, wie beispiels- 
weise Hamburg und Bremen schon jetzt oder in nächster Zeit 
zum Beitritt entschliessen. Vier wendische, 3 preussische und 5 
süderseeische Gemeinwesen werden namentlich aufgeführt, ohne 
die Angabe einer vorgängigen Vollmachtstibertragung anderer, 
etwa benachbarter Communen. Indess ergibt sich einmal aus der 
Stiftungsurkunde ^ selbst, dass man sich der Zustimmung der heran- 
zuziehenden im Grossen und Ganzen sicher wusste und nach 
einem andern urkundlichen Zeugniss^, dass auch eine Autorisation 
einzelner Städte abseiten andrer, nicht weiter namhaft gemachter 
stattgehabt hatte. — Und was beschloss man nun? Man lebte 
dem Augenblick und seinen Erfordernissen, dachte nicht daran, 
die Idee eines dauernden, grossen, in sich verfassungsmässig ge- 
gliederten, staatsähnlichen Städtebundes zu fassen und auszuar- 
beiten. Was man beschloss, war nichts weiter als ein vorüber- 
gehender Kriegsbund gegen Dänemark und Norwegen, der Ent- 
warf eines ebenso einfachen, als wohl und sicher calculirten 
Kriegsplanes, die Festsetzung der Truppencontingente, die später- 
hin zum Theil abgeändert wurden, die Erhebung eines allge- 
meinen Pfundzolls zur Deckung der Kosten mit der Massgabe, 
dass jede Stadt, im Gegensatz zu dem für den ersten waldemari- 
schen Krieg beobachteten, schlecht bewährten Verfahren 3, für 
ihre Ausgaben und Schäden im übrigen selber aufzukommen habe, 
kurz nichts anderes, als alle zu dem bevorstehenden Unternehmen 
benöthigten Massnahmen allgemeiner Natur. Und doch genug. 
Ich glaube nicht, dass irgend ein Tag für die Ausbildung der 



^ Cf. Ltib. U. B. III, Nr. H48; H41) u. H. R. I Nr. 431: Schon nach 
6 Wochen begann er danach aufs neue die Feindseligkeiten. 

2 H. R. I Nr. 413 (11. Nov. 1367). 

3 Ebd. Nr. 418. 

* Ebd. Nr. 263 (p. 192). 



Hanse folgenreicher gewesen; in gewisser Weise ist er, wenn man 
so will, ihr Geburtstag. Alle diese Städte und Städtegruppen 
standen seit vielen Jahrzehnten in mehr oder weniger geregelten, 
vorherrschend kaufmännischen Beziehungen; jetzt aber wächst 
ihrem BegriflFsinhalte ein neues, mächtig einigendes Element hinzu, 
das ist die Gemeinschaft eines grossen, gewagten kriegerischen 
Unternehmens. Und wenn man kein rationelles Verfassungsschema 
ausgrübelte, in das nun hübsch accurat die Competenzen der ein- 
zelnen Städte und ihrer Gesammtheit sich eingeordnet hätten, so 
wurde doch mit dem kölner Verein die Grundlage ausgebaut, auf 
der die Hanse fortan stand und sich weiter bildete: die krieg- 
führenden Seestädte, die schon durch ihre natürlvche Lage an den 
hansischen Dingen am meisten interessirt waren, treten jetzt ent- 
schieden in den Vordergrund, die Binnenstädte, die gleichfalls, 
wenn auch kaum sehr dringend, zum Anschluss aufgefordert^, 
keinen Antheil an dem Feldzuge nahmen, in den Hintergrund; 
jene wurden wie ein grosser Ausschuss, der die hansischen Ge- 
schäfte fernerhin ordnete, ohne indess etwa grundsätzlich die 
bundesverwandten Landstädte von einer Mitwirkung auszuschliessen. 
Natürlich kann ich hier auf die weitere Vorbereitung des Unter- 
nehmens innerhalb der einzelnen Städtegruppen nicht eingehen; 
nur sei bemerkt, dass es die in der Greifswalder Conföderation 
Vereinten nur etwa halb so belastete als bei deren damaliger 
Expedition, und dann noch ein schneller Blick auf das Verhält- 
niss zu den Landesherren, den Holsteinern und Meklenburgern, 
geworfen. 

Schon vor der kölner Versammlung waren die Verhandlungen 
zwischen ihnen und den auch von den vereinten preussisch-nieder- 
ländischen Städten ^ bevollmächtigten wendischen ziemlich weit 
gediehen.^ Hier wurde des weiteren bestimmt, dass die letzteren 
auf ihr alleiniges Gewinn- und Verlustkonto hin, nur unbeschadet 
des Kaufmanns Recht sich mit den Herrn verbünden und für die 
übrigen Städte eine einjährige Allianz mit Ausschluss einer ein- 
seitigen Sühne auswirken möchten. Jenen selbst wäre es lieber 
gewesen, auch ihrerseits zunächst bloss für ein Jahr einen Bund 



» Cfr. z. B. H. R. I Nr. 418. 

2 Ebd. Nr. 403 (11. Juli 1367). 

3 Ebd. Nr. 411 § 2. 



einzugehen^, offenbar, weil er aiicli sein Missliclies hatte. Wie 
vielseitig verwickelt war nicht die Politik jenes höchst tüchtigen, 
aber in seltner Weise ländergierigen meklenburger Herzogs 
Albrecht! Leicht konnte es geschehen, so mochten sich die vor- 
sichtigen Rathmannen sagen, dass seine zahlreichen feindseligen 
Beziehungen zu benachbarten deutschen Fürsten sich in den 
Dänenkrieg verwoben und dann auch ihnen noch andre Pflichten 
und Aufgaben aufbürden würden, als die Niederkämpfung der 
nordischen Feinde. Dabei galt es noch Zwistigkeiten zwischen 
den Contrahenten zu vertragen^, und zudem war der Ausgleich 
der nur zum Theil zusammentreffenden, sonst auseinanderstreben- 
den Interessen durchaus keine Kleinigkeit. So musste der un- 
glaublich radicale Plan einer Auftheilung des dänischen Reiches, 
zu dessen Durchführung sich während jener Verhandlungen 
die beiden Landesherrschaften unter einander verbanden ^ den 
Städten entschieden missfallen, die Anlass genug hatten, eine 
solche Vernichtung dänischer Selbständigkeit zu Gunsten jener 
zu fürchten; wie denn überhaupt ihre allgemeine Politik 
auf einö möglichste Conservirung der vielgetheilten, sich in 
sich selbst beruhigenden Staatenwelt des Nordens hinausgehen 
musste und hinausging. Aber nach wiederholten Verhand- 
lungen kam es am 2. resp. 20. Februar 1368 auch zwischen ihnen 
und den Herren zum definitiven Bunde ^, dem sich hochverräthe- 
rischer Weise als eine weitere Angriffsmacht eine mit den Hol- 
steinern schon übereingekommene Verschwörung^ unter dem jü- 
tischen Landesadel beigesellte.^ Mit der wendischen Städteab- 
theilung ward er auf zwei Jahre, mit den beiden übrigen auf eins 
abgeschlossen. Die Beziehung zu den Meklenburgern war wegen 
der schwedischen und künftigen schonischen Privilegien bedeut- 
samer als die zu den Holsteinern, und so sehn wir jene im Unter- 
schied von diesen durch die 4 wendischen Städte veranlasst, für 
die Zeit der Verbindung ihnen eine nur wenig bedingte pfand- 



> Ebd. Nr. 421 § 13. 

2 Ebd. Nr. 421 § 24. 

3 Schlesw. Holst. Lauenb. Urkdslg. H p. 270, 277 (25. Jan. 1368). — 
H. R. I Nr. 424. 

* Ebd. Nr. 427 § 1—6. — Lüb. ürkdb. III Nr. 662. 

* H. R. Nr. 425. 

» Ebd. Nr. 427 § l. 



8 

weise Abtretung zweier Landesschlösser, Ribnitz und Wittenberg, 
mit zugehörigen Ortschaften zu gewähren, unter der Bestimmung, 
dass sie bei Verletzung gewisser Traktatvorschriften in dauerndes 
und bis auf Kirchlehn und ritterliche Mannschaft unbeschränktes 
Eigenthum tibergehen sollten. Merkwürdig genug, die meklen- 
burgischen Herren garantiren den Städten, aber diese nicht ihnen, 
und doch sollte gerade ihnen der weitere Gang der Dinge den 
nicht unbegründeten Vorwurf vertragswidriger Haltung einbringen. 
Und unter ihnen sind gar zwei landsässige des Meklenburgers 
selbst. Deutlich tritt hierin jener staatsrechtlich eigentlich un- 
definirbare, zumeist auf der Macht der Gewohnheit und der Ver- 
hältnisse ruhende Doppelcharakter dieser Städte hervor, der in 
der Geschichte der nächsten Jahrzehnte seine besondere Bedeu- 
tung haben sollte: der Landesherr verbürgt sich wie Macht zu 
Macht gegen seine Unterthanen. 

König Waldemar versuchte vor dem kölner Tage noch ein- 
mal Verhandlungen zu friedlichem Ausgleich anzuknüpfen, zu 
denen sich die Städte dort, sicherlich von Anfang an von ihrer 
Fruchtlosigkeit überzeugt, bereit erklärten.^ Am verabredeten 
Tage der Zusammenkunft, jenem 2. Februar tiberbrachten jedoch 
zwei adelige Abgesandten des Königs nur die Zumuthung, einen 
neuen Tag zu halten^; ganz die alte Art desselben, die verhassten 
Städte am Narrenseil von einer ergebnisslosen Verhandlung durch 
die andre zu schleppen, unter dem Deckmantel der Schönthuerei 
sie mit immer neuen Gewaltschlägen zu treffen. Mit den Be- 
schwerden bei Papst, Kaiser und Fürsten, die er androhen liess, 
pfuschte er nur seinen Gegnern ins Handwerk, die diese längst 
beabsichtigten und theils eben jetzt theils einige Wochen später 
erliessen. ^ Rund heraus erklärten die versammelten Sendeboten 
der 4 wendischen Städte in einer Zuschrift an den König die 
Verwerfung neuer Unterhandlungen ^ und spannten damit das 
Verhältniss zu ihm so, dass nur dessen völlige Nachgiebigkeit oder 
der Krieg die Lösung bringen konnten; bei seinem Charakter nur 
der letztere. 



» Ebd. Nr. 415. 

2 Ebd. Nr. 427 § 9. 

3 Ebd. Nr. 431. — Lüb. U. B. Nr. 468, 469. 
* H. R. I Nr. 429. 



9 

Im Rücken suchten sicli die Verbündeten durch Neutralitäts- 
verträge mit Graf Adolph von Holstein und Herzog Erich von 
Lauenburg, den Freunden Waldemar's zu decken ^, und mit Sieges- 
zuversicht konnten sie nun den Kampf, der besonders für den 
glücklichen Fortbestand der Hanse von entscheidender Wichtigkeit 
werden musste, aufnehmen. Der Verlauf des Krieges, der um 
Ostern 1368 seinen Anfang nahm , kann ich natürlich hier nicht 
näher verfolgen. Die eigentlich entscheidende Macht waren un- 
streitig die Städte. Norwegen wurde durch ingrimmige Ver- 
heerungen der stiderseeischen sehr bald zum Vertrag gezwungen 
auf nicht ganz ein Jahr 2, der kommenden Jahres wieder verlängert 
wurde 3, um bis zu seiner Verwandlung in einen vollen Frieden 
noch zweimal dasselbe Schicksal zu erfahren. — Waldemar hatte 
sich zuvor in einsamer Flucht („nemine prosequente" *) ausser 
Landes nach Deutschland begeben, um der ihm über den Kopf 
wachsenden Gefahr „unköniglich, aber schlau wie immer" auszu- 
weichen. Den Reichsrath, an seiner Spitze den in letzter Zeit 
schnell vom einfachen Ritter zum Präfecten (gellkor) von Schonen 
und dann zum Reichshauptmann avancirten Henning von Putbus '^, 
beauftragte er mit der interm istischen Führung der Regierungs- 
geschäfte und den Herzog Erich, wie es sich anlässt, mit der 
Vertheidigung des Reiches.^ — Im Ganzen war es — von Hel- 
singsborgs heldenmüthiger Ausdauer abgesehen — nur ein schwacher 
Widerstand, den die Dänen den andrängenden Feinden entgegen- 
stellten; nirgends zeigt sich eine Spur von einer energischen Con- 
centration der Streitkräfte; jene aber drangen verwüstend und 
belagernd vorwärts, und schon Anfang des Sommers sahen sich 
die StUdte im Besitz der meisten schonenschen Küsten Schlösser. "^ 
— Und hatte König Waldemar auf die Rivalität der interessirten 
deutschen Fürsten, besonders gegen die Meklenburger gerechnet. 



» Ebd. Nr. 427 § 7, 8; 43H § 8, 9; 433. 

2 Ebd. Nr, 475 § 14 (469 § 24). 

3 Nr. 503 ff. (cfr. 475 § 2 ; 489 § 23 etc.). 
* Langebek. Script, rar. Dan. VI p. 631. 

5 H. R. I Nr. 277 (p. 208); p. 321, Nr. 388 § 14; 513 etc.; später 
H. R. n Nr. 134 (Olavs Urkunden v. 14. Aug. 1376). 

« H. R. I Nr. 488 

' 24. Juni wird die schonische Reise in beschränktem Umfange frei- 
gegeebn, ebd. Nr. 469 § 6; 495 § 2. 



10 

80 hatte er sich nur darin gctäusclit, dass diese ihm zum Heil 
ausschlagen würden. Jetzt wo seines Reiches Niedergang ausge- 
macht schien, traten allerdings der Lauenburger, Braunschweiger 
und Brandenburger in den Kampf gegen Herzog Albrecht von 
Meklenburg, dem sie übrigens aus anderen Gründen schon abhold 
genug waren, ein, nicht aber, um dem König seinen Staat zu 
retten, sondern für sich selbst jenem die Beute zu entreissen. 
Der ebenso kriegskundige als staatskluge Herzog aber wies alle 
diese Dränger, zu denen noch die pommerschen hinzukommen, 
siegreich zurück und zwang sie zum Frieden.^ — In diesem Ge- 
wirre ringsum aufstehender Gegner mochte dem Reichsrath ein 
baldiger Friede mit den Städten als die nächste und rettende Zu- 
flucht erscheinen; sie waren die wenigst prätensiösen Feinde und 
dabei die stärksten; und für ihre Bereitwilligkeit, auf einiger- 
massen für Dänemark erträgliche Bedingungen abzuschliessen, 
bürgte schon ihr eignes merkantiles Friedensbedürfniss. Bereits 
im ersten Kriegsjahre machte es sich bemerkbar, und das zweite 
durchzog eine Reihe von Verhandlungen, die im August zur Con- 
ception der hauptsächlichen Friedensbedingungen führten und am 
21. October offenbar ihren wenigstens vorläufigen formellen Ab- 
scjiluss finden sollten.*-^ Allein waren die Städte auch aus allen 
3 Abtheilungen der Conföderation in auskömmlicher und beschluss- 
fUhiger Zahl erschienen, so verhinderte ungünstiges Wetter die 
Herüberkunft einer ausreichenden Anzahl dänischer Gesandten^, 
und musste sich daher die Versammlung darauf beschränken, die 
Zeit durch fleissige Berathung der städtischen Angelegenheiten 
auszufüllen; es ist ein inhaltreicher Recess *, der sie registrirt. Er 
zeigt die siegreichen Städte in vollem, energischem Zusammen- 
wirken. Ihre Friedensgedanken, die immer festere Gestalt ange- 
nommen hatten, verdrängten nicht den Plan neuer und noch wirk- 
samerer Operationen für das nächste Jahr, wenn nicht inmittelst 
ein abschliessendes Verständniss erreicht werde. Die ganze natur- 
wüchsige Derbheit unserer Vorfahren und zugleich die planmässige, 
rücksichtslose Verfechtung ihrer gewichtigen Interessen kommt in 



' Bes. ebd. p. 464 ff.; p. 501 ff. 

2 Ebd. Nr. 488; 489 § 5, 12; 495 § 1 ; III. Nr. 32. 

3 Ebd. 

* Ebd. I Nr. 510. 



11 

den Vorlagen' für den heimisclien Ratli zum Vorsclicin, wenn es 
da heiast, man solle mit aller Macht die See frieden, in Dänemark 
brennen, rauben, SchiflFe nehmen und verbrennen und nach Herzens- 
lust und Leibeskräften Schaden thun, den im künftigen Führjahr 
eine Schaar von 200 Reitern auch in das bisher weniger betroffene 
Binnenland tragen soll. 

Vor anderem aber drängte sich die Frage auf, wie man sich 
in Betreff einer Verlängerung der Bünde mit den Landesherm 
verhalten solle. Eine Partei räth ab, die andere zu. Interessant 
ist, den Grund jener zu vernehmen: „Wenn man etwas zu Händen 
haben wolle, so lasse man sich mit den Herrn un verbunden." — 
Unzweifelhaft waren die Städte schon völlig über die Friedens- 
postnlate unter sich einig, mindestens halb auch mit den Dänen; 
eins der wichtigsten war die zeit- und pfandweise Abtretung der 
4 schonenschen Vogteien. — Bei gleicher Wehre, so rieth die 
Gegenpartei, sollten Landesherrn und Städte wieder im Felde er- 
scheinen; der Beibehaltung derselben Pflichten entsprach dann 
sicher die der bisherigen Rechte. Die hansischen Verpflichtungen 
gegen die Holsteiner sind nicht näher bekannt; diese kamen aber 
überhaupt bei jener Frage weniger in Betracht; mochten sie sich 
immerhin in Jütland ausdehnen, das berührte wenigstens so un- 
mittelbar nicht hansische Interessen. Den Meklenburgern aber 
hatten die wendischen Städte für den Fall einer gemeinsamen 
Sühne die Landesherrschaft über Schonen gewissermassen im 
Voraus zuerkannt; jene dagegen diesen die zeitweilige Abtretung 
der Hälfte der dort gewonnenen Schlösser. ^ Allein wie viel schwerer 
mochte es sein, den Dänen statt einer zeitweiligen eine definitive 
Abtretung und zwar von ganz Schonen abzuringen? Sehr möglich, 
dass jene Begründüng die Thatsache einer entschiedenen, ver- 
zweifelten Opposition derselben hiegegen voraussetzt, während sie 
sich mit einer vorübergehenden Verpfändung an die Städte höchst 
wahrscheinlich schon einverstanden erklärt hatten. Wäre nicht 
der Frieden, auf dessen baldiges Zustandekommen den Städten 
im Interesse ihres Handels so viel liegen musste, in weitere Ferne 
gerückt? — Und wenn Schonen wirklich an Meklenburg resp. 
Schweden kam, wie dann? Die Städte bekamen dann wohl die 



» Ebd. § 11. 

3 Lüb. U. B. m Nr. 662. 



12 

Hälfte der erworbnen Schlösser, aber ob diese grade die für sie 
So ungemein wichtigen Ktistenschlösser am Sunde umfasst hätte? 
Auch kann ich in der Ueberzeugung , dass die betreffende Be- 
stimmung nur auf die wendischen Städte Bezug hatte, nicht glauben, 
dass die Dauer der meklenburgischen Verpfandung, die noch 
zwei Jahre über den Ersatz ihrer Kriegsausgaben hinaus in sich 
begreifen sollte, der Pfandzeit gleichgekommen wäre, welche mit 
den Dänen nach Massgabe der vor dem Kriege erlittnen Verluste 
aller conföderirten Städte stipulirt wurde. Der Umstand freilich, 
dass — jene Ueberzeugung zunächst als richtig vorausgesetzt, — 
die meklenburgische Verpfändung nur den genannten Städten zu 
Gute kommen sollte, dürfte kein Grund für die anderen gewesen 
sein, eine dänische auf die ganze Conföderation ausgedehnte Pfand- 
verleihung zu wünschen, da sich jene bezüglichen Vertragsbe- 
stimmungen sicher ohne Schwierigkeit modificiren Hessen, und es 
den Städten ohnedies natürlich unbenommen war, die Nutzungen 
und Erträge, um die es sich auch bei der nachherigen dänischen 
Pfandnahme allein für die ausser jenen Stehenden handelte, durch 
Uebereinkunft unter sich zu verth eilen. — Einen weiteren Grund 
aber, den Uebergang Schönens in die Hände der Meklenburger 
zu hindern und zu dem Ende die Verlängerung des ihnen dabei 
so förderlichen Bundes zu unterlassen, mochte folgende Erwägung 
ergeben. Schonen war seit Alters ein dänisches Territorium, und 
wenn unglückliche Verhältnisse Waldemar einst zur Abtretung 
desselben genöthigt hatten, so hatte er sicher von vornherein auf 
seinen Rückerwerb gehofft und wie wir schon wissen, diesen dann 
auch verwirklicht. Dass das dänische Reich wenn etwa zu for- 
meller Aufgabe gezwungen, nicht wirklich auf diesen reichen, un- 
schätzbaren Landestheil verzichten würde, war gewiss; dass die 
Landeseinwohner, alte Dänen, höchst widerwillig den abermaligen 
Wechsel ihrer angestammten Obrigkeit hinnehmen würden, war 
wohl gleichfalls gewiss. War nicht ein ewig unruhiger Zustand, 
Krieg, Fehde, Renitenz die unausbleibliche Folge? Sie aber zu 
verhüten, hatte die Hanse ein dringendes Interesse. Ihrem Handel 
war ein leidlicher Friede des Meeres eine wahre Lebensfrage und 
nun gar ein leidlicher Friede in Schonen, ihrem so überaus wich- 
tigen Verkehrs-, Stapel- und Fischereiplatze! Der aber liess sich 
nur bei der Fortdauer der alten staatsrechtlichen Verhältnisse des 
Landes erwarten. 



13 

Am durcbschlagensten jedoch für die einer Bundesver- 
längerung abgeneigte Partei mag ein Grund gewesen sein, der 
in einer noch wichtigeren Frage der nächsten Jahre auf's 
neue seine Kraft bethätigte. Wir bemerkten schon, dass die 
Vielheit der selbstherrlichen politischen Gewalten des Nordens 
den Städten eine gewisse Garantie ihrer Sicherheit gab. Diese 
für sie so glückliche Vertheilung fürstlicher Macht war schon 
durch die meklenburgische Erobrung von Schweden nicht un- 
wesentlich verschoben. Vollzog sie sich auch — von der ge- 
ringfügigen, in Zufuhr bestehenden Beihülfe der landsässigen meklen- 
burgischen Städte abgesehn ^ — durchaus nicht wie die entthronte 
Dynastie klagte^, mit Unterstützung der Hanse, so mag ihr 
im Sturm und Drang des Augenblicks, wo der Macht- Zuwachs 
und Missbrauch des Dänen alles Interesse in Anspruch nahm, 
jeuer zugleich diesen treffende Schlag immerhin willkommen ge- 
wesen sein; aber am letzten Ende geschah die Bekämpfung des 
einen Uebels durch ein gleichartiges, die Steigrung der meklen- 
burgischen Macht Und nun streckte ihr Hauptvertreter, der nach 
dem Vorgang seines Vaters mit Glück immer mehr den zuvor 
ziemlich unbedeutenden Machtcomplex seines Hauses abzurunden 
und zu grösseren suchte, im Verein mit den allzeit beutelustigen 
holsteinischen Grafen auch nach der zweiten und kostbarsten Krone 
des Nordens seine begehrliche Hand aus. Und wenn er schliesslich 
wohl am völligen Gelingen dieses kecken Griffes selbst verzweifeln 
mochte, des Erwerbes von Schonen für sein Haus durfte er sich 
sicher halten, wenn die Städte ihm nicht durch rechtzeitigen 
Separatfriedensschluss den Pass verlegten. Dies Landgebiet war 
aber nicht bloss durch seine territoriale und merkantile Bedeutung 
für das meklenburgische Machtsystem wichtig, sondern auch durch 
seine geographische Lage; es wäre der Schlussstein desselben ge- 
worden, wie es jetzt noch eine sehr wesentliche Unterbrechung 
seines Gefüges bedeutete. Wie es mit seinen vielen festen Schlössern 
Dänemark eine Aggressivstellung gegen den schwedischen Nachbar 
darbot, so strich sein Uebergang in dessen Besitz nicht nur diesen 
hinweg, sondern formte zugleich positiv eine viel stärkere com- 
pactere Angriffsmacht aus dem gesammten Länderbestand seines 

» H. R. 1 Nr. 315 § 2. 
» Ebd. H Nr. 4 § 5. 



14 

Hauses. Diese Erwägung wird ebenso sehr zu dem ablehnenden 
Verbalten der Städte gegen einen derartigen Besitzweebsel bei- 
getragen haben als zu dem der Dänen, welches ich oben voraus- 
setzen zu dürfen glaubte. Unter allen am meisten muste sich 
Lübeck durch ihn beklemmt und beunruhigt fühlen. Seine Politik 
ging in diesen Jahrzehnten darauf aus, sich durch pfandrecht- 
liche Erwerbungen von Schlössern und Landschaften z. B. lauen- 
burgischer^, Haltpunkte gegen die Gefahren zu schaffen, die sich 
aus seiner merkwürdigen Lage ergaben. Lübeck lag wie eine 
einsame Insel in einem weiten Umkreis fürstlicher Territorien; 
alle anderen Bundesstädte an der Ost- und Westsee und weitaus 
die meisten binnenländischen waren landsässig, und so frei und 
oft genug widerhaarig sie auch zu ihrer Landesherrschaft stekn 
mochten, sie fanden an ihr doch einen wirksamen Schutz gegen 
ihre fürstlichen Feinde. Lübeck sah sich dagegen in dieser Hin- 
sicht zunächst ganz auf seine eigenen Kräfte gestellt. Seine Ober- 
herrn, die Kaiser hatten sich längst entwöhnt, in die fernliegenden 
nordischen Verhältnisse energievoll einzugreifen und mehr noch, 
die reichsstädtischen Unterthanen dort zu bevorzugen oder nur zu 
schirmen. Was der derzeitige Kaiser Karl, der besonders in 
Rücksicht auf den Erwerb der Marken jenen Dingen grössere 
Aufmerksamkeit zuwandte, den letzteren au Gunstbezeugungen 
erwies, geschah nicht sowohl aus Fürsorge für das Fortgedeihn 
der mächtigen Commune als eben aus dynastischem Interesse. — 
Auch den pommerschen Städten Stralsund und Greifswald konnte 
eine solche Machtsteigrung des schon sattsam gefährlichen Meklen- 
burgers, die ihre Landesherrschaft und damit sie selber bedrohte, 
nur höchlich missfallen. Und wenn etwa Rostock und Wismar 
einer anderen Anschauung gehuldigt haben, so lag ihnen doch 
eine leidenschaftliche, wenn man so will patriotische Vertretung 
derselben fern; sie fühlten sich hier wohl mehr als Hanse- denn 
als Landstädte und dürften überdies bei allem Ansehn ihrer Bundes- 
stellung auch nicht im Stande gewesen sein, eine erfolgreiche 
Opposition gegen den entgegengesetzten Willen jener Städte zu 
Wege zu bringen. Deren, besonders Lübecks überragender Ein- 
fluss musste vielmehr im Verein mit den nachgewiesenen allge- 



1 Verpfändung von Mölln, Ltib. U. B. III Nr .323; Verpfändung von 
Stormarn mit Trittau und Oldesloe, Lüb. ü. B. IV Nr. 257. 



15 

meinen Interessen etwa zweifelnde Städte in ihre Bahn zwingen. 

— Zu alledem kommt das conerete gespannte Verhältniss, in das 

Lübeck vornehmlich, zu dem Herzog Albrecht gekommen war. 

Es sind uns gltloklicherweise zwei werthvoUe Aktenstücke eines 

iai J. 1373 von beiden geführten schiedsrichterlichen Processes 

erhalten, deren Inhalt durchgehends mit ihrem Kriegsbündniss 

von 1368 — 1370 in Zusammenhang steht, ohne freilich immer 

genau chronologisiii; werden zu können. — Herzog Albrecht klagt 

in seiner Klagschrift gegen die Lübecker, dass sie ihm in seiner 

Fehde mit Markgraf Otto von Brandenburg, deren Ursprung in 

den dänischen Wirren gelegen habe und zum guten Theil lag, in 

vertragswidriger Weise die angerufene Kriegshülfe versagt, und 

sich mit Vermittlungsversuchen begnügt hätten. Diese repliciren, 

Otto habe auf ihre Anfrage mit der Angabe andrer Kriegsgründe 

geantwortet \ und sie hätten mit ihrer bloss diplomatischen Thätig- 

keit daher soviel zu seinen Gunsten gethan, als sie von ihm in 

gleicher Lage hätten ei*warten und beanspruchen können. In dieser 

unklaren und dehnbaren Form nämlich war in der Bundesurkunde 

die Mithülfe für alle aus dem dänischen Kriege resultirenden Händel 

bestimmt 

Auch der junge lauenburger Herzog Erich hatte trotz der 
mit seinem jüngst verstorbnen Vater ^ geschlossenen Neutralitäts- 
verträge die Meklenburger in Deutschland angefeindet. Albrecht 
forderte wieder Hülfe, Lübeck versucht es von neuem und erfolg- 
reich mit einer Vermittlung. Da jener sie aber nicht einhielt, 
wie sich das nicht allein aus Lübecks Replik, sondern auch aus 
dem Beschwerdeschreiben des dem Lauenburger verbündeten Mark- 
grafen ergibt ^ so dürfte die Stadt zu keiner neuen Unterstützung 
vertragsmässig pflichtig und somit des Herzogs Klage, die dem 
widersprach, ungerechtfertigt gewesen sein. Im Zusammenhang 
mit der neu ausbrechenden Fehde kam es nun gar zu directen 
Misshelligkeiten zwischen den Lübeckern und Meklenburgern, indem 
sich diese nach der Angabe jener Uebergriffe auf lübischem Grund 
und Boden erlaubten. Sie gaben das Object für den schieds- 



» H. E. n Nr. 48, 49 (p. 21); Lüb. U. B. III Nr. 677. 

2 H. ß. I p. 446, Anm. I. 

3 Lüb. U. B. III Nr. 703. 



16 

richterlichen Process, den beide Parteien dem lübecker Bischof 
Bertram 22. Mai 1370 mit identischen Erklärungen in die Hand 
gaben ^; er endete mit der Verurtheilung des Herzogs zu der er- 
heblichen Summe von 1000 löth. 7/^ (ca. 3000 lüb. 7/1^ = 
ca. 210,000 Rm. — Ich setze 1 löth. 7^^ nur 3 lüb. gleich, was 
nach D. Schäfer, a. a. 0. p. 207 nicht dem wirklichen, sondern 
nur dem in den Urkunden oft angegebenen Werthverhältniss ent- 
spricht. — 1 lüb. 772^ dem Courswerth nach = etwa 70 heutige Rm. 
nach demselben Autor , dessen weitere Münzangaben (p. 208) ich 
im Folgenden zu Grunde lege. — Wohl nur in Folge eines 
Schreibfehlers wird p. 208 eine sundische 777^ = V2 statt = 
2/3 lüb. 777^ gesetzt.) 

Weiter beschwerte sich dieser über die unzulängliche, vei*- 
trags widrige Ausrüstung der städtischen Contingente, eine Behaup- 
tung, die nachweisbar falsch 2, als solche auch von den Lübeckern 
zurückgewiesen wurde. Auch die Vertheilung der Gefangenen 
und Einnahmen im Kriege erschien ihm als sehr ungerecht, wo- 
gegen diese sie als eine ihm vortheilhafte ausgaben. 

Ein weiterer Klageartikel des Herzogs besagt, dass die Städte, 
insbesondere Lübeck die Zusage, alles feindliche Gut auf der alt- 
dänischen Insel Rügen zu ^verdingen" und von dem Ertrag ihm 
seinen Antheil zu geben, durch die sie seine ferneren Schädigungen 
verhindert, nicht innegehalten hätten, während Lübeck es für 
notorisch erklärt, dass keinerlei „dingnisse^" von dem Insellande 
eingekommen sei. Es dürfte schwer nachzuprüfen sein, auf wessen 
Seite in diesem Falle das grössere Recht lag. 

Auch die Uebergabe Helsingörs an ihn sei im Widerstreit zu 
dem Vertrage unterblieben, worauf die Lübecker entgegnen, dass 
die Veste ;,mit Eintracht der Herren und städtischen Hauptleute, 
die dazu im Felde waren", gebrochen sei. 

Ich glaube nicht, dass der Herzog, wofern er überhaupt und 
nicht Lübeck, dessen Klage- und Beweisacte leider nicht erhalten 
ist, die Initiative zu dem Processe gab, mit ähnlichen Beschul- 
digungen gegen noch andere, vornehmlich wendische Städte klagbar 
wurde, obschon die hier vorgebrachten zum Theil wenigstens auch 
sie mit betrafen. Er wird sich mit seinen eigenen Städten dann 



« Ebd. Nr. 715, 716. 

^ Cfr. z. ß. H. K. I Nr. 421 § 1— 10. 



17 

wohl arrangirt haben, und überdies war ja Lübeck die leitende 
Stadt des Ganzen. Sehr schade, dass der Ausfall des Processes 
nicht überliefert ist; in einer völligen Schuldloserklärung der 
Lübecker dürfte er aber bei der offenbar bewährten Unparteilich- 
keit des auch bei den ersten Irrungen angerufenen Richters wegen 
der schonenschen Schlösser, worüber später noch ein Wort, kaum 
bestanden haben. 

Ein andres Aktenstück, ein Bericht des Raths von Mölln an 
den lübischen tritt diesen Nachrichten für unsern Zweck ergänzend 
zur Seite ^; es erzählt, dass die Meklenburger und zwar auch 
der Herzog selbst in jenem langjährigen Pfandbesitz Lübecks sich 
räuberische Uebergriffe , namentlich auch Viehdiebstähle erlaubt 
hatten, deren Objecte sich auf einige 1000 7/1^ schätzungsweise 
beliefen. — Es konnte nicht anders sein, diese Dinge mussten für 
Lübeck und das Gros der Städte, wenn es noch einer Unterstützung 
ihrer Meinung von der Unvortheilhaftigkeit der Fortsetzung des 
fürstlichen Bundes und einer Verstärkung ihrer Neigung zu einem 
einseitigen Friedensschlüsse bedurfte, die Wagschale tiefer sinken 
machen. Die Herren selber scheinen, wie man aus den Verhält- 
nissen und auch der Fassung der betreffenden Recessstelle ent- 
nehmen darf, zu einer Erneurung der Allianz geneigt gewesen 
zu sein. 

Ja, aber wie konnte denn, war Interesse und Politik der 
Städte im Allgemeinen so klar gegeben und vorgezeichnet, eine 
andre nennenswerthe Partei zu dem entgegengesetzten Vorschlag 
gelangen? Nun der Friede mit den Dänen war, wie aus den an- 
geführten Beschlussnahmen unsres stralsunder Tages deutlich 
hervorgeht, noch nicht vollauf gesichert. Und wurde die Fort- 
führung des Krieges nothwendig, dann war die fürstliche Beihülfe 
immerhin nicht zu unterschätzen, wenn gleich der Hansen energischer 
und mittelreichster Kriegführung überwiegend der glückliche Fort- 
gang zuzuschreiben war. Und was für ein sonderbares Verhältniss 
hätte es nicht gegeben, wenn die bisher vereinigten Mächte, nun 
jede für sich das räumlich kleine Inselreich angegriffen! Sie 
hätten befahren können, grade bei dem im Zweck gleichen, aber 
nicht combinirten Vorgehn einander ins Gehege und in die Haare 
zu gerathen. Und wie, wenn dann eine kluge dänische Diplomatie 



« Liib. U. B. III Nr. 706. 

Denioke» Beziehungea der llaaüeätädte otu. 2 



18 

sich vielleicht mit den Fürsten, die ihre hochfliegenden Pläne 
ohne städtische Hülfe gar nicht durchsetzen konnten, abfand, ver- 
ständigte? Wäre nicht die Situation der Conföderirten jedenfalls 
ungünstiger geworden? So mochten die meisten derer denken 
und darthun, die den Fortbestand des Bundes empfahlen, eben 
deshalb empfahlen, weil sie von der Fortdauer des Krieges aus- 
gingen. Sie sagten selbst: „were dat men ^rloghen moste." Aus 
welchen und wie vielen Mitgliedern sich die jedenfalls nicht ganz 
unbedeutende Partei zusammensetzte , verschweigt der Recess. 
Wahrscheinlich aber haben ihr auch die meklenburgischen Städte 
in naheliegender Rücksicht auf ihre Landesherrschaft zugehört 
Indessen wurden die vom schlechten Wetter daheim zurück- 
gehaltenen Reichsräthe^ vergebens von den Rathsboten erwartet, 
und es ward nöthig, den Termin um einige Wochen zu ver- 
legen, ohne dass der Recess dieser Angelegenheit gedächte. Vom 
30. November, unzweifelhaft nicht dem Anfang, sondern dem Ende 
der Verhandlungen, sind die Urkunden datirt, in welche die Städte 
im Unterschied zu dem früheren Concept noch eine näher nicht 
mehr erkennbare Vermehrung der Freiheit hineinbrachten. ^ Leider 
ist mit dem Recess, wenn es einen solchen überhaupt gegeben hat, 
alle eingehendere Kunde von dem geschäftlichen Hergang zu 
Grunde gegangen. — Ein grosser Theil der Boten aus den fern- 
liegenden Städten mag nach der letzten Versammlung diese neue, 
so wichtige in Stralsund oder Umgegend abgewartet haben. Fest 
steht es nur von den Harderwikern , die aber am 16. Nov., also 
kurz vor dem Beginn der neuen Zusammenkunft, die Nachricht 
von dem Ausbruch einer Landespest nach Hause berief, und nicht 
minder wohl von einem Rathmann aus dem preussi scheu Drittel, 
an den jene diesem näher Verbundenen sich mit der Bitte um 
beste Vertretung ihrer Stadt wandten. Man darf mit Rücksicht 
auf den Ausdruck Landespest auch die Heimkehr der nächst- 



» H. R. in Nr. 32. 

^ H. R. lU Nr. 41. — Da ich fortan das gesammte, in den 3 ersten 
Recessbänden für die dänisch-norwegischen Beziehungen der Hansestädte 
bis 1376 vorliegende Material und zwar in durchgängigem Anschluss 
an die Chronologie der Versammlungen, nach der es dort gruppiit ist, 
meiner Darstellung einzuarbeiten versucht habe, so halte ich des Wei- 
teren nur für nöthig, verstreute dahin gehörige Nachweise besonders 
zu verzeichnen. 



19 

belegenen süderseeischen Städte vermuthen, sie aber mit Gewiss- 
heit ebenso wenig behaupten, als unter Hinweis auf die einseitige 
Adresse jener Bittschrift, die Abreise des anderen preussischen 
Vertreters auf der vorigen Versammlung. Zudem wird uns die 
Anwesenheit eines ungenannten aber wohl mit dem auf der vorigen 
Tagfahrt identischen livländischen Vertreters und dann noch zweier 
lübischer Rathmänner bezeugt, von denen der eine jener nicht 
beiwohnte. Neben Lübeck und Stralsund ist aber auch die Be- 
theiligung der hervorragendsten anderen wendischen Städte, so 
Rostocks, Wismars, Greifswalds, Stettins nicht zu bezweifeln. Genug 
es wird eine respectable Anzahl städtischer Abgeordneter bei- 
sammen gewesen sein. Auch viele Rathgeber des hochgeborenen 
Fürsten Waldemar, der Reichshauptinann, Schlossvögte, Ritter und 
Knappen waren herübergekommen, in summa ihrer 25. Aber 
waren es schon nicht sämmtliche weltliche Mitglieder des Reichs- 
raths, so fehlte es an geistlichen merkwürdiger Weise gänzlich, 
obgleich von keiner ausdrücklichen Bevollmächtigung, weder einer 
coUectiven noch individuellen nach dem Mangel einer diesbezüg- 
lichen Angabe die Rede sein kann. Es heisst bloss: „mit Rath 
des gemeinen Reiches.'' Aber die Erschienenen, weitaus die 
Mehrheit des Reichsraths, durften sich der Zustimmung ihrer geist- 
lichen und weltlichen Genossen daheim, die sie in den Urkunden 
freilich nicht reservirten, für versichert halten, wenn sie auf die 
klägliche Situation ihres Vaterlandes blickten. Zwei Jahr schon 
durchtobte es dieser Sturm und Drang des Krieges, und ihr Herr 
schweifte fern umher, gewiss redlich bemüht. Hülfe zu finden, 
aber wenig glücküch im Erfolg. Der Krieg hatte furchtbar ver- 
heert: besonders die Küsten am Sunde waren die Zielpunkte der 
austobenden Wnth der tief gekränkten Städte gewesen, während 
die holsteinischen Grafen in Jütland herrschten und hausten, und 
die Meklenburger hauptsächlich Schonen angriffen. Viele, darunter 
sehr wichtige Schlösser waren übergeben, so vor kurzem erst 
auch das feste Helsingborg; das von Kopenhagen und Helsingör 
überdies zerstört^, der aufblühende Hafen von Kopenhagen durch 
versenkte Schiffe vernichtet*^, drei Opfer des radical monopo- 



» H. R. I Nr. 495 § 3; II Nr. 49 S 4. 

2 Ebd. I Nr. 469 § 4, 23 ; Nr. 484 im Anfang. 



20 

listischen Handelsgeistes der angreifenden Städte. War eine Weiter- 
ftlhrnng des Krieges nicht wahnwitzig, schlag sie nicht bloss 
tiefere Wunden? Oder gab es noch Aussicht zögernd zu ge- 
winnen ? Gewiss nicht. Die Städte waren einträchtig und mächtig 
nach wie vor und konnten, galt es, eine noch viel grössere Heeres- 
kraft in den Kampf führen. Auch die Aufgabe des Bundes mit 
den Landesherrn hätte ihre kriegerische Lage kaum wesentlich 
verschoben. Genug, es war hohe Zeit für Dänemark mit seinem 
mächtigsten Feinde Friede zu machen, bevor mit dem nächsten 
Frühjahr von ihm neues und grösseres Unheil hereinbrach. 

Wie für die Dänen, so waren auch für die Städte die Ver- 
einbarungen dieses Tages trotz ihrer Bezeichnung als finalis com- 
positio von Seiten des livländischen Boten nur vorläufige, nur Präli- 
minarien. Vorsichtig Hessen die Sendeboten von ihren Compacis- 
centen ausdrücklich sich verbriefen, dass sie nur nach den nöthigen 
Transactionen mit den verbündeten Fürsten und Städten, die nicht 
vertreten waren, den Frieden annehmen wollten. Im Wesentlichen 
aber wurde hier das ganze Friedenswerk zum Abschluss geführt, 
und der Mai des Jahres 1370, für dessen Anfang gleich hier die 
letzte Friedensversammlung verabredet wurde, brachte wenig mehr 
als seine theilweise, doch zunächst ausreichende Ratification. 
Warum diese nahezu fünfmonatliche Zwischenzeit? Der Inhalt 
der Verträge zeigt sonnenklar, dass man jetzt schon den Ge- 
danken an eine Verlängerung der fürstlichen Bünde völlig hatte 
fallen lassen; sie konnten nur perfect werden, wenn mit den 
letzteren die hansische Verpflichtung zu gemeinsamer Sühne er- 
loschen war. Denn sie liefen schnurstracks den Interessen der 
Fürsten zuwider; der holsteinischen weniger als der meklen- 
burgischen; jene beliess er unverkümmert in den gewonnenen 
Positionen, nur dass er sie vertragsrechtlich nicht sicher stellte. 
Aber diesen durchkreuzte er gradezu und unmittelbar ihre Pläne 
auf Schonen. Es galt demnach den definitiven Abschluss über 
Ostern, den Endtermin der noch gültigen Bundesverträge hinaus- 
zuzögern. — Seine einseitige Anbahnung konnte mit ihnen wohl 
bestehn: zwar bestreitet es Herzog Albrecht in der genannten Klag- 
schrift, aber Lübeck parirt den Vorwurf mit dem Hinweis auf eine 
vermuthlich besonders getroffne Abrede oder doch eine vereinbarte 
Interpretation des Traktats, wonach der einseitige Versuch einer 
Sühnvermittluug unter Bedingung einer Benachrichtigung des an- 



21 

deren gestattet warJ — Dagegen widersprach ihnen in einem 
Punkte sicher der Friedensinhalt; gleichviel ob nur in Folge einer 
nnyorsichtigen Unklarheit des Traktats, wie sie in der Klage des 
Herzogs und der Einrede der Lübecker zum Vorschein kommt. 
Hatte man darin für die zwei Jahre seiner Dauer eine einseitige 
Sühne ausgeschlossen, so lag eben hierin wenn auch unaus- 
gesprochen die Erlaubniss dazu für die Folgezeit. Nun hatten 
die Städte in dem sicheren Glauben, dass Schonen den Meklen- 
burgern zufallen werde, die Hälfte der in der Bundeszeit er- 
worbenen schonenschen Schlösser etc. als nutzbares Pfand be- 
beansprucht und — das ist hier das Wichtige, — die üebergabe 
zur Zeit der Fälligkeit an jene zugesichert. Damit aber war über 
die Zeit der Verbindung hinaus ihrem Friedenschluss eine be- 
schränkende Fessel auferlegt, der doch ganz frei sein sollte: es 
war ein unbedachtsamer Selbstwiderspruch. Herzog Albrecht stellt 
sich nun mit Fug und Recht auf den Buchstaben der Urkunde 
und erklärt die Pfandnahme von Dänemark für eine pfandrecht- 
rechtliche Veruntreuung. Es ist vielleicht der einzige Klageartikel, 
auf den der kluge Rath doch nichts Rechtes mit der Entgegnung 
zu erwidern weiss, dass den Inhabern von Schlössern und Landen 
noch nicht genug geschehn sei für den Schaden, und dass er 
erst nach diesem Zeitpunkte sich zur Rechtsantwort pflichtig und 
bereit halte. ^ — Noch eine andere Vereinbarung, um das in 
diesen Zusammenhang einzufügen, litt, wie ich glaube, an einer 
unklaren und unzulänglichen urkundlichen Form. Alle Schlösser, 
so hiess es, welche die Städte in der Verbindungszeit in Schonen 
eroberten, sollten sie bestens bewahren; und dann: alle dortigen 
Erwerbungen der Verbündeten sollten sie unter einander zu gleichen 
Portionen theilen. Nur dass kein Theilungstermin vorgesehn war. 
Die Lösungsgelder etc. dürften sie alsbald getheilt haben, dagegen 
deutet jener Passus über die Bewahrung der Schlösser darauf, 
dass sie weder eine sofortige, noch auch nur unausbleiblich in die 
Zeit der Allianz fallende Theilung derselben bestimmt hatten. — 
Nicht alle Wechselfalle und Eventualitäten hatten sie in Rech- 
nung gezogen und sahen sich nun in unliebsame Widersprüche 
gestellt. 



» Ebd. II Nr. 48, 3: 49 § 3. 
« Ebd. Nr. 49 § 4. 



22 

Wir dürfen es den Lübeckern glauben, dass sie der Ver- 
pflichtung zur Mittheilung gepflogener oder zur Einladung für be- 
vorstehende Verhandlungen jedesmal gewissenhaft den Fürsten 
gegenüber nachgekommen seien. ^ Der livländische Sendbote be- 
richtet seiner Stadt, dass sie — wie ich die Stelle verstehe — 
brieflich die letzteren um eine mündliche Besprechung über die 
stattgehabte Conferenz mit den Feinden angehen würden. Er mag 
sich gefreut haben, dass ihm eine so undankbare Aufgabe, die 
eine sehr dreiste Stirn forderte, nicht zufiel. Jetzt, wo das Facit 
gezogen wurde aus der gemeinsamen Waffenarbeit, wussten die 
ebenso klugen und weitblickenden als unnobeln und eigennützigen 
Rathsherrn durch Zaudern die fürstlichen Mithelfer ganz aussenvor, 
ja dem einen und zwar strenggenommen in Vertragsbrüchiger Weise 
sich gradezu in den Weg zu stellen. — Jene Zuschrift, der 
kärgliche Ersatz des Recesses theilt zugleich mit, dass von dem 
Friedenscongress des nächsten Jahres gleich eine Gesandschaft 
nach Mastrand hinüberfahren sollte zu Verhandlungen mit dem 
norwegischen König. Natürlich konnten auch die um Gründe 
verlegensten und redegewandtesten Rathmänner dieses günstige 
zeitliche Zusammentreffen nicht irgend zu einer Motivirung der 
späten Anberaumung des Friedenstages aufstutzen. Sicherlich 
haben die Fürsten, namentlich die Meklenburger sich bei der 
lübischen Benachrichtigung, über die uns weitere^ Kunde fehlt, 
energisch gegen den Vollzug jener Friedensartikel ausgesprochen, 
aber wie sich zeigt, ohne jeden Erfolg. — Ich registrire hier 
zwei weitere Geschehnisse, die mit dem gespannten Verhältniss zu 
den letzteren in Bezug gestanden haben werden. Am 7. Jan. 1370 
verpfändete Herzog Erich der Aeltere von Sachsen an Lübeck 
sein ganzes Land. ^ Am 5. Febr übergab eben dieser Stadt Erich 
der jüngere sein Schloss Ratzeburg, das er noch Jahrs zuvor an 
die Lüneburger zu Pfand vergeben hatte, auf 6 Jahre zu treuen 
Händen.^ — Ostern (8. Apr.) lief der Bund mit den Fürsten ab 
und somit auch — die Vertragstreue Haltung der Meklenburger 
vorausgesetzt, — die Verpfandungsdauer der beiden Schlösser 



' Ebd. Nr. 49, § 3. — Cfr. H. R. III Nr. 41. 

2 Lüb. ü. B. III Nr. 707, 708. 

3 Sudendorf, ü. B. z. Gesch. d. Herzöge von Braunschw. u. Lüneb. 
III Nr. 401. 



23 

Ribnitz und Wittenberg. Nach allem Anschein ist die Rückga'be 
derselben ohne jede Widersetzlichkeit der Städter erfolgt, nur, 
wenigstens bei dem letztgenannten, nicht an jenem Termin.^ 

Die im Oct. in Aussicht genommene Winterversammlung ^, 
die sich doch wohl zumeist mit der Vorbereitung des nächstjährigen 
Feldzugs hätte beschäftigen sollen, fiel bei der veränderten Lage 
der Dinge von selbst weg. Wie starke militärische Kräfte man 
städtischerseits den Winter über noch in Dänemark hielt, weiss 
ich nicht anzugeben, da es an einer urkundlichen Aufzeichnung 
darüber fehlt. Fest steht mir nur, dass man die schonenschen 
Schlösser bewachte. 

Indessen war Waldemar nach seinem unsteten Umherziehn 
durch Pommern, Brandenburg, Meissen u. s. f. etwa um die Jahres- 
wende von 1369/70 nach Preussen gekommen und fand dort bei 
dem Hochmeister eine so freundliche Aufnahme, dass sich dessen 
Nachfolger noch 1389 seiner königlichen Tochter gegenüber darauf 
berief.^ Schnell machten sich die preussischen Städte seinen 
Aufenthalt zu Nutze. Schon am 25. Juli 1368 hatte König 
Albrecht auch ihnen insgesammt eine Vitte zu Falsterbo ver- 
liehen.^ Aber es steht ausser aller Frage, dass sie ihre Ein- 
richtung, wie sie es bei der Herrschaft der Hansen wohl gekonnt 
hätten, nicht sofort in Angriff nahmen^, auf die Rückkehr fried- 
licher Zeiten verschoben. Jetzt war diese Schenkung durch den 
Frieden illusorisch geworden, da der Schwedenkönig nicht an- 
erkannter Landesherr über Schonen war. Freilich hätte man 
ihre Anerkenntniss zur Mitbedingung des Reichsrathsfriedens machen 
können. Indess ist dies, sofern unser Urkundenmaterial vollsttodig, 
weder in den Präliminarien geschehn noch auch in dem endgültigen 
Frieden nachgeholt. Es war wohl unnöthig geworden, indem sich 
zuvor am 28. Jan. 1370 die Bürgermeister der sechs preussischen 
Städte an den zu Nyenburg anwesenden König dieserhalb gewandt 
hatten, dessen fortdauernde schonensche Landeshoheit ja eine still- 
schweigende Voraussetzung des Friedens war. Mit besonderer Rück- 
sicht auf den vortrefflichen Hochmeister und auf die eindringlichen 



» Lüb. U. B. Hl Nr. 718, 71*), 720. 

2 H. R. I Nr. 510 § 11. 

3 H. R. ra Nr. 442. 

* Ebd. I Nr. 464 (Hirsch, Handels- u. Gewerbsgesch. Danzigs p. 278). 
» Unten p. 24. 



24 

Bitten der Rathmänner hin gestand er der Gesammtheit der auch 
hierbei festgeeint erscheinenden Preusse U']'.?. m Avohlbemessnes 
und nach ihrer eigenen spätem Auslassung M'echt günstig belegn es 
Vittenfeld in Falsterbo , wohl das schon von König Albrecht ein- 
geräumte, — zu mit allen Gerechtigkeiten, die irgend eine Stadt, 
auf einer Vitte zu Skanör und Falsterbo jemals von einem däni- 
schen Könige erworben habe; namentlich die eigne Einsetzung 
eines Vogts wurde ihrer Wichtigkeit gemäss hervorgehoben. 

Mit dieser allgemeinen Zuertheilung indess noch nicht zu- 
frieden gestellt, veranlasste ihn bei seinem Aufenthalt in Thorn 
der dortige Rath 17. Febr. zu der ausdrücklichen Zusage, dass er 
am anstehenden Verhandlungstage einen etwaigen bestimmter articu- 
lirten Freibrief besiegeln wolle, den sie nach der Vorlage andrer 
städtischer Vittenbriefe ausarbeiten könnten. Offenbar waren ihnen 
die mannigfachen Privilegien der verschiedenen vittenhabenden 
Städte nicht genau genug bekannt, um ihre Quintessenz schnell- 
fertig daraus extrahiren zu können. Zugleich gelobte V7aldemar, 
im Fall sie sich eines Anderen bis dahin besonnen und die Vitte 
nicht annehmen wollten, die dafür ausbezahlten 500 höh. Gulden 
sonder Fehl zurück zu erstatten. Die hierüber ausgefertigte Ur- 
kunde wird allein gemeint sein, wenn Thorn an Danzig schreibt: 
„scitote nos a domino rege Daciae vittam sigillatam optinuisse 
prout reminiscere proxima videbitis." — Zugegeben nun auch, 
dass der König nach der Beraubung durch den ihm seit lange 
nahestehenden Markgrafen in finanzielle Bedrängniss gerathen und 
durch die ihm aus der Heimath zugeführten Schätze nicht sehr 
viel besser situirt worden sein mag, — sollte wirklich der Erwerb 
jener Kaufsumme das einzige oder auch nur nächste Motiv jener 
Abtretung gewesen sein, mit welcher er eine neue Erweitrung des 
fremdstädtischen Elements in seinem Lande, einen neuen Gegen- 
druck gegen ein frischeres Aufkommen heimischen Capitals und 
nationaler Arbeit ermöglichte? Und dies in einem Augenblick, wo 
sein alter Hass gegen die Städte doppelt und dreifach durch ihren 
Sieg und seine Niederlage geschärft sein muste? Ich glaube kaum. 
Auch die Rücksichtnahme auf den städtefreundlichen Hochmeister 
dürfte nur ein mitwirkender, nicht der entscheidende Beweggrund 
für ihn gewesen sein. — Wie in seiner urkundlichen Erklärung, 



» H. R. II (Nachtläge) Nr. 61. d (p. 460). 



25 

dass die nächsten FrüIijahrsverliaDdlungen von ihm mit seinen 
Mannen und den deutschen Städten gehalten werden sollten, offen- 
barte er auch in der Auffordrung ihm dort den Entwurf des 
Vittenprivilegs zu unterbreiten, die Absicht, in eigner Person sich • 
dazu einzustellen. Schwerlich ist übrigens eine officielle Einladung 
der Städte an den unruhig Umherschweifenden ergangen; eher 
noch eine einseitige der Preussen; aber in jedem Fall hatte er 
das Recht, auch unaufgefordert activen Antheil zu nehmen; denn 
er war nach wie vor der Monarch. Ich kann nicht zweifeln, dass 
er um den Hauptinhalt der concipirten für ihn und sein Reich 
so überaus wichtigen Verträge, etwa durch Einsicht der preussischen 
Ratificationsentwürfe oder sonstwie gewusst hat. Klar wird er die 
Sachlage übersehn haben: die Auflösung der Gemeinschaft mit 
den Landesherrn, die Gereiztheit, die ihr folgen muste. Sollte er 
nun nicht mit seinem Besuch die Absicht verbunden haben, in der 
zwölften Stunde noch mit diplomatischer Gewandheit die Härte 
des Friedens zu mildern und mit jener Vittenvergabung die 
preussischen Städte, die künftighin gar nicht in vollem Umfange 
den geschlossnen Frieden festgehalten sehn wollten, für ein der- 
artiges Eingreifen günstiger zu stimmen? Aber freilich, er hat 
den geplanten Besuch dann aufgegeben; er mochte mit Recht an 
seiner Fähigkeit zweifeln, den schon zur Ratification reifen Frieden 
in nennenswerther Weise abzuschwächen. Damit unterblieb natürlich 
auch die Vorlage und der Vollzug eines weitergehenden preussi- 
schen Vittenprivilegs, die übrigens auch in der Folge nicht ge- 
schehn sein werden. Im Juli 1389 bittet der derzeitige Hoch- 
meister Eonrad Zöllner von Rotenstein die Königin Margarethe, 
seinen Städten die Vitte zu erhalten, unter Anlage der bezüglichen, 
transsumirten Originalurkunden, unter denen zwei von ihrem Vater, 
König Waldemar, eine von Henning ausgestellt sind.^ Man braucht 
kein Bedenken zu tragen, die beiden ersten mit den soeben an- 
geführten zu identificiren. Interessant wäre es zu wissen, wann 
der Brief Hennings ausgefertigt wurde; ob auf dem nächsten Frie- 
denstage oder zur Zeit des Interregnums? Ich möchte mich für 
die erste Anmahme entscheiden. 

Mit Spannung sahen die Städte dem endgültigen Abschluss 
entgegen. Anfangs April hielten die süderseeischen, sicher er- 



» H. R.;.in Nr. 433. 



26 

kennbar nur Ztitphen, Deventer, Amsterdam, eben hier einen Tag, 
auf dem sie nach Koppmanns naheliegender Vermuthung über die 
Besendung des Friedenscongresses und wie in der Regel die Par- 
ticulartagfahrten eine vorberathende Funktion für die allgemeinen 
ausübten, über die einzelnen Beschlussnahmen desselben und des 
ihm unmittelbar folgen den bahuser deliberirt und die Instructionen 
und Vollmachten der verschiedenen Gesandten wesentlich auf glei- 
chen Fuss gesetzt haben werden. Auch die Preussen hatten zuvor 
schon im März, wie sich aus jener citirten Zuschrift Thorns mit 
ziemlicher Sicherheit entnehmen lässt, einen Tag, hauptsächlich 
wol zu demselben Zweck abgehalten. 

Am 1. Mai fanden sich dann die Städteboten in grosser, völlig 
beschlussfähiger Anzahl pünktlich in Stralsund zusammen. Dieser 
Stadt ward also die Ehre zu Theil, den stolzen Frieden, der die 
Hanse so mächtig und man darf sagen, auch so plötzlich empor- 
hob, in ihren Mauern geschlossen zu sehn. Sie war den Dänen 
und Preussen und Livländern besser gelegen als das fernere 
Lübeck und für die Niederländer um nichts schlechter. Dies 
äusserliche Moment wird überhaupt ein Hauptgrund gewesen sein, 
warum gerade sie vorwiegend in dänischen und oft auch in 
anderen allgemeinen Angelegenheiten in diesen Jahrzehnten zum 
Versammlungsorte ausersehen wurde. — Von dem wendischen 
Städtebereich waren aus Lübeck und Stralsund je 4 Rathmänner 
erschienen, von dort Jakob Pleskow, Segebodo Crispin, Herrmann 
von Ossenbrughe und Gerhard van Attendorn, von hier Bertram 
Wulflam, Herrmann van Rode, Heinrich Schiele und Johann Rughe; 
ans Greifswald Eberhard Rubenow und Arnold Lange, aus Stettin 
gleichfalls zwei, aus Kolberg und Stargard je einer, — fast sämmt- 
lich vielgenannte und weitberühmte hansische Staatsmänner. Ham- 
burg, Bremen und Kiel, die weniger lebhaft in den Krieg einge- 
griffen hatten, fehlten in der siegesfrohen Versammlung, ebenso 
Rostock und Wismar, diese in Rücksicht auf ihre noch mit Däne- 
mark fehdenden Landesherrn. 30. Nov. 1369 werden sie, wie 
ich annahm, zur Stelle gewesen sein; da handelte es sich um 
Verabredungen, die nach dem Bundestractat zulässig waren und 
nachträglich zu deren Kenntniss gebracht werden sollten. Aber 
eine auch nur äussere Theilnahme an diesen letzten Verstän- 
digungen wäre leicht als Verrath an ihrer Unterthanenpflicht er- 
schienen. Im Grunde scheinen sie jedoch nicht so unzufrieden 



27 

mit ihnen gewesen zn sein. Eine Spannung, die zwischen ihnen 
und den Schwesterstädten eingetreten wäre, ist so wenig erlcenn- 
bar, als eine ernste vorgängige Opposition: sie hielten mit ihnen 
in dieser und der nächsten Zeit die schonenschen Schlösser be- 
setzt und nahmen ungescheut an den hansischen Angelegenheiten 
ihren TheiL — Von Livland hatten Riga, Dorpat, Reval je einen 
Rathmann entsandt; ebenso von Preussen Kulm, Elbing, Thorn und 
Danzig, Kulm seinen Bürgermeister Ertmar von Heryke. Aus den 
Niederlanden hatte Kampen mit zwei, Zierixee, Briel, Harderwik, 
Zütphen, Elborch, Stavoren, Dortrecht und Amsterdam mit je 
einem Rathmanne die Versammlung beschickt. — An welchem 
Tage die dänischen Rcichsräthe herübergekommen, ist nicht er- 
sichtlich. Vom 24. Mai sind die Urkunden datirt. Sollten wirk- 
lich mehr als dreiwöchentliche Verhandlungen über schon be- 
schlossene Dinge vorangegangen sein? Wahrscheinlich doch, dass 
sich jene Gesandten ein wenig verspäteten. 

Eine stattliche Anzahl von Vertretern des hohen Klerus und 
weltlichen Reichsadels aber war es, die sich hier in Frieden gaben 
mit den siegreichen Städten Niederdeutschlands von nah und fern, 
den sie nach ruhmvollem Streit jenen ihren einst gefürchteten, 
jetzt ohnmächtigen Peinigern in einer deutschen Stadt und in 
deutscher Zunge dictirten. Henning von Putbus, der Reichshaupt- 
mann, fehlte auch diesmal nicht, viele von den auf der vorigen 
Versammlung Anwesenden hatten sich wieder eingestellt, und an 
der Ausgebliebenen Stelle waren andere und mehr Rathgeber des 
Königs und Vollmachtträger desselben und seines Reiches, wie sie 
sich alle nennen, getreten. Abermals figurirten unter dem Laien- 
element zahlreiche Schlosshauptleute. Und von der Geistlichkeit, 
die wir auf dem vorigen Tage vermissten, hatten sieh der höchste 
Würdenträger, der lundner Erzbischof Nikolaus und die Bischöfe 
von Odensee und Roeskilde eingefunden. — Meines Wissens haben 
wir über die Besprechungen, die dänischer Seits diesen Trans- 
actionen mit den Städten vorangegangen sein müssen , keinerlei 
Kunde. Im Vorjahre hatten sie bei den kriegerischen Unruhen, 
die eine Reichsrathsversammlung mit nur einiger Vollzähligkeit 
kaum zu Stande kommen liessen, sicher grössere Schwierigkeiten 
als nach der Beschliessung der Präliminarien. Eine Wiederauf- 
nahme kriegerischer Operationen seitens der Städte hat doch 
sicher nicht stattgefunden; die Holsteiner aber trieben ihr Wesen 



28 

wohl nur in Jütland, und die Meklenburger resp. Schweden stan- 
den in den Grenzlandschaften Schönens durchaus nicht in so 
dominirender Stellung: finden wir doch auf der vorigen Versamm- 
lung z. B. das wichtige Warberg in den Händen C. Moltkes. Ob 
nun wirklich eine Durchberathung der vorläufigen Friedensartikel 
auf einer in der Zwischenzeit eigens einberufenen Versammlung 
des Reichsraths oder erst gelegentlich der gemeinsamen lieber- 
fahrt stattgefunden, die er durch Boten und Correspondenzen ver- 
einbart haben mag, ist so wenig erkenntlich als der Verlauf der 
stralsunder Verhandlungen, über den sich der erhaltene Recess 
leider nicht verbreitet. Wir haben indess, und damit genug, ihre 
Resultate, die Friedensurkunden. 



IL 

Der stralsunder Frieden« 

Zwei Dinge waren es, auf welche den vereinigten Städten im 
Grande alles ankam, woraus ihre Friedensvorschriften, mögen sie 
noch so hochpolitischer Natur erscheinen, sich wie mit logischer 
Cousequenz entwickelten: einmal Herstellung und dauernde recht- 
liche Sicherstellung eines möglichst vortheilhaften Handelsverhält- 
nisses und sodann Vergütung für den erlittenen Schaden. Nicht 
als ob man dies Raison nement mit einem urkundlichen Ausdruck 
aus dem Munde oder der Feder der Städte belegen ^könnte; ein 
Recess des ersten stralsunder Friedenstages lag überhaupt nicht 
vor^ und die übrigen einschlägigen Protocolle, wie denn dies eigen- 
thümliche hansische Geschäftsmaterial so selten und dann meist 
nur andeutungsweise über die Motive der verzeichneten Beschlüsse 
Aufschluss gibt, schweigen über Gründe und Zwecke des Friedens 
vollständig. Aber jenes Urtheil gründet sich auf den Gesammt- 
charakter der hansischen Politik und bestätigt sich durch den 
nachherigen Verlauf der Geschichte. 

Da galt es nun vor allem einen Freibrief für den Handels- 
und Fischereibetrieb zu erlangen. — Unzweifelhaft ward er von 
den Städten selbst concipirt, wobei sie nicht nöthig hatten, erst 
lange über einzelne Positionen nachzudenken. Schon zuvor, beim 
Abschluss der Allianz mit dem Meklenburger hatten die wen- 
dischen für sich und ihre Helfer ausdrücklich in Denkbriefen sich 
wenigstens schonische Handelsfreiheiten zusichern lassen für den 
damals als feststehend geltenden Fall, dass sein Haus in den 
dauernden Besitz dieser Landschaft gelangen würde. Bei dem 
gewaltigen Land- und Machtzuwachs, den er, im Trüben fischend, 
sich von dem nahenden Kriege versprach, mochte ihm dies mer- 
kantile Opfer um so weniger lästig fallen , als er der Beihttlfe 



30 

der Städter zur kriegerischen Durchführung seiner hochfliegenden 
politischen Pläne gar nicht entrathen konnte. Mit einem hypo- 
thekarischen Anweis auf die beiden verpfändeten Schlösser hatten 
er und seine anwesenden Söhne auch die Besieglung seines Sohnes, 
des Königs von Schweden und präsumtiven schonenschen Landes- 
herrn zugesagt. Die Freiheitsbriefe des Herzogs liegen nicht vor, 
und es ist daher nicht mit Gewissheit zu sagen, ob sie mit dem 
umfassenden Privileg seines königlichen Sohnes völlig überein- 
stimmen; eine übrigens auch wenig belangreiche Frage. — In 
raschen Nacheinander waren mit Ausnahme Helsingborgs die 
übrigen Küstenschlösser am Sunde, vor allem dem Anstürme der 
städtischen Kriegsmacht erlegen. Was Wunder, dass der neue, 
freilich so zu sagen nur halbe Landesherr — denn von einer 
wirklichen Etablirung schwedischer Administration kann keine 
Rede sein — sich in hohem Masse den Wünschen der mächtigen 
Bundesgenossen zugänglich erwies? Auch band ihn das Ver- 
sprechen seines ihn gänzlich beherrschenden Vaters mindestens 
zur Genehmigung der von ihm eingegangenen Verpflichtungen, die 
indess selbst im Fall der Identität der allgemeinen Freibriefe das 
Mass der jetzt zugestandenen Vergünstigungen nicht erreichten.^ 
Mit der verschwenderischen Freigebigkeit eines in seinem Ge- 
winn noch nicht gesicherten, noch hülfsbedürftigen Spielers gegen 
den, dessen unentbehrlicher Unterstützung er sich versieht, streute 
der König am 25. Juli 1368 in dem eroberten Schlosse Falzterbo 
Freiheiten und Schenkungen über die frohgemuthen Städter aus. 
Die ersteren bezogen sich räumlich auf alle während der zwei- 
jährigen Verbindungszeit etwa eroberten Landestheile von Däne- 
mark und Schonen, ihrer Adresse nach aber auf eine so grosse 
Reihe von Hansestädten, wie sie in ihrer seitherigen dänischen 
Privilegieügeschichte noch nicht dagewesen war. Recht deutlich 
zeigt sich darin, wie die kriegführenden Städte der Conföderation 
zugleich die Interessen des grösseren hausischen Vereines ver- 
traten. Wie immer eröffnen den Reigen die wendischen Städte, 
mit den zubehörenden pommerschen; dann folgen die preussischen, 
die livländischen und demnächst mit einer ungebräuchlichen Rang- 
ordnung die westphälischen, denen die meist dem lübischen Drittel 
beigezählten sächsischen Communen, so auch Hamburg und Kiel 



» H. R. I Nr. 453—465. 



31 

angeschlossen sind, um endlich einigen süderseeischen den Schluss 
der Reihe zu überlassen. Andere hervorragende Städte der Nieder- 
lande, z. B. Rampen, hielten es für rathsamer, sich in besonderen 
Originalen im Wesentlichen gleichlautende Privilegien ausstellen 
zu lassen, während jener allgemeine Freibrief, wie so oft hansische 
Aktenstücke, der Trese des Vororts und nur in Transsumpten den 
betheiligten Bundesstädten übergeben wurde. Namentlich waren 
die Holländer bei der Hand, die günstige Situation auszubeuten. 
Hatten bisher nur das reiche Kampen und Stavoren, auch Harder- 
wik und Hindelopen Vittenplätze auf der kleinen schon enschen 
Landzunge, so wurden jetzt Amsterdam und Biiel mit gleicher 
Gnade bedacht und damit neue Sammelpunkte für den dortigen 
Handelsbetrieb der näher verbundenen niederländischen Städte ge- 
schaffen. Kampen liess sich seine Vitte bestätigen und erhielt 
einige Monate später den besonderen Verdiensten eines seiner 
Bathmänner zu Dank eine räumliche Erweiterung derselben, wäh- 
rend Stavoren eben um diese Zeit eine Bestätigung seiner Vitte 
zu Skanör erwirbt. Ich weiss nun nicht zu sagen, ob diese neuen 
Lagerplätze neben ihrer urkundlichen Existenz auch eine wirk- 
Uche gefunden haben; der Mangel an dahingehender Nachricht 
und das schon erwähnte Schicksal des preussischen Vittenbriefes 
lassen es mehr bezweifeln, als es bei der auch nur wahrschein- 
lichen Einrichtung der neuen elborger Vitte i. J. 1369, deren Ver- 
leihungsurkunde jedenfalls October 136» schon gegeben war ^ und 
vermuthlich in die Zeit jener verwandten Ausfertigungen gehört, 
annehmbar erscheint Dies sichrer zu wissen, würde für die Be- 
artheilung der merkantilen Seite des stralsunder Friedens von 
nicht geringem Interesse sein. 

Jener Freibrief König Albrechts mochte das Ideal für die 
wirthschaftliche Stellung der Hansestädte in dem Nachbarlande 
enthalten, die verständig genug waren, dies nicht in ganz mass- 
losen, zu steter Opposition anreizenden Exemtionen zu erblicken. 
Jetzt, bei dem Friedensschluss mit dem Reichsrathe beliebten sie 
ihn formell und inhaltlich zur Grundlage zu nehmen, und damit 
trat er aus seiner ephemeren und lokal beschränkten Bedeutung 
in eine bleibende und allgemeine über. Hie und da ergaben sich 
einige redactionelle Aenderungen aus dem vorsichtigen Streben 



> Ebd. Nr. 479 § 19. 



32 

nach grösserer Präcision; die Verschiedenheit der Eingangs- und 
Schlusspartie in beiden Urkunden, welcher letzterer noch die Be- 
merkung über die nunmehrige Beilegung aller Streitigkeiten vor- 
gesetzt wurde, verstanden sich von selbst. Indess auch einige 
wenige materielle Abänderungen, hier eine Vermehrung, an andrer 
Stelle auch wohl eine Verkürzung bedeutend, ergibt ein gemachter 
Vergleich. Endlich bleibe nicht unbeachtet, dass die damals be- 
sonders privilegirten süderseeischen Städte sämmtlich in die Urkunde 
aufgenommen werden, und die Rangfolge der Städte und ihrer 
Gruppen der herkömmlichen conform ist. — Für die sachliche 
Beurtheilung des Privilegs scheint mir unerlässlich, auf frühere 
zurückzugehen^; einmal gewinnt man dadurch ein reicheres Ver- 
ständniss der Einzelheiten und was das Wichtigste, erst aus dieser 
Gegenstellung ersieht man den Fortschritt und die auf diese 
Dinge gewandte Energie der städtischen Diplomatie. Nicht nur 
von Interesse, sondern auch von Nutzen, aber zu weitführend würde 
es gewesen sein, die dänische Privilegiengeschichte der Hansen, 
die uns für die eigene Art damaligen Handels eine reiche Quelle 
bietet, für das Nachstehende in noch umfassenderer Weise heran- 
zuziehen: wie am Anfang des 13. Jahrhunderts und schon früher 
einzelne und weitentlegne Städte des nördlichen Deutschland, auch 
in kleineren Gruppen bisweilen sich einend, ihrer wirthschaftlichen 
Ueberlegenheit in dem Inselreiche einen rechtlichen Untergrund 
schaffen, durch rüstige Fortentwicklung das culturlich noch wenig 
vorgeschrittue Land in immer tiefere wirthschaftliche Abhängig- 
keit stellen und mit geschickter Benutzung dieses und so viel 
anderer Umstände immer neue Garantieen dafür gewinnen; wie 
dann am Ausgang des Jahrhunderts, der jenen ersten mächtigen 
und zukunftreichen Zusammenschluss des wendischen Städtever- 
bandes sah, dieser auch in seinen merkantilen Bestrebungen in 
Dänemark auftritt; wie dann die hier in Kampf tretenden poli- 
tischen Rivalitäten von dieser oder jener Seite den in ihrer Ver- 
einigung gestörten einzelnen Städten neue grosse Befugnisse ein- 
tragen. Es folgte die Abtretung Schönens an Schweden, und 
bald danach geriethen die Städte als Bündner des Dänenkönigs in 



* Cfr. für das Folgende bes. Sartorius, Urkdl. Gesch. d. Ursprungs 
d. d. Hanse Bd. I Abschnitt IV über den Verkehr mit Dänemark; und 
die Einleitung Lappenbergs. 



33 

Fehde mit König Magnus, die jedoch schon 1343 nach mehr als 
einjähriger Dauer für sie ihr friedliches Ende erreichte und nun 
von einer Reihe ilineu erwiesener Vergünstigungen desselben ge- 
folgt wurde, freilich um nach etwa 10 Jahren in einer heftigen 

• 

Spannung wiederaufzuleben. Es sind uns die von dem König 
gegen die Städte und von diesen gegen ihn producirten Klage- 
stücke überliefert, die einen ledcudigen Eindruck von dem aus- 
einandergehenden Interesse des schonischen Landesherrn und der 
zu ihrem Betrieb freiheitsbedürftigeu Schonenfahrer erwecken. • In 
den Zusammenhang dieser V^erhandlungen werden auch die wesent- 
lich gleichlautenden Entwürfe eines lübeckischen und rostockischen 
Freibriefes v. J. 1352 gehören, die sich inhaltlich vielfacli an die 
hansischen Klagen anschliessen und ohne Zweifel von den betr. 
Städten selbst concipirt wurden.'^ Diese Akten geben eine er- 
wünschte Handhabe, um sich von dem bisherigen Recht der Städte 
auf Schonen und seinen Beeinträchtigungen durch die Schweden 
einen ungefähren Begriff zu machen. Dass jene Privilegienent- 
würfe aber die königliche Sanktion erhalten, ist in hohem Masse 
unwahrsclieinlich , neben andern Gründen wegen der immer er- 
neuerten kurzlebigen Stillstands vertrage, besonders mit Lübeck, in 
denen sich deutlich genug der Fortbestand der eingetretenen Fric- 
tion ausprägt. Erst der kühne, vieldrohende Angriff Waldemar's 
auf Gothlaud sollte die beiden Widersacher dieselbe vergessen 
lassen. Allein selbst wenn eine ausdrückliche urkundliche Mild- 
rnng oder Abstellung der städtischen Beschwerdepunkte nicht er- 
folgt sein sollte, so ist doch an sich wahrscheinlich und durch jenes 
gleichviel ob nur provisorische Friedensverhältuiss so gut als er- 
wiesen, dass sich der in seinem schonischen Besitz durch den 
dänischen Nachbar stets gefährdete Schwedenkönig in praxi einiger- 
massen rücksichtsvoll gegen die hansischen Schonenfahrer verhielt. 
Das Jahr 1360 brachte dann mit der dänischen Rückerobrung der 
südlichen schonischen Halbinsel den Städten das Bedürfniss einer 
Genehmigung ihrer dortigen Freiheit durcli den neuen Oberherrn. 



1 H. R. I Nr. 175, 176. 

* Ebd. Nr. 178; vergl. die Vorbemerkungen Koppmann's p. 103, 104, 
105 (i:{ü3 Juni 24. begehrten die Städte die Genehmigung eines von 
ihnen selbst ausgearbeiteten Entwurfs t'Ur ihre Freiheiten; s. H. R. I 
Nr. 296 § 19). 

De nick«, Beziehungen der Hansestädte etc. 3 



34 

Auf dessen Einladung schickten sie eine Gesandschaft zu ihm 
hinüber S die aber nach langem üin- und Herhandeln nur sein 
Versprechen mit nach Hause nahm, gegen nicht weniger als 
4000 7?^ (ca. 280,000 Rm.) die alten Privilegien vollzielni zu 
wollen.'- Vermuthlich zum Zweck dieser Beredungen hatten die 
Städte einen noch vorliegenden, nicht eben sehr detaillirten Frei- 
brief im Entwurf ausgearbeitet.^ Noch ehe die mühsam vertlieilte 
Summe ^ in des Dänen Hand gekommen sein mag, schlug aber die 
fürchterlich aufregende Kunde vom Falle Wisbys in die Friedens- 
stille hinein.^ Die gänzliche Einstellung des dänisch-schonischen 
Verkehrs und der Krieg waren unvermeidlich. Wir wissen, einen 
wie unglücklichen Verlauf er nahm. Der ihn abschliessende Waffen- 
stillstand brachte denn auch der kaufmännischen Stellung der 
Hansen nichts weiter als die Zusage ihrer zeitweiligen ungestörten 
Fortdauer.® Aus den nun sich an- und fortspinnenden Verhand- 
lungen, die mit der vierjährigen Stillstandsverlängruug vom 18. Jaul 
1364 ihren Abschluss fanden, ist zunächst ein Privilegienentwurf '' 
für die durch die greifswalder Conföderation geeinten Seestädte 
erhalten, der zwar noch mehrere andere, als die in dem letzten 
enthaltenen Festsetzungen berührt, in seiner sehr allgemeinen 
Fassung aber schwerlich dem kaufmännischen Bedürfniss genügen 
konnte; die Formel „wie ein alt Recht ist^^ u. dergl figurirt darin 
sehr häufig, ohne jedoch die entscheidende, vor willkürlicher Aus- 
legung schützende Aufklärung über seinen näheren Inhalt zu 
geben. Die Annahme liegt nicht zu fern, dass er der städtischen 
Kanzlei als Anhalt für eine sorgsamere, vollere Ausarbeitung 
dienen sollte. Viel umfassender und instructiver ist die Codifica- 
tion der alten dänisch-schonischen urkundlichen und Gewohnheits- 
rechte, die von den alliirten Städten ihren Verhandlungen mit dem 
König zu Wolgast im Nov. 1363 zu Grunde gelegt wurde.* Auch 
sie erschien wie schon jener erste Entwurf dem König unannehmbar, 



» H. R. I Nr. 232. 

2 Ebd. Nr. 233. 

3 Ebd. Nr. 234. 

* Ebd. Nr. 254, 255, 250. 

^ Ebd. Nr. 258. 

« Ebd. Nr. 277, 278; Ltib. U. B. HI Nr. 44ü. 

' Ebd. Nr. 295. 

» Ebd. Nr. 300. 



35 

dessen Bemtthn war, die besonders seit den dänischen Wirren im 
ersten Drittel des Jahrlinnderts üppig wuchernde Verkehrsfreiheit 
der Hansen in volks- und staatswirthschaftlichem Interesse zu be- 
schneiden. Der endlich geschlossne Stillstand bedeutete eine neue 
diplomatische Niederlage fttr sie.^ Nur einige von den in jenem 
Verzeichniss vorgebrachten Rechten wurden durch ihn gewährt, 
Bo die Gerichtsbarkeit ihrer Vögte über alle ihre aussenliegendeu 
Handwerker, die Unantastbarkeit des Gutes auf irrefahrendem 
Wagen u. s. f. Unter den versagten Zugeständnissen wogen am 
schwersten die Abschaffung des Strandrechts und die Ermässigung 
der Ein- und Ausgangszölle. Beide aber bei dem abwesenden 
König für die Vertragsdauer durchzusetzen, will der Hauptnnter- 
händler und Vermittler Herzog Barnim von Stettin ernstlich ver- 
sneheu/^ Auch sei noch hervorgehoben, dass die verhandelnden 
10 wendischen Städte der greifswalder Confbderation unberufen 
im Namen aller Hansestädte auftreten und diese als solche in die 
Urkunde — meines Wissens begegnet dieser Name hier zum ersten 
Mal in einem dänischen Privileg — einbeziehn. Es tritt darin die 
ninfassende aber auf den Handel beschränkte Gemeinschaft zu Tage, 
welche die weitaus meisten Städte Niederdeutschlands verknüpfend 
80 mächtig der späteren kriegsbereiten Hanse vorgearbeitet hat, bis 
jetzt indess nur in den wendischen Communen ihre waffenmuthigen 
nnd opferwilligen Vertreter fand. — Ende Mai des nächsten Jahres 
fanden neue Verhandlungen zwischen den drei dazu bevollmäch- 
tigten Städten Lübeck, Rostock, Stralsund und zwei dänischen 
Käthen in Anwesenheit des lübischen Bischofs zu Lübeck statt 
anter einer für sie durch den Gegensatz zwischen der dänischen 
und meklenburgisch-schwedischen Politik leidlich günstigen Situa- 
tion, wie es scheint, aber nur zu dem Zweck, die gegenseitigen 
Wunschzettel zu weiterer Berathung und Entscheidung den Par- 
teien vorzulegen, wobei sich indess schon die Abneigung Wai- 
demars herausstellte, den letzten Stillstand in vollem Umfange 
zur Grundlage des Friedens zu machen.^ Am 3. Sept kam es 
dann- zu Wordingborg in Anwesenheit König Hakons und Herzog 
Erichs von Lauenburg zum definitiven Abschluss zwischen ihm 



« Cfr. bes. a. a. 0. Nr. 337. 

^ Ebd. Nr. 331; ebenso mehrere dänische Reichsräthe Nr. 328. 

^ Ebd. Nr. "301 (cfr. Nr. 322, 323). 

3* 



36 

und dem Städtevereiu , der abermals sich als Anwalt der ganzen 
Hanse gerirt. * Freilich setzte er durchaus nicht alle seine Ford- 
rungen durch, ja in nicht wenigen Punkten wich er aus der im 
Stillstand gewonnenen Position zurück. Im Strandrecht wurde ihm 
nachgegeben, dagegen der steuerfreien Sicherstellung des Nach- 
lasses und anderer Wünsche gar nicht gedacht, anderes wieder 
nur für einen Zeitraum von sechs Jahren zugestanden'^, nämlich 
die Fixirung der Gewandbudensteuer, die Freigabe und Besteue- 
rung eigner Wagen und Fischerschuten, die Erlaubniss, 3 Krüge 
auf jeder Vitte zu haben, sowie in dieselben zum Einlager han- 
sische Gäste mit gleichem Recht aufzunehmen. — Diese seine 
Nachgiebigkeit erscheint aber in etwas anderem Lichte, wenn man 
aus dem urkundlichen Schweigen entnimmt, dass auch er seiner- 
seits wichtigen Ansprüchen des dänischen Königs erfolgreichen 
Widerstand entgegensetzte.^ Der hier zu besprechende Freibrief 
nun enthält durchaus nicht etwa eine erschöpfend detaillirte Ord- 
nung ihrer merkantilen und gewerblichen Verhältnisse in dem 
fremden Lande. Es gibt in der langen Suite früherer Urkunden, 
insonderheit der erwähnten Godification v. J. 1363 eine Reihe von 
Bestimmungen, die hier unterdrückt oder nur in allgemeiner Zu- 
sammenfassung durch den Schlussparagraphen, der alle früheren 
Privilegien in voller Kraft fortdauern lässt, erneuert werden. Es 
galt den Städten nur, neben dem Erwerb neuer Vergünstigungen 
die alten, die gerade am meisten beanstandet oder nocli jüngeren 
Ursprungs waren, zu sichern und zu befestigen. 

Der Freibrief umfasst 1. öffentlich rechtliche, 2. privat- und 
verkehrsrechtliche und 3. rein Steuer- und zollpolitische Bestim- 
mungen. 

In erster Rücksicht regelt er vor allem die gerichtlichen Ver- 
hältnisse der Hanse. — Im Allgümeinen herrschte, wie Lappen- 
berg ausführt, in den früheren und späteren Zeiten des Mittel- 
alters „der Grundsatz, dass ein Jeder, ohne Rücksicht auf Landes- 
recht, nach dem Rechte seiner Nation zu richten sei", ein Grund- 
satz, dem die Völkeratämme, die Waffen in der Hand wohl. Gel- 
tung hätten verschaffen können, auf dessen Durchführung aber 



» Ebd. Nr. 370. 
■' Ebd. Nr. 372. 
3 Ebd. Nr. 361 § 4. 



37 

die vereinzelte« Kaiifleute walirscheinlich hätten verzichten mtisscn, 
wenn nicht durch ihre thatkräftigen nationiilen Vereinigungen ein 
anderer verwandter Grundsatz in dem befriedeten Europa durch- 
gesetzt wäre, der der Autonomie.- — So entstanden in London, 
Brügge, Nowgorod, zuletzt und spät in Bergen wie Inseln eines 
fremden Rechts jene stattlichen Contore, die unter der Obhut 
selbstgewählter Aelterleute sich in Gericht und Verwaltung, wenn 
auch nicht immer in letzter Instanz selbstregierten. Nicht ganz 
so in Dänemark. Hier gab es kein derartiges Institut, das 
perennirend gewesen wäre und Verwaltung und Rechtsleben 
der Deutschen unter einander in gleicher Energie centralisirt 
hätte; es gab eben hier keine so grosse Stadt wie in Eng- 
land, Flandern, die eine so zahlreiche Kaufmannschaft hätte an- 
locken können; wohl finden sich in Malmö und andren Orts Asso- 
ciationen von deutschen Handelsleuten, die auch sog. Winterlagen 
hatten, aber jene erscheint bei Weitem nicht im Besitz von Ge- 
rechtsamen, wie sie an die Contore sich ansetzten; ihr Vorsteher 
soll zwar nach ihrem selbstgegebenen Statut entstehende Zwistig- 
keiten vertragen, der Name eines mit einem Genossen in Streit 
I befindlichen Mannes aber im Mitgliederverzeichniss bis zu seiner 
I Erledigung gelöscht werden, doch wohl hauptsächlich um Ein- 
griffen der Inländer möglichst die Thüre zu schliessen, wozu also 
Gefahr genug vorhanden.^ Von der unumgänglichen Autorisation 
des dänischen Reiches zu weitgehenden gerichtlichen Befugnissen 
keine Spur! Der kaufmännische Betrieb der Hansen trug hier in 
Dänemark — von dem besonderer Behandlung bedtirftigen Vitten- 
bereich im Südwesten Schönens zunächst abgesehen — einen ganz 
atomistischen Charakter, und die einzelnen Kaufleute sowie ihre 
etwaigen kleinen gesellschaftlichen Gruppen waren durchaus ab- 
hängig vom dänischen Gerichtsbann. Es gibt einzelne Ausnahmen: 
80 erhält 1338 Campen von König Waldemar „die Ausdehnung 
der in Schonen besessnen Jurisdiction zu Kopenhagen, Dragoer 
und Radesholt'^ eine ähnliche Bestätigung um dieselbe Zeit Stral- 
sund; wahrscheinlich, dass andere weithin wirkende Handelsplätze, 
mindestens Lübeck ähnliche Vorrechte hier, vielleicht auch auf 
andern Märkten erlangten. Aber die spärlichen Spuren in unserem 
reichlichen Urkunden vorrath zeigen zur Genüge, dass jene An- 



' Sartorius, a. a. 0. p. 188 ff. 



38 

laufe nicht viel besagten oder gar still standen. — Wenn es in 
unserm Freibrief heisst, man soll keinen Hansen vor das dänische 
Recht laden, sondern ihn nur vor dem deutschen Vogt nach seiner 
Stadt Recht bezüchtigen, so springt durch den Nachsatz in die 
Augen, dass nicht von dem allgemeinen, sondern nur von dem 
auf die Vittenlager bezüglichen Gerichtsstand die Rede ist. — 
Diese, von denen ihrer ganz überwiegenden Bedeutung entspre- 
chend, nur die zu Skanör und Falsterbo namhaft gemacht werden, 
steilen eine ganz isolirte Gruppe von Rechten in dem dänischen 
Rechtsgebiete dar. Nur einzelne Städte, so die fünf wendischen^ 
Hamburg, Anklam etc., seit 1370 auch ein einzelner Städtebnnd, 
der preussische, hatten sie inne, nicht aber die Hanse insgemein; 
über jede Vitte schaltete ein Vogt, der von der heimischen Stadt- 
behörde resp. coUegialisch von mehreren gesetzt wurde und nach 
dem Stadtrecht zu urtheilen hatte, das in den meisten Fällen be- 
kanntlich das lübische war. Man beachte auch hier die Differenzen 
von den oben skizzirten Contorverhältnissen! Mit der Vitte war 
eo ipso die Jurisdiction des heimischen Vogts über die dort einge- 
sessnen Stadtbürger in gewissen unter ihnen entstehenden Rechts- 
fällen gegeben. Stand diese allgemeine gerichtliche Befugniss des 
Vogts, ohne die der Handel auch hier nie und nimmer so kräftig 
sich hätte regen und gedeihen können, nun wohl immer unange- 
tastet fest, so wurde sie doch eben wegen ihrer fundamentalen 
Wichtigkeit in dem beredeten Privileg aufs neue mit klaren Wor- 
ten bestätigt. 

In zwiefacher Richtung war sie einer Vergrösserung fähig; 
einmal durch die Ausdehnung seiner Zuständigkeit über noch 
andere als mitbürgerliche auf den Vitten domicilirte Personen, 
sowie die ausser den Vitten angesiedelten Bürger, und weiter durch 
den Zuwachs an dem Rechtsinhalt seiner Competenz. 

1352 klagt König Magnus gegen die Seestlldte, dass sie alienos 
in ihre Vitten zum Präjudiz des Königs aufnähmen und sich alles 
Recht aumassten, das dem König von ihnen „provenire" könnte. 
Dem entgegen geben diese gleichzeitig die Erklärung ab, dass 
ihre Vögte in Folge alter Gewohnheit und besonderer Gnade 
jeden extraneum in ihre Vitten zum Einlager aufnehmen und über 
ihn in allen ihnen sonst zuständigen Sachen richten dürften, und 
beschweren sich, dass die königlichen Vögte widerrechtlich sich 
dieser ihrer Jurisdiction über die advenae unterwinden wollten. 



39 

Nebenbei, welch* einen interessanten Einblick geben sie damit in 
die Rechtsbildung dieser Zeit und dieser Orte! Sie vermögen 
ebensowenig wie bei manchen anderen hier vorgebrachten Rlage- 
punkten, sich auf ein bestimmt verbrieftes Recht zu beimfen; ihnen 
gilt aber die Gewohnheit als gleich fähig, ein Verhältniss zu lega- 
lisiren und seine Veränderung als ,,minus iuste^' erscheinen zu 
lassen. — Fragen wir nun, wer jene alieni, extranei, advenae 
waren, so lautet die Antwort zunächst die Nichtbürger der be- 
treffenden vitteninnehabenden Städte. Wir dürfen aber von vorn- 
herein als feststehend annehmen, dass jene „alte Gewohnheit'^ der 
Seestädte sich bezog auf die Zulassung von Bürgern anderer han- 
sisch verwandter Städte. Nach einer Anmerkung bei Sartorius, 
der ich nicht weiter nachgehen konnte, hatten die Harderwiker 
das Recht, ihren Markt auf der Stralsnnder Vitte zu halten ^ ; hier 
war also ausdrücklich den Angehörigen einer deutschen Stadt 
dänischerseits die Sesshaftigkeit auf einer fremden Vitte gestattet; 
was beiläufig in dem vorliegenden Falle etwas verwundern kann, 
da schon 1316 Harderwik selbst eine Niederlassung erhielt, und 
jene urkundliche Gewährniss kaum über diese Zeit zurückreicht; 
es mag mit der ausschliesslichen Abhaltung des Bauernmarktes 
auf der stralsunder Vitte zusammenhängen. — Wie aber stand 
es mit der Gerichtsgewalt über Zugehörige auswärtiger Nationen, 
eine Frage, die sich nicht wohl ohne theilweise Erörterung einer 
anderen , über ihre Zulassung besprechen lässt. Diese fehlten ja 
auch hier nicht; wie der gemeine Kaufmann in Bergen 1372 sich 
höchst besorgt zeigt, dass sein Abzug aus dem Lande Engländern 
und Flamländern willkommene Gelegenheit geben werde, aus ihm 
Capital schlagend ernstere Concurrenten in dem Zwischenhandel 
nach Norwegen zu werden 2, wie schon zuvor 1366 verfügt wurde ^, 
dass nur Hansen an dort näher bezeichneten Rechten in Nowgo- 
rod, Bergen, Brügge Theil haben sollten, also ein Beweis der dor- 
tigen Existenz der Ausländer und ihrer Gegenstellung zu dem 
gemeinen Kaufmann, so zeigen vielfache Beliebungen und andere 
Nachrichten, dass auch in Dänemark Engländer, Schotten, Flä- 
minger, Brabanter handeltreibend auftraten, eine Rivalität, die zu 



* Sartorius, a. a. 0. p. 179 Anm. I. 

* H. R. II Nr. 41 § 4. 

3 H. R. 1 Nr. 376 § 11, 12, 13. 



40 

brechen dieser eifrig bemüht ist. Man braucht, um sich hiervon 
und zugleich von dem kühnen Emporstreben der Hanse, der vollen 
Absicht ihrer Machtausbeute zu überzeugen, nur Recessbestimmun- 
gen zu lesen, wie solche, dass Lübeck und Wismar vor Ausbruch 
des Krieges von 1368 den Engländern und Flämingern einfach 
den Verkehr mit Norwegen und Dänemark, die Zufuhr von Waffen 
und Lebensmitteln untersagen sollen. ^ Und wenn sie darin nicht 
reussirten, so beabsichtigten die conföderirten Städte 1369 (Octbr.) 
an Norwegen, Flandern, England und Schottland Warnungsbriefe 
des Inhalts zu senden, dass sie für kein in Dänemark erlittenes 
Ungemach der Ihrigen aufkämen, eine Anzeige, die weniger eine 
zarte Rücksichtnahme als eine handelseifersüchtige Drohung be- 
deutet. ^ Aber gefielen sich die Hansen überhaupt in dieser starren 
Exclusivität, strebten sie immer entschiedner, „undeutsche" Kauf- 
leute von der Befriedigungsthätigkeit für das grosse intermediäre 
Handelsbedürfniss des Nordens auszuschliessen, so waren sie im 
Allgemeinen am wenigsten gemeint, ihnen so weitgehende Be- 
günstigungen, wie das Einlager auf ihren Vitten, den Mitbetrieb 
des dortigen Häringsfanges, d. h. den Mitgenuss ihrer ergiebigsten 
schonischen Einnahmequelle gutwillig einzuräumen. In dem städti- 
schen Aufsatz von 1363 wird mit klaren Worten ausgesprochen, 
dass nur Hansen und zwar nur mit Bewilligung des Vogts und 
der Städte daselbst liegen dürfen^, ein Paragraph, der unzweifel- 
haft nicht als Seibstbeschränkung der vitteninnehabenden Städte, 
als Verzicht auf eine extensivere Vertheilung des Lagerrechtes, 
also an ausserhansische Eaufleute anzusehen ist, sondern als er- 
wünschte, nicht zuletzt gegen Dänemark gerichtete Concession. 
Wir finden nämlich — so veretehe ich die betreffende Urkunden- 
angabe * — einige Jahre später deutsche und dänische Kaufleute 
und Fischer in dem bunten Gemisch der Vittenbewohnerscbaft 
beisammen und dürfen auf diese Thatsache gestützt, auch jener 
citirten Stelle die verschwiegene Voraussetzung zu Grunde legen, 
dass die Landeseinwobner ein Eindringen in die Fischereiplälze 
versuchten, das die Städte nun zurückzustauen bestrebt sind. Doch 



» Ebd. Nr. 421 § 16; 469 § 22. 

2 Ebd. Nr. 479 § 2; 510 § 5. 

3 Ebd. Nr. 306 § 11. 

* Ebd. II Nr. 11 § 8 (I Nr. 510 § 11, 11). 



41 

zeigt die unbeanstandete Ansässigkeit drr Dänen, die sich aus 
eben jenen und anderen späteren Notizen ergibt, dass man ihnen 
gegenüber wie auch ganz natüriicli, eine gewisse milde Praxis 
eintreten Hess, während sieh Engländer, Schotten u. s. f. niclit in 
gleichem Masse solcher Nachsicht erfreuten. In dem Recess vom 
25. Mai 1371^ werden in Anlass des Pfundgeldes, das die con- 
foderirten Städte, die zeitweiligen Landesherrn Schönens auch 
hier von allen Ausserbündischen seit Ostern 1370 nach erfolgter 
Aufhebung eigener Zollpflichtigkeit zu erheben fortfuhren ^ zwei 
Katcgorieen unterschieden: die auf den Vitten liegen und die 
nicht, welchen letzteren nach meiner Auslegung alle englischen, 
flämischen, brabanter Kaufleute zugezählt werden. Man ist doch 
zu dem Schluss berechtigt, dass die Wirklichkeit dieser scharfen 
Trennung entsprach; aber war es an dem, so galt es eine That- 
sache der jüngsten Zeit. Wir haben aus den Jahren 1369 und 
70 eine Recessverfttgung^ die den geglückten Versuch einer Ein- 
bürgerung jener fremdländischen Elemente auf den Vittenlagern 
zur Voraussetzung hat, sie rückgängig zu machen bestimmt ist, 
und werden demnach in jener Thatsache den Effect dieser reac- 
tionären Massnahmen erkennen. Aber es war nur ein ephemerer. 
Einige Jahre heinach musste man neue und schärfere Retorsions- 
massregeln gegen die Unterkunft und besonders das Fischereige- 
werbe der Fremden auf den Vitten ergreifen. Wie es scheint, 
auf preussische Anregung^ wurde im Juni 1377 den schonischen 
Vögten bei einer höchst empfindlichen Geldstrafe eingeschärft, 
keinen Schotten, Engländer oder Walen auf ihnen liegen und den 
Häring einsalzen zu lassen.*^ Und mögen auch die hansischen 
Gesandten 1379 in London die Insinuation, dass man ihrerseits 
den Engländern in ihrem Handelsbetrieb in Schonen und anderen 
Ländern auf das Allerrücksichtsloseste entgegenwirke, nicht ohne 
Erfolg zurückweisen", so bleibt hiervon immer ein gut Stück 
hängen und vollends, wenn sie den weiteren Vorwurf, dass mau 
den Engländern trotz ihrer freilich selbst als gering ausgegebenen 



* Ebd. Nr. 11 § 8. 

« Ebd. 1 Nr. 522 § 3. 

3 Ebd. Nr. 510 § 11, 11 ; 522 § 7. 

* Ebd. II 147 § 10. 

* Ebd. Nr. 150 § 10. 

6 Ebd. U Nr. 210 § b, 1. 



42 

und auch so noch äusserst fragwürdigen Mitbetheüignng an dem 
Orlog ^ das altttbliche Einsalzen der Heringe unmöglich mache, 
nur mit der einfachen Abrede zu beantworten wissen — etwas 
anderes kann der Hinweis auf jene erste Antwort nicht bedeuten, — 
so scheinen sie doch ein wenig betreten und bei all ihrer Beredt- 
samkeit um Ausflüchte und Beschönigungen verlegen gewesen zu 
sein.^ Genug, man sieht, dass, wie bestritten auch und oft ge- 
hindert, fremde Nationen — das von den EngUlndern Nachge- 
wiesene gilt mehr oder minder nachweisbar von anderen Völkern' 
— durch vorübergehend erfolgreiche Experimente sich einige 
Brocken der Erwerbthätigkeit in Dänemark und dorther kommen- 
den Gewinnes zu erhalten und zu wahren bemühten, die aber die 
unglaublich einseitig bevorzugten, jeder Concurrenz weit überlege- 
nen Hansen in echt naturwüchsigem kaufmännischem Egoismus 
ihnen noch zu verkümmern suchten und verstanden. 

Ich kehre nach dieser etwas weitausgreifenden doch zur 
Sache gehörigen und für den hansischen Geist bezeichnenden Er- 
örtrung zu der Frage zurück, wer jene advenae etc. waren, über 
die eine „alte Gewohnheit^' den Städten den Gerichtsbann verlieh. 
Wir fanden schon die Bürger anderer hansischer Städte und 
dürfen nunmehr wohl hinzufügen, dass auch jene gelegentlichen 
und flüchtigen Vittengäste für die Zeit ihres Aufenthaltes oder 
ihrer Duldung der Gewohnheit und dem Wunsche der Vitten- 
inhaber gemäss ihrer Vogteigerichtsbarkeit unterstanden. Freilich 
weiss ich das nicht direct urkundlich zu belegen, aber wenn ein- 
mal zögernd die Aufnahme fremdländischer Elemente geschah, so 
scheint mir ausgemacht, dass dies zum Mindesten die unerlässliche 
Bedingung war, ohne die der an sich schon abgeneigte Vogt sie 
gewiss nicht nachgab ; an vereinzelte gewaltsame Aufdringlichkeiten 
kann man doch höchstens bei den Landeseinwohnern denken. 
Wie leicht waren bei dem dichtgedrängten Zusammenwohnen Zer- 
würfnisse, und wie präjudicirlich dann den Hansen daraus sich 
ergebende Verwicklungen mit dänischen Gerichten! Ich denke, 
die Frage nach dem erwünschten und usuellen Umfang ihrer Zu- 
ständigkeit beantwortet sich zunächst mit der gesammten Vitten- 

« Vgl. auch I Nr. 403 Anfang (Nr. 420 § 9 und die schon angef. 
Stellen über den Verkehrsabbruch). 
^ Ebd. II Nr. 210 § 8, 2. 
^ So Schotten, Walen, Flamländer. 



43 

bewohnerscliaft. Mau kann meinen, dies ohne weitere Umschweife 
einfach aus den Worten „alle Bürger etc. und alle die auf den 
Vittcn liegen^' folgern zu dürfen; allein dieser Passus braucht an 
sich nur die zu umfassen, von denen nach der bestehenden Rechts- 
gewohnheit oder dem gegebenen Privileg man die Möglichkeit der 
Einliegerschaft voraussetzte, wogegen jetzt der Einbegriff aller 
Yittenlieger wahrscheinlich geworden sein wird. — Jene Gewohn- 
heit tritt nun als anerkanntes Recht in dem Stillstand von 1364 
entgegen, während in dem Frieden von 1365 ausdrücklich der 
Zusatz angefügt ist, dass nur die Vitteninsassen der Städte der 
Gerichtsgewalt ihrer Vögte untergeordnet seien. Ich glaube, es 
heisst nicht die Worte pressen, wenn ich ihn als vollbewussten 
betrachte und dahin interpretire, dass Waldemar mit der positiven 
Bestimmung ihnen kraft seiner gesetzgeberischen Autorität das 
Recht benimmt, über alle Einlieger die vogteiliche Befugniss aus- 
zuüben. In der Urkunde König Albrechts v. J. 1368 fällt dieser 
beschränkende Zusatz wieder fort, und in unserem auch hier con- 
formen Friedensprivileg wird dann dänischerseits zum ersten Male 
seit der Wiedernahme Schönens, die allgemeine Gerichtsbarkeit 
über die gesammte Vittenbevölkrung definitiv bestätigt. 

Aber die Vitten fassten durchaus nicht alle Bürger, die im 
Zusammenhang mit ihrem Verkehr standen; so besassen ausser- 
halb ihrer Gemarkung die verschiedensten Aemter, Pelzer, Krämer, 
Schuhmacher u. a., denen das Feilhalten ihrer Waaren und Pro- 
ducte auf den Märkten erlaubt war, ihre Buden und Erden. ^ In 
einer aus dem 16. Jahrh. stammenden Abschrift des Vertragsent- 
wurfs V. J. 1352 findet sich der in der gleichzeitigen Copie 
fehlende Vermerk, dass die Vögte über alle Ihrigen, auch die 
nicht auf den Vitten, wenn nur im Bereich der „metae nundi- 
narum^' lägen, richten sollten. lu der Vertragsurkunde von 1364 
erhält jeder Vogt das Recht, über alle ausser den Vitten ange- 
siedelten Aemter die Gerichtsgewalt in dem ihm sonst zuständigen 
Umfange zu üben; wohl hur in Anerkennung eines schon be- 
stehenden, vielleicht an Bedeutung gewinnenden Verhältnisses. 
Auch in ihr ermangelt jene räumliche Begrenzung der späteren 
Abschrift; mag man sie nun für authentiscli oder für interpolirt 
an dieser Stelle halten, sie wird in jedem Falle in der an sich 



^ Cfr. L, B. das Friedensprivileg 1 p. 47t> (Mitte). 



44 

naheliegenden Annahme bestiirkcn dürfen, das» die allgemeine 
Ortsangabe „ausser den Vitien" niclit etwa das weite dänische 
Aussenland, sondern die kleine von Skanör bis Falsterbo reichende 
Erdzunge bedeutet. In ähnlicher Forip bestätigte denn auch der 
Friedensvertrag von 1365 die beredete Gerechtsame. Und nichts 
mehr dürfte unser Privileg enthalten, wenn da mit noch vollerem 
Munde gesagt wird „über alle Bürger und ihr Gesinde, sie liegen 
wo sie liegen". Wir sehn dann, es wird ein von Waldemar letzt- 
hin zum ersten Male anerkanntes Recht erneuert. 

Und nun ein schneller historischer Rückblick betreffs der 
inhaltlichen Ausfüllung der städtischen Gerichtscompetenz. 

König Magnus klagt 1352, dass die Seestädte sich die ihm 
gebührende Jurisdiction über „blau und blutig" anmassten, be- 
streitet also die Legalität ihrer niederen StraQustiz, die ihnen 
doch im Gegensatz zu dem meist vorbehaltenen Biutbann längst 
zustand und selbstverständlich als eins ihrer schätzbarsten Grund- 
rechte im gleichzeitigen Vertragsentwurf beantragt wurde. Auch 
der Aufsatz von 1363 macht es geltend durch Hervorhebung der 
alleinigen Ausnahme des Blutbanns. Im folgenden Jahre wurde 
dann die Gerichtszuständigkeit für alle Sachen, die nach dem 
dabei massgeblichen lübischen Recht nicht an Hals und Hand und 
wie meines Wissens hier zum ersten Male begegnet, nicht über 
eine Strafsumme von 40 ^ schon. = ca. 1400 Rm. gingen, den 
Städten gewährleistet, eine Concession, die Waldemar in seinem 
Friedensinstrument von 1365 wiederholt, um dann fortzufahren: 
Dazu geben wir, dass sie richten „blau und blutig, was mit der 
Hand oder dem Stock geschieht, ausser Beinbruch und vollkomm- 
nen Wunden". Ich wüsste nicht, wie in diesem Satze die durch 
das einleitende Wort erregte Erwartung eines neuen Zugeständ- 
nisses erfüllt sein sollte. — War es nun schon zwei Städten, 
Lübeck und Stralsund gelungen ^ den Vorbehalt der peinlichen 
Gerichtsbarkeit zu überwinden, so ging das allgemeine Streben 
darauf aus, wenigstens alle übrigen in Wegfall zu bringen. Dies 
zeigt der Freibrief König Albrechts, der nur den Blutbann von 
der Zuständigkeit des deutschen Vogtgerichts ausschloss. Es darf 
nun doch überraschen, wenn in seiner Redaction von 1369/70 die- 
sem Vorbehalt wieder der der vollkommnen Wunden, die mit„egghe" 



' Lüb. U. B. II Nr. 499. Sartorius a. a. 0. Bd. II. p. aiti. 



45 

und „orde wraghf^ sind und doch nicht unter die Kategorie der 
Kapitalverbrechen gehören, angeschlosseu wird. So selten sind 
gewiss bei der nachweisbaren Häufigkeit ernsterer Raufereien in 
Schonen, wie sie am Ende bei den madsenwelsen Ansammlungen 
in den Vitteulagern und dem faustderben Geschlecht ganz natür- 
lich waren y derartige Straffälle nicht gewesen, die einen erkleck- 
lichen Finanzertrag gewähren mochten. Wohl dies Interesse im 
Verein mit dem, möglichst Herr und Richter im eignen Lande zu 
bleiben, hat die Dänen dazu veranlasst, mit Entschiedenheit auf 
die Wiederaufnahme des 1365 gemachten Vorbehaltes zu dringen. 
In diesem Punkte wichen also die siegreichen Städte aus ihrer 
angestrebten und von dem willfährigen Schwedeukönig schon ge- 
währten Position zurück. 

Um kurz zu rekapituliren, die Gerichtsgewalt aller städtischen 
Vögte umfasste nach dem stralsunder Frieden äusserlich alle Vitten- 
eluaassen und zudem die ausser denselben wenn nur im Markt- 
bereich lagernden Bürger, innerlich alle criminalen und privaten 
Hechtsanlicgen bis auf den Blutbann und vollkommene Wunden. 
Nimmt sich diese Reihe von Zugeständnissen nun auch als ein 
Weitgehender Verzicht der dänischen Königsgewalt auf ihre Be- 
^iigDiss aus, so entspricht sie doch zum Theil den allgemeinen 
•^erliältnissen und dem allgemeinen Rechtsbewusstsein jener Tage; 
^ber wie geradezu exorbitant müssen Bestimmungen erscheinen, 
^ie auch die Rechtsstreitigkeiten der Eingebornen gegen die Han- 
^Oii den städtischen Vogteien untergaben! 

In ihrer Klagschrift von 1352 beschwerten sich die See- 
städte, dass die schwedischen Vögte ihre Bürger in ungerechtfer- 
tiigter Weise vor ihr Gericht citirten, schwer bestraften und brand- 
schatzten und mit alle dem in die Sphäre ihrer Jurisdiction über- 
griffen. Wohl möglich, dass hierunter nicht sowohl Rechtsklagen 
Uei* Deutschen gegen einander, als vielmehr der Inländer gegen 
Bie gemeint waren. Doch steht das dahin. Im Vertragsentwurf 
desselben Jahres aber sprechen sie klar aus, dass von den könig- 
lichen Vögten zu Skanör und Falsterbo ein Vittenbe wohner nicht 
vorgeladen werden (in heimischer Rechtssprache „callen" benannt), 
dass er überhaupt nichts mit dem „empt^^, d. h. wohl dem könig- 
ichen Vogteiamt zu schaffen haben, sondern nur vor seinem 
städtischen gegen alle fremden Kläger, n. b. aber natürlich nur 
iu dem Unfang von dessen Competenz, zu Recht stehen sollte. 



46 

lu dem Rechtsverzeichniss von 1363 kehrte diese Forderung in 
ähnlicher Form wieder: Vor kein SchloBS, d. h. da man den Zu- 
satz „in den schonischeu Jahrmärkten*^ nicht bloss zeitlich, son- 
dern auch räumlich auffassen muss, weder das von Skanör noch 
das benachbarte von Falsterbo sollten die Vitteueiulieger auf An- 
klage eines Aussenstehenden hin gezogen werden. Im Stillstands- 
brief wurde dann Folgendes hierüber decretirt: Jede Bezichtigung 
derselben soll vor dem betr. deutschen Vogte geschehn, wobei 
sicherlich wieder die Voraussetzung von dessen allgemeiner Zu- 
ständigkeit bloss verschwiegen ist. Würden sie dagegen auf 
augeuscheinlicher That betroffen , so soll der dänische Vogt es 
richten nach Recht und Gnade. Kein Zweifel, dass die Städte 
zuvor schon diese unschätzbare Vergünstigung in ihren gericht- 
lichen Beziehungen besassen. Wurde auch die Aburtheilung einer 
offenbar zu Tage liegenden Verschuldung eines ihnen Angehörigen 
gegen einen Inländer den Landesgerichten reservirt, so war immer- 
hin schon sehr viel gewonnen, wenn er vor unbegründeten oder 
übertriebenen, etwa durch schlechte, ihm abholde Zeugen unter- 
stützten Klagen geschützt wurde, die trotz aller anhaftenden 
juristischen Schwächen leicht bei den dänischen Vögten ein williges 
Ohr finden mochten. Im Frieden von 1365, der die erste An- 
ordnung wiederholte, ward zwar jener Vorbehalt nicht ausdrück- 
lich erneuert, jedoch ist nach der durchaus conservativen, ja re- 
gressiven Richtung desselben so gut wie ausgemacht, dass er dem 
Sinne nach nicht fehlte, wenn es da hiess: Einer jeden zugelegten 
Anklage mögen sich die Hansen vor ihrem deutschen Vogt ent- 
ledigen; keinen von ihnen soll man „callen^^ vor das Haus einer 
Sache wegen, die ihren Vögten zu richten zusteht. Eben in dieser 
allgemein gehaltenen Definition fehlt die genauere Angabe darüber, 
ob den Vögten auch zukam, auf offenbarer That Begriffene in 
dem obigen Sinne zu richten. Aber, wie gesagt, das noch Jahrs 
zuvor gutgeheissene Rechtsverhältniss wird fortbestanden liaben. 
In dem allgemeinen Freibrief des stralsunder Friedens wird in 
dieser Richtung nun zugestanden, dass man Niemand laden soll 
vor das dänische Recht; will man Jemand beschuldigen, so be- 
schuldige man ihn vor seinem deutschen Vogt mit seiner Stadt 
Recht, bei dem auch etwaige Verdächtigungen anzubringen sind. 
Wie also die Vitteninsassen für die ganze Fülle ihrer Rechts- 
anliegen aus dem Zusammenhang mit der dänischen Oerichtsver- 



47 

• 

fassung, nur mit der einen bekannten Ansnahme herausgelöst 
waren, so werden die Dänen, die Eingeborenen ihrerseits mit 
Rechtsklagen gegen die Hansen — aber wohlgcmerkt nur in den 
Vittenbezirken und mit derselben Exception — an die deutschen 
Vögte verwiesen, während natürlich die Processe der Deutschen 
gegen die Dänen der Entscheidung der heimischen Gerichte unter- 
standen und verblieben, wenn nicht ein schiedsrichterliches Ver- 
fahren vorgezogen und vereinbart wurde. Ein ganz monströses, 
für die Hanse unschätzbares Recht, das man eben jetzt seiner 
früheren Einschränkung oder sicher doch seiner früheren elasti- 
schen Fassung entkleidete und in eine scharfe, unzweideutige Aus- 
drucksform brachte. Ich weiss dafür nur ein Pendant auf wirth- 
schaftlichem Gebiete, das aber das Mass jener Extravaganz auch 
nicht erreicht; ich meine das von den Hansen in Anspruch ge- 
nommene Recht, dem Vogt des Königs, der in dieser ertragreichsten 
Heringsgegend Schönens keine Fischereiplätze zum eigenen Bedarf 
sich reservirt zu haben scheint, nur für einen Tag Einfang und 
Eiusalzung für die königliche Küche zu gestatten, ein Recht, dessen 
Durchführung sie einige Jahre später ihren Vögten zur unnach- 
sichtlichen Pflicht machten. ^ Wie unliebsam übrigens dem König 
die gerichtliche Stellung der Städte in seinem Lande war, zeigt 
recht deutlich seine radicale aber unerfüllbare und unerfüllte 
Fordrung vor dem Frieden von 1365, die darauf abzweckt, sich 
in den Vollbesitz der Gerichtsbarkeit zu restituiren. Die betreffende 
Formel ist einer Abschrift auch in diesem Zusammenhange werth: 
omnis excessus, qui perpetratur in Dacia de civitatensibus, 
debet in Dada terminari et denuo ad Almaniam non redire 
et similiter omnis excessus qui perpetratur in civitatibus de 
Dacis, in civitatibus finiri et emendari debet et ad Daciam 
non redire.^ 
Nur will ich hier daran erinnern, dass alle diese ßefugnisse 
der Städte einen realen Werth nur in der Zeit des Vittenbesuches, 
also der Schonenfahrt hatten. In den meisten Urkunden fehlt 
nicht die Bezeichnung „in den Jahrmärkten^^, die man ebenso gut 
zeitlich als räumlich zu verstehen hat. In unserem Freibriefe ist 
dieser Zusatz an dem bezüglichen Orte weggelassen; doch ist er 



* H. R. II Nr, 120 § 5. 

* Ebd. I Nr. 3öl § 4. 



I 



48 

selbstverständlich und bedeutet überhaupt nicht etwa eine Begren- 
zung der hansischen Freiheit, sondern ist nur ein Ausdruck da- 
fttr, dass zu anderen Zeiten der Verkehr mit Schonen ruhte oder 
doch in gar nicht vergleichbarer, spärlicherer Weise betrieben 
ward. Die Zeit der eigentlichen schonischeu Reise dauerte, wie 
es der leicht zu erbringenden Nachweise hier nicht bedarf, etwa 
vom 25. Juli bis 11. November, nur während ihrer Dauer waren 
städtische Vögte auf den Vitten zur Ausübung der Gerichtsbar- 
keit und der Verwaltungsgeschäfte. 

Hier fügt sich am schicklichsten in stärkerer Betonung die 
andeutungsweise schon berührte Bestimmung über die Ertheilung 
der Erlaubniss ein, in den Vitten Gäste zu gleichen Rechten auf- 
zunehmen. In unserem Freibrief wird dänischerseits den Städten 
ganz ihrem 1363 ausgesprocheneu Wunsche gemäss diese als eine 
nur ihnen zuständige Sache concedirt; aber es wird die Be- 
dingung hinzugesetzt, duss das passive Recht der Aufnahme sich 
nur auf die von Alters dort Ansässigen erstrecken dürfe. ludess 
geschah dies im vollen fiinverständniss mit den städtischen Inter- 
essen. Ausländern sperrten die Vitteniuhaber wie wir sciiou fan- 
den, nach Möglichkeit den Zutritt zu ihren Niederlassungen, und 
eiue weitere Ausdehnung desselben auf bisher nicht betiieiligte 
näher verwandte Städte konnte die drohende Gefahr einer Uebcr- 
füllung nur steigern und leicht auch eiue doch nicht erwünschte 
lebhaftere Concurrenz erziehen. — Es entspricht jene Gerechtsame 
etwa der Verleihung des Bürgerrechtes in der heimischen Stadt. 
Was endlich die Verwaltungsbefugnisse der Vögte anbetrifft, so 
geschieht derselben keine Erwähnung. Es verstand sich, dass sie 
nicht einer Vereinbarung mit den Dänen unterliegen konnten, 
sondern ausschliesslich den Beliebungen der heimischen Stadtbe- 
hörde oder wie zumeist, ihres Gesammtverbandes , der Hansetage. 
Das ist nämlich charakteristisch, dass, wenn gleich die einzelnen 
Städte für sich die Vögte setzten, die allgemeinen Versammlungen 
doch ganz vorwiegend die massgebende administrative und gesetz- 
geberische Instanz für die schonischeu Verhältnisse bildeten. 

Ich komme in Befolgung meiner etwas schematischen, aber 
übersichtlicheren Disposition, zur Besprechung einer zweiten Gruppe 
von Anordnungen, die ich als privat- und verkehrsreclitliche be- 
zeichnete. Auch hier werde ich, wo es mir nöthig scheint, durch 
vergleichsweise Heranziehung älterer Verfügungen den Werth der 



49 

in unserem Freibrief getroffenen auf das richtige Mass ihrer Be- 
deutung zu stellen versuchen. 

Wie die meisten Privilegien, beginnt auch dieses mit der 
allgemeinen Zusicherung ungehinderter Verkehrsfreiheit, der Sicher- 
heit von Person und Sache für die hansischen Bürger und Kauf- 
leute mit ihrem Gesinde; es war ihnen damit, wie nun im Ein- 
zelnen diese Freiheit durch vorbehaltene Rechte, Steuern, Zölle 
und handelspolizeiliche Vorschriften geschmälert werden mochte, 
das gesammte dänische Verkehrsgebiet erschlossen und von vorn- 
herein im Wettbewerb mit den Einwohnern durch ihre überlegene 
withschaftliche Bildung und singulare Bevorrechtigung auf anderen 
ausländischen Handelsemporien ihr Uebergewicht entschieden. 
Unter den gegenwärtigen gewerblichen Wechselbeziehungen zweier 
eiviliairter Völker sieht man sich vergebens nach solchen um, bei 
denen Unter- und Ueberlegenheit auch nur entfernt mit so aus- 
geprägter Entschiedenheit auf der einen oder anderen Seite ge- 
legen wäre wie bei denen zwischen der Hanse und Dänemark in 
der damaligen Zeit. Das städtearme Dänemark war eben noch 
nicht zu einer reicheren wirthschaftlichen Cultur, und im Zu- 
sammenhang damit seine Staatsleitung noch nicht zu der vollen 
Ansicht in ihre unendliche Wichtigkeit für das nationale Leben 
überhaupt, in das Bedürfniss ihres Schutzes und ihrer Förderung 
Vorgeschritten, als dass dies Verhältniss allzu sehr verwundern 
^ÖDute. An Gegenstrebungen gegen dies niederdrückende Ueber- 
S^wicht der Hanse fehlt es natürlich auch hier nicht, und wir 
^erden im Verlauf der folgenden Darlegung verschiedenen Ver- 
buchen begegnen, sich noch einige Kreise merkantiler und ge- 
^erklicher Thätigkeit zu reserviren. — Mit der Zusage allgemeiner 
V erkehrafreiheit war zugleich implicite die Versichrung gegeben, 
^asB die dänischen Gerichte gegen ihre Verletzungen repressiv 
Einzuschreiten hätten; von ihrer Specialisirung, wie sie z. B. der 
städtische Aufsatz durch die Schutzverbriefung gegen die See- 
):*äaber vornahm, sah man ab. 

Im Einzelnen stellten sich allerdings von Anfang an weit- 
gehende Rechte, hohe Abgaben und beengende handelspolizeiliche 
Vorschriften der freien Ausübung des hausischen Gewerbes in den 
Weg; sie abzuschwächen oder zu beseitigen ist das unablässige 
Bemühn seiner zähen Vertreter. Seit von König Waldemar II. im 
Anfang des 13. Jahrhunderts die Lübecker die Aufgabe seiner 

Deniokei Beziehungen der Uauaestädte eiu. , 4 



50 

Ansprüche auf das Strandrecht und den Erbkauf erwirkten, sind 
diese beiden tiefeingewurzelten Rechte für die einzelnen Städte 
und ihre Vereinigungen vor anderen ein Gegenstand rastlosen 
Widerstrebens geblieben. Wie furchtbar mussten sie auf den 
Handel drücken! Wie oft kamen nicht bei den Fährlichkeiten 
der nordischen Meere, denen eine gering entwickelte nautische 
Technik und eine spärliche hydrographische Kunde nur wenig 
entgegenarbeiteten, solche Seeunfälle, wie oft nicht bei dem leb- 
haften und stetig wachsenden Verkehr Sterbefälle in dem fremden 
Lande vor! Und wie unmenschlich zugleich! Ja wenn sie noch 
einen Schutz der heimischen Wirthschaft bezweckt hätten! Aber 
sie waren in dieser Form nichts als eine willkürliche, nach aller 
Vernunft unzulässige Quelle der Bereicherung. Denn hatte man 
einmal die Sicherheit des Eigenthums garantirt, so lange sein 
Rechtsinhaber es selber mit sich führte, welchen nur irgend an- 
sprechenden Grund mochte es dann geben, mit dem Fortfall des 
unmittelbaren Besitzes durch ein Seeunglück oder den Tod seines 
Trägers sie völlig wegfällig werden zu lassen ? Es war vernunft- 
mässig angesehen — ich wiederhole — nichts weiter als ein 
officieller und dadurch um nichts beschönigter Raub. 

Wir erinnern uns, dass die Dänen bei den Stillstandsverhand- 
lungen 1364 in Betreff des Strandrechts — der Erbschaftsregeluug 
geschieht dort urkundlich keine Erwähnung — sich nicht zur 
Nachgiebigkeit bewegen Hessen, und dass der Hauptunterhändler 
Herzog Erich nur die Einwirkung auf den König in der erwünsch- 
ten Richtung versprach. In den Friedensverhandlungen von 1366 
treten dann beide Punkte als die hervorragendsten Zugeständnisse 
entgegen, deren Genehmigung die Städte verlangten.^ Aber nur 
im Strandrecht gab ihnen Waldemar nach; ja er liess sich herbei, 
die aufgestellten Postulate noch ein wenig zu erweitern und zu 
präcisiren. Allein das Strandrecht war in vielen Fällen im Grunde 
nichts anderes als eine concrete Form der allgemeinen Inanspruch- 
nahme des Nachlasses; mit seiner Abschaffung ward also auch 
ein Stück dieser bei Seite geräumt. Das Ganze nimmt sich aus 
als ein für die Hausen unerträglicher Compromiss. — Fast völlig 
gleichlautend ging jener Passus in die Urkunden von 1368 und 
demgemäss auch von 1369/70 über. Es wird ihnen der See- 



' Ebd. 1 Nr. 3ül § l. 



51 

Strand in ganz Dänemark, wie der Auadruck lautet, freigegeben 
zu ewigen Zeiten von allem schiffbrüchigen Gut, es heisse Wrak, 
Seefund oder sonst wie, so dass sie es überall bergen und mit 
Hülfe anderer Leute bergen lassen mögen. Der Disjunctivsatz 
war nicht ohne Weiteres in dem selbst ausgeübten Bergerecht ent- 
halten: aus früheren Urkunden ergibt sich, dass die dänischen 
Vogte das Dingen von Eingeborenen zum Zweck der Bewahrung 
des schiffbrüchigen Gutes bisweilen verhinderten. Auch mögen 
sie Arbeitsleute für ihr Geld überall, natürlich hier gemeint zu 
jenem Zwecke werben, ohne dass es gegen den König, sein Reich 
und seine Amtmänner Verstössen soll. Unter diesen Arbeitsleuten 
wird vermuthlich in diesem Zusammenhang an bestimmte Hand- 
werker, Zimmerleute u. s. .f zur Ausbesserung der Schiffe u. s. f. 
gedacht sein, da sie in einen gewissen Gegensatz gestellt sind zu 
den für das Bergen heranzuziehenden Helfern. — Treibt aber das 
Bchiff brüchige Gut herrenlos ans Land, dann soll der nächste 
dänische Vogt oder der Mögende es bergen und diese geborgenen 
Güter mit Wisschaft biederer Leute in die nächste Kirche bringen, 
demnächst eine Veröffentlichung und Beschreibung darüber aus- 
gehen lassen und sie zur Hand der Erben oder Berechtigten be- 
wahren; die Verjährungsfrist wird auf das übliche Jahr und Tag 
normirt; in dieser müssen jene als Beweismittel ihres Rechtsan- 
spruchs Beglaubigungsbriefe der Stadt, der sie als Bürger ange- 
hören, erbringen, wonach dann die Herausgabe der geborgenen 
Sachen gegen eine gebührende Belohnung der Arbeitsleute — 
eine vielfach wiederkehrende Bestimmung! — zu erfolgen hat. 
Aber nun kommt erst die entscheidende Garantie für die Sicher- 
heit dieser Errungenschaft. 1365 hatte der König für den Fall 
einer Verletzung dieses Privilegs allen Klägern pflichtmässigen 
Rechtsschutz zugesichert, hatte jedoch dabei nicht gesagt, worin 
denn im Einzelnen dieser bestehen solle. Jetzt wird dies nach- 
geholt: Wäre jemand in Dänemark, der sich solchen schiffbrüchigen 
Gutes unterwände und dies dem Berechtigten nicht wiedergeben 
wollte, so soll man es richten an seinem Leben und an keiner 
Geldstrafe sich genügen lassen, auch ohne Genehmigung des 
Klägers den Deliquenten nicht begnadigen und dem Rechtsforderer 
das Gut zurück erstatten. Diese Anordnung unserer Urkunde ge- 
hört zu den wenigen, die eine inhaltliche Abweichung von König 

Albrechts Urkunde bezeichneu. Beide setzen zum ersten Male 

4* 



52 

auf die widerrechtliche Aneignung schiffbrüchigen Gutes die Todes- 
strafe und enthalten somit eine neue höchst bedeutsame Conces- 
sion an den hansischen Kaufmann. Soweit sich das durch Rechts- 
verbriefung erreichen Hess, waren dem tief eingenisteten Uebel- 
stande hiermit die Wurzeln zerschnitten. Das Mehr unseres Privi- 
legs beruht in der Bestimmung , ohne Vollbort des Klägers dem 
Angeklagten seine Strafe nicht zu erlassen noch in eine Sühne 
mit Gut und Geld umzusetzen. Auch fehlt die ausdrückliche Fest- 
setzung der Rückgabe des Gutes an den Rechtsnachfolger; doch 
ist diese nichts eigentlich Neues, sie steht unverkennbar auch in 
jener Urkunde, nur zwischen den Zeilen. — Besonders wird diese 
Anordnung auf die Vögte gezielt haben; sie waren durch ihre 
Amtsgewalt am leichtesten und unwiderstehlichsten im Stande, aus 
dem Schiffbruch eines Kaufmanns durch Aneignung seiner Habe 
Nutzen zu ziehen und 1352 z. B. beklagen sich die Seestädte 
grade und nur über ihre Vergewaltigungen bei diesen Unfällen. 
Und nun wird auch dem 1365 (28. Mai) geäusserten Wunsche der 
Städte gemäss die Ordnung des Erbrechtes dem Privilegium ein- 
fügt: Falls jemand stürbe in Dänemark, so mag der betreffende 
deutsche Vogt oder Mögendste sein Gut den rechten Erbnehmern 
überlassen; sind diese jedoch nicht zur Stelle, das Gut zu Land 
fahren und denen überantworten, die dazu Recht haben. Es ist 
dies keine getreue Wiedergabe der in dem städtischen Znsatzent- 
wurf von 1365 befindlichen Formel; diese ist ausführlicher und 
mit einigen Abänderungen das Ergebniss einer Verbindung von 
zwei früheren unter sich verschiedenen Beliebungen. Die eine, 
welche für die in den schouischeu Jahrmärkten entstandeneu Erb- 
fälle die oben angegebene Thätigkeit des Vogts und der Mö- 
gendsten stipulirt, begegnet in dem Vertragsentwurf von 1352 
und kehrt wieder in der Sammlung von Rechtsforderungen, welche 
die Städte 1363 König Waldemar vorlegten. Die andere findet 
sich in dem Entwurf des Freibriefes für die 5 wendischen Städte 
vom J. 1360 und besagt, dass alle ihre Bürger frei sein sollen 
von dem gewohnheitsmässigen arfkop, d. h. vom Kauf des Be- 
gräbnissplatzes, worauf dann folgende, etwas befremdliche positive 
Auslegung folgt: Bei jedem Todesfall dürfen die Erben und Vor- 
münder des Todten Gut an sich nehmen und beliebig verfahren. 
Jetzt lässt man die letzte Bestimmung gänzlich bei Seite und er- 
weitert die erste auf ganz Dänemark. Aber wie, wenn meinet- 



53 

wegen an Skagenshorn ein deutscher Kaufmann sich ins Grab 
legte, war dann ein deutscher Vogt bei der Hand, sich seiner 
nachgelassenen Habe zu unterwinden? Doch vielleicht ein Mö- 
gendster? Soweit ich nachgekommen bin, bezeichnet auch dieser 
Ausdruck einen amtlichen Charakter; er wird identiscli sein mit 
dem „der da gewaltig ist". Unter diesen allgemeinen Titel kann 
man etwa die priores der Malmöger Gesellschaft unterbringen; 
aber einen lediglich durch persönlichen Einfluss hervorragenden 
Kaufmann, der die Function einer Bewahrung der Erbschaft er- 
füllen sollte, wie Sartorius durch seine Wiedergabe „der Ange- 
sehenste" will, kann ich um so weniger dazu rechnen, als er meist 
in Bezug auf die Vitten in Verbindung mit den Vögten vorkommt 
und da gewiss nur einen anderen Beamten, etwa den Aeltermann 
eines Handwerks u. s. f. bezeichnet. Und selbst zugegeben, dass 
er nur den nach der Grösse der Gesellschaft relativen Begriff 
nder Angesehenste" ausdrückt, zu dem Angesehensten unter dem 
Gesinde des einzelnen Kaufmanns wird man ihn nicht herab- 
schwächen wollen. War es aber nicht möglich, nicht oft der 
Fall, dass der Kaufmann, wie auch immer zur Bildung gesell- 
schaftlicher Gnippeu geneigt, in den Verzweigungen seines spe- 
ciellen Handelsbetriebes an Verkaufsplätze gerieth, wo er mit 
seinen Dienern und Knechten allein thätig, seinen Tod finden 
konnte? — Wie ich glaube, hat sich hier eine Unklarheit einge- 
schlichen durch die Verallgemeinerung bestimmter lokaler Anord- 
nungen auf das ganze Reich, die eben in ihrer Fassung sie nicht 
ertrugen. An eine amtsgeschäftliche Hin- und Herreise der Vitten- 
Yögte oder Mögendsten kann man selbst dann nicht ernstlich den- 
ken, wenn man sich bei dem Ausdruck „zu Lande fahren" un- 
willkürlich an das oft specifisch so genannte Schonen erinnert, 
wird sich bei seiner Interpretation vielmehr Sartorius anschlies- 
sen müssen, der darunter das Land des Berechtigten verstanden 
wissen will. 

Noch auffallender ist, dass eben mit der Vernachlässigung 
jener oben angezogenen Verfügung auch der Beseitigung der Erb- 
schaftssteuer — denn die Institution des arfkop bedeutet eine 
solche — nicht in einer negativen Ausdrucksform Erwähnung ge- 
schieht. Dahlmann sagt in seinem Resum6 über den stralsunder 
Frieden, dass das Aufhören der Steuern von ihren Hinterlassen- 
schaften mit klaren Worten ausgesprochen sei. Im Kern der 



54 

Sache gebe ich ihm vollkommen Recht, aber nicht in ihrer Ein- 
kleidung. Das Richtige vielmehr ist, dass es mit gar keinen Wor- 
ten ausgesprochen wird. Aber dieser Mangel giljt ein mittelbares 
Argument: Sollten die Städte nämlich in ihrer Situation als Frie- 
densgeber auf die rechtliche Abschaffung jener höchst unliebsamen, 
ganz willkürlichen Steuer verzichtet haben und wenn ja, die Dänen 
ihrerseits auf die dann berechtigte und hansischerseits gewiss 
unbeanstandete Einfügung einer Klausel an der bezüglichen Ur- 
kundenstelle? Es ist klar, jene Ausführung oder Ergänzung zu 
Gunsten der Hanse ergab sich beiden Parteien von selber und im 
Uebrigen lässt der an sich klare Sinn des Satzes durch seinen 
allgemeinen Inhalt einen Schluss auf die Meinung jener verwor- 
renen Stelle zu. Das Erbrecht der Deutschen wird unbedingt an- 
erkannt; der deutsche Vogt oder Mögendste soll das Erbe an 
sich nehmen und den Anerben und Vormündern zukommen lassen. 
Für die nicht in den Wirkungsbereich eines deutschen Vogtes 
fallenden Landestheile muss man im Anschluss an die Anord- 
nungen über das Strandrecht und an ein den Harderwikern und 
Zütphenern 1326 ertheiltes Privileg die Verpflichtung der dänischen 
Vögte statuiren, im Fall der Abwesenheit der Berechtigten für 
Aufbewahrung der Hinterlassenschaft Sorge zu tragen, sowie für 
ihre Uebergabe nach erbrachtem Erweis des Rechtsanspruchs. Auch 
hierfür hat dann unzweifelhaft eine einjährige Verjährungsfrist 
gegolten. Man sieht, die Urkunde ist hier nicht recht durch- 
und ausgedacht. Aehnlich allgemein gefasst erscheint ein anderes 
Zugeständniss, das für den Kaufmann nicht minder von Wichtig- 
keit und demgemäss der Gegenstand seines oft erneuten Strebens 
war. Ich füge den betreffenden Passus hier ein: „Niemand soll 
für den andern bessern, sondern nur für sein eigenes Vergehen; 
auch soll niemand des andern entgelten und kein Knecht seines 
Herrn Gut verthun oder verbrechen". In der bekannten ßechts- 
sammlung der Städte heisst es in dieser Rücksicht eingehender, 
dass ein jeder Bürger, Kaufmann oder Bote von der deutschen 
Hanse für ein begangnes Verbrechen für sich allein büssen solle, 
und in negativer Wendung, dass weder die Erben, der Herr oder 
die Heimathstadt des Schuldigen noch auch die Güter der beiden 
ersteren irgendwie für die Strafe einzustehen brauchen. Ferner 
kann kein Knecht oder Bote seines Herrn Gut verwürfein, ver- 
thun oder verspielen. — Wir sehen hieraus, dass in früherer Zeit 



55 

der Rechtsbrauch und jetzt zu Zeiten noch der Missbrauch bestand, 
den llerrn oder Erben des Verbrechers zu solidarischer Haft 
heranzuziehen und können nun den weiten, vagen Ausdruck „nie- 
mand" in Uebereinstimmung mit der Meinung des Concipienten 
auf Herren, Erben und Stadt beschränken; die Haftbarkeit aller 
Angehörigen einer Nation in dem Lande für ihren Landsmann, 
wie sie in den ältesten Zeiten eines eben sich entwickelnden Ver- 
kehrs und barbarischer völkerrechtlicher Anschauungen und Zu- 
stände vorkommt, war genugsam überwunden, um nicht eine aus- 
drückliche Beseitigung jetzt überflüssig erscheinen zu lassen. In 
den Stillstand von 1364 waren einige beschränkende Zusätze hin- 
eingebracht, dass nämlich keine Stadt dem Verbrecher zu Hülfe 
und ihn mit unrecht „ entfertigen '^ soll, und dass es weiter, um 
das Gut des Herrn der Verwirkbarkeit seitens seines verbreche- 
rischen oder spiellustigen Knechtes zu entziehen, gleich bei des 
letzteren Ankunft einer dem Vittenvogt und zwei Bürgern zu 
machenden Angabe über das Eigenthumsrecht seines Herrn be- 
dürfe. Man muss daraus entnehmen, dass die allgemein gehal- 
tenen Bestimmungen über die Knechte wesentlich nur praktische 
Bedeutung hatten für die Vitten, wo ein längerer Aufenthalt und 
grösseres geselliges Zusammensein stattfand, und das Vorkommniss 
eines Verbrechens oder verschwenderischen Spieles öfters eintrat 
als an anderen Verkehrstätten des Reiches. Auch von anderer 
Seite her musste die Gefährdung für den Herrn oder Erben eines 
Verbrechers in den Vittenlagern und den übrigen Landesdistricten 
verschieden gross sein: dort, wo nur die höchste Gerichtsbarkeit 
und die Klagen der Deutschen gegen die Landeseinwohner der 
dänischen Vogteigewalt vorbehalten waren, die ganze Masse übri- 
ger RechtsftUe dagegen dem Erkenntniss der städtischen unter- 
lag, war sie natürlich seltner und geringer als hier, wo ein sol- 
cher Regress auf jene dem Verbrecher nahestehenden Personen, 
war er erlaubt, alle Augenblicke eintreten konnte. — In dem 
Priedensbrief von 1365 erscheint jener Paragraph wieder von 
seinen etwas einengenden Zuthaten befreit und in einer allgemei- 
neren, wesentlich unserem Freibrief angepassten Fassung. Nur 
fehlt der Satz über die Verspielbarkeit des dem Herrn zubehören- 
den Gutes durch den Knecht, den dann unser Privileg wieder 
aufnimmt Ich bin indess durchaus nicht der Ansicht, dass jene 
urkundliche Unterdrückung eine vollbeabsichtigte gewesen sei und 



56 

etwa den Sinn gehabt, die bestehende Ordnung in Wirklichkeit 
zu annuUiren. Aus dem Mangel einer sonst gebräuchlichen An- 
fügung verwandter liechtssätze an andere wiederholte lässt sieb 
keineswegs immer ihre wirkliche Aufhebung oder auch nur An- 
zweiflung folgern; und selbst wo diese urkundlich stattfand, wird 
das seit lange Eingelebte in vielen Fällen fortgedauert haben, wie 
beispielsweise die Versagung des Strandprivilegs 1364 nicht eine 
allseitige Nutzung des Strand rechtes, sondern- meist nur ein rein 
factisches, rechtlich schwebendes Verhältniss zur Folge gehabt 
haben wird. Die Macht des urkundlichen Rechts trat damals weit 
gegen die Macht der Gewohnheit und der momentanen Verhält- 
nisse zurtlck; womit auf der andern Seite keineswegs gesagt sein 
soll, dass nicht oft durch einen bestimmten urkundlichen Act die 
Continuität der bisherigen Zustände zerrissen, neue entstanden 
seien, wie das bei den Zollermässigungen z. B. unzweifelhaft der 
Fall ist. — Genug, wir werden auf die Erneurung jenes Satzes 
keinen grossen Nachdruck legen dürfen. 

Für das Ganze mag aber nicht unerwähnt bleiben, dass durch 
diese neuen und zum Theil erstmaligen Zusagen Waidemars für 
die Sicherung des schiffbrüchigen Guts und des Erbrechts sowie 
für den Ausschluss jedweder Repressalien an Unschuldigen sich 
doch ein weiterer Fortschritt in der Vertiefung des internationalen 
Privatrechtes vollzog. 

Derselben Tendenz, einer consequenteren und reicheren Aus- 
bildung des hansischen Privatrechtes auf dänischem Boden die 
dänische Anerkennung zu erwerben, folgt eine Reihe weiterer, 
zum Theil neuer Bestimmungen, welche bestimmte Vorkommnisse 
und Verhältnisse ins Auge fassen und wohl wegen ihrer häufigen 
Wiederholung einer besonderen Vorsorge werth und bedürftig er- 
schienen 

Wenn irgend ein Schiffer, lautet eine hier zum ersten Mal 
auftretende Verfügung, in der See oder dem Hafen Anker und 
Taue aus Noth stehen lässt, so mag er sie ungestraft zu beliebiger 
Zeit für seinen Bedarf lichten oder lichten lassen. Sie richtet 
sich offenbar nicht gegen einen einfachen Diebstahl dieser Geräth- 
schaften, sondern gegen die Versagung der Erlaubniss ihres nach- 
herigen Wiedererwerbs, die nur bei den Behörden stehen konnte. 
Es liegt ihr eben die rohe dänische Anschauung zu Grunde, dass 



57 

fremdes Privateigenthnra ziniäclist nur sicher sei durch das Geleite 
des Kechtsinhabers, sei es des Eigeuthüraers oder seines ^mäch- 
tigen" Boten. 

Eine andere hierhergeliörige Festsetzung bezielit sich auf die 
Vitten und wendet sich gegen ihre unbefugte Grenzschmälerung: 
Wenn irgend eine Vitte verbaut und die Stadt dies urkundlich 
oder mit ihren ältesten auf das Land kommenden Bürgern zu be- 
weisen im Stande wäre, so soll man den Bau brechen, und zwar 
tlme es im Fall absichtlicher Unterlassung der betreffende Vitten- 
vogt oder seine Btiger. — Man könnte diese Stelle sich nun etwa 
so zurecht legen: Es mag in der langen Zeit, da der eigentliche 
schonische Verkehr ruhte, oft genug passirt sein, dass die be- 
nachbarten Landeseinwohner sich mitten auf den Vitten ansiedel- 
ten oder Baulichkeiten zu irgend anderen Zwecken errichteten; 
freilich der Aufbau grösserer Gebäude kann nicht gut damit ge- 
DQeint sein, da er einen zu argen und auch nutzlosen Eingriff in 
das städtische Vitteneigenthumsrecht bedeutet hätte, nutzlos, weil 
ihm die Hansen sicher mit raschem Erfolge entgegengetreten wären. 
In Norwegen kehren immer die Klagen wieder, dass die gewalt- 
thätigen Deutschen die Häuser der Eingeborenen niederrissen und 
als Brennmaterial verwertheten M eine solche Verwüstung kurzer 
Hand setzt eine sehr luftige, leichte und ephemere Bauart voraus, 
nnd sie eben wird man auch für jene Vittenbauten in Anspruch 
nehmen dürfen. — Allein die Vorschrift, dass die Stadt ev. durch 
das Zeugniss ihrer ältesten, an dem Vittenverkehr betheiligten 
Bürger die Widerrechtlichkeit des Baus beweisen soll, deutet auf 
eine schon längere Andauer zunächst unbeachteter, nun lästiger 
Uebelstände und der ev. erforderliche Beweis durch die städtischen 
Urkunden darauf, dass jene Bauten sich nicht inmitten des Nieder- 
lasBungsraumes, sondern an dem diesseitigen Grenzrayon gebildet 
hatten; da es sich nämlich in den Urkunden in dieser Rücksicht 
bloss um eine Umgrenzung der Vitten, nicht aber um eine Auf- 
zählung vorfindlicher Bauvorrichtungen handelt, deren Vermehioing 
sich wegen des Anschlusses an die vorhandenen leichter der Auf- 
merksamkeit und sofortigem Einschreiten hätte entziehen können, 
so würde man nicht auf sie recurrirt haben, wären die Bauten 
nicht Grenzbauten gewesen. 



' Ich verweise auf die spätere Darlegung. 



58 

Die Grenzbeziehung war freilich im Allgemeinen ziemlich 
sicher, hier nach einem Bach, dort nach einer Kirche u. s. f. ge- 
geben, aber diese Anhaltspunkte mochten nicht jeden Zweifel hin- 
wegräumen; und wie denn einzelne Städte ihrerseits dem Landes- 
herm Gelegenheit gaben zu Klagen über die eigenmächtige, uner- 
erlaubte Ausdehnung ihrer Vitten^, so konnte sich dort auch ein 
Däne ohne allzu gröbliche und auffällige Grenzverletzung den 
Anbau auf dem Vittenboden erlauben. — Es scheint mir ausge- 
macht, dass jenem „wäre es'' derartige wirkliche Geschehnisse zu 
Grunde liegen. Mochte die Vorsorglichkeit der Hansen oft genug 
den Möglichkeiten, nicht bloss den Wirklichkeiten Rechnung tragen, 
das rein ideelle Ausspin tisiren einer Eventualität von so speciellem 
lokalem Charakter wie die in Rede stehende, liegt doch ihrer 
realistischen Art fern. 

Jener Auslegung entspricht ganz wohl die unmittelbar ange- 
schlossene Bestimmung: Auch sollen ihre Vitten bleiben und sein 
in ihren Grenzen wie je zuvor, die sie beweisen mögen mit Briefen 
oder mit ihren ältesten auf das Land kommenden Bürgern. Ganz 
dasselbe Beweisverfahren! Diese Bestimmung umschliesst zugleich 
die vorerwähnte, indem die letztere der Grenzschmälerung durch 
ein bestimmtes, einzelnes Mittel, durch Verbauen gilt, eine Spe- 
cialisirung, die nahe lag und in anderen Zusammenhängen nicht 
der Analogieen ermangelt Genug, die Vittengebiete werden gegen 
jede Verkleinerung sicher gestellt. 

Ein weiteres sich hier anschliessendes Statut zieht schon des- 
wegen die Aufmerksamkeit auf sich, weil es sich als das einzige 
wesentliche Einschiebsel der stralsunder Redaction in die Con- 
cessionsurkunde des Schwedenköuigs darstellt: Wenn irgend ein 
Vogt dem Kaufmann eine Waare abkaufen will, so soll er es 
nicht ohne dessen Willen thun und sie zu dem ortsüblichen Preise 
wohl bezahlen. — Hören wir daneben einmal die Klagen der 
Seestädte im Jahre 1352 gegen König Magnus: Die Officialen be- 
zahlen ihre Einkäufe nicht oder nicht zum vollen Preis und be- 
rufen sich darum angesprochen — freilich ein nicht eben triftiger 
Entschuldigungsgrund — auf den Empfänger des Guts, den König. 
Ein gewaltthätiger Vogt konnte durch das Gewicht seiner amt- 
lichen Stellung es unschwer erreichen, dem Kaufmann einen von 

1 H. R. I Nr. 176 § 12. 



59 

ihm einseitig normirten Preis zu octroyren, und dieser hatte dem 
Beamten gegenüber einen viel schwereren Stand, bei dessen vor- 
geordneten Instanzen, in letzter Linie dem König seinen Rechts- 
anspruch wegen des geweigerten oder willkürlichen Preises durch- 
zusetzen. Daher die ans- und nachdrückliche Bestimmung eines 
eigentlich Selbstverständlichen, die dem Vogte rechtlich jede Mög- 
lichkeit entzog, eine beliebige Preisfeststellung irgend mit einem 
Schein Rechtens zu bekleiden. Soviel mir bekannt, taucht sie hier 
zum ersten Mal auf. — Eine Zahlungsfrist ist aber dieses Orts 
nicht des Näheren vorgesehn. 

Folgen zwei weitere Verfügungen, die für zwei concrete 
Fälle die Ersatzpflicht gegen den Kaufmann regeln. 

Freilich ist es schwer und wie ich glaube, zum Theil unmög- 
licli, mit völliger Sicherheit hinter den Sinn derselben, besonders 
der ersteren zu kommen. Nicht als wenn ihre Formulirung für 
die damaligen Menschen eine Unklarheit gehabt hätte; sie waren 
wie alle diese Bestimmungen natürlich durch die gegebenen Ver- 
fcehrszustände bedingt, mit deren Einzelheiten wir, wie jene ver- 
traut sein müssten, um sie gleicher Weise verstehn und würdigen 
za können; eine solche eindringende Detailkenntniss ist aber kaum 
naehr erreichbar. 

Want unde wyn, heisst es, dat veer perde theen moghen, 
dar schal me van gheven etc. dem ghenen, de dar tho säet werd; 
Ware dat he schaden dar ane dede, de dat gud upvoret, den 
schaden schal he deme copmanne weder legghen; dat twe perde 
aptheen moghen dat magh en jewelik upvoren laten alse he 
Sachtest magh. Dazu nun die Uebersetzung und Umschreibung 
von Sartorius, soweit sie hier in Betracht kommt „Von einem 
Wagen von 4 Pferden gezogen mit Tuch und Wein beladen ist" 
das und das „denen zu geben, welche die Aufsicht haben, sie 
haften dem Kaufmann für den Schaden; Wagen mit 2 Pferden 
geführt geben nichts, man kann die Fuhre, wem man will, anver- 
trauen^. Darf man aus dem letzten Satz logisch sein Gegentheil 
entwickeln, so lautet es: bei einer vierspännigen Wagenlast ist er 
gehalten, das betreffende Gut von dem. Beamten auffahren zu 
lassen. Sartorius identificirt in Uebereinstimmung hiermit den 
„der dazu" gesetzt wird, nämlich zunächst zur Zollerhebung 
mit dem, „der das Gut auffahrt", nur dass er beides in den Plural 
setzt. Dies trifft auch in gewisser Weise mit anderen urkund- 



60 

liehen Zeugnissen zusammen. Nach der citirten Stelle soll der 
letztere etwaigen Schaden ersetzen, nach dem Vertragsentwurf 
von 1352 und dem Aufsatz von 1363 aber der dänische Vogt, 
an den offenbar auch bei unserem „der dazu gesetzt wird" 
gedacht ist, diesen erlegen und zugleich den Zoll verein- 
nahmen. — 1363 erscheinen beide Wagenlasten verzollt; in 
beiden Fällen trägt der Vogt das Risico; hier ist die eine von 
der Steuer und der Vogt von der bezüglichen Regresspflicht be- 
freit. Unzweifelhaft stehen also die Steuerentlastung des betreff. 
Guts und der Wegfall des Regressanspruchs in einem cansalen 
Zusammenhang, mithin auch positiv die Steuererhebung und das 
Vorhandensein der Ersatzpflicht. Fragt man nun nach dem Mittel- 
glied dieser Gedankenverbindung so gibt die aus jenen Angaben 
zu extrahirende Befugniss des Vogts, jene Güter auffahren zu 
lassen, die Antwort. Freilich höchst sonderbar! Die Hansen sind 
einvei*standen, dass der dänische Vogt für sie ausschliesslich das 
Fuhrwerk in den beiden Handelsartikeln und zwar so weit wir 
sehen, nur in ihnen leistet, und das erst von einem bestimmten 
Gewichtsquantum an. — Beiläufig, man könnte sich kurzer Hand 
mit einer auf den ersten Blick scheinbaren Emendation zu be- 
helfen versuchen. Nur einen Buchstaben verändere man, und aus 
upvoren wird upboren, und der Amtscharakter des dänischen 
Vogts wird der eigenthümlichen Befugniss überhoben. Aber zum 
ersten ist die Aenderung wegen der wiederholten Wiederkehr des 
Wortes in diesem Zusammenhang nicht berechtigt, und was wäre 
im Grunde damit gewonnen? Wir ständen vor einem neuen 
Räthsel, würden wiederum nicht angeben können, warum die 
Städte grade an die Erhebung jener Abgabe die Besorgniss leicht- 
eutstehbaren Schadens knüpften, wie sie doch der Zusammenhang 
verräth. Denn wie konnte diese Manipulation überhaupt und dann 
grade diesen Gütern zum Schaden gereichen? Und wenn es bis- 
weilen geschah, so zu selten, um sich mit einer besonderen Sicher- 
heit für die Vergütung dieses Schadens privilegiren zu lassen. 
Nein, damit kommen wir nicht weiter; wir müssen an dem Ver- 
hältniss festhalten, dass jder dänische Vogt in der That die Auf- 
fuhr vierspänniger Wagenlasten bei den genannten Artikeln zu 
besorgen hatte, während der Transport zweispänniger — ich 
schliesse mich der Interpretation von Sartorius an — ganz in das 
Belieben des Kaufmanns gestellt wurde. — Thut man sich nach 



61 

einem Grunde dieser eigenen Befugniss um, so möchte ich an ein 
analoges Verhältniss erinnern. 1352 klagen die Seestädte gegen 
König Magnus, dass seine Vögte ihr Recht, auf den Vitten Herings- 
wagen zu halten, verkürzten, überhaupt sich ganz allein selber 
das Fuhrgeschäft vorbehielten; aU Grund für diesen Vorbehalt 
geben sie seine finanzielle Erspriesslichkeit an, indem jene als 
Monopolisten ihren Preis willkürlich fixiren könnten. Sollten nun 
Wühl die dänisciien Vögte ;^sich ein vielleicht uraltes Transport- 
monopol für jene beiden, reichlicli eingefUlirten Handelsartikel, in 
gewissem Umfange erhalten haben? Gewiss liegt der Grund des- 
selben nicht in dem Wunsche und Interesse des Kaufmanns; es 
ersclieint vielmehr durchaus als ein Vorrecht des Vogts; Beweis, 
dass die Städte sich mit seiner Einschränkung auf vierspännige 
Wagenlasten, jetzt definitiv, privilegircn lassen. — Genug jene 
Befugniss, die man doch aus dem Wortlaut eruiren muss, wird 
au ihrer Sonderbarkeit durch das Gesagte eingebttsst haben und 
wird es noch mehr, wenn sie auch erklärt, was es mit der Re- 
gresspflicht, auf die unsere Untersuchung ja hinauswill, auf sich 
hat. Bei dem Auffahren des Guts konnte sich leicht eine Be- 
schädigung durch den Umsturz des Wagens oder sonst wie er- 
eignen; im ersteren Fall unterlag der Vogt einem weiteren, gleicli 
zu besprechenden hansischen Recht, dass der Beschädigte Pferd 
und Wagen mit dem Gute behalten dürfe. Hier dagegen wird 
bloss die Schadenersatzpflicht des Vogts ohne nähere Angabe über 
ein pfandrechtliches Verfahren betont. Nun war aber ohne Zweifel 
der Ersatzanspruch der Städter für den zugefügten Schaden über- 
haupt ein allgemeiner, war in der verbrieften Sicherheit ihrer Per- 
son und ihres Eigenthums implicite enthalten, aber eben den 
schwierigsten Fall seiner Durctifülirung griff man heraus und wid- 
mete ihm eine besondere Vorsorge. Genug der Vogt ist für den 
dienstlich erwachsenen Schaden verantwortlich, kann sich nicht 
mit der Ausübung seines Amtes, mit der Erklärung einer von 
ihm nicht gewollten oder nicht verhütbaren Beschädigung ent- 
schuldigen. 

Klarer ist die andere schon berührte Bestimmung: Wenn 
irgend ein Wagen umstürzte und Schaden thäte, den mag man 
mit den Pferden Jaei^ dem Gute so lauge behalten, bis dem Kauf- 
mann für den Schaden genug geschehn ist. Wer mag zunächst 
als Eigenthümer jenes Wagens gedacht sein? Für die Vitten- 



62 

bewoliner unter einander war es unnötliig und präjudicirlieh oben- 
drein, von dänischer Seite eine gesetzliche Verordnung zu erhal- 
ten; zu entscheiden, ob ein Vitteneiulieger dem anderen regress- 
pflichtig sei, war Sache des Vogts oder der Städte. Es wird mit- 
hin nur an einen nichthansischen Eigenthümer zu denken sein, 
besonders an die dänisclien Fuhrleute, die der hansische Kauf- 
mann zum Verfahren seiner Güter, auch an anderen Orten als in 
Schonen miethete und durch die ihm beim Umsturz ihrer Wagen 
irgend ein Schaden erwuchs. Was dann den Inhaber des Pfand- 
rechts an Wagen, Pferd und ev. Gut betrifft, so glaube ich nicht irre 
zu gehn, wenn ich ohne Weiteres den undeutlichen Ausdruck 
„man" auf den beschädigten Kaufmann beziehe. Es wird ihm 
also die Concession einer sofortigen, bestimmt charakterisirten 
Pfändung für einen concrcten Fall der Eigenthumsschädigung ge- 
macht, eine Concession, die meines Wissens gleichfalls zum ersten 
Mal in diesem Privileg begegnet, wenn jenes pfandrechtliche Ver- 
fahren usuell vermuthlich auch schon früher bestand. Zugleich 
war mit ihr die Abschaffung des Grundruhrrechtes ausgesprochen. 
Hier reihen sich am besten die wenigen Beschliessungen über 
die eigentliche Ordnung der reichen gewerblichen Thätigkeit an, 
die sich besonders auf den Vitten, indess auch an anderen Ver- 
kehrsstätten des Reiches entfaltete. — Wenn der Kaufmann überall 
alle Waaren kaufen und verkaufen, ein- und ausführen, auch den 
Hering allerorten salzen durfte, so doch nur gegen Erlegung des 
Pflichtigen ZoUs.^ Da galt es denn den Dänen, etwaige Defraudationen 
zu verhüten, zunächst die Einschmugglung eines ganzen Schiffs. Es 
mochte geschehen, dass in der Nacht bei gar nicht oder dürftig er- 
leuchtetem Hafen die Ankunft eines Schiffs der Aufoierksamkeit däni- 
scher Vogteidiener oder der wohl nicht einmal regelmässigen Zoll- 
wachen etc. entging. Daher die vorsichtige und nicht mehr als 
billige Verordnung, dass Ein- und Auslauf der Schiffe nur bei 
Tage, dann aber natürlich jederzeit statthaft sein solle, wie sie 
in Uebereinstimmung mit unserm stralsunder Frieden schon der 
wordingborger erliess. Nicht ganz so streng war in diesem Punkte 
der Stillstand von 1364. Es ward darin das „Aufschiffen " be- 
liebig bei Tag und Nacht freigegeben, und bloss das „Ausschiffen" 
auf die Tageszeit beschränkt; ein Anzeichen dafür, dass die erste 
Verrichtung bei Nacht nicht leicht zu Zollveruntreuungen führen 
konnte; was sehr begreiflich, da die ausgeladenen und ans Land 



63 

gebrachten Güter am folgenden Tage der Beachtung und Ver- 
zollung seitens der Zollbeamten sich nicht wohl entziehn Hessen, 
während bei nächtlicher Abfahrt die Abgabe leichter zu umgeben 
war. Indess dürfte in praxi jenes Interimisticum von wenig Belang 
gewesen sein, demgemäss dann auch seine bald erfolgte und bei- 
behaltene Abstellung. 

Ein weiteres Recht, Tag und Nacht die Schiffsladung zu 
löschen, konnte eben aus dem angegebnen Grunde so leicht nicht 
zu einem Conflict mit den dänischen Zollinteressen führen. Und 
wenn es bisweilen ausdrücklich in früheren Freibriefen erwähnt 
wurde, so lässt das ebensowenig schon auf eine ernsthafte Oppo- 
sition von dänischer Seite dagegen schiessen, als seiner Erneurung 
ein besonderes Gewicht beilegen. Nur beachte man, dass in 
unserm Freibrief nicht bloss wie der städtische Entwurf von 1362 
und der Aufsatz von 1363 will, die Entleerung sondern auch die 
Füllung der Schiffe mit Löschfahrzeugen zu jeder Zeit eingeräumt 
wurde. Dieses plus unserer Urkunde mochte dem rührigen Kauf- 
mann recht willkommen sein, den Dänen aber nicht nachtheilig, 
da bei der erst zur Tagzeit erfolgenden Abfahrt der Schiffe eine 
Gontrole auf Zollschmuggeleien auch dann noch statthaben konnte. 
Den Zeitpunkt der Zollentricbtung angehend ist in gegen- 
wärtigem Freibnef keine Vorkehr getroffen. Wahrscheinlich hat 
sie sogleich bei der Einfahrt und Ausladung stattgefunden und 
für die Ausfuhr gibt es ältere, natürlich auch damals noch rechts- 
gültige Vorschriften, wonach sie nach der Bepjickung der Last- 
wagen noch vorgenommen werden konnte, ohne eine Ansprache 
oder Arrestation nach sich zu ziehn. Diese treten erst ein, wenn 
sie das Wasser berührt haben; d. h. unmittelbar am Meeresstrand 
ist die letzte Hebestelle, wird hier die Abgabe versäumt, so ist 
das Gut verfahren und verfallen.^ 

Dies die Hafenordnung. — Weiter ist dem Kaufmann ge- 
stattet, bei der Ankunft seine Waffen bis zur Herberge und bei 
der Wegfahrt sie wieder zu Schiff zu tragen. In ihren Klagen von 
1352 nahmen die Seestädte das Recht ihrer Kaufleute in Schutz, 
auf einem bestimmten Wege zwischen Skanör und Falsterbo mit 
mit den landesgesetzlich erlaubten Waffenstücken — wohl der 



* Cfr. z.B. H. I Nr. 178 p. 110 (der Vertragsentwurf von 1352) und 
den Stillstand von ia04: 11. R. I (p. 295 oben). 



64 

Harnisch, die hastnla und vlotcle etc. ^, — ausgerüstet einherzu- 
gehen; und wünschen in ihrem etwa gleichzeitigen £ntwurf noch 
das weitere Recht anerkannt , dass die Ihrigen, also nicht bloss 
die Kaufleute, in Skanör und Falsterbo ihre Rüstung bis zur Her- 
berge bei der Ankunft tragen dürften, womit sie selbstverständlich 
aucli ihre straffreie Führung bei der Rückkehr meinten. lu diese 
vollere und um den Zusatz „anderswo in Schonen" erweiterte 
Form kleideten sie es in ihrem Rechtsverzeichniss 1363 ein, in 
der es in die Stillstaudsurkunde von 1364 überging, während 
Waldemar im uäclistjälirigen Frieden die lokalen Bemerkungen 
überhaupt abstreifte, andrerseits die Strafbarkeit missbräuchliclier 
Benutzung ausdrücklich hinzufügte. Auch in gegenwärtigem Frei- 
brief fehlt es an einer näheren Ortsangabe. Möglich, dass dann 
das Waffenrecht in jener Begrenzung nicht bloss für Schonen, 
sondern ganz Dänemark den Hansen eingeräumt wurde; wenigstens 
sind und waren die beiden Formeln dieser Auslegung fähig. Frei- 
lich sollte mau hierfür eine präcisere Fassung derselben erwarten; 
musste sich doch bei einer bewussten Erweiterung des alten Rechts 
dem Concipienten von selbst der Ausdruck dafür aufdrängen. 
Zur Berufung auf den urkundlichen Zusammenhang für die 
grössere Wahi*scheinlichkeit einer bloss auf das schonische V'er- 
kehrscentrum beschränkten Gültigkeit dieser letzten Verfügungen 
kann ich mich dagegen nicht entschliessen. — Was besagten sie 
nun aber nach ihrem Inhalt? Doch merkwürdig, dass sie nnr 
bei der Ankunft und Abreise auf dem Wege vom Strand zur Her- 
berge den Städtern die Waffenführung erlaubten. Und wenn 
schou die positiven Angaben früherer Briefe sie für die Dauer 
ihres Aufenthaltes unzweideutig untersagten, so belegt der unsrige 
sie vollends mit der nicht unerheblichen Geldbusse von 1 ;^ 
schon. = ca. 35 Rm. Es ist dies die eine von den beiden in ihm 
stipulirten Strafen für polizeiliche Contraventionen abseiten der 
Hansen, die natürlich den Zweck hatte, die Landeskinder gegen 
den Missbrauch des verführerischen Waffenrechts nachdrücklicher 
zu schützen. Unzweifelhaft flössen ihre finanziellen Erträge in die 
dänische Vogteikasse, wenn auch ein Process in diesen Sachen 
nach der dargelegten Gerichtsordnung vor dem deutschen Vogtei- 
gericht anhängig gemacht werden musste. — Das Ganze wäre 



' Cfr. H. R. 1 Nr. 175 § 0. 



65 

aber eine fast wesenlose Vergünstigung, wenn dem Hansen während 
seines Aufenthalts durchaus und immer der Waffengebrauch unter- 
sagt worden wäre; wie ich mir zureclitlege, sollte er sie nur auf 
Beinen Wegen nicht bei sich führen, sie aber bei etwaigem Angriff 
in seiner Herberge, wo er seine Güter aufstapelte, jederzeit ver- 
wenden dürfen. — Wie nun, wenn er in das Binnenland eine 
Geschäftsreise unternahm, deren besondere Fährlichkeiten auch 
das Bedürfuiss eines eignen Waffenschutzes besonders empfindlich 
machen mussten? Unsere Urkunde gibt darüber ebensowenig 
Auskunft, wie die mir zugänglichen früheren, eine Verschwiegen- 
heit, die sich wohl aus der muthmasslichen Geringfügigkeit des 
directen hansischen Waarenverkehrs nach dem Inneren des Landes 
erklärt. — Man wird nun die Bedeutung des Rechtes nicht unter- 
schätzen können. Dass bei dem derben Charakter damaliger Zeit 
Schlägereien, Räubereien und Uebergriffe aller Art von Seiten 
höherer und niederer Stände nicht eben selten und die reichbe- 
ladnen Kaufleute ein besonders lockendes Ziel derselben waren, 
ist hinlänglich bekannt. Das galt in Dänemark so gut als andrer 
Orten. Gegen solche Vergewaltigungen fanden aber die Hanse- 
brüder dort einen viel ausgiebigeren Schutz, als die dänische 
Polizei in der Hand des Vogt ihnen gewährte, in der kundigen 
Führung eigner Waffen und in geschlossnem Zusammenhalten. 

Was demnächst die Münze anlangt, so klagte König Magnus 
1352 gegen die Seestädte, dass ihre Kaufleute ungesetzlicher 
Weise mit Silber — ein etwas incorrecter Gegensatz zur königlichen 
Münze — kauften und verkauften. In ihren gleichzeitigen Ent- 
würfen nahmen dann Lübeck und Rostock in der Weise zu dieser 
Frage Stellung, dass sie ihre Vittenbewohuer für verpflichtet er- 
klärten, mit des Königs Münze zu kaufen. Wenn sie aber bei 
ihren Verkäufen nach freiem Uebereinkommen mit dem Käufer 
Gold, Silber, andre Münzen und Güter an ihrer Statt als Zahl- 
mittel annehmen wollten, so mögen sie es, ohne strafbar zu werden, 
thun. Also bloss für die Einkaufsgeschäfte lassen sie die Landes- 
mttnze als obligatorisch gelten, wobei sie sich aber auch nur auf 
Transactionen zwischen Hansen und Ausserhansen beziehen können. 
Durften nämlich jene mit beliebigen Zahlungsmitteln verkaufen, 
so durften sie folge weise von einander mit gleicher Beliebigkeit 
einkaufen: wer das eine Verhältniss zugestand, räumte zugleich 
das andere ein. Der städtische Aufsatz von 1363 dagegen er- 

Denioke, Beziehungen der Hansestädte etu. 5 



66 

kennt die Verpflichtung aller Vitteneingesessenen an, nach der 
Ausgabe der neuen Münze mit dieser zu kaufen und zu ver- 
kaufen. Liegt der Ton dieser Worte auch auf „neu", so drücken 
sie doch zugleich jenen allgemeinen unbedingten Münzzwang aus 
und nöthigen uns somit, die seitherige Existenz dieses Verhält- 
nisses und die Erfolglosigkeit jenes Anspruchs wie überhaupt 
des ganzen 1352 er Entwurfs anzunehmen. Die Hansen sind 
hiernach zur Abweisung aller fremden von ausserhansischen 
Käufern angebotenen Münzen, in gewissem Sinne also zur Mit- 
wirkung für das königliche Interesse verbunden. Dies lag aber 
weniger in dem Staats wirthschaftlichen Schutz des dänischen Geld- 
marktes vor Ueberführung mit fremden, oft besseren Münzen als 
in dem Schutz des ergiebigen königlichen Regals. — Wurde im 
Stillstand von 1364 dieses Verhältniss von neuem als das rechts- 
gültige festgestellt, so ward dem Kaufmann darin andrerseits zu- 
gleich für die Eventualität einer Entleerung des königlichen 
Münzvorraths die Erlaubniss zu Theil mit „Gold oder Silber** 
d. h. nicht einheimischer Münze zu kaufen und zu verkaufen. 
Unser Freibrief bringt dann eine neue und bündige Formulirung: 
Jeder Kaufmann ist gehalten mit des Königs Münze zu kaufen. 
Hier fehlt demnach, wie auch schon in der vorigen Verfügung, 
die Begrenzung auf die Jahrmärkte oder Vittenlager, zwei Lokal- 
angaben, die man unbedenklich identificiren darf, und wie ich 
glaube, mit gutem Bedacht: Die Bestimmung gewann dadurch 
Gültigkeit für das ganze Reich. Ihre sehr eingreifende Neuerung 
liegt in dem Fortfall des „Verkaufen", womit die hansischen 
Kaufleute der Verpflichtung überhoben wurden, die Annahme von 
etwa oflPerirten fremden Münzen aus der Hand fremder Käufer 
zu versagen und nach unserer obigen Ausführung den freien 
Münzgebrauch in ihren gegenseitigen Geschäften erlangten. In 
Betreff des ersten Punktes war sie freilich für das dänische 
Interesse kaum von nachtheiliger Bedeutung. Mochten doch nach 
wie vor die dänischen Behörden den Einkauf mit ausländischen 
oder sonst unstatthaften Zahlungsmitteln ihren Unterthanen, resp. 
anderen nichthansischen Käufern verbieten. Zur weiteren fak- 
tischen Begründung jener positiven Errungenschaft aber beziehe 
ich mich auf eine hansische Recessordnung vom 24. Juni 1376^, 

> H. R. II Nr. 120. 



67 

die im darauffolgenden Jalire mit einem Zusätze erneuert wurdet 
Sie zählt eine Reihe von Münzen auf, die in Schonen, insbeson- 
dere auf den Märkten in Umlauf gebracht werden durften, offen- 
bar eine Massnahme, um die Vitten vor dem Zufluss schlechter 
Mflnzsorten und zugleich vor noch grösserer Münzverwirrung zu 
bewahren. Da springt in die Augen, dass sich die Transaktionen 
des deutschen Verkelirs für sich durch deutsche Umlaufsmittel 
vollzogen. Es war in der That mit unserem Privileg jenes harte 
Gesetz, das den Verkehr der Vittenbewohner unter einander durch 
die Exclusivität der Landesmünze tyrannisirte, hinweggestrichen, 
was die Dänen übrigens wohl leicht verschmerzen mochten, da 
eine strengere erfolgreiche Controle über seine Befolgung kaum 
durchführbar gewesen ist. 

Wir verstehen mithin das Ganze so: Ist die Wahl der Zah- 
lungsmittel für den so zu sagen internen Verkehr der Hansen 
in Dänemark in- ihr freies Belieben gestellt, so dürfen sie von 
den Fremden, insonderheit den Landeseinwohnern nur mit könig- 
licher Münze einkaufen, während ihnen keinerlei Vorwurf oder 
Ansprache wegen der Annahme anderer Werthobjecte von frem- 
den Käufern entsteht. Die Erlaubniss für den Ausnahmefall eines 
Münzmangela ist diesen Orts übergangen. — Musste nicht jene 
Münzunification den gemeinen Kaufleuten für ihren Verkehr mit 
den Aussenstehenden höchst unliebsam sein? Doch nicht so sehr, 
wie man zunächst meinen könnte. Oder sollten sie nicht gesucht 
haben, sich gegen die mit der jährlichen Münzerneuerung ver- 
bundene Verringerung des Gehaltes durch eine Anpassung ihrer 
Preise an den Werthverlust der Münzen zu decken? Ganz ohne 
EinbuBse werden sie freilich trotz ihrer dominirenden wirthschaft- 
lichen Stellung im Lande, die jenes Streben mächtig zu fördern 
geeignet war, kaum davon gekommen sein, aus dem allgemeinen 
Grunde nicht, weil die Bewegung der Preise erst mehr oder we- 
niger allmählig zur alten Uebereinstimmung mit plötzlich verrin- 
gerten, nominell gleichen Werthmitteln zurückzuführen pflegt 

Eine weitere die Münze angehende Bestimmung betrifft ihre 
Ausgabe erst 8 Tage vor Michaelis. Sie tritt mit einer ganz un- 
bedeutenden Abänderung der Terminangabe schon im Anfang des 
13. Jahrhunderts in einem lübecker Privileg auf und kehrt so 



* Ebd. Nr. 150. 

5* 



68 

dann mehrfach in städtischen Freibriefen wieder. Im Stillstand 
von 1364 war eine desfallsige Verfügung unterblieben, dem ent- 
schiedenen Wunsch der Städte zuwider, daher sie in den Frie- 
densverhandlungen des nächsten Jahres mit ihrer fast wörtlich 
dem bekannten Aufsatz entnommenen Forderung auf die Innehal- 
tung dieses Termins dringen, eine Forderung, die aber erst jetzt 
dänischerseits definitiv anerkannt wurde. Was war denn ihr Sinn 
und Zweck? 1352 hören wir, dass von dem betreffenden Tage 
ab der Zoll in neuer Münze zu erlegen ist; während über ihre 
gleichzeitige ausschliessliche Anwendbarkeit für kaufmännische Ge- 
schäfte nichts Bestimmtes angegeben wird. Um so unzweideutiger 
sagt der städtische Rechtscodex, dass von jenem Datum an das 
neue Geld allein sowohl für den Zoll, als für die kaufmännischen 
Operationen statthaft sein, d. h. negativ ausgedrückt, das alte 
officiell ausser Curs gesetzt sein solle. Wir führen unser Privileg 
nun dahin aus, dass erst eine Woche vor Michaelis, dann aber 
ausschliesslich die neue königliche Münze obligatorisch für den 
Zoll — freilich scheint es mit dem seine eigene Bewandtniss ge- 
habt zu haben — und den Verkehr in Umlauf tritt. Warum aber 
bestehen die Hansen immer so nachdrücklich auf diesen Ansgabe- 
termiu, und warum weigerten ihn damals die Dänen? Sartorius 
gesteht, keine befriedigende Erklärung beibringen zu können, 
macht aber darauf aufmerksam, dass die Begünstigung in der Zeit, 
nicht früher als 8 Tage vor Michaeli liegt und ergeht sich da- 
nach in folgender Vermuthung: „Vielleicht war zuvor die neue 
Münze nicht in hinlänglicher Menge zu haben oder war es ver- 
gönnt während der ersten Wochen der Jahrmärkte älterer oder 
abgenutzter oder auch fremder Münzen sich zu bedienen, vor 
Michaelis aber nicht ?'^ Ich glaube den zweiten, an sich unwahr- 
scheinlichen Satz, auch nach den vorherigen Ausführungen igno- 
riren zu dürfen und beschränke mich auf den Versuch einer aus- 
führlicheren Interpretation seiner ersten Muthmassung. An andrer 
Stelle bemerkt derselbe Autor, nachdem er sich über die jährliche 
Mttnzumprägnng näher geäussert: „Die neue Münze wurde dann 
an einem bestimmten Tage verkündet und unter strenger Ver- 
fügung in Umlauf gesetzt". Der Ausdruck in unserm Freibrief 
kann fast zu der Annahme verführen, als habe die Ausgabe der 
königlichen Münze nicht vor dem bezeichneten Termin begonnen, 
während nach allen früheren Bestimmungen an ihm schon der 



69 

pflichtmässige Gebrauch derselben eintreteD sollte; eben dies aber 
berechtigt daza, den Ausdruck „andgeheii** für gleich- und nichts 
mehr bedeutend als mit ^^verkündigt werden^, mit dem Beginn 
der obligatorischen Benutzung zu erklären. Auch Sartorins meint 
mit seinen zuletzt angeführten, etwas unpräcisen Worten nicht, 
dass an dem Tage der Verkündigung erst Ausgabe und Umlauf 
überhaupt begann. Seine obige Muthmassung lässt über seine An- 
sicht keinen Zweifel, dass schon zuvor, aber erst in allmählich 
zanehmendem Umfange der Münz -Eintausch vor sich ^ing. Wie 
hätte denn überhaupt auch in einem Lande eine Münzrevolution, 
Einziehung und Ausgabe, an einem einzigen Tage erfolgen können! 
Dag ist doch nie ein momentaner Act, sondern ein mehr oder 
weniger langwieriger Process. Kam nun schon vor dem Tage 
der Proclamation neues Geld aus der königlichen Münze in den 
Verkehr, so lag nach Sartorius den Hansen vermuthlich daran, 
diesen Process zu völligem oder annähernd völligem Abschluss 
gebracht zu sehen, um dann die Einwechslung der alten gegen 
die neue Münze sicher und bequem zu haben, eine Annahme, 
der ich mich anschlies&e, ohne sie doch wie ich wünschte, mit 
einer grösseren Beweiskraft ausrüsten oder durch andere Erklä- 
rungsgründe ergänzen zu können. Was die schonischen Märkte 
betrifft, so sei nicht der Hinsweis darauf unterlassen, dass die 
Münzerneuerung (22. Sept.) grade in die Mitte der schonischen 
Reise, in die lebhafteste Zeit der Heringsfischerei und kauf- 
männischen Frequenz hineinfiel. 

Schliesslich wird diesen münzpolizeilichen Vorschriften noch 
die Strafe für ihre Ueb'^rtretung hinzugefügt, die zweite der bei- 
den in unserm Privileg voifindlichen Polizeistrafen, deren gleich- 
fallsige Entrichtung an die dänischen Vögte natürlich keinem 
Zweifel unterliegen kann; bedrohte sie doch eine Schädigung der 
königlichen Einkünfte, die aus dem Münzregal und Münzzwang 
erwuchsen. Die Höhe des Strafgeldes, dessen Existenz so alt ge- 
wesen sein wird, wie die Münzverordnung selber, hatten die Städte 
1363 auf eine Mark löthigen Silbers (= ca. 210 Rm.) zu fixiren 
gewünscht; eine Summe, die wesentlich niedriger ist als die in 
dem Entwurf des Königs Magnus stipulirte von 10 7/Ij^ schouisch 
(ca. 350 Rm.)^ Und jetzt wird sie noch um einen wenn auch 



* Cfr. D. Schäfer, Die Hansestädte u König Waldemar p. 207 u. 208. 



70 

kleineren Schritt zu dem Strafmass von 5 ^ ^chonisch, also der 
Hälfte der 1352 prätendirtcn herabgesetzt. Bezeichnend ist so- 
dann die Einschränkung der Strafpflichtigkeit auf augenscheinliche 
Vergehungen, ein Begriff, der freilich nicht näher juristisch charak- 
terisirt wird; so bleibt unklar, ob das Zeugniss nichtamtlicher 
Personen den Thatbestand genügend begründen konnte; in diesem 
Fall werden die Städte, wie sie denn wiederholt in ihren Privi- 
legien sich allgemein zuerkennen lassen, darauf bestanden haben, 
dass nur gut beleumundete Personen auch einer solchen Anklage 
gegen ihre Bürger fähig, waren. Wie dem nun auch sei, offenbar 
wollten sie den bei einem so belebten Verkehr leicht erregbaren 
verläumderischen Klagen und hieraus entstehenden Belästigungen 
aus dem Wege gehen, und die Dänen mochten eine solche Be- 
schränkung der Klagbarkeit auf ein zweifellos erwiesenes Ver- 
gehen um so williger einräumen, als ihnen nach den Gerichts- 
privilegien die Führung eines Processes in diesen Sachen nicht 
zukam; das zuständige hansische Vogteigericht aber würde sicher 
bei einer irgend zweifelhaften Münzklage gegen den Kaufmann 
auf Freisprechung erkannt haben, sodass ein weiter gehendes 
Recht zur Erhebung einer Münzklage für die Dänen doch illuso- 
risch gewesen wäre. Man sieht aber, wie sorgsam die Städte 
nach jeder Seite hin ehie möglichst gedeckte und privilegirte 
Stellung erstreben und gewinnen. 

Nun die wenigen Sätze über die Gewerbeordnung, vorzüglich 
der Vitten, welche bekanntlich nicht bloss zur Einsalzung und 
Verpackung der Heringe und zum hauptsächlichsten Wohnplatz 
der Kaufleute, Fischer und Handwerker, sondern zugleich zur 
Abhaltung grosser Märkte dienten, auf denen allerhand städtische 
Waaren, seien es Natur- oder Kunstprodukte der Heimath oder der 
Fremde zum Verkauf stehen durften. Auch ausserhalb der Vitten 
wird allerlei Aemtern in unserm Privileg die Berechtigung zur 
Ausübung ihres Gewerbes bewilligt. Führten die Hansen nur un- 
entbehrliche Waaren als Producenten oder internationale Zwischen- 
händler zu, so war das ein Verhältniss, an dem sich vorerst auch 
dann schwerlich rütteln Hess, wenn eine zweckbewusstere und ein- 
sichtsvollere Wirthschaftspolitik eingegriffen hätte, als sie den 
dänischen Königen damals, entsprechend der volkswirthschaftlichen 
Unreife der meisten Staatsregierungen eignete. Den hansischen 
Grosshandel konnte Dänemark für lange Zeit noch ebenso wenig 



71 

entbehren als ersetzen. Dagegen hat es den Klein verkauf seinen 
Einwohnern zum Tlieil ausschliesslich vorzubehalten gesucht, wenn 
auch den begehrlichen Deutschen immer mehr nachgebend. 

Zanächst regelt unser Freibrief ihr Schankgewerbe, natürlich 
bloss in Beziehung auf die Vitten in folgender Art: „Auf jeder 
dürfen sie 6 Krüge haben zu Bier und Meth, aber Wein dort an 
beliebigen Orten ohne Abgabe verzapfen**. 1362 hatte König 
Magnus noch geklagt, dass sie den Bierschank auf ihren Vitten 
gegen alte Gewohnheit zum grossen Schaden des Königs betrieben, 
der, wie es den Anschein hat, diesen als königliches Monopol be- 
anspruchte, und jedenfalls mit dem hansischen Ausschank in seinen 
Einkünften geschädigt zu werden glaubte. Ueberdiess, klagt er 
weiter, bezahlen sie weder das Zapfergeld für den Wein noch 
verzapfen sie ihn mit Erlaubniss des Vogts. Wenn sie dann ihrer- 
seits in den Vertragsentwurf die Bewilligung des Bierausschanks 
and von 4 Krügen aufnahmen, so sprachen sie im Aufsatz von 

1363 nur von der bisherigen Gewohnheit des gemeinen Kauf- 
niaims, Wein, Bier und allerlei Getränke auf den Vitten, auch 
nach Kannenmass zn verkaufen, nicht aber von der hergebrachten 
oder beanspruchten Anzahl statthafter Krüge. Im Stillstand von 

1364 wird sie auf drei normirt, zum Ausschank für alle Getränke, 
in unserm Privileg aber auf sechs, zugleich mit völliger Freigabe 
des Weinschanks, der von jeher freier gestellt erscheint als der 
des Bieres. Jene Zahl wird nicht ausgereicht haben, den urkund- 
lich nachweisbaren Massen consum des überaus beliebten Bieres zu 
befriedigen, welcher Ausfall wohl durch die dänischen Wirthshäuser 
der Nachbarschaft gedeckt wurde. Ist es an dem, so emancipirten die 
Städter jetzt um ein Weiteres und Bedeutendes einen wichtigen 
Theil ihrer unmittelbaren Consumtion von dänischer Abhängigkeit. 

Auch an den Kleinhandel in Wollentuch und Leinewand, den 
vielleicht bedeutendsten hansischen Einfuhrartikeln knüpften die 
^^nen Beschränkungen zu Nutz und Frommen der nationalen 
öewerbthätigkeit an. — 1362 beschwerte sich König Magnus 
Ö'>er den ellenweisen Verkauf derselben von Seiten der seestädti- 
^^hen Kaufleute auf den schonischen Märkten, erklärte ihn somit 
^^ unzulässig, wogegen Lübeck und Rostock in ihren Vertrags- 
entwürfen ihn mit der Beschränkung auf die herkömmlichen Ver- 
^Hufsstätten zu Skanör und Falsterbo beantragten. Aehnlich, nur 
^it Erweitrung derselben auf noch andre schonische Handelsplätze 



72 

lässt sich der Codex von 1363 aus. Im Stillßt^nd von 1364 wnrde 
er dann direct eingeräumt, aber nur für die Gewandbuden, jeden- 
falls den oben gedachten herkömmlichen Verkaufsstätten, während 
der Vertrieb nach grösseren Massen dieser lokalen Beschränkung 
nicht unterlag. Waldemar strich nächsten Jahres im Frieden dies 
Recht wieder hinweg, indem er den Vittenhandel in genannten 
Artikeln auf den Verkauf mit grösseren Massen, ganzen Ballen, 
„stuven" und „repen" beschränkte. Erst in unserm Freibriefe wird 
es wieder aufgenommen mit Beibehaltung des Budenzwanges und 
zum ersten Mal seit Schönens Wiedererwerb definitiv zugestanden. 

Eine weitere Gruppe von Concessionen betrifft das Halten 
eigner Prahmen, Lösch- und Fischerschuten, Wagen und Fischer. 

Die Prahme war wohl wichtiger als die Löschschute, und 
die Erlaubniss sie zu halten, wird in den früheren Fällen, dass 
nur sie ausdrücklich genannt ist, in Wirklichkeit auch den Lösch- 
schutenbesitz in sich begriffen haben. Ich bin überzeugt, ohne 
es urkundlich gradezu beweisen zu können, dass sie nicht nur 
für die Vitten, sondern für ganz Dänemark Geltung hatte. 

Was die eignen Fischerschuten anbetrifft, so war es wohl 
nur eine zufällige Unterlassung, wenn das Zugeständniss des Still- 
standsvertrags im Frieden von 1365 nicht erneuert ward. 

Und wie verhielt es sich mit dem Besitz eigner Wagen? In 
ihrer Beschwerdeschrift von 1352 sowie in ihrem VerzeichnisB 
von 1863 sprachen die Seestädte das Reich an, dass ihre, resp. 
die hansischen Kaufleute zu Skanör und Falsterbo resp. auf allen 
schonischen Märkten eigne Wagen zu ungehindertem Fuhrgebrauch 
halten dürften, ein Recht, das 1352 aber bei den Landesvögten 
auf Widerspruch stiess. Im Stillstand von 1364 wurde es dann 
genehmigt und zwar mit Fortfall aller lokalen Beschränkungen, 
die sich auch nicht aus dem Zusammenhang ergeben. Da jedoch 
die Hansen kaum anderswo als in Schonen eigne Wagen gebraucht 
und verwerthet haben, so möchte ich in jener erweiterten Fassung 
der Concession, wie sie unser Privileg wiederholt, nur eine Nach- 
lässigkeit des Ausdrucks, nicht aber eine Gunsterweisung erkennen. 

Alle diese Bewilligungen dürften zu ihrer geschichtlichen Voraus- 
setzung haben, dass die Landeseinwohner jene Geräthschaften an- 
fänglich für sich ausschliesslich in Anspruch nahmen und so die 
Gäste zur miethweisen Verwendung nöthigten. — Ferner tritt in 
dem Freibrief die ausdrückliche Erlaubniss auf, eigne d. h. doch 



73 

landsmännische Fischer zii halten. Ich wüBste nicht, dass dies 
Verhältniss je zuvor in Zweifel gestellt wäre; immerhin aber ist 
möglich, dass der Arbeitsmarkt der hansischen Kaafleute ftlr ihren 
Fischereibetrieb zu Zeiten beschränkt war oder wenigstens werden 
sollte auf die Eingeborenen, eben zu jenem Zweck, einen heimi- 
Bchen Erwerbszweig von fremden Mitbewerb fern zu halten und 
Beine Ertragsfslhigkeit nicht zu beeinträchtigen. Allein sehr hinder- 
lich kann er in diesem Puncte den Dänen im Ganzen nicht ge- 
wesen sein: immer haben dänische Fischer in hansischem Dienst- 
nnd Lohn verhältniss gestanden. 

Schliesslich erübrigt für diesen Abschnitt noch die Erwähnung, 
dass die Abhaltung des Bauernmarktes, der wohl im Vergleich 
za den die ganze Zeit über andauernden achonischen Jahrmärkten 
einen besonders belebten Verkehr mit sich führte, auf die stral- 
sander Vitte beschränkt und damit ein altes Herkommen aufs 
Neue geschützt wurde. 

Das die Reihe der Satzungen, die eine unmittelbare Regelung 
des hansischen Gewerbebetriebs bezweckten; darunter nur eine, 
die eine nennenswerthe Beschränkung bedeutete. Aus dem Mangel 
au weiteren derartigen Beengungen bestätigt sich der Eingang des 
Freibriefs, der dem gemeinen Kaufmann für das ganze Reich 
völlige Freiheit des Grosshandels gewährte. Was den Detailhandel 
betrifft, so wird man aus der engbegrenzten Freigabe desselben 
in Tuch und Leinewand für die Vitten entnehmen, dass er in 
diesen Waarensoi*ten in den übrigen Landestheilen überhaupt nicht 
zulässig war; ob auch andre im Klein verkehr ähnlichen Beschrän- 
kungen unterlagen, darüber lässt uns der Freibrief ohne positive 
Antwort; aber eben aus dieser Verschwiegenheit lässt sich ihr 
Kichtvorhandensein vermuthen, aus früheren Urkunden überdem 
zum Theil erweisen. 

Hatten nun die Dänen den Hansen eine so umfassende Frei- 
heit des Gewerbes eingeräumt, so behielten sie doch mit Zoll und 
Steuer ein Mittel, seine Ausübung zu erschweren. 

Man denke aber von vornherein nicht daran, dass diesen 
Abgaben schutzzollpolitische Gedanken zu Grunde gelegen; diese 
waren ja überhaupt dem Mittelalter so gut wie gänzlich fremd und 
insbesondere konnten sie hier in Dänemark nach dem Stand seiner 
Verkehrsbeziehungen zur Hanse nicht wohl aufkommen. Von 
einem Schutzsystem kann doch erst die Rede sein, wenn ein ent- 



74 

wicklangsf^higer Handel in dem mit Zoll belegten Waarenartikel 
im eigenen Lande ansetzt; dann ist es allerdings geeignet, ihn 
erstarken zu lassen nnd im Wettbewerb mit dem ausländischen 
den Sieg erringen zu helfen. Nach allem Gesagten wird aber 
klar sein, dass in dem dänischen Verkehrsgebiet vor der Hand 
an einen Wettkampf des nationalen Handels mit dem hansischen 
nicht zu denken war; die Artikel, die dieser importii*te, brachte 
die gewerbliche Thätigkeit der Nation überhaupt nicht oder nur 
in unzureichendem Masse hervor, und die Zwischenhand des han- 
sischen Aktivhandels liess sich nicht gut durch eigenen ersetzen 
wegen der geringen Entwicklung der Khederei und des städtischen 
Lebens überhaupt in Dänemark und der unvergleichlich vielseitigen 
Vorzüge, die der hansische Kaufmann auf den Exportplätzen der 
umliegenden Völker genoss. Jene Producte besteuern, hiess volks- 
wirthschaftlich angesehn für die Dänen sich ins eigene Fleisch 
schneiden. So stellen sich alle zu besprechenden Auflagen als 
blosse Finanzabgaben zur Bereicherung des dänischen Einnahmebud- 
gets dar. Sie theilen sich in directe und indirecte. — Die auf 
Schonen ansässigen Hansen gehörten ten*itorial ja zum dänischen 
Reich und nichts natürlicher, als dass die Dänenkönige dies Yer- 
hältniss für die ungeheure Selbstbeschränkung, welche die Ueberlas- 
sung jenes reichen Fischfanggebiets und sonstige Concessionen in- 
volvirten, sich finanziell einigermassen nutzbar zu machen suchten. 
Aus diesem Streben gingen einige Steuern hervor. Unser Freibrief 
erwähnt ihrer fünf, von denen eine, die Budensteuer sich als eine 
Mischform von Grund und Gewerbesteuer darstellt, die übrigen, so 
die Schuten-, Prahmen-, Löschschuten- und Wagensteuer sich sämmt- 
lieh auf gewisse Gegenstände des zu ihrem Gewerbebetrieb erfor- 
derlichen Capitals der Hansen beziehn; der Fischfang, das Aus- 
und Einladen der Waaren und deren Verfahrung mit eigenen Ge- 
räthschaften wird einer Besteurung unterzogen. 

Bevor ich zu ihrer näheren Eröi-trung übergehe, sei hier 
einschaltungsweise ein Verzeichniss der Abgaben zusammengestellt, 
die uns urkundlich im Zusammenhang mit dem Auffahren des Ge- 
wandes und Weines seit 1352 entgegentreten. In dem Entwurf 
dieses Jahres wurde für die vierspännige Fuhrenlast von Tüchern 
eine Abgabe von V2 ^ schon. (= ca. 18 Rm.) vorgesehn, während 
die zweispännige abgabenfrei danach eingehen sollte. In dem 
Codex von 1363 verzichteten die Städte selbst auf diese letztere 



75 

Freiheit, indem sie sich zur Entrichtung von V4 ^ ^^ ^'^ ge- 
nannte Last anheischig machten. Zu beachten ist, dass hier aber 
nicht nur von Tuch sondern auch von Wein die Rede ist, und 
beide Ai*tikel auf den gleichen Abgabenfuss gestellt werden. Es 
ergibt sich nun wohl, dass jene Abgabenfreiheit seither nicht be- 
stand und in dem städtischen Entwurf nur als ein petitum auf- 
tauchte. Man nimmt es wieder auf, und sieht es, zugleich auf 
den Wein ausgedehnt, durch die Freibriefe von 1368 und 1370 
verwirklicht; wogegen die Auflage von V2 schon. ?!^ auf die Vier- 
pferdelast von Tucli und Wein unberührt bleibt. — Wäre sie ein 
reiner Zoll, so würden, was das Tuch anbetrifft, die Hansen 
sicherlich ihre Abschaffung durchzusetzen verstanden haben, da 
sie in ihrem Abgabensystem die unerfreuliche Anomalie einer 
Doppelverzollung bedeutet hätte. Ich glaube daher, im Anschluss 
an meinen obigen Deutungsversuch für diese Abgaben den Charak- 
ter von Transportgebühren festhalten zu müssen , wenn sie auch 
einmal Dank der technisch wenig ausgebildeten Sprache als ZolP 
bezeichnet werden. 

Die Gewandbuden, in denen wollene und leinene Tücher zum 
Verkauf gebraisht wurden, sind wie die wichtigsten, so die einzigen 
flnter den vielen auf den Vitten befindlichen baulichen Vorrich- 
tangen ähnlicher Art, die nach unserem Freibriefe einer Besteu- 
I rong . unterliegen. Diese allerdings etwas befremdliche Thatsache 
' darf indess nicht zur Annahme der Steuerfreiheit dieser verleiten. 
Die Seestädte erklären in ihrem Klagschreiben 1352, dass ihre 
jedenfalls vitteneingesessenen Aemter, so die Schuster, Schneider, 
Böttcher, Pelzer u. s. f. gewohnt seien pro Mann 2 artich (= ca. 
2,7 Rm.'^) an die schwedische Vogtei zu zahlen. Es verschlägt 
nicht viel, dass diese Abgabe statt an die Bude an das Gewerbe 
Copus) angeknüpft wird. Seit acht Jahren aber, wohl im Zusammen- 
hang mit der städtisch-schwedischen Fehde, hätten die Vögte von 
jedem Handwerker auch noch ein Arbeitsproduct gefordert; vom 
Schuster ein Paar Stiefeln, vom Pelzer ein Paar Felle u. s. w. je 
nach dem Werth und Mass ihrer Waaren. Interessant ist die 
mitgetheilte Enstehungsgeschichte der Pelzerbesteurung. Zwei 
nahmhaft gemachte Pelzer waren einst in eine Schlägerei gerathen 



» H. R. I Nr. 306 § 16. 
* Cfr. unten p. 80. 



76 

und in Folge dessen schwedischerseits zur Entrichtung von je einem 
Paar Felle verurtheilt; diese einmalige Straf leistung setzten nun 
die Vögte in eine dauernde um, sie zugleich auf sämmtliche Zunft- 
genossen ausdehnend. Es giebt kein Zeugniss dafür, dass diese 
neuen missbräuchlichen Auflagen in Wegfall gebracht wären, und 
es ist sehr wohl möglich, dass sie zur Zeit des stralsunder Friedens 
noch bestanden und durch diesen stillschweigende Anerkennung 
fanden; jedenfalls aber wird die Geldabgabe in der Höhe von 
2 artich fortgedauert haben. — Was nun die Gewandbudensteuer 
anbetriflft, so gehe ich von dem Satze des Stillstands von 1364 
aus, der 3 Schill, grote (= ca. 63 Rm.) betrug. Ob er in früherer 
Zeit niedriger war, vermag ich nicht zu sagen; immerhin möglich 
jedoch, dass mit der Freigabe des ellenweisen Verkaufs erst seine 
Erhöhung zu der genannten Summe erfolgte. Waldemar strich 
nun in dem Frieden von 1365 jene wieder aus, ohne an dem 
betr. Ort die Steuerhöhe der Bude zu vermerken; gestand aber 
in seiner nur zeitweise gültigen Urkunde sie aufs Neue zu gegen 
eine gleiche Besten lung der Bude mit 3 ß. grote. Fast scheint 
hiernach der eilen weise Handel der hauptsächliche Steuergrund 
gewesen zu sein. Der gegewärtige Freibrief stellt diesen Satz um 
das Dreifache herunter, indem er mit dauernder Belassung des 
Detailvertriebs jede Bude mit einer Steuer von 1 ß. grote belegt, und 
wird man darin eine weitgehende Concession des Reichsraths er- 
kennen müssen. — Eben diesen Betrag haben alle ausserhalb 
der Vitten belegenen Handwerksbnden, so die der Schuster, 
Krämer, Pelzer, Knochenhauer zu erlegen. Ich glaube nicht, 
dass er eine Herabsetzung des althergebrachten implicirt. Meines 
Wissens ist dies Steuerverhältniss nie ein Anlass zu städtischen 
Klagen gewesen und 1365 hatte Waldemar den herkömmlichen 
Satz für eigene Grundstücke und Buden, unter denen (Hr. I, p. 477) 
sicher die ausservittischen verstanden sind, ausdrücklich anerkannt. 
— Aus dem in unserem Freibrief gemachten ausdrücklichen Ver- 
merk, dass jene Steuern nur für die ausservittischen Buden Gel- 
tung haben sollten, lässt sich übrigens ein Argument dafür ent- 
nehmen, dass sie nicht in gleicher Weise wie die entsprechenden 
Vittenabgaben reg.ilirt waren, und dies hinwieder würde insoweit 
zu den freilich 8 fach niedrigeren Zweiarticli steuern stimmen, in 
denen ich jene erkennen zu müssen glaubte. Andrerseits würde 
dazu die Bcstearung der Fischerbuden nicht passen, welche die 



77 

Städte selbst 1363 auf 1 /fre oeuer ^. (1 me = ca. 24 ^. oder 
2 /S. schon. = ca. 4 Rm.) = w4V2 artich alter ^.", also jedcDfalls 
auf mehr als 2 artich noriuirt zu sehu wUnschteu. ludess bin 
icli nicht sicher, ob nicht diese oder doch die dort gemeinten 
ausderhalb der Vitten lagen, und hiervon ganz abgesehen, hätte 
es nichts Gektlusteites, eine verschiedne steuerliche Behandlung 
der Fischer- und eigentiicheu Handwerkerbuden zu statuiren. 

Die Fischerschutensteuer angehend führten die Seestädte 1352 
über die Erhöhung des altgewolinten Satzes von 1 ^re neuer ^. 
auf 18 grote (= 14, 4 ß. sclion. = ca. 31, 5 Rm.), d. h. etwa auf 
das Siebenfache und darüber Bescliwerde. Auch der Codex von 
1363 stellte den Betrag von 1 ^re als den altherkömmlichen hin. 
Nichtsdestoweniger fixirte ihn der Stillstand von 1364 auf Vi ^ 
löth. (= ca. 105 Rm.), und man mag, um nicht ein gar zu plötz- 
liches und rücksichtsloses Anziehn der Steuerschraube annehmen 
zu müssen, versucht sein, das 1352 gerügte Besteurungsmass als 
seitdem rechtsbeständig vorauszusetzen. Erst 1368/70 wurde es 
auf 1 ß. grote (ca. 21 Rm.) erniedrigt, immer noch hinter dem 
dem damals gewünschten weit zurückbleibend. 

Aehnlich ist es mit Prahme und Löschschute gegangen. Nach 
Angabe der Städte in ihren Klagen von 1352 war seit Alters der 
Inhaber einer Prahme mit V2 schon. 77^ (= ca. 18 Rm.) steuer- 
pflichtig, der einer Löschschute aber steuerfrei. Eben in jener 
Zeit aber hatte König Magnus bez. seine Beamten dies Verhält- 
niss und zwar mit demselben Hinweis auf das alte Herkommen 
dahin geändert, dass jener 2 schön. 77^ j also das Vierfache, 
dieser 1 schon. 77^ entrichten sollte. Der etwa gleichzeitige 
Vertragsentwurf gab als den altüblichen Steuersatz der Prahme 
2 ^re schon. ^. aus, eine Summe, die durchaus nicht, wie man 
meinen sollte, identisch ist mit der oben angegebenen von 
V2 ^ (2 ^re =.^U schon. 7!^), sondern etwa um die Hälfte 
hinter ihr zurücksteht. Und 1363 dachten die Städte über ihn 
schon wieder anders, indem sie ihn halb so niedrig als in ihrem 
Entwurf sein Hessen. Wenn sie aber hiermit die Hoffnung auf 
eine wesentliche Steuererleichterung verbanden, so erfreuten sie 
sich, wofern nicht etwa der von den Schweden octroyirte in Höhe 
von 2 schon. 77^ bisher der massgebende gewesen war, im Still- 
stand von 1364, der ihn auf 10 ß. lüb. (= IV4 W schon. = 
ca. 44 Rm.) uormirte, keines Erfolges, im darauf folgenden Frieden 



f ■■ .. 



78 

ward dann gar jener hohe Satz von 2 7;^ hergestellt. Auch die 
Löschschutensteuer, über die seit 1352 nichts in den vorliegenden 
Urkunden verlautete, wird darin auf den damaligen Fuss (1 ?Z^ 
schon.) wieder gesetzt. Der albrecht'sche und stralsuuder Frei- 
brief reducirten nun beide Abgaben um die Hälfte, so dass sich 
jene auf 1, diese auf V2 ^^ schon, stellte, womit zwar eine er- 
hebliche Minderung der Belastung, aber immerhin nicht die früher 
erstrebte „altgebräuchliche" erzielt war. 

Es erübrigt noch die Erwähnung der Wagensteuer. Nach 
der Behauptung der Seestädte v. J. 1352 betrug sie für den einen 
sog. Akenwagen, den sie bisher hätten halten dürfen, V2 schon. 555^, 
die auch — ob als Postulat oder als zu Recht bestehend? — in 
dem Rechtscodex von 1363 wiederkehrt. Der in diesem Punkte 
den Städten günstige Stillstand von 1364 legalisirte wieder den 
schwedischerseits beanstandeten Besitz eigner Wagen und stellte 
die Steuer auf 15 olde grote (15 grote = ca. 26 Rm.), die nur 
wenig die gewünschte überbieten mochte, fest. Die neusten Privi- 
legien aber schraubten sie auf 8 grote, also nahezu die Hälfte der 
letztvereinbarten herunter. 

Die Geltungsdauer aller dieser Steuern fiel, wie bei einigen 
ausdrücklich bezeugt ist, mit der Zeit zusammen, welche der Kauf- 
mann an dem betreffenden Orte zubrachte; natürlich musste sich 
darnach auch der Zeitpunkt der Steuererlegung richten. Indess 
wird es nicht ganz ungerechtfertigt sein, den meistgebräuchlichen 
für die etwa viermonatliche schon i sehe Verkehrssaison wegen der 
eigenthümlichen Gleichsetzung von 1 sre neuer schon. ^. gegen 
4V2 artich alter bei Entrichtung der Fischerschutensteuer, in die 
Zeit um Michaeli, die Periode der Münzeinwechslung zu legen. 

Zahlreicher und wichtiger aber als diese directen Abgaben, 
die — nur von der Prahmsteuer könnte es allenfalls zweifelhaft 
sein — sich sämmtlich auf die schonischen Märkte beschränkten, 
waren die indirecten, welche, wie ich glaube, für den dänischen 
Gesammthandel der Hanse, nicht bloss für ihren schonischen 
Lokal verkehr GfUtigkeit hatten. Zwar fehlt darüber eine aus- 
drückliche Angabe, aber auch aller Grund zum Zweifel; die wie- 
derholte Anwendung schonischer Münze kann ein solcher nicht 
sein, da sie meines- Wissens neben lübischer, englischer und nie- 
derländischer Währung in ganz Dänemark statthaft und gangbar 



79 

war. Andrerseits mass man auch für den ausserschonisclien 
dänischen Verkehr eine Zollverbindlichkeit der Hansen setzen und 
würde somit bei einer Lokalisirung der Tabelle auf Schonen ihre 
nähere Regelung vermissen, ohne doch einem solchen Mangel sein 
sehr Befremdliches nehmen zu können. — Man wird nun an jene 
Tabelle nicht mit der Erwartung herantreten wollen, dass sie in 
moderner Klarheit und Schärfe durchgebildet sei; dies ist so wenig 
der Fall, dass sie nicht einmal immer Ausfuhr und Einfuhr er- 
kennen lässt, ein deutliches Zeugniss dafür, dass ihr überhaupt 
keine Tendenz volkswirthschaftlichen Schutzes, sondern eine nur 
ßdkalische zu Grunde liegt. Namhaft gemacht sind als Umsatz- 
artikel von Erträgen der Viehwirthschaft: Honig, Butter, Speck 
etc., Häute, Fleisch; von denen der Fischerei: der Häring; des 
Bergbaus: das Salz, und endlich von Erzeugnissen der Industrie: 
Leinewand, Tuch, Matten und in Kisten verpackbare Kurzwaaren. 
— Die Bemessungsgrundlagen der Zölle sind meist quantitativer 
Art, grössere Masse und Gewichte, seltner qualitativ die Einkaufs* 
preise der betr. Waare, mitunter werden sie als bekannt vor- 
ausgesetzt und nicht angeführt. Die Masse, Gewichte und Preise 
der Waaren muss man kennen, um das keineswegs durchstehende 
procentuale Verhältniss ihrer Zölle zu ihren Werthen zu berech- 
nen; leider muss ich in einigen Fällen wegen der Ergebnisslosig- 
keit meiner Bemühungen, jene zu ermitteln, auf einen solchen 
Versuch verzichten. Allein es gilt hier auch mehr, den Fort- 
schritt zu würdigen, den die Städte mit der neuen Tarifirung auf 
zollpolitischen Boden machten, und hierfür bietet die Tabelle v. J. 
1364 S welche einerseits die derzeitigen zollpolitischen Wünsche 
der Hansen und andrerseits die von den Dänen unter ihrem leb- 
haften Protest gesetzlich bestimmten Zollsätze verzeichnet, eine 
willkommne Handhabe. Da jene in ihrer gedrückten Situation 
schwerlich darauf aus sein konnten, zu ihreu Gunsten eigentliche 
Neurnngen durchzusetzen, so zweifle ich nicht, dass sie nur die 
alten Zollsätze zu schützen suchten gegen die Erhöhungen, welche 
ihnen zuvor willkürlich und einseitig octroyirt und damals, viel- 
leicht mit einigen Aendrungen, von ihnen unter dem Druck der 
Verhältnisse nachgegeben wurden. Nicht ohne Bedeutung aber ist 
es für die Bemessung ihrer im stralsunder Frieden entwickelten 

» H. R. 1 Nr. 328. 



80 

Energie, wenn sich herausstellt, dass sie im Wesentlichen bloss 
die alten Sätze restituirten. 

Deutlich ist die erste Position: Fettwaaren als Ausfuhrartikel 
erkennbar. 1364 ward das „Pfund'^ (SchiflFspfund) mit einem Zoll 
von 4 grote (19, 2 lüb. ^. = ca. 7 Rm.) belegt, wogegen die Städte 
nur eine Auflage von 1 ^re (=, wie ich Irrthum vorbehalten, 
in Ermanglung besserer Kunde nach dem ursprünglichen und noch 
heute bestehenden Werthverhältniss annehme, 3 artich, 1 artich 
anfänglich = 10 schon. ^., damals wohl geringer = ca. 8 schon. ^. 
[= 4 lüb. ^. = ca. 1,4 Rm.]) begehrten. In unserm Freibrief 
wird es — nur für die Butter wird als Bemessungsgrundlage das 
Tonnenmass, doch ohne Einfluss auf ihr Zollverhältniss zu den 
verwandten Artikeln gewählt; waren beide Gewichte vielleicht 
identisch? — einer Verzollung von sogar nur 20 schon. <^. (== ca 
3,7 Rm.) unterworfen, also der Wunsch der Städte noch über- 
troffen. — Eine Tonne Butter kostete im J. 1353 nach einer ur- 
kundlichen Aufzeichnung^ 3 7/2^ lüb.; jener Zoll würde, die Gleich- 
heit der Preise und Tonnen vorausgesetzt, demnach nicht ganz 2®/o 
des Waarenwerths ausgemacht haben. In Anbetracht jener anderen 
gleichbesteuerten Artikel fehlt mir eine solche Preisangabe, und 
was schlimmer ist, die Kenntniss des Verhältnisses zwischen jenem 
„Pfund^^ und unserm modernen Schiffspfund, es liesse sich sonst 
mit Zuhttlfenahme jetziger Preise das Procentualverhältniss des 
obigen Zolls zum Waarenpreis ungefähr berechnen. 

Ein weiterer Ausfuhrartikel war Kuhfleisch, das pro Tonne 
mit einem Zoll von 5 schon. ^. getroffen wird. 1364 war er auf 2 
grote (ca. 3,5 Rm.), entgegen dem Wunsche der Hansen, ihn auf 
10 <^. schon. (= ca. 1,9 Rm.), etwa die Hälfte herabzusetzen, 
stipulirt. Auch in diesem Fall gingen die Städte also 1368/70 
nicht unbedeutend über ihren früheren Reductionsvorschlag hinaus. 

Ferner gehörten wohl zum Export Kuh- und Ochsenhäute. 
Die Städte wollten auch deren Zölle um die Hälfte der festgesetzten 
ermässigt wissen, für ein Decher, eine noch heute für eine Lage 
von 10 Stück gebräuchliche Massbezeichnung, bei Ochsenhäuten 
statt 10 lüb. S), (= ca. 3,7 Rm.) 10 schon. ^., bei Kuhhäuten 
stat 5 lüb. S). 5 schon. ^. zahlen. Unser Freibrief streicht diese 
qualitative Unterscheidung der beiden Fellsorten weg und belegt 



» Lüb. ü. B. IV 50, 51. 



81 

beide mit einem Zoll von 10 dciion. ^.: womit die Städte in dem 
einen Fall den Dänen, im andern aber diese jenen nachgaben. — 
Heute kostet eine rolie Ochseuhaut (jene waren doch wohl unge- 
gerbt) nach eingezogener Erkundigung, hochgegriffen ca. 20 /Tj^, 
eine Kuhhaut 15 ^, also in damalige lüb. Münze umgerechnet 
etwa ^1', und ^/i4 lab. //^» LiUst man einmal kühnlich dicRe Preise 
für die damalige Zeit gelten, so betrug der angegebne Zoll des 
Declier Ochsenhäute nicht einmal ganz 1, des Decher Kuhhäute 
nicht ganz VU^Io des Werths. 

Als einen weiteren Ausfuhrartikel möchte ich die Pferde be- 
trachten, schon wegen der in unserm Freibrief beliebten graduellen 
Normiruug der Zollpäichtigkeit nach ihrem Einkaufspreis. Gehör- 
ten sie nämlich der Einfuhr an, so war es auch für den pferde- 
kundigsten Zollbeamten kaum möglich, die Werthangabe auf ihre 
Wahrheit genauer zu prüfen, während er beim Aufkauf derselben 
auf den schouischen resp. anderen dänischen Märkten einer 
Zolldefraude ungleich leichter auf die Spur kommen konnte. In 
der früheren Tabelle wurde dänischerseits von dem höher und 
zwar mit 4 grote (38,4 schon. ^.) besteuerten Pferde das „Veltperd" 
unterschieden, für das halb so viel an Zoll zu entrichten war; 
während die Städte für beide Pferdearten eine gleichmässlge Zoll- 
üxirung auf 2 artich (ca. 16. schon. ^.)^ also auf weniger als die 
Hälfte derselben wünschten. In gegenwärtiger Tabelle wird jenem 
^Veltperd" dasjenige entsprechen, welches unter 20 /^^ sicher 
Bchonisch = (ca. 700 Rm.) eingekauft ist, und dem anderen das, 
welches einen höheren Werth repräsentirt. Dieses unterliegt da- 
nach einem Zoll von 2 ^re (ca. 48 schon. ^.), der also höher 
war als der entsprechende v. J. 1364 und von dem Minimalpreis 
lV4% ausmachte, jenes einem Zoll von 2 artich, dem damals 
gewünschten, der vom Maximaleinkaufspreis noch nicht Vi2^/ü 
betrug. 

Am wichtigsten aber war für den Exporthandel natürlich der 
Häring, der bekanntlich in vorzüglicher Güte und ungeheurer 
Menge in Schonen in diesen Jahrhunderten gefangen und bis in 
die fernsten Gegenden, nach Frankreich, England, das innere 
Deutschland u. s. f. verfahren wurde und damals ein noch weniger 
entbehrliches Massenconsumptibil bildete als heute, da er der 
katholischen Welt weithin auch die willkommne Fastenspeise gab. 
Ausser durch den Sund, das Verkehrsthor der Utideu deutschen 

De nicke, Beziehungen der HaiiäeHtUdte etu. 



82 

Meere und die für den wendischen Kaufmann so besonders be- 
queme geographische Lage erhielt Dänemark grade durch ihn für 
die Hansen eine so unschätzbare Bedeutung; nicht mit Unrecht er- 
kennt man in-* ihm ein Hauptelement hansischer Macht und Grösse. 
Seine bisherige Verzollung erscheint mir verhältnissmässig als sehr 
stabil Jetzt nahm man eine interessante Unterscheidung nach 
der Richtung seiner Ausfuhr vor, indem der Kaufmann bei binnen- 
ländischem Vertrieb für die Last (= 14 Tonnen^) 20 schon. ^. 
an Zoll erlegen, bei Verschiffung durch den Sund dagegen zoll- 
frei ausgehen soll; letzteres freilich nur deshalb, weil er in diesem 
Fall für das exportirende Schiff 10 ß. grote 8 grote (S ?7^ 3 ß. 
2 ^. lüb. = ca. 224 Rm.) zu leisten hat. Wird hier bei der 
Schiffsverzollung auf die Befrachtung mit Häring Rücksicht ge- 
nommen, so braucht man doch nach der correspondirenden Angabe 
in der Urkunde von 1364, die jedes durch den Sund fahrende 
hansische Schiff in derselben Höhe verzollt, kaum anstehen, die Art 
der Ladung für gleichgiltig zu halten und somit in dieser Zollinsti- 
tution den Vorläufer des 1426 eingeführten^ Sundzolls zu erken- 
nen. — Eine Tonne Häringe kostete nach einer dreifachen Preis- 
angabe jener schon erwähnten urkundlichen Aufzeichnung v. J. 1353 
durchschnittlich 24 ß. lüb., die Last also 14X24 ß. = 336 ß. 
= 21 /^, Mithin betrug jener Zoll von 20 schon. ^. (= 10 lüb. ^. 
21 77^ = 4032 ^.) nicht einmal ganz V4% des Werthes; eine 
ungeheure Bescheidenheit des dänischen Reiches! 

Die Last Salz, das wohl überwiegend Importartikel war, 
wurde 1364 in Uebereinstimmung der Paciscenten mit 2 artich, 
jetzt aber etwas höher mit 20 schon. A verzollt. 

Schliesslich erübrigt noch die Angabe des Tuch- und Lein- 
wandszolls, der 1364 gleichviel ob für kleine oder grosse Packen 
auf 4 grote bestimmt ward zuwider dem Verlangen der Städte, 
ihn auf eine sehr viel niedrigere Summe, auf 1 artich beschränkt 
zu sehn. Jetzt beliebte man eine quantitative Unterscheidung der 
Ballen in solche, die mehr als 20 Laken und solche, die 20 oder 
weniger enthielten, um jene mit einer Auflage von 2 ^re, die 
letzteren mit einer von 1 ^re zu belasten. Die erstere war also 



* D. Schäfer, a. a. 0. p. 214 oben. 

2 D. Schäfer, Zur Frage nach der Einführung des Sundzolls (Hans. 
Geschichtsblätter VI, 33 — 43) Kr. Erslev, bist. Tidsskrift 4 R. VI. L 
u. K (Separatabdruck p. (i). 



83 

nm ca. 10 ^. schon, höher , die andere um ca. 16 ^. schon, tiefer 
als damals gegriffen (1 ^re = ca. 24 ^. schon. 1 grote = 9, 6 ^. schon.). 
— Andre in dem Ausdruck „Kisten und Kurzwaaren" coliectivisch 
zusammengefasste Industrieproducte ; die 1364 unter Widerspruch 
der Städte einer Abgahe von 5 lüb. <^. unterworfen wurden, ohne 
dass man das dabei zu Grunde gelegte Mass erkennen könnte, 
sind nach unserm Tarif gänzlich zollfrei, wie auch Matten und 
Betten. Für den Personenzoll, der ebenfalls 5 ^. lüb. damals 
betrug, und das unverkaufte Gut, dass mit einem Rückgangszoll 
in der halben Höhe des normativen 1364 augesetzt war, trifft 
unsere Urkunde keine Bestimmung. Dagegen hebt sie ausdrück- 
lich hervor, dass die von einem Schiff auf das andere geladnen 
Transitwaaren, die etwa von Russland kommend und nach Brügge 
bestimmt in dem grossen Schiffsverkehr Schönens ihr Fahrzeug 
wechselten, zu keiner Abgabe pflichtig seien, was wohl nach dem 
etwas dunklen Passus der betr. Urkunde 1364 von den Städten 
gewünscht, aber von ihren Compaciscenten durch jene Belegung 
ndt dem halben Zoll bestritten war. 

Alle diese Zölle sind Hafenzölle und nur eines binnenländi- 
schen Wegzolls gedenkt die unsrige sowie die vorige Tabelle: für 
jede Wagenfracht die über die „Ammen" wie die ältere, oder wie 
die jetzige sagt, von der mauthfreien Communicationsstrasse 
zwischen Skanör und Falsterbo, die wir schon einmal zu erwähnen 
Gelegenheit hatten!,, in das Innere des Landes gebracht wird, ist 
ein hansischerseits 1364 auch nicht angefochtener Zoll von 1 artich 
(= ca. 1,4 Rm.) zu entrichten. 

Damit habe ich auch diesen Theil des Freibriefs erledigt und 
nunmehr nur noch über Werth und Bedeutung seiner Concessionen 
kurz zu resumiren, wobei zuzugeben, dass sie weder in Bezug 
auf die Staats- oder privatrechtliche noch auf die wirthschaftliche 
Stellung der Hansen viel Neues brachten, sondern meist nur die 
alte, besonders durch Waidemars Ein- und üebergriffe zeitweilig 
unterbrochene Gewohnheit herstellten. Allein eben diese Restau- 
ration war schon ein durchaus zufriedenstellendes Resultat. 



* Oben p. ()3. — Vgl. auch unten die Beschwerde des Kaufmanns 
gegen den Vogt von Malmö 1375. 



ß* 



84 

Aber freilich häufig genug hatte man nuu schon seit mehr als 
anderthalbhundert Jahren (Köln macht den Anfang in der urkund- 
lichen Geschichte dieses Handels) von den dänischen Königen Frei- 
heitsbriefe erhalten. Doch wie oft waren sie nicht faktisch verletzt, 
ja zum Theil rechtlich wiederrufen! Wohl klangen sie so sicher 
und uuaufhebar; Ausdrücke wie „für sich und seine Erben" und 
„für ewige Zeiten", dürften nur selten fehlen. Aber gilt heute 
allgemein unter civilisirten Völkern für ihren Wechselverkehr der 
Grundsatz, dass der Staatswilie über den Tod seines jeweiligen 
Trägers hiuauslebt, so hielt man sich in jener Zeit noch viel 
weniger durch die Heiligkeit besiegelter Verträge gebunden. Beim 
Ableben des Herrschers bedurfte es daher in der Regel einer 
neuen Bestätigung der hansischen Privilegien durch den Nach- 
folger, von dessen gutem Willen es abhing, sie zu geben, und der 
ihr dann wiederum, aber mit gleich dürftigem Inhalte immerwäh- 
rende Rechtskraft beilegen mochte. Wie sollten die Städte sich 
gegen solche Eventualitäten einer ob factischen oder gar recht- 
lichen Verkürzung ihres neuen Freibriefes schützen, mit welchen 
Garantieen der Unverbrüchlichkeit ihn umgeben? 

Eine lag eben darin, dass sie in besonnener Politik ihre For- 
derungen nicht in's Ungemessene überspannten. Je weitgehender 
ihre Freiheiten waren, um so mehr kitzelten sie die Dänen, zumal 
die Machthaber, die ohnehin schon gereizt genug auf diesen be- 
triebsamen ausländischen Handel und seine waffenmächtigen Ver- 
treter blickten, zur Uebertretung ; mit der hochgesteigerten Zu- 
nahme der Vorrechte musste die Gefahr der Opposition, eines un- 
unruhigen, stets bedrohten Zustandes nothwendig wachsen. 

Und weiter! Wir sahen schon, dass ihnen Schonen mit 
seiner den Sundverkehr beherrschenden Lage, seinen Vitten, He- 
ringsfischereien und Märkten der weitaus schätzbarste Theil des 
dänischen Machtgebietes war. Alle diese Verhältnisse für eine 
Reihe von Jahren besonders nachdrücklich zu sichern, fanden sie 
ein Mittel, mit dem sie zugleich ihre zweite Hauptforderung beim 
Friedensschlüsse erreichten: Entschädigung für den erlittenen 
Schaden. 

Im Vorwege sei bemerkt, dass sie in diesen nicht ihre 
Kriegskosten einrechneten. Es heisst in der betreffenden Urkunde 
unzweideutig „für den Schaden, den sie und ihre Bürger in den 



85 

dem Kriege vorangehenden Jahren genommen haben'* J Der Aus- 
druck in dem in das Protocoll eingefügten Regest: ,:pro suis dam- 
nis et expensis'' zwingt nicht die Kriegskosten darunter mit 
einbegriffen zu denken, und selbst wenn er es thäte, so kommt 
er nicht gegen die klaren Angaben der Urkunden auf. Zum 
guten Theil hatte sich wohl der Krieg durch sich selbst, durch 
fette Beute und Lösegelder bezahlt gemacht. 

Eine baare Geldentschädigung für jene Verluste nun überstieg 
natürlich die finanziellen Kräfte des dänischen Reichs. Ueber- 
haupt war die Zeit im Allgemeinen noch arm an baarem und 
rasch umlaufendem Geld; eigentlich nur die städtischen Kreise 
durchpulste eine schnellere und stärkere Circulation. Aber an 
seiner Statt gab es andere Werthe, die Function eines Zahlmittels 
zu vertreten. Wie der Bauer zum guten Theil noch mit seiner 
Feldfrucht, so zahlten Könige und Fürsten oft mit meist pfand- 
weisen Abtretungen von Landgebieten. Auch der Zweck der 
Pfandnehmer war vorwiegend ein finanzieller, eben der, bezahlt 
zu werden; er hätte, sollte man meinen, nur die Vereinnahmung 
der Erträgnisse in Geld und Gut nöthig gemacht; allein sie be- 
durften einer Hypothek für ihre Sicherheit, und vornehmlich aus 
diesem Grunde erhielten sie in der Regel das Grundstück, aus 
deoQ jene Einnahmen flössen, zu Händen und zwar nicht allein zu 
privatrechtlicher Nutzung, sondern, was einen modernen Menschen 
ja ungeheuerlich anmuthet und sich nur aus den herrschenden 
eigenthümlichen Anschauungen der Zeit über die Natur des Staa- 
tes, dem Vorwiegen einer privatrechtlichen Auffassung desselben 
erklärt, auch zur Ausübung der öffentlichen Befugnisse, vor allem 
der Rechtspflege. Ein solches Zahlmittel hatte Dänemark allein 
disponibel für die Ersatzforderung, welche die Städte erhoben. Es 
konnte für sie, auch von dem rein finanziellen Gesichtspunkt aus, 
dabei nur Ein Gebietstheil in Frage kommen : eben Schonen. Hier 
fand sich der ergiebigste und im ganzen Reiche wohl überhaupt 
allein erhebliche Zoll; nur hier Hess sich eine Vergütung für den 
ungeheuren Schaden in einer absehbaren Reihe von Jahren er- 
warten. Dafür wurden ihnen nun zwei Drittheile aller zu Skanör, 
Falsterbo, Malmö und Helsingborg fälligen Einnahmen auf 15 
Jahre zuerkannt, während dem Könige und Reiche das letzte 



^ H. R. I Nr. 524 (p. 486). 



86 

Drittel verblieb. Dieselben werden des Näheren als Zoll, Schuten-, 
Prahmen-, Wagengelder, Budensteuer und Gerichtseinkünfte und 
alle übrigen GefHlle specificirt. Natürlich machte der Zoll bei 
den drei südlichen Schlössern, besonders bei Skanör und Falsterbo 
mit ihren vielbesuchten Märkten den Hauptposten aus, während 
Helsingborg durch die Zugehörigkeit von 6 Harden unter den 7 
überhaupt verpfändeten erheblichere Gerichts- und Naturaleinkünfte 
versprach. Ich komme hierauf zurück. Warum aber war dem 
König das letzte Drittel vorbehalten? Gewiss weil das geldarme 
Dänemark dieser Einnahmequellen nicht gut gänzlich entrathen 
konnte, vielleicht auch um eine Hand in Schonen zu behalten, 
durch fortdauernden Einfluss die wahre Landeshoheit nicht ver- 
gessen zu lassen. — Doch wie stimmte die Rechnung? Freilich 
wird nicht bestimmt gesagt, ob die Städte beabsichtigten, den 
Schaden vollauf gedeckt zu erhalten; indess lässt es sich aus 
dem Wortlaut eher annehmen als abweisen. Aber dies um so 
mehr aus einer Nachrechnung. Allerdings steht diese ein wenig 
in der Luft. Wir haben keine Angabe über die Erwartungen, die 
sie auf die Ergiebigkeit der schonischen Einnahmen stellten; aber 
es lässt sich nicht bezweifeln, dass die Zoll- und Steuererträge 
des von ihnen fast ausschliesslich betriebenen Verkehrs aus eigner 
Erfahrung ihnen annähernd bekannt oder berechenbar und auch 
die übrigen Geßllle eines einigermassen sichren Voranschlags fähig 
waren. Ueberdies wird der Reichsrath haben nähere Auskunft 
geben können und doch auch geben wollen. Wie stellten sie sich 
zunächst zur Verzinsung? Um diese Darlegung ein wenig an- 
schaulicher zu machen, erinnere ich an das mir grade nahelie- 
gende Beispiel einer Verpfändung an Lübeck, die 1359 die Her- 
zöge Albrecht und Erich von Lauenburg gegen Aufnahme von 
9737V2 W- (ca. 681,625 Rm.) mit Stadt und Vogtei Mölln unter 
Einschränkung ihres jährlichen Ertrags auf 940 7n^ vornahmen.^ 
Danach ergiebt sich ein Zinsfuss von nahezu 10 ®/o. Die Dauer 
der Verpfändung richtete sich nach dem offen gelassenen Termin 
der Rückzahlung der ausgegebenen Anleihe. Der Hauptunter- 
schied zu der in Rede stehenden schonischen Verpfändung liegt 
darin, dass die erstere ledliglich zur Zinszahlung diente, während 
diese das Schadenscapital selber zu vergüten bestimmt war. Man 



» Ltib. ü. B. HI Nr. 323. 



87 

sollte freilich erwarten, dass die Städte auch die aufgelaufenen 
Zinsen berechnet und bei dem Pfandgeschäft in Anschlag gebracht, 
den Fälligkeitstermin offen gelassen oder wenigstens so weit hin- 
ausgerückt hätten, bis sie das verlorene und verzinste Capital 
völlig eingebracht zu sehen hoffen durften. Nun lässt sich aus 
den wiederholten Abrechnungen der Städte in der nächstfolgenden 
Periode die jährliche Durchnittseinnahme der zwei schonischen 
Zolldrittel angeben; da es hier gar nicht auf eine so genaue Rech- 
nung ankommt, lege ich einfach die Erträgnisse des Jahres 1377 
und 78 zu Grunde, denen zufolge sie rund 3850 lüb. 7^ be- 
trugen.^ Rechnet man die übrigen Gefälle, über die mir eine 
genaue Angabe fehlt, hinzu, so wird man sicher nicht über 
6000 ^(= ca. 420,00011m.) hinauskommen. Ihren Schaden hatten 
die Städte vor dem Kriege auf 150000 Vl^ rein = 450000 V2^ 
lübisch veranschlagt.^ Mithin würde, die Zinsen ganz bei Seite 
gelassen, ein Zeitraum von etwa 75 Jahren nöthig gewesen sein, 
die Summe in einfachen Raten zu decken. Also weder Zinsen 
noch 75 Jahre, sondern nur 15! Sollten sich die klugen Raths- 
lierren in ihrer finanziellen Vorberechnung so sehr geirrt haben? 
Unmöglich. Man war mit dieser Abschlagssumme zufrieden. Und 
warum? Zum guten Theil sicherlich, weil der Schaden nicht so- 
wohl den Stadtsäckel als die einzelnen Bürger betraf, die Erpres- 
sung oder Raub von Geld und Gut zu beklagen hatten. Keine 
Spur aber von dem Ersatzanspruch eines Beschädigten an die 
Städte, welche die Entschädigungssumme bekamen. Ganz abge- 
sehen davon, dass in den meisten Fällen eine solche Schadloshal- 
tung aus mehr oder weniger mangelnden Nachweisen und andern 
Gründen sich kaum durchführen Hess, lag sie auch ohnehin gewiss 
nicht in den Intentionen der Städte. 

Damit sie diese 15 Jahre die abgetretenen Einnahmen in Frie- 
sollen den besitzen und aufnehmen — lautet die Urkunde weiter — , 
sie so lange Helsingborg, Malmö, Skanör und Falsterbo mit allen 
zubehörigen Dörfern, Vogteien und Harden als Lutgute-, Sudreasbo-, 
Roneberghe-, Odens-, Hardagher-, Vroste- und Schotzeharde in 
Bewahrung haben. — Was bedeutet diese Bewahrung? Die Urkunde 
ist abweichend von sonstigen Pfandbriefen, die eine ausführliche 



* H. R. 11 Nr. 171 (p. 185). 
2 Ebd. I Nr. 421 (p. 383). 



SS 

Aufzählung der einzelnen Theile und Zubehörungen des verpfän- 
deten Territoriums nicht zu unterlassen pflegen, auffallend knapp 
in diesem Punkte gehalten , woraus schon die Präsumtion für die 
hergebrachte Verpfändungsart entsteht. So bedeutet denn die 
Bewahrung im Einklang mit den künftigen Thatsachen unzweifel- 
haft die militärische Besetzung der Schlösser, die Berechtigung, 
die Vögte einzusetzen und die Rechtspflege zu üben. — Als zu 
Helsingborg gehörig werden die 7 ersten Uarden namhaft gemacht, 
während die letzte den Schlossbezirk von Skanör und Falsterbo 
ausmacht Wenn Dahlmann der ersten Reihe, insbesondere der 
Südreasboharde im Anschluss an Reimar Kock die Nordreasbo- 
harde angefügt hatS so scheint mir dies nach den vorliegenden 
urkundlichen Nachrichten oine unzulässige Aneignung einer von 
Kock beliebig gemachten Combination, es müsste denn sein, dass 
die Lage der hinzugesetzten Harde ihren Einbegriff in den übrigen 
Complex unbedingt forderte, worüber ich aus Mangel an choro- 
graphischer Kunde mich nicht entscheiden kann. Auffällig ist, 
dass dem Malmöer Schloss keine Harde zugewiesen wird. „Nach 
der Karte bei Langebeck", sagt Dahlmann, „die freilich das Zeit- 
alter Waidemars II. darstellt, liegt Malmö in der Oshogharde." 
Wenn man dem Urkundentext, der von allen zu den Schlössern ge- 
hörenden Harden spricht, vollen Glauben schenken darf, so muss die 
Zugehörigkeit des Schlosses zu ihr seitdem aufgehört haben. Oder 
liegt ein absichtliches oder unabsichtliches Vergessen vor? 

In diesem Hardenverband aber sind nach der ausdrücklichen 
Angabe unserer Urkunde die Kirchlehn der Dependenz von den 
Schlössern entzogen, wie sie sich überhaupt bei solchen Pfand- 
verschreibungen sehr oft derartiger Ausnahmestellungen erfreu- 
ten. Auch bleiben dieser Reichsrathsurkunde zufolge alle Geist- 
lichen, Ritter und Knappen, die in diesem abgetretenen Gebiete 
angesessen oder begütert sind, bei ihren Rechten, nur dass sie 
gegen die Schlösser ihre rechtmässigen Pflichten erfüllen sollen, 
während die niedere, gewerbtreibende und bäuerliche Bevölkerung 
nicht ausdrücklich geschützt wird. Dahingegen fügt das ent- 
sprechende städtische Document jener Schutzgarantie noch die 
hinzu, dass sämmtliche Einwohner geistlich und weltlich in 
Schonen wie sie selber alle Freiheit ungehindert geniessen möchten, 



Dahlmann a. a. 0. p. 38 (cfr. Anin. I). 



S9 

wenn sie nur der König mit den Seinigen dabei liesse. Demnach 
wird hier ein gewiss nicht nur zufäUiger und äusserlicher Unter- 
schied zwischen der Freiheit aller Einwohner und den Rechten 
der beiden oberen Stände gemacht. Bei jener Inpfandnahme von 
Mölln verpflichtet sich Lübeck, die geistlichen Stiftungen, sowie 
die eingesessenen Vasallen, Bürger und Bauern, also die gesammte 
Bevölkerung in ihren Rechten zu belassen. Sehr nahe lag, in 
jenen ersten Passus auch Bürger und Bauern ein zubegreifen, und 
geschah es nicht, so war damit im Grunde die volle landesherrliche 
Autorität diesen Klassen gegenüber zugestanden. Aber freilich 
heisst es dann, sie sollen alle Freiheit, d. h. wohl das bestehende 
Verkehrsrecht wie die Städte selbst gebrauchen, wobei wieder 
die beliebte aber inhaltslose Fiction einer Gleichberechtigung 
unterläuft. Von grossem Interesse ist da nun zuvörderst der 
Zusatz, der dem König und dem Reichsrath die Befugniss offen 
hält, darüber auch während der Verpfändungsdauer gegen die 
einwohnende Bevölkerung zu entscheiden. Indess wie war das 
möglich? Eine Steuerauflage oder sonstige Verkehrsbeschrän- 
kungen konnten sie doch unter der städtischen Pfandherrschaft 
nicht verfügen, und somit bedeutet jener Ausdruck wohl nichts 
weiter als entweder eine nnive Reminiscenz an die bisherige 
Landeshoheit oder aber die Abwehr der Verpflichtung von Seiten 
der Städte, die Landeseinwohner gegen Uebergriffe der dänischen 
Regierungsgewalten zu schirmen. Andrerseits aber hatten sich 
mit jener allgemeinen Zusichrung des Fortbestandes der Verkehrs- 
beziehungen die Städte gleichfalls des Rechtes begeben, neue 
Steuern und Zölle oder andere belästigende Verkehrsinstitutionen 
anzuordnen. Nicht minder waren sie zudem durch die Concession 
die dem König ein Drittel aller Intraden aus dem Pfandgebiete 
beliess, gebunden. Sie durften demgeraäss nicht etwa den Zoll etc. 
für ihre Angehörigen herabsetzen, da dieses den dänischen König 
an seinem Theile schädigen musste, indess lagen solche Vornahmen 
an sich schön den städtischen Absichten fern. — Eine weitere 
Frage ist, wie es in der Verpfändungszeit mit dem Recht zu halten 
war. Wäre die Einführung etwa des lübischen statt des herge- 
brachten dänischen statthaft gewesen? Ob diese zunächst eine 
Ertragsdifferenz zu Gunsten des dänischen Königs und damit, wie 
ich eben andeutete, ein Hinderniss für sich selber zur Folge ge- 
habt; weiss ich nicht anzugeben. In der Friedensurkunde wird 



90 

über diese Frage ebenso wenig Aufschhiss gegeben, wie über 
die Unabändeilichkeit der bestehenden so eben von dänischer 
Seite anerkannten Abgaben, Verschwiegenheiten, welche sich aus 
der praktischen Bedeutungslosigkeit dieser Fragen erklären. Die 
Städte wollten offenbar, weder formell noch materiell, eine Aende- 
rung des alteingelebten dänischen Rechtszustandes, die Hass und 
Hader, Verworrenheit und Schwierigkeiteu aller Art gebracht 
haben würde. Nach der vollen Ausübung territorialer Hoheit 
über ein fremdes gemeinsames Gebiet stand nicht ihr Ehrgeiz. 

Nun beachte man aber noch dies bei der Betrachtung jener 
pfandrechtlichen Errungenschaften ! 

In der kölner Conföderationsurkunde hatten die Städte die 
Betheiligung an den erhofften Resultaten in der Art regulirt, dass 
sie den in den Königreichen etwa erworbenen Nutzen nach Mann- 
zahl auftheilen, die zu erwerbenden Freiheiten oder Rechte aber alle 
gleichmässig geniessen und gebrauchen sollten.^ Sie unterschieden 
somit zwischen immateriellen Rechten und in Geld umsetzbaren, theil* 
baren Gewinnst und verstanden unter letzterem wohl die Beute und 
Ablösungsgelder der Gefangenen, obschon es auffällt, dass der Ge- 
meinschaft der Gewinnchance nicht die des Verlustrisicos entspricht, 
das jeder für sich trägt, dann alle Entschädigungssummen, welche 
sie von den beiden Königen erwarten mochten. Aber auch die 
etwaigen Pfandschaften von Burgen und Landen? Unbedingt 
wenn eben diese Fürsten sie gewährten. Nun lese man aber in 
der Urkunde die weitere Uebereinkunft, dass die von Preussen 
und der Südersee keine Kosten oder Einbussen haben dürften 
durch den König von Schweden, die Herzöge von Meklenburg, 
den Grafen Heinrich von Holstein oder irgend einen Herrn. Da- 
für sollten andererseits die genannten Städtegrnppen nicht an den 
Burg- oder Landerwerbungen der Herren participiren, sondern 
nur der wendischen es freistehen, mit denselben bezügliche Ueberein- 
kommen zu ihrem Nutz und Froramen zu treffen, jedoch unbe- 
schadet des Kaufmanns Recht. Man sieht, dass den verbundenen 
preussisch- Südseeischen Städten der Nachtheil einer Verbindung 
mit den Fürsten, wie sie die wendischen bezweckten, den 
Vortheil zu überwiegen schien; denn man wird doch in ihrem 

* H. R. I Nr. 413 (p. 375 gegen Ende). 



91 

ablehoenden Verhalten kaum die Wirkung einer siegreichen ex- 
clnsiven Interessen herrschaft der letzteren erkennen wollen. 
Wie jene sich zunächst nur zu einer einjährigen , diese da- 
gegen zu einer zweijährigen Coalition verstehen , so w^ollen erstcre 
aach hloss die Gemeinsamkeit der kriegerischen Aktion mit den 
Fflrsten, keinerlei aber in Kosten und Nutzen im Gegensatz zu 
diesen, die ein bestimmtes Theilungsverfahren formuliren. Sie 
waren am nächsten und unmittelbarsten interessirt, waren die 
Nachbarn der Fürsten und des Schauplatzes, auf dem sich der 
Krieg abspielen musste, auf dem Occupationen und Erwerbungen 
von Schlössern etc. in Aussicht standen. Aber wie, war der Ver- 
zicht ihrer Bundesverwandten auf diese etwaigen Erwerbungen der 
LandesheiTn nicht ein ganz unbehutsamer Schritt? Da gilt es 
zuvor festzustellen, was man näher unter denselben verstand, ob 
die eigenen militärischen oder die staatsrechtlichen Errungenschaften. 
Im ersteren Fall erschiene die Resignation nicht eben gross, da sich 
die Verzichtenden dessen getrosten durften, dass die städtischen Heer- 
kräfte bei Eroberungen in den angegriffenen Ländern das gute Beste 
thun würden. Allein höchst wahrscheinlich war der andre gemeint. 
Zwar gibt die kölner Confoderationsurkunde nicht den Schlüssel 
für diese Frage, aber wohl, wie mir scheint, die nachmalige 
Verabredung zwischen den Meklenburgen und den vier wendischen 
Städten, denen kurz nachher Greifswalde gleichberechtigt und 
gleichverpflichtet zur Seite tritt ^ die aber überhaupt wenn gleich 
nicht formell, doch in Wahrheit und in Uebereinstimmung mit 
dem kölner Traktat als Mandatare der übrigen kriegsbetheiligten 
wendischen Städte auftreten. Danach sollten alle während des 
Bundes gemachten schonischen Errungenschaften, sei es der ge- 
nannten Fürsten oder Städte und beständen sie in Burgen, Landen, 
Zöllen u. s. f. zusammengethan und nach einem näher formulirten 
Modus getheilt werden, die Städteantheile aber nach Ablauf einer 
Reihe von Jahren den Fürsten anheimfallen. Auch hier sieht 
man sie auf eine landeshoheitliche Stellungnahme in Schonen oder 
auf Incorporation einer dortigen Erobrung in ihre gemeinsame 
Herrschaft oder die einzelner Gemeinwesen von vornherein Ver- 
zicht thun. Kurz vorher war der engere landesfüratliche Bund 
und mit keiner geringeren Absicht geschlossen^, als eine Auf- 

» Lüb. ü. B. III Nr. (»22. H. R. I Nr. 4:ib. 
« Vgl. oben. 



02 

theilung des ganzen zu erobernden Reiches und die Znlegung 
seiner einzelnen Theilstücke an das holsteinische und meklen- 
bnrgische Machtgebiet durchzuführen , welchem letzteren natur- 
gemäss auch Schonen zufällt. Ich kann nun den Traktat der 
contrahirenden Städte und Meklenburger nicht anders auffassen, 
als dass jene die schonische Landesherrschaft voll und umgetheilt, 
wie etwas Selbstverständliches den letzteren zuerkennen. Sie 
konnten ihn nur eingehn, wenn sie völlig frei über die überhaupt 
städtischerseits etwa gewonnenen schonischen Besitzungen disponiren 
durften* Zwar heisst es strenggenommen nur, wenn sie ein 
Schloss u. s. w. in ihre Gewalt bekämen, aber unmöglich sind 
doch die Erwerbungen gemeint, welche sie ausschliesslich für sieb, 
ohne Mithülfe ihrer städtischen Bündner machten, sondern viel- 
mehr die der Städte insgesammt Dies zugegeben müssen aber 
auch die übrigen Mitglieder der Conföderation einmal für sich 
auf jede landesherrschaftliche Inanspruchnahme der von ihnen 
mit oder allein genommenen Schlösser etc. in Schonen vezichtet 
und zugleich die Meklenburger, die längst nach seinem Wiederer- 
werb trachteten, als hierzu berechtigt erklärt haben. Jedenfalls 
ist nur dann das Vorgehen der wendischen Städte correct und 
loyal. Nur der Laudesherr aber kann das Land oder eine Nut- 
zung desselben zu Pfand oder sonst wie vergeben. Verzichteten 
daher die Preussen und Süderseeer auf jede Pfand Verleihung 
oder überhaupt jeden von den Meklenburgern, den präsumtiven 
Landesherrn erreichbaren Vortheil, so haben sie damit jeder Aus- 
sicht entsagt, in Schonen etwas anderes zu erlangen, als ev. den 
Mitgenuss von Handelsfreiheiten, der in der einzigen Clausel über 
die Unverletzliehkeit des kaufmännischen Rechts mir um so mehr 
gesichert scheint als ihr die Thatsache zur Seite steht, dass jene 
vier wendischen Städte für den Fall neuer Privilegien das Inte- 
resse aller ihrer Helfer ausdrücklich wie ihr eignes wahrzunehmen 
versprachen. An eine Pfandnahme des ergiebiegeo schonischen 
Zolls und andrer Nutzungen aber, worauf man, sollte ich meinen, 
als Ersatz für Kosten und Schäden, als Lohn für gehabte Mühe 
zumeist reflectiren musste, können demnach die pre assisch -süder 
seeischen Städte nicht gedacht haben. Ich frage wieder: Wie konn- 
ten sie sich so ihren eignen Interessen in den Weg stellen? Aber 
nachträglich noch ein Bedenken. Wodurch wurden denn die Mek- 
lenburger Landesherrn? Durch das Recht der Erobrung oder 



93 

durch die vertragsmfi&sige Abtretuug der DäoeuV Nach den ur- 
kandlichen Auslassangen der Herzöge kann ich nicht zweifeln, 
dass sie und mit ihnen die Städte die Eroberung mit dem stuats- 
rechtlichen Erwerb identificirten, freilich die letzteren in der un- 
klaren, halben Weise nur für die zweijährige Verbindung, noch 
weniger nach dem landesherrliclien Gebahren des Schweden, wie 
es in der Ausgabe eines schonischen Freibriefs an die Städte zur 
Erscheinung kommt. Nach allem Gesagten bin ich der Ueber- 
zeugung, dass die genannten zwei Städtegruppen auf dem kölner 
Tage sich bewusst des Anspruchs entäussert haben, an den 
Sclilössern und Laiiden etc., insonderheit Schönens, die in der 
zweijährigen Verbindungszeit unter die meklenburgische Oberho- 
iieit gebracht würden, zu participiren. Es steht nichts im Wege 
die leider nicht durchweg positiv nachweisbare Behauptung der 
schonischen Kttstenschlösser, auf die es hier ankommt^ ausschliess- 
lich durch die wendischen Städte in vollem Umfang anzunehmen: 
von llelsingborg steht für eine gewisse Zeit die Besetzung seitens 
der Lübecker fest^, während in Betreff der Einsetzung der Hanpt- 
leute auf den übrigen Schlössern uns wohl Berathungen und Mass- 
nahmen mitgetheilt werden, aber leider nicht mit näherer Angabe 
darüber, ob sie nur dem wendischen Städtekreise entnommen 
wurden.^ Dafür wird uns durch die ausdrücklich berichtete Be- 
grenzung der Hauptmannschaft von Schloss Kopenhagen auf Haupt- 
leute wendischer Städte wenigstens ein Analogieschluss in jenem 
Sinne ermöglicht.^ Nach der Behauptung des Herzogs in seinen 
Klageartikelii von 1373 hatten die Städte ihm die Landesherr- 
Bchaft über alle ihre dänischen Erobrungen zugesagt^ Zwar steht 
sie nicht ganz in Concordanz mit der Traktatsurkunde, die bloss 
von schonischen spricht, allein die mündlichen Zusicherungen mögen 
über diese hinausgegangen sein. Nur dann erscheint auch erst 
die besondere urkundliche Vereinbarung des Niederbruchs des 
Kopenhagner Schhisses in dem gehörigen Lichte: sie bedeutet die 
Zusage des präsumtiven Landesherrn, dass er mit dieser Einbusse 
an künftigem Besitz einverstanden sei. Ueberdies können wir eben 



^ H. R. lU Nr. 306. 
2 Ebd. 475 § 10; 479 S 39. 
a Ebd. Nr. 4G9 § II; 479 § 1(>. 
« Ebd. H Nr. 49 § 4. 



94 

aus der ausschliesslichen Besetzung des Schlosses durch die wen- 
dischen Städte in Gemässheit der kölner Abmachungen auch auf 
die städtische Anerkennung der meklenburgischen Landeshoheit 
über dasselbe zurückschliessen und hinwieder, diese voraussetzend 
ihnen allein das Besatzungsrecht zuerkennen. Uebten sie aber 
ein solches hier und in Helsingborg thatsächlich aus, warum nicht 
auch in den übrigen Fällen? — Genug, ich halte mich zu dem Satze 
berechtigt, dass die schonischen Schlösser mit ihren Zubehömngen 
in Uebereinstimmung mit den geschlossnen Verträgen ausschliess- 
lich von wendischen Städten gehalten und zwar gleich pfandweise 
genutzt sind; dies letztere, weil das ihnen verbriefte Recht zu 
treuer Bewahrung ohne Zweifel auch die Nutzniessung in sich 
fasst. Die Pfandhoheit der Städte aber, wie ich mich streng urkund- 
lich ausdrücken will, bestätigt sich durch eine merkwürdige That- 
sache. Die Rathmannen der Stadt Elburg, die, wie wir wissen, von 
König Albrecht eine Vittengemarkung und zwar, wie wir hier er- 
fahren, gegen eine sicher aber nicht gleichwerthige Kaufsumme er- 
halten hatte, suchten bei der Städteversammlung v. 6. Oct. 1368 
die Erlaubniss zu ihrer thatsächlichen Einrichtung nach. Unter be- 
stimmten Vorbehalten ward sie ihnen zum Theil./ Wann in aller 
Welt hatten die Städte in einer früheren oder späteren Zeit, da 
sie nicht Pfandherrn waren, das Recht, eine solche Vergabung 
der eigentlichen Landesobrigkeit gut zu'heissen oder — mit der 
Position ist hier zugleich die Negation gegeben — zu verwerfen ! 
Eine blosse Höflichkeit oder Gunsthascherei der Elburger für 
ihre neue Gründung gegenüber den mächtigen, durch Kundschaft 
und Routine überlegnen Inhabern der alten Nachbarvitten kann 
ihr Ansuchen so wenig bedeuten, als die verklausulirte Antwort 
der Städte sie wahrscheinlich sein lässt. Sie sind schon jetzt — das 
scheint mir der Sachverhalt — die Herren im Lande, die zwar, 
weil sie es nur zeitweilig sind, bestehende Eigenthumsverhältnisse 
nicht umstürzen oder eigenmächtig abändern können, deren Ge- 
nehmigung aber eine von anderer, befugter Seite ausgehende 
Neurung derselben bedarf. Es ist kein zwingender Hindrungs- 
gruud vorhanden, jenen, will man so, landesherrlichen Akt allein 
für die slavischen Städte in Anspruch zu nehmen; der Städtebeschluss 
wird nicht etwa als ein „männiglicher "ausgegeben. — Den schla- 



» Ebd. I Nr. 479 § 19. 



95 

genden Beweis aber für ihre derzeitige alleinige Aufnahme des 
schonischen Zolls ohne Mitberücksichtigung der bundesverwandten 
Gemeinden behalte ich späterer Gelegenheit vor. — Wenn nun 
dem so war, so gewinnen die einschlägigen Friedensbestimmungen 
nach mehreren Seiten eine besondere Beleuchtung. Es wird mit 
ihnen nur einer schon bestehenden Pfandschaft die Anerkennung: 
zu Theil, wenn sie auch mit einem Wechsel des Pfandgebers und 
einer Vermehrung der Pfandhalter verbunden war. Die beiden 
letzten Thatsachen stehn in causalem Zusammenhang, indem durch 
erste jene begrenzende Formel der kölner Conföderationsurkunde 
eliminirt, und damit dem gesammten Städteverband der Zutritt 
zum Inhaberecht der Pfandschaft; eröffnet ward. Hätte nun nicht 
eben dies ein Grund für den wendischen sein sollen ^ sich der 
Pfandnahme von dänischer Seite zu widersetzen^ bei der bisherigen 
zu verharren? Ja, wenn er einem nakten Egoismus gefolgt wäre. 
Aber dazu war er allein schon zu klug. Wie hätte er nur auf 
eine übereilte, unbesonnene Concession pochend die im Grunde 
kostbarsten Errungenschaften des Friedens seinen Mitkämpfern 
zum Mitgenuss versagen können? Wo wäre die Eintracht der 
verbundenen Städte geblieben, auf der alles ruhte? 

Folgt in der Abtretungsurkunde eine Bestimmung für die 
Eventualität einer gewaltsamen Wegnahme der Schlösser während 
ihrer Verpfändungszeit, wobei offenbar an die schwedisch-meklen- 
burgischen Herren gedacht ist. In solchem Fall sollen die Städte 
keinem Vorwurf unterliegen, und König und Reichsrath verpflich- 
tet sein, ihnen mit ganzer Macht zum Wiedererwerb zu helfen, 
sie zu „vrien myd mynnen unde myd gudhe". 

Immerhin ward ihnen mit diesem Pfandbesitz eine grosse 

Masse finanzieller Mittel disponibel, wenn sie gleicli entfernt nicht 

den Schadensbetrag erreichten; in ihrem 15jährigen Gesammt- 

ei-gebniss mögen sie an 70 — 80000 lüb. 7/^ brutto (= c. 5V2 Mill. 

^i.m.) ausgemacht haben. Davon gingen aber die Haltekosten der 

^^ehlösser ab, die alle naturalen und pecuniären Hardeneinkünfte 

"v^erschlangen und überdies etwa den 5. Theil des Zolls. . — Zu- 

^em hatte man in der miDtärischen Besetzung der Schlösser eine 

gewichtige Garantie für die sichere Durchfahrt durch die Haupt- 

^trasse des hansischen Verkehrs, den Sund und endlich auch für 

<lie Vertragstreue Erfüllung des allgemeinen Freibriefs. Oder 

clurfte man nicht erwarten, dass unter dem städtischen Regiment 



96 

sich seine zum Tlieil empfiudliclien Neuerungen einlebten, den 
Charakter allzu unliebsamer Zugeständnisse und damit an Reiz zur 
Opposition verlieren würden? 

Alle Concessiouen aber überbot ein weiteres Recht, dessen 
Erwerb die ungeheuerlichste Errungenschaft des deutschen Bürger- 
thums überhaupt bezeichnet, das Recht, die dänische Königswahl der 
städtischen Zustimmung zu uuterziehu. Man denke nur, die Städte, 
der dritte Stand, auf den der hohe Adel stolz herabsah, schuelll 
sich auf eine Höhe, welche seine Stellung weit überragt; und die 
deutschen, die fremden Städte mischen sich nicht bloss beherrschend 
ein in die ihnen einmal zugestandue wirthschaftliche Sphäre der 
dänischen Nation, nein sie gewinnen einen massgebenden politischeu 
Einfluss und in der wichtigsten und eigensten Befugniss derselben, in 
der Befugniss über ihre oberste Leitung und Vertretung zu entscheiden. 
Ihr Königthum, in dem sich ihr staatliches Leben persönlich zusam- 
menfasste und darstellte, wird dem fremden Willen unterthan, sein 
Symbol, die Krone, nach Gustav Wasa^s bezeichnendem Ausdruck eine 
Kramwaare der Hanse. Sollte man nicht glauben, dass sie sich 
im Vollgefühl des Sieges mit kühner, bewusster Energie auf das 
ihnen bisher entlegene Gebiet der hohen Politik verlegt hätten? 
Doch nein! Es war nur ein freilich eminent hoch und keck ge- 
griffenes Mittel einfacher Handelspolitik, das allerdings mit seinem 
Druck auf das politische Dasein der Nation unendlich viel tiefer 
deraüthigen und stacheln musste als die Festsetzungen, welche den 
eigentlichen Zweck ihrer Friedenspolitik ausmachten, und zu deren 
Sicherung sie allein es ergriffen, ein Mittel, ganz congenial ihren 
Strebungen und Fortschritten auf rein wirthschaftlichem Gebiet, 
vermöge deren sie seit mehr denn einem Jahrhundert Handel 
und Schiffahrt auf Ost- und Westsee in fast monopolartiger Weise 
beherrschten. 

Sehen wir nun den bezügl. Passus der Urkunde genauer an, 
so traf man Vorkehr für dreierlei Fälle: 

1. Will der König sein Reich behalten und keinem anderen 
Herrn abtreten, so soll er den Frieden mit dem grossen 
Siegel nebst den Bischöfen, Rittern und Knappen, als Ver- 
tretern des Reiches, welche die Städte dazu ausersehen, 
bekräftigen. 

2. Will er dagegen bei seinen Lebzeiten sein Reich an einer 
andern abtreten, so soll und will der Reichsrath, wii 



97 

zweimal betont wird, es nicht gestatten, es sei denn mit 
Rath der Städte und nach erfolgter Erneuerung ihrer Pri- 
vilegien. 
3. Sollte der König sterben, so soll der Reichsrath es in der- 
selben Weise halten. 

Wir erinnern uns, dass der König ihm vor seiner Abreise 
Vollmacht zur vertretungsweiseu Regierung gegeben hatte und 
zwar wohl unbedingte, da sonst für ihn ein loyaler Friedens- 
Bchluss mit siegenden Feinden leicht nicht gut möglich sein konnte. 
Insofern war der Friede mit Waidemars Genehmigung geschlossen, 
wie denn die Urkunden diese oft genug urgiren. Andrerseits aber 
hatte er seinem Rath eben nicht zum Abschluss dieses einzelnen, 
BO beschaffnen Friedensgeschäftes Vollmacht ertheilt, die ja, hätte 
sie existirt, unzweifelliaft vorgelegt wäre, was nicht geschah. Gewiss, 
sie war in der von uns unterstellten Generalvollmacht enthalten, 
allein eine solche war bei Geschäften von so weittragenden Folgen, 
wie der Frieden, wohl nur gebräuchlich, wenn ihre Träger sich 
mit dem Auftraggeber im Ganzeii darüber in Einvernehmen ge- 
setzt hatten. Dass dieses aber zwischen dem König und seinen 
Mandataren über beredeten Frieden zuvor erreicht, dass er in 
der That mit seinem vollbewussten Willen geschlossen wäre, wird 
niemand glauben können. Er erschien den Städten jedoch und 
das mit gutem Grunde als der eigentliche Träger des Staates und 
seine rückhaltlose Ratification zur Sicherstellung des Friedens- 
werkes in hohem Masse erwünscht. Wie sie von dem schwer beug- 
samen, stolzen Monarchen erreichen, oder gelang es nicht, wie 
ihn der Mittel berauben, ihm gefährlich, furchtbar zu werden? 
Nun hat man, wenn ich nicht sehr irre, den ersten Bedingungs- 
satz immer dahin interpretirt, dass der König, falls er nicht mit 
seinem grossen Insiegel den Frieden vollzöge, der Krone verlustig 
gehu sollte. Das freilich wäre ein ebenso wirksames als demü- 
thigendes Zwangsmittel gewesen. Dann hat Suhm Recht, eben 
hierin einen Ausdruck der grossen Machtsteigerung des noch un- 
fertigen Reichsraths, Dahlmann in dem ganzen Frieden ein Symp- 
tom für die Fülle innerer Uebel und die allgemeine tiefe Abnei- 
gung des Adels gegen seinen Herrn, und Nitzsch endlich, einen 
Allianzschluss zwischen Reichsrath und Städten darin zu erkennen. 
Aber einmal stimmt eine solche Auslegung nicht mit der That 
Sache, dass Waldemar nie den Frieden mit dem gewünschten 

De nicke, Beziehungen der llauseatädte etc. 7 



98 

Staatssiegcl rntificirt liat uud dessen uugeachtet nicht abgesetzt ist, 
und ebensowenig mit der Fassung der Urkunde selbst. — In dem 
zweiten Satze wird dem König für den Fall, dass es ihm nach 
dem Kriege mit all seinen üblen Folgen nicht mehr anstünde, 
König zu bleiben, das Recht zur Uebertragung der Krone zuge- 
sprochen, wenn auch nur ein V^orschlagsrecht damit gemeint war. 
Dann fällt dem neuen Regenten die Pflicht zu, die Privilegien 
der Städte zu vollziehn und dem Reichsrath, deren Zustimmung 
zur Thronfolge einzuholen. Aber wie, wenn Waldemar seine 
Krone nach wie vor tragen will? Nun so soll er besiegeln, ohne 
dass man ein directes Mittel, ihn zu zwingen, wüsste oder wollte. 
Hätte die Absetzung in jenem Bedingungssatz angedroht werden 
sollen, so würden die redegewandten Rathsherru doch wahrhaftig 
bei der Wichtigkeit der Sache auf eine klarere Formulirung ge- 
drungen haben, etwa: Der König besiegle; thut er es nicht, so 
sollen und wollen wir, der Reichsrath, ihn entsetzen. Das hiesse 
klar, freilich auch deutsch gesprochen. Es ist das aber eben eine 
falsche Substitution. Der fragliche Satz ist nichts anderes als der 
Ausdruck des Falles, dass Waldemar König bleiben will und bloss 
aus Gründen logischer Klarheit gemacht und in Gegensatz gestellt 
zu dem nachherigen: Wenn er abdanken will. Beides ist in sein 
souveränes Belieben gestellt. Würde man auch einem entthronten 
Fürsten noch das Recht zuerkennen, die Candidatur für die Thron- 
folge aufzustellen, wie man es that? Denn jenes tosteden lässt 
sich doch unmöglich, es drastisch auszudrücken, zu einem blossen 
Raummachen auf dem Königsthron herabschwächeu. An diesem 
positiven, so wichtigen Zusatz in der fraglichen Formel muss eine 
andere Interpretation durchaus den Uals brechen; sie kommt in 
den Widerspruch, den König absetzen uud ihm noch ein weit- 
gehendes Recht bei der Küre des neuen beilegen. — Auch von 
andrer Seite lässt sich der Frage beikommen. Waldemar war es- 
gewesen, der seinen Staat, welcher wie unheilbar an dem überalL 
sich eindrängenden und alle nationale Daseinsformeu bedrohenden. 
Einfluss deutscher Machthaber zu kranken schien, äusserlich wie- 
der gesammelt und innerlich in immerhin heilsamer Weise durclü 
eine ausserordentliche Steigerung der Königsgewalt gekräftigt hatte r 
zwanzig volle Jahre hatte er an diesem Werk mit einem bewun- 
derungswürdigen Aufwand von Energie und Klugheit und mift 
grossem Erfolg gearbeitet. Es kann nicht anders sein, als das9 



90 

bei allem Druck, wie er sich in deu jütischen Aufständen und 
vielfachen urkundliclien Klagen, meist jedoch geistlicher Herren 
aasserte, indess zum guten Thcil mit jener hohen staatsmännischen 
Aufgabe rechtfertigte, im Volke Anhänglichkeit, Scheu und Ehrfurcht 
vor einem solchen Herrscher lebendig wurden und blieben. Hätte 
man sich entschliessen können, ihn nach vielfach glücklicher und 
langer Wirksamkeit zu entsetzen? Wir haben aus dem letzten 
Jahrzehnt das Beispiel einer Entthronung in dem benachbarten 
Schweden, aber sie traf einen Monarclien, der statt sein Reich 
zusammenzuhalten, ein Stück nach dem andern preisgab, über- 
haupt entfernt nicht an die Tüchtigkeit des Dänenkönigs heran- 
reichte und dazu in unbesonnener Weise einer revolutionären Be- 
wegung mit sehr radicalen Massregeln entgegengewirkt hatte. 
Und doch fehlte viel, dass das ganze Volk, zumal die unteren, 
immer noch einflussreichen Stände der Thron-Entsetzung beige- 
C'allen wären; nach sieben Jahren wurde der entschiedne Wunsch 
^ach Rückberufung in weiten Kreisen laut. Man sieht, wie wenig 
dieser Vorgang zur Erklärung eines so einmüthigen exorbitanten 
Beschlusses des dänischen Reichsraths dienen könnte, König Wal- 
<iemar zu depossediren. Das zur Köuigswahl berechtigte und diese 
auch wohl noch thatsächlich vollziehende Volk ^ als Ganzes konnte 
allenfalls nehmen, was es zu geben, aber bloss der Ausschuss der 
Reichsstände, der noch nicht einmal eine fertige, verfassungsmässige 
Existenz gewonnen hatte, gewiss nicht. — Man wendet vielleicht 
ein, von einer wirklichen Entsetzung war ja nicht die Rede, son- 
dern nur von einer eventuellen, deren Vermeidung selbst bei dem 
König stand. Allein bedeutet eine solche Drohung viel weniger 
als ihre Erfüllung? Genug, nach allen Seiten scheint es mir un- 
thunlich, jene Bedingung so zu verstehn, als was sie sich auf deu 
ersten Blick vielleicht ausnimmt, als deu Ausdruck für des Königs 
etwaigen Sturz. — Andrerseits konnten sich die Städte aber nicht 
damit zufrieden geben, den ganzen mühe- und opfervoll erlangten 
Frieden von seiner Laune abhängig zu machen. Es war eine 
conditio sine qua uou, wenn sie ohne abwartende Rücksicht auf 
seinen Entscheid den Frieden von vornherein unangreifbar sicher 
gestellt wissen wollten. Und so kann ihre Forderung an den 
Reichsrath, ihn auch ohne königlichen Consens zu halten, gar 



» Vgl. Dablmann, a. a. 0. Bd. 1 p. 449; II p. 53. 



100 

nicht befremden, eine Forderung, die übrigens zwecklos war, wenn 
in diesem Fall der König abgesetzt werden sollte, und sonach die 
obige Darlegung gleichfalls bestätigt. Aber darf nicht befremden, 
dass der Reichsrath sie genehmigte? Immerhin mag es als Zei- 
chen dafür gelten, dass er in dem politischen Leben der Nation 
ein mitentscheidender Factor geworden war, aber es war doch 
etwas Unumgängliches, wenn er anders nicht auf den so uoth- 
weudigen Abschiuss des Krieges verzichten wollte. LFeberdies 
mochte er sein Gewissen mit der freien Vollmacht des Königs 
salviren. Den Städten war jene Zusage genug: repräsentirte er 
doch in der Hauptsache die militärische Kraft des Landes , ohne 
die Waldemar gar nicht an eine Verwerfung des Friedens und 
kriegerische Revanche denken konnte. Merkwürdiger, indess wohl 
nur zufälliger Weise steht sie nicht in der reichsrathlichen Ur- 
kunde, sondern in der städtischen, die überhaupt dieser nicht un- 
wesentliche Ergänzungen hinzusetzte. — Im Fall eines Thron- 
wechsels aber sollte jenes unnatürliche, krankhafte und für die 
Städte immer ein wenig unsichere Verhältniss, das in einem höchst 
wichtigen Punkte dem Könige allerdings seine monarchische He- 
gierungsgewalt entzog, durch die Verständigung des Reichsraths 
und der Städte über die Person des Nachfolgers in Fortfall ge- 
bracht werden, der sich zuvor überhaupt erst durch Bestätigung 
der hansischen Gerechtigkeit zum Erwerb der königlichen Würde 
befähigen musste. Ich hebe nachdrücklich hervor, dass es sich nicht 
um das Recht einer nachträglichen, sondern einer der Wahl vor- 
angehenden Zustimmung handelte; jenes wäre viel weniger inhalts- 
reich gewesen. Denn sass erst einmal der König, durch den 
Volkswillen erhoben, auf dem Thron, so war damit eine Macht 
der Verhältnisse geschaffen, gegen die anzukämpfen sehr schwer 
und risquaut war. — Kurz gesagt, war mit jenen urkundlichen 
Vereinbarungen die Königswahl für alle Zeiten dem Beifall der 
Städte untergeben, eine Befugniss, die der einer einfachen Ein- 
setzung nicht allzu fern stand. Den Dänen verblieb nur die 
Initiative für die Aufstellung der Candidatur. Für den Fall ihrer 
Verwerfung seitens der Städte ist zwar keine ausdrückliche Be- 
stimmung vorgesehn, aber es ergibt sich von selbst, dass dann 
rechtlich die Nothwendigkeit einer neuen .Aufstellung entstand. — 
Da ist jenes Recht, das beredt wie nichts anderes den gewaltigen 
Aufschwung bezeichnet, den das norddeutsche Städtethum in seinen 



101 

hervorragendsten Vertretern erkämpfte. Es ist die höchste Stufe 
jener langdanernden , ewig ringenden Entwicklung der deutschen 
Nationalität gegen die dänische und der Tnumph der ersteren. 
Gewiss mnsste es mit dem Verlast an Souverainetät, den es 
brachte, auf das empfindlichste den Monarchen treffen, aber 
vielleicht noch unmittelbarer das Volk, obenan Reichsrath und 
Reichsstände, dessen Fnndamentalrecht, den König zu küren, es 
in weitgehendster Art verkürzte. — Es war ein in der deutschen 
Geschichte noch nicht dagewesenes Verhältniss. Wenn Kaiser Karl, 
der in seiner Richtung auf den Norden vergeblich versuchte, das 
vergessne kaiserliche Lehnsrecht über Dänemark* leise wieder in 
Geltung zu bringen, so setzten sich die seinem Scepter unter- 
gebenen Städte in den Besitz eines Rechts, das fast nichts Gerin- 
geres bedeutete. Wie wunderlich verschrobene Verhältnisse! 
Welche Curiosität aber gar, dass Rostock vom dänischen Reiche 
zu Lehen ging*; es war ihm an seinem Theile eine Art Lehns- 
recht über den Lehnsherrn zuertheilt! — Man versuche sich ein- 
mal in die Stimmung hineinzuftthlen , die diese unerhörte Neue- 
rung in adligen und fürstlichen Kreisen erregen musste; meist 
landsässige Städte werden Herrn über die Souverainetät einer 
sehr ansehnlichen ausländischen Nation. In der That, es lag in 
diesem Verhältniss etwas Ueberspanntes, Unmögliches, wenig Ge- 
währ der Dauer und zugleich nicht geringe Gefahr, auch die, 
dass bei jeder Doppel candidatur der Prätendent, der dem Einfluss 
der Städte unterlag, ihr Feind wurde, und um so entschiedner, 
je lockender ihm der Erwerb der Dänenkrone vorkam. Ihre Ver- 
einigung aber hatte dem weder feste Geschlossenheit noch feste 
Entschlossenheit entgegenzusetzen, und wir dürfen uns nicht eben 
sehr wundern, wenn wir sie bald genug in der Ausübung jenes 
Rechtes langsam und schlaff und schliesslich zu seiner Aufgabe 
ohne grosses Widerstreben bereit finden. 

Vor der Hand aber thtirmteu sie eine Caution auf die andere. 
Durch die bisher genannten Rechts- und Besitztitel nicht hinläng- 
lich sicher und zufrieden gestellt, veranlassten sie den Reiclisrath 
noch zur eventuellen Uebergabe des Schlosses Warberg, indem 
bei jeder üebertretung des Friedens der Hauptmann sammt seinen 



i Dahlmann, a. a. 0. p. 44 Anm. I. 



102 

Mitbefclilshabern sich mit demselben so lange zu ihnen hal- 
ten sollten, bis sie gesühnt sei. Der zeitige Hauptmann Gurd 
Moltke, der selbst in Stralsund als Reichsrathsmitglied anwesend, 
fertigte eine Urkunde aus, in der er sich auf Geheiss des Königs 
und des Hauptmanns Henning und mit Rath und Willen des Reichs- 
rathes anheischig machte, den Städten sein Schloss offen zu halten 
und für «ie selbst einzutreten, wenn innerhalb der 15 Jahre eine Ver- 
letzung in irgend einer Friedensvereinbarung geschähe. In irgend 
einer. Fast möchte man das „dafür", welches in der Reichsraths- 
urkunde den betreffenden Satz einleitet, auch wohl die zeitliche 
Beschränkung der Bürgschaft als Argumente gelten lassen, dass 
sie nur die Abtretung des schonischen Pfandgebietes decken sollte. 
Allein das ist doch nicht haltbar; denn dann hätte jene Urkunde 
sich nicht des nachherigen allgemeinen Ausdrucks „in alledem das 
vereinbart ist" etc., den überdies die Einzelurkunde Moltkes wie- 
derholt, bedient, sondern des engeren „in alledem, das vorge- 
schrieben". Und beziehen wir die Bürgschaft zugleich auf die 
Sicherstellnng der nachfolgenden Königswahlbestiromungen, so fehlt 
joder ansprechende Grund, das Privileg aus dem Kreise ilirer 
Wirksamkeit auszuschlicssen. Freilich wird man nicht gemeint 
gewesen sein, jede kleinere Verletzung desselben gleich als einen 
vollgültigen Anlass zur Inanspruchnahme des Warberger Schlosses 
anzusehn. Fehlte eine genauere Bemessung der Verletzung, 
welche diese zur Folge haben sollte und durfte, so war dies 
eben einer natürlichen, praktischen Selbstregelung überlassen. 
Wenn er aber, fährt C. Moltke mit seltsam naivem Ausdruck 
fort, zu kurz würde in diesen fünfzehn Jahren, so sollte sein 
Sohn Evert und Claus Scriver in seine Stelle und Verpflichtung 
treten; einmal doch ein Beweiß für die nächste Erblichkeit dieser 
Schlosshauptmannschaft und zugleich eine darauf gebaute neue 
Sicherheit für die Fortdauer dieser städtischen Disposition über 
Warberg. Dieser Brief Moltkes wird nun nicht bloss von ihm, 
sondern allen anwesenden Reichsräthen besiegelt, wie er denn ja 
auch nur der Functionär des Reiches war. Im Grunde aber kam 
doch für diese Acquisition das meiste auf das Treuwort des ange- 
sehenen und oftgenannten Ritters au, — Immer ist das Augen- 
merk der Städte auf Schonen und seine angrenzenden Landschaf- 
ten gerichtet; Warberg war ein Schloss, dessen Wichtigkeit sich 
schon durch sein häufiges Auftreten in der Verpfändungsgeschichte 



103 

der letzten Jahrzelinte documeiitirti; es belicrrschto Flalland und 
gab einen sicheren Rückhalt für Schonen, gewiss auch gute 
Erträge. 

Und welches sind nun die Städte, denen jene schonischen 
Pfandrechte und jenes Mitbetheiligungsrccht an der dänischen 
Königswahl verliehen wurde? Man erwarte bei ihrer Aufzählung 
nicht den so üblichen, indcss keineswegs darum formelhaften und 
inhaltsarmen Zusatz, „die in ihrem Recht" oder auch „in ihrem 
Orlog begriffen sind*' und ähnliche Wendungen, wie sie eben 
noch in dem grossen Freibrief begegnen. Nichts davon hier; sie 
sind alle bei Namen genannt und diese: Lübeck, Rostock, Stral- 
sund, Wismar, Greifswald, Stettin, Colberg, Neustargard, Cöln, 
Hamburg, Bremen; von Preussen: Culm, Thorn, Elbing, Danzig, 
Königsberg, Braunsberg; von Livland: Riga, Dorpat, Reval, Per- 
nau; von der Sttdersee: Campen, Deventer, Utrecht, Zwollc, Ilase- 
iet, Groningen, Zierixsee, Breie, Middelburg, Arremode, Harderwik, 
Ztttphen, Elborg, Stavoren, Dortrecht, Amsterdam. Dies Namens- 
verzeiohniss ist völlig identisch mit dem des stralsunder Privilegs, 
während dies, wie ich schon anmerkte, wesentliche Verschieden- 
heiten aufweist beim Vergleich mit dem inhaltlich fast gleichlau- 
tenden Freihrief König Albrechts. Ohne Frage haben wir hier 
die sämmtlichen Städte der kölner Conföderation vor uns; man 
hat in den zwei Kriegsjahren sich besonnen, dass ihnen der Vor- 
tritt im Reigen der hansischen Städte gebühre; daher die Ver- 
änderung jener Namenslisten in den zwei Freibriefen, deren letz- 
tem alle übrigen Hansestädte in allgemeiner Form angeschlossen 
werden. Es ist dies, wie ich glaube, ein directer Beweis und 
soviel ich weiss, der einzige, dass ausser den genannten Städten 
keine hervorragenden sich an dem Kriege irgend activ betheiligt 
haben, was nicht ausschliesst, dass kleinere zugefügte Gemein- 
wesen durch kleine Contingente an Geld oder Mannschaft ihren 
grösseren Schutzstädten geholfen haben. Und jenen directen Be- 
weis unterstützt der Mangel eines Gegenbeweises, indem wir kein 
urkundliches Zeugniss für die Betheiligung noch irgend einer an- 
deren Stadt haben; und die weitergehenden chronikalischen An- 
gaben wollen dem Urkundenmaterial gegenüber in dieser Frage 
nichts besagen. 



» Cfr. H. R. 1 Nr. 260 (p. 188); 268 (p. 102) (vgl. auch Nr. 322). 



104 

Wie stellt es nun aber mit der thatsächlichen Betheiligong 
der einzelnen conföderirten Städte? Von den meisten steht sie 
natürlich von vornherein ausser allem Zweifel. Auch Stargard 
gehört zu ihnen und die widersprechende Behauptung Eoppmanns* 
beruht auf einem MissverstHndniss. Etwas anders ist es mit 
Hamburg und Bremen, ganz anders mit Köln bewandt. 

Erstgenannte Stadt hat bis zum 6. Oct. 1368 sich der Theil- 
nahme an dem kölner Bunde entzogen. Es bedurfte vielfacher Weit- 
läufigkeiten , einer besonderen Zusammenkunft ^ Berathungen und 
Schreibereien her und hin, und der ernsthaftesten Vorstellungen ^ 
ehe sie aus ihrer zögernden und durch eine allzu behutsame, 
wenig ehrenvolle Rücksichtnahme auf ihr kleines Sonderinteresse 
vorgezeichneten Politik heraustrat und sich zu einem freilich immer 
noch nicht ganz entschiedenen Anschluss an die Conföderation auf 
dem angegebenen Tage bewegen liess.** Den Anschlag hierfür 
wird nicht zum letzten der rasche und sichere Fortgang der 
städtischen Waffenerfolge gegeben haben. Beschränkte sie sich 
auch, mit Zustimmung der verbündeten Städte, auf die Aufnahme 
des Pfundgeldes und eine Geldbeisteuer im Betrage von 900 7^ 
lüb. S). (ca. 63,000 Rm.), so galt sie doch fortan als vollberechtigtes 
Mitglied der Conföderation und betheiligte sich wiederholt an ihren 
Versammlungen während der Kriegszeit. ^ — * Auch mit Bremen 
trat Lübeck im Auftrag der gemeinen Städte wegen des Zutritts 
zum kölner Verbände auf derselben Zusammenkunft, die es mit 
Hamburg und zwar in dieser Stadt am 9. Febr. 1368 hatte ^, in 
Verhandlung. Bremen verwies auf seine notorisch schworen Ver- 
luste in jüngster Zeit und bat um Dispens von einer eigentlichen 
kriegerischen oder finanziellen Unterstützung, während es sich 
zur PfundzoUerhebung bereit erklärte und diese nachmals auch 
ausführte. Den Lübeckern aber genügte diese Bereitschaft nicht, 
und auf der nächsten grossen Johannisversammlung wurde zum 
Beschluss erhoben, Bremen nochmals um seine Bejhülfe zur Expe- 
dition zu befragen und zu der Tagfahrt vom 6. October zu ent- 



» Ebd. H p. 262. 

2 H. R. I Nr. 418; 421 § 6, 12; 427 g 11; 434. 

3 Ebd. Nr. 436 § 5; 443; 469 § 18, 27. 
* Ebd. Nr. 479 § 15, 35, 40. 

5 Ebd. Nr. 490 (489 § 21); 503 etc. 

6 Ebd. Nr. 427 § 11. 



105 

bieten.* Da änderten jedoch die Städte ihre Meinung, nahmen 
^1 in der That anf die vorgehaltenen schweren Scliicksale Bremens 
Rücksicht und überhoben die Stadt für den nächsten Winter jeder 
Unteratützungspflicht, nm sie ihr aber für den künftigen Sommer 
im Fall der Fortdauer des Krieges aufzuerlegen. ^ Wohl keine 
f'rage, dass sie dann dieser auch nachkam und dadurch die Ein- 
beziehung in die Confdderation und demgemäss in die Namens- 
Ikte und Bevorzugungen der in Rede stehenden Urkunde erwarb. 
"^ Ganz anders liegt die Sache mit Köln. Diese Stadt hat sich 
^n keiner nennenswerthen Weise an dem Unternehmen betheiligt, 
^n ihr wurde, wie wir wissen, der Kriegsbund der Städte ge- 
schlossen, aber die Urkunde erwähnt nichts von einer Verbind- 
lichkeit, die sie übernommen. Das Einzige, was sie that, war die 
Ausfertigung von Creditiven an die süderseeischen , sächsischen, 
pommerachen, livländischen und westphälischen Städte.^ Wir 
hal>en dann vom 5. Februar 1368 ein Anschreiben der Ittbecker 
V^^rsammlung der vier wendischen Städte in ausgesucht höflicher 
Foi-m, in dem sie sich zunächst für die ausserordentlich liebens- 
^tlrdige Aufnahme ihrer Rathscndeboten bedanken, sodann die 
f^i'uchtlosigkeit der letzten Verhandlungen mit Waidemars 6e- 
sa.iidten, dessen diplomatische Beschönigungen und immer erneute 
Räubereien mittheilen und angesichts dieser unerträglichen Lage 
^«n die möglichst baldige Zusendung ihres Absagebriefes bitten.^ 
Nie zeigt sich aber Köln ferner an irgend einem aus dem Kriege 
i"e8uitircnden Verhältniss, sei es an der PfundzoUvertheilung oder 
^Ti sonstigen Dingen betheiligt Zudem erhub sicli im Laufe d. J. 
1368 eine sehr leidenschaftliche Misshelligkeit zwischen der rhei- 
nischen und ostseeischen Reichsstadt, deren Andauer sich bis fast 
zum stralsunder Frieden nachweisen lässt und die eine lebhafte 
^<^rrespondenz, zugleich mit von kölnischer Seite hineingezogenen 
^^örsten veranlasste. Es handelte sich vorab um nichts weiter als 
^■■^ eine Forderungseinklage eines kölner von einem lübecker Bürger; 
^^ aber der erstcre sich dem Rechtsspruch des lübischen Raths 
^'^lit unterwerfen wollte, ergab sich daraus die prineipielle Frage, 



» Ebd. Nr. 434; 469 § 25, 27. 

2 Ebd. Nr. 479 § 16. 

3 Ebd. Nr. 418. — Sartorius, a. a. 0. II p. 162. 
* H. K. I Nr. 430. 



106 

ob die Stadt des Verklagten, also Lübeck, die entscheidende In- 
stanz bilden solle. Genng, es kam so weit, dass Köln Lübeck 
absagte, und wenn es seine Feindseligkeiten noch verschob, so 
war doch das Verhältniss beider ein äusserst gespanntes ^ als 
am 2L Oct. die gemeinen Seestädte sich ins Mittel legten und an 
Köln den Anspruch stellten, ihre compromissorische Intervention, 
wie Lübeck gethan, gleichfalls gut zu heissen. Lehnte es dies 
ab und beschwerte die Lübecker in irgend einer Weise, so er- 
klärten sie sich bereit, seine Bürger in allen ihren Städten anzu- 
sprechen und Repressalien an ihnen zu nehmen. ^ Um so mehr 
darf es verwundern, in der Friedensurkunde auch die Stadt Köln 
verzeichnet zu ßnden zur Antheilnahme an den Erfolgen des 
Krieges, die sonst nur den activ betheiligten conföderirten Stüdtcn 
zukamen. Der Erklärungsgrund wird in Folgendem zu suchen 
sein. Der Bund führte nach Köln, wo er geschlossen, seinen 
Namen, und es war in gewisser Weise ganz natürlich, den Ort 
jener hochwichtigen Versammlung, zumal er sich ihr gegenüber 
unzweifelhaft gastlich und entgegenkommend erwiesen hatte, mit 
dem Verzeich niss der Bundesstädte zu verbinden. Auch die grosse 
Bedeutsamkeit der Stadt, sowie ihr althansischer Charakter mögen 
mitgewirkt haben. Doch das Entscheidende wird noch ein anderes 
gewesen: ohne allen Zweifel hatte sie einen Absagebrief an Wal- 
demar zugesagt; sonst hätten die wendischen StUdte ihre Zuschrift 
nicht in die vorliegende Fassung einkleiden können. Aber nicht 
weniger zweifellos scheint mir, dass sie ihn auch wirklich einge- 
geben. Denn hätte sie ihr Versprechen und die Mahnung der 
Städte nicht befolgt, so würde sie sich ja damit selbst ihre Mit- 
aufnahme in die Friedensurkunden verbeten haben, und sicher 
wäre diese unterblieben. Erst jene supponirto Thatsacho lässt diese 
uns völlig begreifen. Hatte sie nämlich einen Fehdebrief eingesandt, 
so lag es nahe, ja war nöthig, sie auch in den Frieden einzube- 
greifen, selbst wenn sie dem eigentlichen Kriege ferngeblieben. 
Eine weitere reelle Bedeutung hat natürlich dies nicht gehabt^ 
weder die Theilnahme an den Einkünften des schonischen Pfand- 
gebiets noch an den Wahlverhandlungen beim nächsten däuischeim 
Thronwechsel. 



' Nachweise s. H. R. I p. 470 Anm. 
2 Ebd. I Nr. 510 § 12. 



107 

Die drei Urkunden, welche die Dänen ausstellten, deren eine 
also die ban8is«*hen Freiheiten, die zweite die Verpfändungen und 
die Wahlordnung, die dritte C. Moltkes Verpflichtung verzeichnet, 
waren sämmtlich Ratificationen. Es fehlte nur noch die Zustim- 
mung der nicht erschienenen Reichsräthe und vor allem die des 
Königs. Für beides wurden sogleich die Formulare aufgesetzt; 
das eine, für den Rest des Reichsraths insgesammt, ist mit dem 
Datum des Friedenstages versehn, während das andre überhaupt 
den Schlnsspassus fortliess. In jenes nahm man nur die allge- 
meine Erklärung der Zuwilligung zu den getroffnen Vereinba- 
rungen, in dieses dagegen, wenn ich recht übersetze, beide CoUec- 
tivurkunden der Dänen auf. Andrerseits fertigten die Städte, 
wie immer unter dem Siegel des hansischen Versammlungsortes, 
unter dem der Stralsunder, denen sie dafür völlige Schadloshaltung 
verbürgen, eine provisorische Urkunde über den Frieden aus. 
Für die Theilnahme der zugefügten Gemeinwesen gibt der Ein- 
gang derselben, sowie der sich anschliessenden städtischen Rati- 
ficationsentwürfe, der neben den bekannten sechs noch die übrigen 
Stüdte Preussens hervorhebt, während auch hier sonst nur die 
conföderirten namentlich aufgeführt sind, einen beachtenswerthen 
Beleg. Wichtiger aber sind die darin nachgeholten Friedenszu- 
sätze. So, dass König Waldemar bis Michaeli nächsten Jahres mit 
seinem grossen Siegel ratificiren soll. Ftthrwahr eine sehr weite, wohl 
mit Rücksicht auf des Königs Umherreise bemessne Frist! Unter- 
bleibt es, so reserviren sich die Städte die freie Wahl zwischen 
innehaltung oder Verwerfung des Friedens, an welchen letzteren 
Fall die Klausel eines halbjährigen, also den Winter 1371/72 
umfassenden Stillstands geknüpft wird. Wenn sie im Grunde 
hiermit auch bloss einen Druck auf des Königs Bereitschaft zur 
Friedensgenehmigung beabsichtigten, so zeigt sich doch wieder, 
^ie wichtig ihnen diese erschien. Ziehn sie aber die Fortdauer 
friedlicher Verhältnisse vor, so ist eben Reichsrath und Reich ge- 
hunden, sie gleichfalls zu beobachten, eine Bestimmung, die um 
80 wesentlicher, je mehr Waidemars Widerstreben ohne Druck- 
werk wahrscheinlich war. Ich sagte schon, dass diese ihre 
unrichtige Placirung nur zufallig und ohne grosse Bedeutung 
sein dürfte; man müsste sich denn bereden, darin den Aus- 
druck einer gewissen Scheu der verhandelnden Reichsräthe 
zu erkennen: nämlich selbstgestand nermassen ihren König und 



108 

PTcrrn nach einer Richtung in seiner monarchischen Souve- 
rainetät zu vernichten. — Die noch ttbrigen Beliebnngen or- 
geben sich unnnittelbar aus der dänischen Urkunde; so soll 
wenn Waldemar vor dem Termin der Besieglung mit Tode ab- 
geht oder einem anderen Herrn die Krone übergeben will, die 
geschlossene Sühne in voller Kraft bleiben. Mag nun aber der 
König besiegeln oder nicht, mag er sterben oder sein Reich an 
einen andern abtreten, so wollen die Städte, falls sie sich zum 
Festhalten am Frieden entschliessen, ihn in Gemässheit der beiden 
festgestellten Entwürfe mit dem grossen Siegel bekräftigen, ohne übri- 
gens dabei an einen Eingabetermin gebunden zu sein. Der eine ent- 
spricht dem dänischen Privileg, der andere der Verpfändungsurkunde 
bezüglich der schonischen Schlösser. Aber wie armselig ist nicht 
vergleichsweise der Inhalt des ersten! König Waldemar, der 
Reichsrath und alle Einwohner Dänemarks überhaupt sollen volle 
Verkehrsfreiheit und sicheres Geleite haben in den Städten, ihren 
Märkten, Häfen und Landen, ganz wie vor dem Kriege. Was 
wollte aber jene bei dem Monopolhandel der Hansis gross be- 
deuten ? — Weiter garantirten auch sie ihrerseits den Dänen, dass 
nur der Schuldige haftbar, kein anderer seiner Schuld entgelten 
solle. Dann die Zusage der völligen Beilegung des Krieges, und 
damit ist es aus. — In beiden Urkundenformularen fehlt das 
Datum der Ausfertigung. 

Damit haben wir den allgemeinen, die Gesammtheit der Städte- 
betreffenden Theil des Friedenswerkes erledigt. Nun kamen nocU 
zwei besondere auf den Frieden bezügliche Angelegenheiten za 
ihrer Regelung, deren erste von der letzten Stralsund er Versamm- 
lung des vorigen Jahres schon auf die Tagesordnung dieser Zu- 
sammenkunft gesetzt war. * Der Recess belehrt uns, dass es sich 
um eine Streitigkeit zwischen den Dänen und der Stadt Zierixsee 
handelte. Sonstige Zeugnisse über ihre Einzelheiten dürften kaum 
vorhanden sein. Die Städte nehmen sich der Sache an und brin- 
gen eine Uebereinkunft zu Stande, wonach die Dänen, doch ohne 
weitere Ansprüche, sich bereit erklären, den Zwist in dem allge- 
meinen definitiven Frieden aufgehn zu lassen. Zunächst erhellt 
aus dieser Fassung, dass sie die klagende, die Stadt Zierixsee die 
angeklagte Partei war; sie stellen ja trotz ihrer überaus gedrtlckten 



» H. R. III Nr. 41. 



109 

Situation die Bedingung. Welciier Zeitpunkt aber mit dem 
Aböcbluss des Definitivfriedens gemeint sei, lässt sich niebt mit 
völliger Sieberbeit ausmacben, indess ist im böebsten Masse wabr- 
scbeinlicb^ dass es eben der 24. Mai, der Tag des urkundlicbeu 
Abscblusses mit dem Reiebsratbe war. Dann ist jene \ ereinbaruug 
wäbrend der allgemeinen Friedensuuterbaudlungeu zu Stande ge- 
kommen. £s wurden bierüber zwei Urkunden ausgefertigt, die 
eine dem Reicbsbauptmann Henning, die andere der Stadt Zierixsee 
übergeben. Das Ganze bedeutete einen Erfolg dieser Stadt, den 
sie der bündneriscben Vermittlung dankte. Vielleicbt bangt damit 
die ein wenig auflallende Tbatsaebe ibrer Besendung des stral- 
sunder Tages dureb zwei Katbmänner zusammen, wäbrend sonst 
nur abseilen der sUderseeiscben Städte die weitaus mäcbtigste, 
Campen ein Gleiebes getban batte. 

Das andere Anliegen, von dem jwir noeb Kunde baben, be- 
trifft Rostock. Wir erinnern uns, dass der Recesseingang rostocker 
und wismai*er Ratbseudeboten nicbt nambaft macbt, dass also 
beide Städte^ wie sieb aucb aus der Sacblage leicbt ergab, die 
Versammlung nicbt bescbickt batten. In alle Friedensurkundeu 
werden sie gleicbwobl mit einbegrifiPeu ebne Klausel. Nun stand 
iiir Landesberr aber mit Dänemark nacb wie vor in Febde: wie 
sollten sieb dabei diese landsässigen Oommuuen verbaiteu? Waren 
sie nicbt durcb das vorläufige Friedensiustrument der Conföderir- 
ten für seine Geltungsdauer in ibrer Haltung gegen Dänemark 
gebunden? Und wie, wenn sie sieb an der fortdauernden Febde 
ibres Herrn betbeiligten, war damit nicbt zugleicb ein Friedbrucb 
jeuer gegeben? Sie batten docb mit „samender band" den Frie- 
den gesell losseu; war die Gesammtbeit nicbt pflicbtig, für das 
Verbaiteu ibrer Glieder aufzukommen? Das nun freilieb nicbt 
Dazu eben waren die Einzelratificatioueu da und immer verblieb 
bei den Friedscblttssen des Bundes den einzelnen Städten die 
Möglichkeit, sie nicbt zu acceptiren. Wenn aber jene Landstädte 
ihre febdenden Fürsten weiterhin noch thätig unterstützen woll- 
ten, so konnten sie unmöglich ohne Weiteres und völlig in den 
Hausefrieden mit eintreten; es bedurfte einer speciellen Regelung. 
Für Rostock baben wir eine solche in einer erhaltenen Urkunde 
vom 26. Mai, also zwei Tage nach dem Friedensscbluss. ' Sie ist 



^ H. R. 111 unter den Mach trägen. 



110 

zu Stralsund zwischen seinen Ratlimannen, die ofiPenbar zu diesem 
Zweck eigens sich eingestellt hatten, einerseits, Henning und den 
übrigen Rathgebern des Reiclis andrerseits vereinbart, und ihr In- 
halt kurz dieser: Wenn das dänische Reich und die meklenbur- 
gische Herrschaft in einem Kriege begriffen sind, soll der Friede 
zwischen den beiden Parteien doch fortbestehn, so dass die Unter- 
thanen des Reiches in Rostock ebenso sicher sind als die Bürger 
Rostocks im Reiche. In diesem Falle wird vorausgesetzt, dass 
Rostock sicL in keiner Weise an der Fehde seines Herrn bethei- 
ligt. Thut es dies, so ist Folgendes ohne Friedbruch zulässig: 
Der Herzog darf für Geld Schiffe kaufen oder miethen zur Aus- 
fuhr von Mannschaft und Nahrungsmitteln aus dem rostocker 
Hafen, das Reich aber diesen Schiffen eben hier Schaden zufügen; 
und die Rostocker hinwieder dürfen dann mit gewaffneter Hand 
ihrem Herrn helfen, jedoch eben nur an Ort und Stelle. Fallen 
aber die Mannen des Königs oder Reiches mit Heerschiid und 
Heerfahrt in Mekleuburg ein, so dürfen sie mit aller Macht ihrem 
Herrn innerhalb der Landesgrenzen beistehn und diese ihnen be- 
liebig schaden. Und wollen sie schliesslich ihren Herrn auf einem 
überseeischen Kriegszuge gegen Dänemark mit Reisigen unter- 
stützen, so sind sie gehalten, diese ihre Absicht 4 Wochen zuvor 
nach Wordingborg — der beliebten Residenz Waidemars — durch 
eine Gesandtschaft kund zu thun, die natürlich dänischerseits völliger 
Sicherheit geniesst. Vier Denkbriefe wurden über diese Stipu- 
lationen ausgefertigt, zwei für die nächstinteressirteu Parteien,« 
einer für Lübeck, dem Bundesvororte und einer für Stralsund,« 
dem Orte der Versammlung. Man sieht, worauf es den Dänen^ 
und Rostockern ankam. Diese wollen dem Frieden und seinen^ 
merkantilen Segnungen nicht fern bleiben; jene wollen dies natür- 
lich nur um den Preis einer möglichsten Sicherstellung gegei« 
etwaige im Interesse der Landesherrschaft geführte Angriffe voii: 
Seiten jener: ein Compromiss ist die Folge. Den Rostockerir 
wird im Ganzen die Erlaubniss einer Defensive in Meklenburg^ 
insonderheit ihrem Hafen gegen die Dänen zu Theil, während si^ 
bei einer beabsichtigten Aggressive zu einer vierwöchentlichei^ 
Aufsage verbunden sind. Natürlich ist dann an einen friedliche]« 
kaufmännischen Verkehr nicht mehr zu denken, aber es kanK: 
ihnen doch nicht hinterdrein der Vorwurf eines Vertragsbruch 
erwachsen. — Zunächst ist die Frage, ob das in gleicher Lag 



111 

befindliche Wismar sicli auf eine ähiiiiclie Art mit den Dänen ver- 
ständigt hat. Wir wissen darüber freilieh gar niehts, aber ich 
glaube eben aus der Analogie seiner Situation und Interessen 
eine dahin gehende positive Vermuthung rechtfertigen zU können. 
Freilich ist für sie der Umstand ein wenig störend, dass die bei- 
den so nah und vielfach verbundenen Schwesterstädte nicht eine 
gemeinsame Urkunde auswirkten. — Und wie mag zu diesem 
Vorgehen Rostocks Herzog Albrecht gestanden haben? Ohne sein 
Wissen wird es schwerlich geschehen sein, und dann doch auch 
mit seiner Genehmigung. Der Krieg wurde von ihm fortan nicht 
mehr mit heftiger Energie geführt, und zudem standen seine Städte 
immer in einer eigenthümlich unabhängigen Stellung. Die Heer- 
häufen Rostocks und Wismars dienten im städtiischen Heer und 
nicht in dem seinigeu, wie er ihnen ja auch für seine pünktliche 
Vertragserfüllung Unterpfänder gab. Er that am besten, das An- 
snchen Rostocks um Genehmigung seines Beitrittes zum Hanse- 
frieden trotz seiner eigenen Zurücksetzung, namentiicli im Inter- 
esse des auch für ihn nicht unwichtigen Verkehres zustimmig zu 
beantworten. — Man kann nun die weitere Ueberlegung anknüpfen, 
dass die Landsässigkeit die weitaus meisten Städte derselben Even- 
tualität aussetzte, in entstehende kriegerische Verwicklungen ihrer 
Territorialherrn mit dem dänischen . Reich hineingezogen zu wer- 
den. Wie dann? Nun man dachte nicht an diese Möglichkeit, 
weil sie fern lag. Die Meklenburger dagegen standen in voller 
Fehde mit ihm, die brennende Frage verlangte ihren Entscheid. 

Eine weitere Bemerkung verdient, dass die auf der letzten 
Versammlung schon im Entwurf ausgearbeiteten Ratificationen, 
welche die Städte auf diesen Tag offenbar zur Auswechslung mit 
den Reichsrathsurkundeu mitbringen sollten, nicht eingegeben 
wurden. Ich weiss nicht, ob man damals gedacht hat, dies nur 
iin Fall einer etwaigen königlichen Ratification zu thuu. Jetzt 
aber machten die Städte die Eingabe ihrer einzelnen Ausferti- 
gungen, natürlich im Eiuverständniss oder mit Kenntnissnahme der 
Reichsräthc von der vorgäugigen Uebergabe der königlichen Briefe 
abliängig. Auch waren die vorschriftsmässig mitzubringenden 
Ratificationen durch verschiedeutliche Veränderungen, von denen 
ich bloss die beiden wesentlichsten hervorhebe, unbrauchbar ge- 
worden. Bei der ersten Friedensverabredunj;' (Nov. 1369) hatte 
mau die Verpfäiidungszeit der schouischen Schlösser auf 16 Jahre 



112 

normirt; nach meinem Dafürhalten kann es keine Frage sein, dass 
die verflossene Zwischenzeit jetzt von ihr abgerechnet ward; 
immer wurde aber noch der Rest jener einjährigen Differenz , ein 
halbes Jahr etwa, gestrichen, und dies ist das einzige Zugestäud- 
uiss, das die Städte den dänischen Unterhändlern auf unserem 
Tage in Abänderung der vorjährigen Verträge gemacht haben. — 
Sodann hatten sie damals die entschiedene Unvorsichtigkeit be- 
gangen, ihren Ratificationen das Datum der damaligen Verhand- 
lungen zu geben. Es hiess das: der Friede ist an ihm vollkräftig 
geschlossen. Aber wie waren sie dazu ermächtigt? Sie selbst be- 
hielten sich ja gleichzeitig die erforderliche Besprechung mit den 
verbündeten Landesherren vor; erst Ostern löste der Ablauf der 
Allianz ihre gegen sie eingegangenen Verpflichtungen. Jene 
Datirung stand im Widerspruch mit ihrem gleichzeitigen ander- 
weiten und correcten Verfahren. Auf sie hätte Herzog Albrecht, 
wenn er darum gewusst, seine Klage wegen einseitigei* Sühne 
mit einem gewissen Recht stützen können. Es galt in den neuen 
Ratiflcationenen diese Unbesonnenheit gut zu machen. 

Um kurz zu recapituliren , so war die Friedensausbeute der 
Städte diese: sie erhalten die rückhaltlose Anerkennung und zu- 
dem eine immerhin wesentliche Erweiterung ihrer alten dänischen 
Gerechtsame. Dazu kommt die Verpfändung der dem Sund zu- 
gekehrten 4 schonischen Küstenschlösser, sowie zweier Drittheile 
von allen hier fälligen Nutzungen und Einkünften auf 15 Jahre 
und zu guter Letzt das ewige Recht einer weitgehenden Mitwir- 
kung bei allen folgenden Königswahlen. 

Nun erübrigt noch zu einer vollen und sicheren Beurtheilung-^ 
des Friedens der Hinweis darauf, dast) der künftigen staatsreclit — 
liehen Augehörigkeit der Stadt Wisby mit zubehörender Insel, um — * 
derentwillen einst diese vielverwickelten Streitigkeiten und Kämpfers 
begannen, in keiner Weise gedacht wird. Haben nun die Con — 
föderirten an sie die Forderung gestellt, diese ihre Eroberun^^ 
an die frühere schwedische Landesherrschaft zurückzugeben r^s 
Dann hätten wir ein neues Zugestäudniss und nicht geringer Art-^ 
das sie dem Feinde nachgegeben hätten. Oder haben sie einei' — - 
solchen Anspruch nicht erhoben, haben sie Wisby einem vielleich" 
selbst gewollten oder doch zum guten Theile mitverschuldete 
Schicksal überlassen? Die Beantwortung dieser Frage macht e 
uüthig, eiueu kuizea Rückblick auf die bisherige Lcideusgeschlcht« 



113 

der alten ostseeiscben Verkehrsmetropole, die mit dem Ueberzug 
des dänischen Eroberers ansetzt, zu werfen. An der Expedition 
von 1362, die ihn rächen sollte, hat sie sich durch Aufnahme 
des angeordneten Pfundgeldes betheiligt, nicht aber durch ein 
mitthätiges militärisches Eingreifen.* Das arge Zerstöruugswerk 
Waldemar's ward Jahrs darauf durch eine Feuersbrunst fortge- 
setzt, die einen grossen Theil der Stadt in Asche legte. Fortan 
scheint der Muth, das Selbstvertrauen der einst so stolzen 
Commune so gut wie gebrochen. Auch auf das Verhalten der 
alten Bundesverwandten wirkte das merklich ein. So erhoben 
die Hamburger bei sich nochmals Pfundgeld von ihren Bürgern, 
weil sie dieselben nicht mehr als Hansebrüder ansehen wollten.^ 
Schwedische Städte mochten seit Alters der Hanse zugerechnet 
sein, eine Stadt aber, die den eigeutlichen Erbfeind derselben als 
Oberherrn anerkannte, schien in ihr keinen Raum zu haben. 
Wisby selbst suchte natürlich seine alte Bundeszugehörigkeit, ja seine 
alte soperiore Bundesstellung aufrecht zu erhalten. Im Dec. 1362 
fragen seine Rathmannen bei den vereinigten Städten an, ob sie 
in den dänischen Stillstand mit einbegriffen seien, und bitten 
um Nachricht über etwaige üble Anschläge, natürlich gemeint 
von dänischer Seite und vorkommenden Falls um Hülfe.^ Die 
Verhältnisse Gothlands waren dann im Jahre 1363 auch ein 
Gegenstand wahrscheinlich wiederholter Verhandlungen zwischen 
den Städten und den beiden nordischen Königen, um dieselbe 
Zeit als der Herzog von Sachsen im Auftrage König Waidemars 
Über eine finanzielle Angelegenheit und die Sicherheit der Insel ver- 
handelte ; der ersten Angabe wird wohl eine Beschwerde über die 
f fundzoUerhebung zu Grunde liegen.^ Es schien günstige Zeit für 
^Ite gegen Gothland gerichtete Rivalitäten und Tendenzen der Unab- 
hängigkeit, sich aufs neue energisch aufzunehmen. Das Zugrecht 
^on Nowgorod nach einem städtischen Oberhof war eine alte 
Streitfrage zwischen der alten Ostseestadt und dem schnell und 
loch entwicl^elten Lübeck.^ Sie kam nun aufs neue in An- 
xegung, aber noch lange nicht zu ihrem Austrag. Immer noch 

» H. R. I Nr. 290. 

2 Ebd. Nr. 287 § 6; 292 § 3; 305 § 1; 325 § 1. 

3 Ebd. Nr. 290. 

* Ebd. Nr. 293 § 4, 10. 

* Ebd. p. 30 ff. 

Denioke, Bezieh uiigeii dor JlautieHtadte etc. k 



114 

behält jene ihre bevorzugte Stellung neben Lübeck auf dem rnsai- 
sehen Markte; aus einer von beiden Städten soll einem Beschlüsse 
der Juniversammlung des J. 1363 gemäss der Geistliche am 
Petershofe, gewiss nach längst bestehendem Brauch gewählt wer- 
den. Den Rigaern aber, den Vertretern der Livländer, die bis 
dahin immer in einer inferioren Stellung innerhalb der gemein- 
samen livländisch - gothländischen Städteabtheiluug standen , wird 
in Nowgorod ein eigenes Drittel eingeräumt Dagegen findet 
ein weiterer, auf Flandern bezüglicher Streitpunkt zwischen ihnen 
und der Mutterstadt über die Gemeinsamkeit der ELasse vor der 
Hand nicht seine Erledigung.^ — Gegen Ablauf der Waffenruhe 
unterlässt man städtischerseits nicht, auch die Gothländer aus- 
drücklich zu warnen.^ Und Jan. 1364 nimmt man sie, gewiss 
auf ihre Bitte, in den Schutz der Städte auf, wenn sie nur keine 
Lebensmittel nach Dänemark ausführten.^ Man erkennt, in welch 
einer eigenthümlichen Lage sie sich befanden. Sie wollen ihre 
alte Verbindung mit den Städten, auf der ja ihr Alles recht 
eigentlich beruhte, durchaus fortsetzen, auf der anderen Seite aber 
nicht voll und offen aus der dänischen Hoheit, unter die sie Wal- 
demar's starker Arm gezwungen, heraustreten; sie begnügen sich 
mit einem zweifelnden, behutsamen Anschluss an die alten Bundes- 
schwestern und können sich nebenher ihrer leidlichen Gefahrlosig- 
keit bei der weiten Entlegenheit ihrer Insel von dänischer Seite 
getrösten. — Am 8. Febr. 1363 werden die Hamburger bei ihrer 
Rechnungslegung gemahnt, das Pfundgeld, das sie zum zweiten 
Mal von bereits verzollten Gütern erhoben, den betreffenden Städten 
zurückzugeben; vornehmlich wird Wisby darunter zu verstehen 
sein. Und 25. Mai 1364 wird eine besondere Gesandtschaft an 
sie abgeordnet, um die widerrechtiich erhobenen Gelder zurück- 
zuerbitten. Ihre Antwort war , dass sie sich nun erst von der 
noch fortbestehenden Zugehörigkeit Wisby's zur Hanse und seiner 
Unabhängigkeit von Dänemark (sie!) überzeugt hätten und nun- 
mehr seine Waaren gegen Vorweis des Zollscheins frei und un- 
besteuert eingehen lassen würden.^ Auf der Johanuisvei*sammlung 



» Ebd. Nr. 296 § 15, 13, 14. 

^ Ebd. Nr. 307 § 4. 

3 Ebd. Nr. 310 § 3. 

* S. Nachweise unter *) auf p. 13. 



115 

1366 werden dann die auseinandergehenden Interessen Gothlands 
and Lflbecks in Nowgorod und der livländisclien Städtegruppe in 
Brügge von neuem einem späteren Vergleiche vorbehalten.* Nicht 
lange danach drückt Wisby in einer Zuschrift an Lübeck seine 
Verwunderung aus, dass trotz ihrer beiderseitigen ausschliesslichen 
Hoheit in Gericht und Verwaltung auf dem Hofe zu Nowgorod 
ein dortiger Rechtsstreit vor die gemeinen Städte gezogen sei; 
gleichzeitig sind seine Rathsboteu in Russland zur Erwirkung 
einer Vermittlung thätig (vorbehaltlich der richtigen Datirung der 
Nr. 387 in Hr. I). Man sieht seine zwar schon erschütterte, an- 
gefochtene, aber immer noch ansehnliche Stellung hier im Osten. — 
Die grosse Versammlung zu Köln 1367 hatte auch Wisby beschickt, 
nieht um etwa voll und ganz seinen Abfall von Dänemark und 
seinen Zutritt zu dem aufgerichteten Städtebund zu erklären, son- 
dern um nur die Verpflichtung einer finanziellen Beihülfe für den 
bevorstehenden Feldzug zu übernehmen, der es überdies erst nach 
dem Kriege, soweit es seine Ehre erlaube, nachkommen wollte. 
Immer die alte vorsichtige Halbheit in seinem Benehmen ! 2. Febr. 
1368 schreibt Lübeck dem Kaufmann in Brügge, dass ein gothlän- 
discher Rathmann die volle Zustimmung seiner Stadt für die 
kölner Conföderation gebracht habe^; beiläufig, es lässt dies viel- 
leicht auf ein Zurückziehn der in Köln eingegangenen Verbind- 
lichkeit an den heimischen Rath schliessen. — Zuvor hatte die 
kölner Tagfahrt ein sehr entschiedenes Schreiben an den flandri- 
schen E^ufmann mit der Auif orderung gerichtet, dass die beiden 
^nippen des gothländischen Drittels einig sein und nach dem 
Beispiel der übrigen Drittel in eine gemeinschaftliche Büchse 
^chiessen sollten.* Die Gothländer führten dann vor der Juniver- 
^*nainlung von 1368 sehr eindringlich über ihre Drittelsgenossen 
^'^ge, die diese nach bestem Vermögen zurückgaben; es ward 
^evordnet, dass die ersteren durch eine Gesandschaft nach Liv- 
^^^^ einen Ausgleich über die fragliche administrative Angelegen- 
heit herbeizuführen bemüht sein sollten. Auch über den Aufbe- 
^^lirungsort der flandrischen Privilegien kam es zwischen den 
^^iclen Parteien zur Differenz; die Städte aber verfügen zu nicht 



» H. R. I Nr. 370 g 8, 9 (ctr. § 20). 
2 Ebd. Nr. 428. 
» Ebd. Nr. 410. 

8* 



116 

geringem Unwillen der Livländer, dasB sie in Wisby deponirt 
werden sollen*. — Zu dieser heftigen Spannung der Stadt inner- 
halb ihres Drittels und ihrem bisherigen, so vielfach unschlüssigen 
Benehmen kamen mit dem Beginn des Krieges neue trennende 
Momente hinzu. In den Berathungen und Verabredungen der 
wendischen Städte mit den Meklenburgern spielte sie begreiflicher 
Weise eine nicht unwichtige Rolle; letztere werden auf ihren 
Rückerwerb an Schweden energisch bestanden haben; in seiner 
Vertragsurkunde (1638) bestätigte Herzog Albrecht schon im Vor- 
aus den Städten alle alten Gerechtigkeiten, die sie vor der Ver- 
gewaltigung Waidemars in Gothlaud genossen. Aber es hatte 
weder den Muth noch auch wohl die Neigung, das über Dänemark 
hereinbrechende Unglück zu einer Rückkehr unter die frühere 
Botmässigkeit zu benutzen, die wegen des heillosen Regiments in 
Schweden freilich nicht allzu verlockend war. Ja in einer 
Beziehung hatte es vielleicht Grund, sich bei seinem neuen 
Unterthanenverhältniss ganz behaglich zu fühlen. Den Schweden 
zahlte es einst alljährlich seinen ein für alle Mal fixirten Zins; 
ob das auch gemäss der Beliebung des Dänenkönigs, die alten 
Verhältnisse der Insel im übrigen fortdauern zu lassen, in der 
Zwischenzeit gegen die neue Landesobrigkeit geschehen sein wird? 
Kaum doch in den ersten Jahren nach dem Ueberfall, wo Walde- 
mar von allen Seiten in Schach gehalten wurde, die Gothländer 
durch die Erhebung des Pfundgeldes selbst ihm in wenig ver- 
deckter Weise entgegenwirkten, und gewiss auch jetzt nicht, wo er 
landesflüchtig umherschweifte, und sein Reich ohnmächtig vor dem 
deutschen Feinde sich beugte. Indess scheinen die Meklenburger und 
bei der von den Gothländern zugesagten Unterstützung des kriege- 
rischen Vorhabens mit um so besserem Grunde sich auf ihre frei- 
willige Untergebung unter ^die schwedische Landeshoheit gespitzt, 
und da sie nicht erfolgte, Miene zu einem feindlichen Ueberzuge 
der Insel gemacht zu haben. Die Städte laden hiervor warnend 
zur freiwilligen Rückkehr unter Schweden und zur Besendung 
des Lübecker Tages 11. März 1369 ein, um dort mit ihnen und 
den Landesherrn über ein zweckmässiges Mittel zur Wiederver- 
einigung mit der Krone Schweden zu berathen; sie erbitten eine 
baldige Antwort und beruhigen durch die Versichrung, dass sie 



» Ebd. Nr. 4n. 



117 

dem schwedischen Könige anliegen, bis zu ihrem Erhalt der Insel 
kein Ungemach zuzufügen. * Aber sie blieben auf dem angesagten 
Tage aus und besiegelten damit ihr Loos. Es war eine Erklä- 
rung, dass sie sich der Anwartschaft auf eine Unterstützung zur 
Lösung vom dänischen Staatsverbande begaben. Eine gewaltsame 
Unterwerfung unter Schweden trat nicht ein; die Meklenburger 
waren in Deutschland und den nordischen Reichen zu vielseitig 
und auskömmlich beschäftigt, um noch Mittel und Kraft für ein 
so weitaussehendes Unternehmen gegen die fernliegende Insel zu 
erübrigen. Sie blieb dänisch. — Ihrer schwankenden Stellung 
übrigens im Hansebunde, die sich eben aus ihren unsicheren 
staatsrechtlichen Beziehungen ergab, entspricht in bezeichnender 
Weise äusserlich die schwankende Erwähnung Wisby'scher Raths- 
sendeboten, die in den ßecesseingängen bald geschah, bald unter- 
blieb. — Nimmt man nun jene Collisionen und Rivalitäten, in 
denen die Inselstadt zu den bundesverwandten Städten stand, und 
ihre unentschlossene Haltung zusammen und die Thatsache hinzu, 
dass der mittelbare Verkehr über dieselbe nach Russland sich 
mehr und mehr in einen directen umbildete, und sie daher an 
commercieller Bedeutung einbüsste, so wird, wie ich glaube, in 
hohem Grade wahrscheinlich, dass die gemeinen Städte beim Frie- 
densschluss gar nicht einen Verzicht des dänischen Reichsraths 
auf ihre Unterthänigkeit verlangt, sondern sie vielmehr ganz ausser 
Betracht gelassen haben. Dann dürfen wir also nicht die Fort- 
daner jener Unterthänigkeit als eine Concession der Städte be- 
trachten und dadurch den allgemeinen Werth ihrer Friedens- 
errnngenschaften herabsetzen. — Ich habe mit Absicht die That- 
sachen dieser Entwicklung ein wenig genauer verfolgt, als zunächst 
gerechtfertigt scheint, weil uns einige Jahre später nochmals die 
gothländischan Verhältnisse in ähnlicher Lage entgegentreten. 

Ueberschaueu wir das gesammte Friedens werk, so sei an 
erster Stelle des gewaltigen Umschwungs gedacht, den der stral- 
sunder Frieden in der Entwicklung der deutsch -dänischen Ver- 
hältnisse bezeichnet. Am Anfang des Jahrhunderts hatte die 
weitstrebende Politik des dänischen Königs noch wirksam einge- 
griffen in deutsches Gebiet, hatte wie durch einen tiefen Einschnitt 
den langsamen Bildungsprozess der Hanse unterbrochen; noch 



» H. R. I Nr. 482. 



118 

nicht ein Jahrzehnt, als die neugeeinten wendischen Städte sich 
freuen mochten, mit einem glimpflichen Stillstand aus ihrem Eriegs- 
unglück sich herauszuziehn , und jetzt stand die deutsche Ilanse 
da geschmückt mit den Lorbeeren eines ruhmreichen Krieges, 
eine Vorkämpferin deutscher Interessen, deutschen Wesens und 
deutscher Nationalität gegen den bösen Nachbar, dessen Ueber- 
greifen in deutsches Land auf lange verhindernd. Hier liegt des 
Friedens welthistorische Bedeutung. Für Deutschland war sie eine 
unbedingt günstige: seine Grenze war behütet, deutschem Leben 
in seinem nördlichen Bereich eine von dänischem Einfluss freie Ent- 
faltung gesichert. Für Dänemark aber und auch die übrigen nordi- 
schen Nationen bedeutete der Frieden den Fortbestand und die Er- 
höhung der vorherrschenden Einwirkung deutscher Cultnr und 
Civilisation. Und wie manches Gute dies für sie im Gefolge haben 
mochte, es überwog doch der Nachtheil, der ihrer Fortentwicklung 
zu in sich geschlossener nationaler Selbständigkeit darans ent- 
stehen musste und entstand. Und nach Dänemark sollte er sogar 
einen massgebenden und verderblichen politischen Einfluss der 
Städte tragen. Im Uebrigen aber war er nach den Worten Dahl- 
manns „materiell nicht so nachtheilig für Dänemark, als er in den 
Geschichtsbüchern der späteren Zeit geschildert wird. Denn 
abgesehen von der Vernichtung des auf Wiederkehr der Zeit 
Christophs IL berechneten Theilungsplanes , nicht das ganze 
Schonen, noch weniger die drei Landschaften, die nnter dem 
Namen Schönens zu gehen pflegen, nur 8 (7!) Harden von 22 
Schonischen, also etwa ein Drittel des Landes kam in der Städte 
Hände und ein Drittel der Einnahmen von den Abtretungen blieb 
dem Könige , für den es als ein grosser Vortheii in Anschlag zu 
bringen, dass von nun an in Bezug auf die Behauptung Schönens 
gegen Schweden sein Interesse mit dem der Hanseaten ging.^ 
Für sie aber hatte er noch eine unschätzbare Bedeutung durch 
die Wirkung, die er auf die Stellung ihres Bundes im deutschen 
Reich und in weiteren Kreisen äussern musste und äusserte. „Das 
Dasein, der Name und die Gültigkeit dieses Vereins waren vor 
dem gesammten Europa durchgefochten", sein Ansehen in Deutsch- 
land, in Europa musste durch den neuen Machtzuwachs in ge- 
werblicher und politischer Riciitung und dementsprechend sich 
steigern. Einige Jahre später reitet unter Sang und Klang mit 
hochlurstlichem Gefolge Kaiser Karl durcii die Thore Lübecks, 



119 

vergleicht es mit Korn, Venedig u. a., begrtts8t seine Rathmänner 
als Uerren und kaiserliche Kathgeber, und das galt doch kaum 
bloss der grossen, reichsfreien Stadt, sondern auch dem Haupt des 
hansischen Bundes. Und gewiss war es ein wohl zu hegender 
Wunsch in die Gerechtigkeit der Städte aufgenommen zu werden; 
und wenn die Stadt, die ihn äusserte, nur im Bereich des Bundes 
lag und sich deutscher Nation zuzählte, so liess er sich auch wie 
bei Rügenwalde, Nymwegen u. s. f. erfüllen. ^ Noch viel bezeich- 
nender, aber unerfüllbar war er, wenn ihn England an die han- 
sischen Rathsendeboten stellte.^ 

Will man sich einen thatsächlich begründeten Begriff von der 
weiten Ausdehnung der Spannung und Wirkung, die Krieg und Sieg 
in der öffentlichen Meinung verbreiten mussten, machen, so vergegen- 
wärtige man sich nur, dass die Städte an Papst und Kaiser und 
alle irgend bedeutenden norddeutschen Fürsten sowie nach England, 
Flandern, Polen und dem thüringischen und märkischen Städte- 
gebiet Mittheilung in verschiedener Form kommen Hessen von der 
Nothwendigkeit und Rechtmässigkeit des Krieges. ^ Und mag auch 
Barthold Recht haben, dass wenig oder keine Nachklänge von der 
gewaltigen hansisch-dänischen Bewegung in gleich- und nach- 
zeitigen Chroniken nicht unmittelbar betheiligter Gebiete vernehm- 
bar sind, so kann doch nicht gut ein Zweifel sein, dass dies 
erstaunliche und glorreiche Emporringen norddeutschen Bürger- 
thums einen starken Eindruck in das allgemeine Zeitbewusstsein 
geprägt hat. Sollte nicht unter ihm die bald sich ausbildende 
Gombination der städtischen Kräfte des südwestlichen jDeutschland 
gestanden haben? Allerorten regt sich in diesen Jahrzehnten das 
städtische Element zu voller Entfaltung, in immer schärferem Ge- 
gensatz zu den fürstlichen Machtansprüchen, der sich dann in 
den achtziger Jahren an so manchen Stellen des Abendlandes in 
zum Theil furchtbar explosiver Heftigkeit entladet. Der Städte- 
krieg gegen Dänemark ist zu diesem weltgeschichtlichen Schauspiel 
ein eigenes und grossartiges Vorspiel. Freilich hätte der Ruhm 
und das Selbstbewusstsein der Städte noch höher emporwachsen 



« H. R. II Nr. 190 § 1 (a. 1379); Nr. 342 § 14 (a. 1387); so auch Stolpe 
i. J. 1382 (Nr. 254 § 2); und Arnheim i. J. 1379 (Nr. 192 § 19). 

*^ Ebd. Nr. 210 § 8, 6 (cfr. auch Nr. 403 Eingang). 

»H. R. 1431; 431; 432; 433; 4(i9 §30; 475 §12; 47Ü; 479 §1; 
485 § 3. 



120 

können, wenn es die militärische Kraft des heimischen Btirgerthums 
gewesen wäre, die das von ihrem Standpunkt aus übermttthige Dänen- 
thum gebeugt und gezüchtigt hätte. Wer aber waren die eigentlichen 
Vollstrecker dieses Strafgerichts, auf dessen warnendes Exempel 
ihnen so viel ankam? Zum weitaus grössten Theil der umwoh- 
nende Adel, der seine kriegerische Lust, Kraft und Uebung an 
die reichen Städter oft theuer genug verkaufte und es mit seiner 
politischen Gesinnung nicht so genau nahm. Ihr Reichthum vor 
allem gab ihnen den Sieg über den nordischen Nachbar. Demnächst 
aber allerdings die überlegne Tüchtigkeit der staatsmännisch und 
strategisch gleich begabten Rathmänner, die als oberste Hauptleute ^ 
diese geworbnen, unter sich nach Gesellschaften gegliederten Rit- 
terhaufen ^ leiteten, mit den verbündeten Fürsten und unter ein- 
ander die militärischen Bewegungen regelten, ihre Zielpunkte 
fixirten. ^ Noch heute gibt das Grabdenkmal Bruno Warendorps, 
eines lübischen Hauptmanns, der auf dem Kriegsschauplatze einen 
rühmlichen Tod fand, den Nachlebenden beredte Kunde von der 
Anerkennung seiner zeitgenössischen Mitbürger, die dem Verdienst 
des Heimgegangenen entsprach. ^ 

Hier an dem Höhepunkte hansischer Machtentwicklung ange- 
langt müssen wir neben der Ausschau auch einen Einblick ver- 
suchen in das innere Gefüge und Getriebe des Bundes, dieser 
Bigenthümlichen , durch und durch 'mittelalterlichen Bildung, das 
zum guten Theil seine Politik vorbedingt, und dessen Werth und 
Wirksamkeit seinen Erfolgen und Misserfolgen entspricht. — Die 
alte Kaufmannshanse erscheint in ihren äusseren Beziehungen 
durchaus als ein Product des nationalen Bewusstseins, entstanden 
im Gegensatz zu fremden Nationen, zur Abwehr daher drohender 
Gefahren ; in ihren inneren insofern weniger, als hier andre Motive 
das nationale Gemeinschaftsgefühl trübten. Köln versagte aus 
Eifersucht Lübeck den Zutritt zu seiner Gildhalle in London. 
Aber diese Störungen schwanden durch wachsenden Verkehr und 
vielfache Einzelursachen mehr und mehr hinweg, und ohne Zwei- 
fel war es für die städtischen Cbmmunen Norddeutschlands , das 



» H. R. I Nr. 440 A. 3. 

'^ Cfr. z. B. im Lüb. U. B. III u. iV die zahlreichen Soldquittungen 
und H. R. m Nr. 296—301. 

3 Ebd. I Nr. 479 § 22, 427 § 2. 

♦ Hans. Geschichtsblätter, Jahrg. 1871 p. 122—134. 



121 

für diesen grossen Handelsverkehr allein in Frage kam, erreich- 
bar, im Anschluss an eine grössere Hansestadt oder für sich der 
Gerechtigkeit des geroeinen Kaufmanns theil haftig zu werden, 
wenigstens für einen Theil seines Verkehrsgebietes, wie denn so 
viele Freibriefe rücksichtlich der Adresse auch in allgemeiner, 
elastischer Form gehalten sind. In der kölner Conföderation 
vollzog sich dann ein festerer Zusammenschluss des lockren Ver- 
eins. Bis dahin war es immer eine Seltenheit, wenn sich eine 
grössere, ans mehreren Dritteln beschickte Hansevei*sammlung zu- 
sammenfand; vorwiegend waren es bloss einige wendische Städte, 
welche über allgemein hansische Dinge beriethen und Beschlüsse 
fassten. Der kölner Tag aber eröffnet allein für die beiden fol- 
genden Eriegsjahre fünf grosse, nus allen Dritteln, dem lübischen, 
gothländisch-livländischen und -westphälisch-preussischen besuchte 
Versammlungen , welche die Ausnahme von Köln nicht wieder- 
holend in einer wendischen Stadt und zwar in dieser Periode in 
Lübeck und Stralsund, überhaupt den häufigsten Versammlungs- 
orten zusammentraten. Es ist nur natürlich, dass sich ganz ab- 
gesehn von dem Zusammenhalt der kölner Conföderation durch 
die Gemeinsamkeit in ernstem Rath und ernster That wie von 
selbst ein festeres Band knüpfte. Man lernte sich persönlich 
kennen, wurde näher befreundet und gewöhnte sich an eine 
dauernde Gemeinschaft um so mehr, je reichere Erfolge sie ein- 
trug. Man darf vielleicht annehmen, dass der Verband wenn 
nicht zersprengt, doch wesentlich gelockert wäre, wenn der ge- 
meinsame Krieg einen unglücklichen Ausgang genommen hätte. 
Aber das ist ausgemacht, dass er durch den errungenen Sieg nur 
gehoben und gefestigt werden konnte. Auch fehlt es in der Zeit 
der Kriegführung nicht an Ansätzen, ihn verfassungsmässig fester 
zusammenzuschliessen ; in dieser Richtung bestimmte man zum 
Beispiel, dass alle Beschlüsse der vereinigten Städte von den 
conföderirten und nicht confoderirten gehalten werden sollten, 
also von den westphälischen , sächsischen u. s. f. ^ Nun halte 
man sich aber einmal den geographischen Verbreitungsbezirk und 
die politische Gesammtlage dieser Hansestädte vor.^ Ganz hoch 
im Nordost die livländische Städtegruppe, leidlich fest unter der 



» H. R. I Nr. 489 § 19. 

^ Cfr. ebd. I Einleitung v. Koppmann XXV. 



122 

eiulieitliclien Gewalt des Landmeisters stehend; demnächst die 
sechs prcussischen und zubehörenden Städte, die unter sich ver- 
hältnissmässig sehr fest geeint unter der hochmeisterlichen, jetzt 
mächtig durchgebildeten Herrschaft standen; dann die wendischen 
mit den meist wenig bedeutenden pommerschen, die mit Ausschluss 
des reichsfreien Lübeck, verschiedenen Territorialgewalten zuge- 
hörig in einem doch ungemein festen Sonderbündniss geeint waren. 
So der Städtebereich der Ostsee. An der Küste der Westsee zu- 
nächst Hamburg, Bremen und andere Städte, als eine dem lübi- 
sehen Drittel zugezählte, aber besondere, freilieh, locker verbundene 
Gi*uppe, gleichfalls verschiedenen Landesherrschaften zugehörig; 
und schliesslich im fernen Nordwest die reiche Fülle süderseeischer 
Städte, im Ganzen lose verbunden und wieder in kleinere Ab- 
theilungen , nach den Territorien sich zerlegend. Dies die See- 
städte. Im Inneren Deutschlands sodann die westphälischen, 
sächsischen, auch wohl märkischen Städte, alle mehr oder weniger 
fest unter einander verbündet und immer verschiedenen Landes- 
hoheiten untergeben. Welch eine bunte Fülle und welch unge- 
heure Ausdehnung des Bundes! Nur diesen Verhältnissen poli- 
tischer Abhängigkeit wie locker sie auch meist sein mochte, und 
der geographischen Lage denke man nach und man wird schnell 
den Gedanken fahren lassen, der in jener Zeit einer ungemeinen 
gemeinschaftlichen kriegerischen Energie wohl denkbar war, dass 
die Städte es hätten erreichen können, sich ein Surrogat für ein 
volleres, umfassendes Staatsleben zu schaffen. Aber selbst hätten 
sie es vermocht, so hätten sie es kaum gewollt. Denn worauf 
pochten nicht alle diese Städte gross und klein? In einer weit- 
gehenden Isolirung ihrer inneren Politik sahen sie die beste 
Garantie einer gemächlichen Existenz; von einem grossen politi- 
schen Idealismus lebte ja sehr wenig in dem späteren deutschen 
Mittelalter überhaupt. Aus diesen geographisch und politisch 
gegebenen und selbstgewollten Ursachen erklärt sich aber auch 
zum guten Theil, dass die Hanse nicht einmal eine feste Bundes- 
form durchführte in Bezug auf ihren eigentlichen Lebenszweck, 
den Handel. Es gab auch jetzt keine Bundesurkunde, die syste- 
matisch den ganzen Organismus in rechtlichen Formen durchge- 
arbeitet hätte. Die Executivgewalt liegt fast ganz bei den einzel- 
nen Städten; wenn man von den hansischen Schlosshauptleuten 
und Zollbeamten absieht, so dürfte kein eigentlich hansischer Be- 



123 

amte zu nennen sein. Es gibt keine festen Normen für die 
Heeresleistang , keine für die laufende Geschäftsführung; es gibt 
keine dauernde Steuer; nur für kostspielige allgemeine Unter- 
nehmungen, Krieg, Gesandtschaften, Herstellung des Seefriedens 
erhebt man wohl vorübergehend ein Pfundgeld. Dies einige 
negative Eigenschaften des Bundes. Ihr grosser Nutzen war, 
dass sie die Zugehörigkeit zu der Vereinigung sehr wenig opfer- 
voll machten, daher ihre ungemeine Ausdehnung und Ausdehn- 
barkeit ermöglichten. Nun auch einiges Positive aus dieser ver- 
fassungslosen Verfassung. Fehlte es an einer bundesrechtlichen 
Schematisirung, so wirkte wieder um so mehr die Macht der Gewohn- 
heit, der Verhältnisse und Interessen. Sie führte die Seestädte, in 
erster Linie die wendischen, die sich wieder um das reichsfreie Lü- 
beck, zugleich dem grossen Rechtsmittelpunkt concentrirten, zu ihrer 
hegemonischen Bundesstellung und schuf den lebendigen Geist, 
der das Ganze, man muss es doch sagen, in so bewundernswerther 
Weise zusammenhielt. Im Grunde gab es bloss ein Organ, mit 
dem man arbeitete; das sind die Hansetage, die nicht etwa be- 
stimmt fixirt, sondern im Augenblick des Bedürfnisses, fast durch- 
weg in einer der wendischen Städte, meist auch auf ihre Anregung 
gehalten werden. Da kommen denn die Rathssendeboten aus 
allen Städten, denen es nöthig und zweckmässig scheint, zur Be- 
rathung und Beschlussfassung in Verwaltungs- und Gerichtsan- 
gelegenheiten zusammen, der Hauptsache nach aber nur in solchen, 
die mit ihrem Handel in Verbindung stehen; natürlich fehlte es 
an jeder doctrinären Begrenzung, und wie ja überdies in dem 
Nervensystem des menschlichen Gemeinlebens eins mit dem an- 
deren eng zusammenhängt, konnte der Gesichtspunkt des Handels 
das Augenmerk der Versammlungen auf alle möglichen Gebiete 
politischer Thätigkeit lenken. Und wie sich die besonders inte- 
ressirten Städte vorzugsweise an den Berathungen betheiligen, so 
auch an der Ausführung der Beschlüsse. Der Bund war in seinen 
inneren Bezügen ebenso elastisch wie äusserlich , was denn wieder 
in Wechselbeziehung steht. — So in den allerdürftigsten Umrissen 
der Charakter des hansischen Bundes. Man erkennt seine Vorzüge, 
aber auch seine Schattenseiten, die freilich nur mit der Ab- 
schwächung jener schwächer werden konnten und somit in ge- 
wisser Weise ihrem Wesen nach unverbesserlich waren. Man 
denke einmal an den Fall eines Krieges. Es konnte kaum vor- 



124 

kommen, dass an ihm alle Städte oder auch nur die Seestädte ganz 
gleichmässig interessirt waren; nun beruhte freilich, wie jeder 
Verein zu egoistischen Zwecken, der Städteverband, wenn man so 
will, auf einer Wahrscheinlichkeitsrechnung, die auf einen langen 
Zeitraum basirt für geleistete Opfer eine künftige Zahlung erwartet; 
aber das Risico eines Krieges mochte mancher weniger nah be- 
thciligten Stadt ein zu wenig gedeckter im Voraus bezahlter Preis 
erscheinen und eine Abneigung gegen seine Mitf&hrung erzeugen, 
die von dem natürlich stärkeren Eindruck der Gegenwart im 
Gegensatz zu den Erwartungen einer immer ungewissen Zukunft 
noch unterstützt wurde. Eine feste Centralisation, die das Mittel 
sie zu zwingen, gegeben hätte, fehlte und so entstand denn eine 
Unschlagfertigkeit der Bnndespolitik, die ihre Träger im Ganzen 
friedlichem Vorgehen geneigter machen musste, als kriegerischem, 
Jener ultima ratio, an der die Entschlossenheit der Politik sich am 
meisten erprobt. Hier liegt eine Quelle für die Langmüthigkeit 
und Friedensliebe, die ich schon mehrfach als eine besondere 
Eigenschaft der Hanse bezeichnet habe, und die sich auch in 
der nachfolgenden Periode, der grössten Zeit des Bundes in sehr 
merklicher Weise geltend macht. 



III. 

Bis zum Tode König Waidemars. 

Wenn einem das Waffengeräusch des letzten Jahrzehnts noch 
im Ohre nachklingt, so tritt man mit dem stralsunder Frieden 
über in eine lange, halbhundertjährige Friedenspause , in der es 
freilich genug Zerwürfnisse leichterer und ernsterer Art und eine 
Ffille von Plackereien zu erzählen gibt, wie das aber bei dem 
so ausserordentlich vielseitig bezogenen Gemeinwesen der Hanse 
ganz natürlich erscheint. Schon in der nächsten Zeit sehen 
wir ihre Sendeboten aussegeln nach Nowgorod, Flandern, 
Frankreich, England, um durch kluge und zum Theil sehr ent- 
Bchlossene Verhandlungen der bedrohten Stellung des gemeinen 
Kaufmanns einen festeren rechth'chen Untergrund zu geben. Das 
Verhältnlss zu Dänemark und auch Norwegen weicht aber auch 
in dieser Periode nicht aus dem Vordergrund der hansischen Po- 
litik, ihres Interesses und ihrer Geschäfte zurück. 

Die Aufgaben, die sich für beide Parteien aus dem stralsunder 
Frieden ergaben, waren klar genug vorgezeichnet Den Seestädten 
musste es zunächst nach innen darauf ankommen, den in Köln 
eingegangenen Bund zu erhalten und auszubauen, wenn auch nicht 
durch Verfassungsurkunden, so durch eine rege, glelchmässige An- 
theilnahme an der Erledigung hansischer Angelegenheiten. Durch 
die Gemeinsamkeit des schonischen Pfandbesitzes und daraus 
resultirender Verwaltungsaufgaben war ein neues zusammenhalten- 
des Band gegeben; sie hat man als Grundlage der weiteren Ver- 
einigung angesehn, als die Kölner Conföderatiou erlosch. Sie 
mussten weiter ihrer überkommenen Handelsrichtung getreu die 
Gunst der in Schonen gewonnenen Positionen für die Ausschliess- 
lichkeit des hansischen Handelsbetriebes auszubeuten, vor allem 
aber den Frieden zu erhalten, aus dem ihrem ganzen Wesen so 
wenig angepassten und sympathischen Kriegszustande wieder in 



126 

eioe festgesicherte friedliche Handelsthätigkeit einzutreten suchen; 
der Opfer sind nicht wenige, die sie in Geduld, Nachgiebigkeit 
und Schwäche diesem Streben gebracht haben. 

Ergab sich für den Sieger eine vorwiegend conservative Po- 
litik, so musste sich dagegen der unterliegende Gegner bemühn, 
die abgezwungenen Concessionen abzuschwächen^ die erlittenen 
Schäden auszubessern. An die Aufnahme eines Revanchekrieges war 
freilich bei der äusseren und inneren Lage Dänemarks nicht zu 
denken; das wäre selbstmörderische Politik gewesen. Waldemar 
ging andere und vorsichtige Bahnen und entfaltete wieder die 
grosse Mannigfaltigkeit von Talenten, die ihn auszeichnete. Er 
verband in seiner leidenschaftlichen Natur Liebenswürdigkeit ^ mil^ 
wilder Rücksichtslosigkeit, Eigenschaften, die er wenn auch nicht 
immer, geschickt und mit Erfolg zu wenden und hervorzukehren 
verstand; mit militärischer Tüchtigkeit diplomatische Gewandheit 
und staatsmännische Besonnenheit, mochte diese auch bisweilen 
durch seine Leidenschaft, meist sehr zu seinem Schaden, überholt 
und verdunkelt werden. Dabei war er Meister in allen Künsten 
der Raffinerie, mit denen er seine Widei*sacher überlistend nicht 
selten seine moralisch freilich oft fragwürdigen Erfolge davon ti*ug. 
Er war ein Mann in den Fünfzigern und konnte sich von seiner 
unermüdlichen Thätigkeit noch einigen Ertrag versprechen. Ihm 
lag vor allen Dingen daran, die Errungenschaften seiner Neben- 
feinde, wenn man sie einmal so nennen darf, der Meklenburger 
und Holsteiner in Dänemark zurückzugewinnen und daneben ge- 
legentlich den Hansen in kleineren und grösseren Belästigungen 
zuzusetzen, ohne doch das Maass ihrer ihm nun wohlbekannten 
Geduld zu erschöpfen. Dann aber nahm die schleswigsche An- 
gelegenheit vor allem seine politische Kraft und Combinationsgabe 
in Anspruch. 

Wenn ich nunmehr zu der detaillirten Besprechung der 
nächsten Jahre übergehe, so wird zunächst der Recess, der unter 
dem Eindruck dieser fortschreitenden Friedensverhandlungen zu 
Stande kam, in seinen mit dem Frieden in Zusammenhang stehen- 
den Bestimmungen ein besonderes Interesse haben. 

Höchst bezeichnend eröffnet ihn die einstimmige Kundgebung, 
dass man an der Kölner Confoderation festhalten wolle. Nach 



^ Bericht des Rostocker Rathsschreibers v. J. 1362, H. R. I Nr. 231. 



127 

dem Wortlaut der Stiftungaurkunde war sie freilich überflüssig, 
da die Vereinigung noch drei Jahre nach dem Friedensabschluss, 
der überdies weder mit Norwegen noch Dänemark schon perfect 
war, zu voller Macht bestand.^ Aber sie war eine ebenso natür- 
liche als wirksame Erneurung derselben in einem Moment, der 
ihre kostbarsten Früchte ausgereift hatte, jedoch bei den fort- 
ciauernden Gefahren zu ihrer energischen Forterhaltung mahnte. 
Zugleich versuchte man eine festere Organisation der Städtetage, 
bestimmte, dass jede Stadt zu einem solchen pünktlich ihre Boten 
entsenden und weiterhin, dass erst die Tagesordnung, die den 
Anlass zur Einberufung der Versammlung gab, erledigt werden 
sollte, bevor andere Gegenstände zur Sprache kommen dürften. 
Und nur mit Genehmigung der gemeinen Städte sollte eine ein- 
Beitige Abänderung der gefassten Beschlüsse statthaft sein. Zu- 
nächst beziehen sich diese Bestimmungen wohl bloss auf die Con- 
föderirten ; allein wir wissen schon, dass diese sich befugt hielten, 
^ür alle hansischen , ja noch andere Städte zwingende Beschlüsse 
zu treffen. Weiter aber geschah nichts in dieser organisatorischen 
Riclitung: zeitlich keine Verewigung des so bewährten Bundes, 
inhaltlich keine Erweiterung auf das ganze Gebiet der auswärtigen 
H€i.:iiclej8politik, wie etwa anderthalb Jahrzehnte später die Preussen 
^ii^cn solchen Vorschlag machten. ^ Man überliess das alles dem 
^^l-Tken der Verhältnisse, der geschichtlichen Entwicklung, und 
'^ix* werden der klugen Rathsaristokratie den Vorwurf nicht er- 
^^s^ren können, dass in der That wenig organisatorische Potenzen 
^^^ ihren politischen Fähigkeiten lagen. Wie wäre einem mäch- 
^*^'en Talente die Gunst des Augenblickes entgegengekommen, den 
^i^ mächtig gehobene Empfindung des Siegens und Erstarkens 
"^^lierrschte! — Vor der Hand genügte es aber, gegen die beiden 
^^^Tdischen Reiche seine Geschlossenheit zu bewahren, und in 
^^turwüohsiger Weise erweiterten sich diese engeren Bundeszwecke 
^Vfcnehin auch auf andere Gebiete hansischer Politik. 

Jetzt gab man wieder in vollem Umfang die schonische Reise 

'^i, die in den beiden vorangehenden Jahren nur mit besonderen 

'«dingnissen zulässig war. ^ Auch hier zeigt sich die überragende 

^Dmmercielle Bedeutung Schönens. Die Freigebung der dänischen 

» Ebd. Nr. 413 (p. 376). 

« Ebd. n Nr. 331 § 2. 

3 Ebd. I Nr. 469 § 6, 9; 474 § 3; 495 § 4. 



128 

Reise ist doch in jenem Ausdruck implicite enthalten, und ange- 
deutet in der weiteren Bestimmung, dass man wie in Schonen, so 
auch in anderen Reichstheilen den Hering salzen dürfe. In einem 
besonderen Artikel wird der Verkehr in allen Handelsgegenständen 
mit den Dänen für statthaft erklärt. — Um aber die Nachwirkun- 
gen der kriegerischen Unruhen und zugleich wohl die etwaigen 
Unbilden zu verhüten oder abzuschwächen, die sich aus den fort- 
dauernden feindlichen Beziehungen des Reiches zu den Landes- 
herren ergeben mochten, wird beliebt, dass ein jeder Kaufmann 
seine Waffen mit auf das Land bi-ingen soll, während in frühereik. 
Friedenszeiteu dies wohl mehr der Willkür desselben anheim- 
stand. Das Recht wird zur Pflicht. Es ist diese Verfügung nacl> 
Analogie früherer und späterer auf Schonen zu lokalisiren. 

Sodann ging die Versammlung daran, die monopolistische 
Stellung des gemeinen Kaufmanns in Schonen der Vollendung 
näher zu bringen. Sie acceptirte den Vorschlag der stralsunder 
Tagfahrt vom 21. October 1369, dass kein Schotte, Engländer 
oder Wale Hering salzen oder um Geld salzen lassen soll. Auch 
darf kein Vogt sie auf seiner Vitte halten und ihnen die Ein- 
salzung des Herings gestatten bei einer Strafe von 50 7?IgL Silber 
(= ca. 10,500 Rm.) an die gemeinen Städte. Die Höhe derselben 
entspricht ganz der Rücksichtslosigkeit dieser monopolistischen 
Tendenz. Was aber den Ausdruck „an die gemeinen Städte '^ 
betrifft, so ist ziemlich gleichgültig, ob er auf die conf5derirten 
oder die Hanse -Städte geht. Die meisten waren ja beides, und 
zudem dachte mau von vornherein nicht an eine Verthellung der 
etwaigen Straferträge, sondern an ihre Verausgabung zu allgemein 
hansischen Zwecken. Es verwundert ein wenig, dass nicht der 
Vogt an seine Stadt die Busse zu zahlen hat. Der Verein er- 
schliesst sich vielmehr damit eine eigene Finanzquelle; eine feste 
Bundeskasse gab es nicht; die Städte, meist Lübeck, auch Stral- 
sund ersetzten sie durch ihren Gewahrsam. — Kein Engländer darf 
also mehr den Heringsfang betreiben ; natürlich nur im Bereich der 
städtischen Pfandschaft, wo die Städte in dieser Rücksicht als 
vollkommene Landesherrn auftreten. Sicherlich werden nun auch die 
Engländer — ihre frühere gesetzmässige Ausübung eines dortigen 
Fischfangs vorausgesetzt — hierfür Abgaben zu leisten gehabt haben, 
und so involvirte diese Verfügung — den Anspruch des Königs 
auf die Unverminderbarkeit seines Dritttheils von allen bestehen- 



129 

den Einkünften vorausgesetzt — einen Angriff auf das königliche 
Recht. Indess war einmal die Betheiligung jener unerheblich, und 
ohnedies dürfte der etwaige Ausfall an Einnahmen durch eine 
entsprechende Zunahme des hansischen Heringsfauges gedeckt 
sein. Aber immerhin erscheint die Stelle als ein Beleg für ,die 
volle Befngniss der hansischen Pfandinhaber, die eine derartige 
Abänderung altbestehender Verhältnisse zuliess ohne rechtlichen 
Gonflict mit den vorbehalteuen Rechten des Königs. Von einer 
gleichen Bestimmung gegen den flamländischeu Fischereibetrieb 
auf Schonen, der sehr geringfügig gewesen sein mag, verlautet 
hier nichts. 

Ein weiterer Punkt der Tagesordnung, wie sie in Kürze der 
livländische Rathssendebote seiner Stadt 31. Nov. 1369 mittheilte, 
war die Abrechnung über das Pfundgeld. Uns interessirt dies 
nur insofern, als mit seiner gleichmässigen Vertheilung ein Theil 
der Kriegskosten gedeckt, und insbesondere als es in Schonen 
erhoben wurde. Leider ist wegen ungenügenden Materials auch 
in diesen finanzgeschäfilichen Vornahmen manches Dunkel. 

Die letzte Rechnungsablage über den PfundzoU hatte 21. Oc- 
tober 1369 stattgefunden auf der Versammlung zu Stralsund. 
Sie nmfasste das Rechnungsjahr von Michaelis 1368 bis Michaelis 
1369 und die Erträge der Hebungen zugleich in den einzelnen 
Städten und in Schonen von allen Bürgern und Gästen und ergab 
eine Vertheilungssumme von c. 8309 7/^ (= c. 581,630 Rm.). 
Gleichzeitig wurde man eins, den Stadträthen den Vorschlag, von 
Ostern 1370 an die Städte von der Verpflichtung einer Aufnahme 
des Pfundgeldes von ihren eigenen Bürgern zu entbinden, da- 
gegen die Erhebung von alleu Augehörigen anderer Länder und 
nicht conföderirter Städte auf allgemeine Rechnung bis zur ander- 
weiten Regelung dieses Verhältnisses fortdauern zu lassen ^ , zur 
Genehmigung zu unterbreiten. Unser Recess bekundet die de- 
finitive Annahme dieser Vorlage von Seiten der Versammlung. 
Nur wurden die Dänen von der Pflicht der Pfundgeldzahlung be- 
freit Ob dies auf einer Vereinbarung mit ihnen beruhte? Es 
liegt nahe dies anzunehmen ist aber nicht beweisbar; auch bleibt 
möglich, dass die Städte aus eigener Initiative diese dann immer- 
hin grossmfithige Rücksicht dem schwerbetroffenen, besiegten Feinde 



« Ebd. Nr. 510 S ^1, 7. 

Denioke, Beziehungen der Hanüestädte etc. 



130 

zuwandten. — Ostern war schon vergangen; indess hatte man, 
wie aus späterer Abrechnung ersichtlich \ die Forterhebung des 
Pfundzolls von den heimischen Bürgern für die allgemeine Rech- 
nung an jenem Feste eingestellt, also ohne die nun nachträglich 
gegebene volle Sanktion der Städte, lieber die inzwischen er- 
hobenen Erträge sollte auf unserem Tage die Abrechnung erfolgen. 
Wir erfahren darüber nur, dass die Städtb Hamburg und Bremen, 
welche nicht vertreten waren, und Dortrecht und Amsterdam keine 
Rechnung legten. Indess versprach der Deputirte der letzten^ 
dass sie den Pfuudgeldeinnehmern eidliche Rechenschaft abnehmen. 
und dann den Betrag an Lübeck senden sollten, wie auch die 
anderen Städte geschworen. Hiernach wurde ihm zu Händen dec 
beiden Städte der ihnen zukommende Theil des Pfundgeldes aus- 
geantwortet. Wir sehen also, dass die Abrechnung in der Thai 
stattgefunden. Die Urkunde, welche die einzelnen Nachweise ent- 
hielt, ist nur nicht erhalten; existirt hat sie unzweifelhaft Dass 
im Recess sich weder ihre Aufnahme noch ein Hinweis auf sie 
findet, gibt kein Bedenken; erstere geschah nur oft, nicht immer^ 
in den Recess von October 1369 ist die uns erhaltene Abrech- 
nungsurkunde ebenfalls nicht eingefügt. Sicherlich hat man die 
aus den mangelnden Nachweisen der vier Städte entstehende 
rechnerische Lücke durch muth massliche Ertragssummen noth- 
dürftig ausgefüllt. 

Eine andere Frage ist, ob wirklich die vertheilten Erträge 
hier zur Auszahlung kamen. In dem Bericht des livländer Rath- 
manns wird bloss der Nachweis des vereinnahmten Pfundgeldes 
auf unserem Tage verlaugt. Und der in unserem Recess ange- 
deutete Schwur der anderen Städte, worunter man alle anwesen- 
den zu verstehen haben wird, macht wahrscheinlich, dass nur 
dieser, nicht aber die Eingabe der bereitliegenden Gelder an die 
einzelnen Städte erfolgte. Derselbe kann nämlich nicht gut an- 
derswo als auf unserem Tage geleistet sein. Wäre er es 1369 
schon, so hatte es keinen Sinn, grade Lübeck und nicht vielmehr 
Stralsund, den Sitz der nächsten Tagfahrt zum Eingabeort auszu- 
wählen. — Freilich weiss ich den Ausdruck, dass man dem Ge- 
sandten der beiden holländischen Städte deren Pfundgeldantheile 
„geantwortet" habe, nicht anders als mit der wirklichen Einhän- 



» Ebd. II Nr. 18 S 14. 



131 

digang derselben zu übersetzen, wonach das Gegentheil jener 
Behauptung wieder wahrscheinlich sein würde. Aber sogleich 
oaaclit die Umständlichkeit eines solchen Verfahrens wieder stutzig. 
Man hätte dann doch wohl den beiden Städten gestattet, den Be- 
trag ihrer Erhebung in Ausgleich zu ihrer Forderung zu bringen 
und sei es den üeberschuss einzuschicken oder den mangelnden 
Rest zu beanspruchen. Wie dem aber auch sei, die Abrechnung 
erfolgte ob nun mit gleichzeitiger oder naciiheriger Vertheilung. 

Fand sich in dem mehi*fach erwähnten Gesandschaftsbrief des 
livländer Boten auch eine, wenn ich recht verstehe, nur fragmen- 
tarisch noch lesbare Notiz über die Besprechung eines auf Goth- 
land bezüglichen Verhältnisses, so zeigt unser Recess näher, worum 
es sich dabei wohl gehandelt hat. Wir sahen schon, dass Wisby's 
staatsrechtliche Stellung wahrscheinlich bei den Friedensverhand- 
lungen gar nicht in Frage kam, und die Stadt sich selber zumeist 
diese Theilnahmlosigkeit zuzuschreiben hatte. Indess verblieb sie 
auch nach der Befestigung der dänischen Hoheit, die mit dem 
Vorübergehn der Gefahr ihres Fortfalls gegeben war, in ihrer 
bisherigen, freilich schwankenden Beziehung zum hansischen Bunde. 
Der Kölner Conföderation gehörte sie nicht an, obschon sie we- 
nigstens eine finanzielle Unterstützung derselben 'zugesagt hatte; 
in den Vertragsurkunden von 1369/1370 wird sie daher nicht 
namhaft gemacht Und dennoch wird ihr jetzt eine Berechtigung 
zugestanden, die sonst lediglich den verbündeten Städten, nicht 
den hansischen als solchen zukam. Auch sie soll von den Gästen 
Pfundgeld aufnehmen zu Gunsten der gemeinen Städte und dafür 
ihre eigene Bürgerschaft von jeder solchen Abgabe in deren Häfen 
frei sein. Es ist diese ausnahmsweise Stellung ein Beweis für 
das freundliche Entgegenkommen gegen die alte Ostseestadt, die 
man doch einigermassen noch auf gleichem Niveau mit sich selber 
halten wollte. 

Weiter bestimmte die Versammlung, wenigstens ohne erkenn- 
bare Uebereinkunft mit den Dänen, das Datum für die Ratification an 
König Waldemar, das im Entwurf ja nicht vorgesehen war. Sonder- 
barer Weise ward es auf den 29. September festgesetzt; um so son- 
derbarer, als es streng genommen eine wesentliche Veränderung in 
die Gelöbnissurkunde für die Rückgabe der schonischen Schlösser 
hineinbrachte. Dort hiess es, dass man die fünfzehnjährige Ver- 
pfliiidungsdauer von dem Tage rechnen sollte, von welchem die Ur- 

9* 



132 

künde datirte. Offenbar war aber damit nicht der noch ungewisse 
Ausstellungstag der Ratification sondern der des Entwurfs, der 
Friedenstag, also der 24. Mai 1370 gemeint, wie ja auch 1385 
bei der Rückgabe der Schlösser die betr. Urkunde vom eigent- 
lichen Verfalltage, freilich dort nicht dem 24. sondern 11. Mai 
datirt wurde; jedenfalls aber nicht vom 29. September. Wie es 
sich anlässt, ist diese Unachtsamkeit den Städten gar nicht zum 
Bewusstsein gekommen. 1371 noch wiederholten sie denselbei 
Urkundentext in einer neuen, wieder anders datirten Urkunde 
Die einzelnen Ratificationen sollten nun bis Martini laufenden^ 
Jahres in Stralsund eingehen und dann dem König ausgehän — 
digt werden, im Fall er seine mit dem grossen [Siegel versehene 
Bestätigungsurkunde inzwischen überreichte. Mithin müssen wi^ 
eine Vereinbarung mit den Dänen des Inhalts voraussetzei^.^ 
dass der König seine Urkunde nach Stralsund einsenden und dani^ 
und dort der Austausch gegen die städtischen Ratificationen er- 
folgen sollte. — Man machte sich aber gleich auf das Ausbleiben 
der königlichen Bestätigung in der vorgesehenen weitesten Frist ge- 
fasst. Wie dann ? Sollte man den Krieg wieder aufnehmen oder sich 
mit den Urkunden des Reichsraths begnügen? Die Entscheidung 
dieser hochwichtigen Frage sollte in der Zwischenzeit in deu 
heimischen Stadträthen vorbereitet und am 29. September 1371, 
dem Endtermin für die königliche Genehmigung, auf einer be- 
sonders hierfür gleich jetzt anberaumten Tagfahrt getroffen werden. 
Für Waldemar's Bestätigung hatte man vor der Hand nur wenig 
Chancen : von seinem Stolz, der sich gegen diese Friedensbedinguu- 
gen, so glimpflich im Ganzen dabei auch sein viel schwerer be- 
drohtes Reich davonkam, aufbäumen mochte, — durfte man ein 
hartnäckiges Widerstreben erwarten. 

An unsere Versammlung wird er, vielleicht durch Vermittlung 
des preussischen Rathmanns Evtmar von Hereke, der nach Stral- 
sund hinüberzog und auch nachher noch in dieser Angelegenheit 
aus Gefälligkeit thätig war, die Bitte um Ausstellung eines Geleit- 
briefes gerichtet haben, nicht etwa um den einst beabsichtigten per- 
sönlichen Besuch dieses Tages ausführen zu können, — dafür 
war das Gesuch wie sich aus der späten Zeit seiner Beantwortung 
ergibt, zu spät eingereicht — sondern um die nächste Zeit sichres 
Geleite in dem Städtebereich zu geniessen. Stralsund erhielt den 
Auftrag zur Ausfertigung desselben, dem es am 24. Mai nachkam. 



133 

Es knüpfte abweichend vun der gewöhnlichen Form eines Geleit- 
briefes die Sicherheit an die Voraussetzung, dass der König bis 
zum 29. Septbr. 1371 den Frieden mit seinem grossen Insiegel 
vollziehen wollte, ohne doch erst ein ausdrückliches schriftliches 
oder mündliches Versprechen zu verlangen. Aber abgesehen von 
dieser unklaren Halbheit begingen die Städte damit auch einen Selbst- 
widerspmch und eine Illoyalität, da sie sich gleichzeitig ja mit jenem 
weit hinansgerückten Termin einverstanden erklärten. Bis dahin 
hatte Waldemar ohne irgend eine Verletzung des Friedens das 
Rocht seine Anerkennung zu versagen, und loyaler Weise durften 
die Städte an die erbetene Gewähr des Geleites eine Bedingung, 
die jenes schmälerte, nicht knüpfen. Mau merkt aber, wie wenig 
sie sich der königlichen Ratification sicher glaubten, und wie sie 
nun nachträglich noch durch Klauseln und Druckwerk dieselbe 
zu erpressen bemüht waren. 

Damit ist das über die stralsuuder Friedensversammlnng vor- 
liegende Material, soweit es für unseren Zweck in Betracht kommt, 
erschöpft Ueber zwei Fragen versagt es uns leider jedwede 
Auskunft: Wie hatte sich das Verhältniss zu den Landesherrn 
gestaltet und wie die städtische Verwaltung auf Schonen? Die 
letztere Frage gehört ja unmittelbar in den Kreis unserer Aufgabe, 
und die erste hat ihr Interesse, weil sich das Verhältniss aus den 
dänischen Verwicklungen herschreibt, und die Meklenbnrger und 
Ilolsteiner in der folgenden Zeit in den nächsten politischen Be- 
ziehungen zu Dänemark verbleiben; die Stellung der Städte zu 
ihnen mnss als eine Vorbedingung für ihre eigenen Beziehungen 
zu Dänemark aufgefasst werden. 

Die erste Frage angehend sei hier noch eine Verfügung des 
Recesses nachgetragen; sie besagt, dass eine jede Stadt ihre Bürger 
vor der Fahrt nach den vier jütischen Orten Aleborgh, Randers- 
husen, Nicöping und Stekeborg warne. Keine Frage, dass sie nur 
aus Vorsicht in Folge der fortdauernden kriegerischen Verwicklun- 
gen der Holsteiner gegen die Dänen erlassen ist. Ueberhaupt glaube 
ich, dass die beiden Grafen nicht entfernt so entrüstet über das Vor- 
gehen der Städte gewesen sind als Herzog Albrecht sich zeigte. 
Ihre Interessen hatten sie kaum verletzt, noch weniger irgend 
einen Vertragsartikel gegen sie gebrochen. Und wie mochten 
diese den friedebedürftigen Handelsstädten verargen, den Frieden 
zu nehmen, der ihnen in so glücklicher Situation geboten wurde! 



134 

Und selbst wenn sie den unmittelbar nach Ablauf des Bundes 
eintretenden einseitigen Abschluss für ein rücksichtsloses Gebahren 
gehalten haben, so war damit doch das durch ihre Interessen vor- 
gewiesene Verhältniss zu den Städten keineswegs innerlich ver- 
schoben und höchstens eine kleine Erkältung der Freundschaft die 
Folge. Schon am 20. Mai 1868 konnten sie sich Herren Jütlands 
nennen und als solche im Lande geriren. Hatten sie kaum Aus- 
sicht, Fünen und den ganzen dazu belegenen Inselcomplex in ihre 
Gewalt zu bringen, wie sie in verfrühter Siegeszuversicht geplant, 
so stand ihr' Sinn auch vornehmlich nach den nord jütischen Positio- 
nen, mit denen sie dann im Norden das der Erledigang nah^ 
Herzogthum Schleswig umklammerten wie im Süden mit ihreiM 
eigenen oder pfandweisen Besitzungen. An eine etwa gegen die 
Städte plötzlich gewandte, mit den Dänen ausgesöhnte and zu- 
sammen arbeitende Politik war bei ihnen gar nicht zu denken. 
Ihr Feind war und blieb Dänemark, ihr hauptsächliches Ziel die 
Ausdehnung ihrer Macht auf der Halbinsel. Dies war für die 
Städte um so wichtiger, als Graf Adolph, dei* Repräsentant der 
anderen holsteinischen Grafenlinie und der übel angeschriebene 
Landesherr der Hamburger entschieden zu Dänemark neigte und 
wohl leicht einer städtefeindlichen, dänenfreundlichen Politik seiner 
verwandten Nachbarn activ sich angeschlossen hätte, wie er denn 
im letzten Kriege einen Schutzversuch für das Reich nur nicht ge- 
wagt hatte. Einige Jahre darauf (1374, 19. Febr.) einten sich die 
holsteinischen Herren, Graf Otto von Schauenburg, die Herzöge 
von Sachsen-Lauenburg mit Lübeck und Hamburg in einem zwei- 
jährigen, dann mehrfach erneuerten Landfrieden. 

Und wie stand man jetzt mit den Meklenburgern ? Wir sahen, 
dass der Verlauf des Krieges und der Abschluss des Hansefriedens 
eine scharfe Spannung besonders mit Lübeck hervorgerufen hatten. 
Aber was konnten sie machen ? In Schweden sah es galr kläglich mit 
der Machtstellung des Königs aus; war sie noch nicht so tief 
darniedergebeugt wie ein Jahr danach, so trieb doch einerseits 
die Bevorzugung des zumal gegen die Bauern übermüthigen deut- 
schen Adels durch Verlehnung schwedischer Besitzthümer und die 
Unfähigkeit König Albrechts überhaupt, andrerseits die tie%ewar« 
zelte Abneigung des Schweden gegen dies ganze ausländische 
Wesen und die wachsenden Ansprüche der eingeborenen Magnaten 
zusammenwirkend das Königthum einem tiefen Falle entgegen« 



135 

Und wie viel Widersacher umlauerten Meklenburg nicht in Deutsch- 
land! Hatten Herzog Albrecht und seine Söhne auch Frieden 
geschlossen mit Pommern , Brandenburg u. s. f. , ein dauerndes, 
aufrichtiges Einvernehmen mit dem hochhinausstrebenden Dynasten 
war für die Nachbarn kaum möglich. Er hatte Grund genug, 
mit der mächtigen Reichsstadt Lübeck leidlich Freund zu sein 
und zu bleiben, um so mehr, als ihn ihre enge Verschwisterung 
mit seinen landsässigen Seestädten doch auch dazu drängte; ein 
feindseliges Verhalten gegen die übrigen verbündeten Städte aber 
lag meist schon wegen ihrer grossen Entlegenheit von seinem 
Lande fem. Gegen Lübeck wird er bereits jetzt trotz aller grol- 
lenden Stimmung dem Grundsatze gehuldigt haben, den er später- 
hin als Richtschnur für die Politik seiner Söhne, der Herzöge 
Heinrich und Magnus nach der unzweifelhaft authentischen Angabe 
Detmar's In sein Testament aufnehmen liess, Friede zu halten mit 
Lübeck: „denn dat hadde em sere vromet.^^ Noch hatte er 
Schlösser 'in Dänemark inne, und erst nach fast anderthalb Jahren 
kam er mit diesem Reiche wieder in friedliche Verhältnisse. Und 
was ihn allenfalls hätte bewegen können, eine Frontveränderung 
seiner Politik zu Gunsten Dänemarks zu machen, die Aussicht 
auf die Erbschaft des dänischen Thrones für seinen Enkel, das 
mnsste ihn in gleichem Masse zur Freundschaft gegen die Städte 
veranlassen, die mit ihrem exorbitanten Recht bei der Thronnach- 
folge zugleich die Möglichkeit imposanter Machtentwicklung ver- 
einigten. So war er denn bereit, seine Differenzen mit Lübeck 
1373 .dem schiedsrichterlichen Ausgleich des lübischen Bischofs 
SU unterwerfen. Genug auch von dieser Seite konnten sich die 
Städte sicher glauben vor einer gegen sie gerichteten Combination 
der dänischen mit einer anderen fürstlichen Macht — Ich be- 
gnüge mich mit diesen Andeutungen, die Lage der Conföderirten 
zu ihren fürstlichen Rriegsgonossen zu skizziren. 

Um sodann bei der fragmentarischen Ueberliefrung ein einiger- 
massen zutreffendes Bild von der Verwaltung des schonischen 
Pfandgebiets zu gewinnen, gibt es nur das Mittel, wenn auch kurz, 
auf die Verwaltungsgeschichte der nächstvergangenen Jahre zurück- 
zugehn. Es vertheilt sich dabei unser Interesse auf die Besetzung 
der Schlösser und die Erhebung der Zollabgaben in ihren Districten. 



» Grautoff, Lüb. Chron. z. Jahre 1379 Bd. I p. 310. 



136 

Die erste Nachricht über den ersten Punkt gibt die Ver- 
fügung einer 10. Aug. 1368 von den vier hervorragendsten wen- 
dischen Städten zu Wismar abgehaltenen Vei-sammlung , nämlich 
die, dass der Rostocker Rathmann, der augenscheinlich in nächster 
Zeit als Hauptmann zum Heere abging, auf seine schon dort be- 
findlichen Collegen in dem Sinne einwirken möchte, das Verbleiben 
der bisherigen schonischen Schlosshauptleute auf ihren Posten bis« 
Martini durchzusetzen. In der Zwischenzeit wollten die Städte; 
aber auf einem für den 6. October zu Stralsund angesetzten Tage 
über die Einsetzung anderer Festungs- und Schlossbefehlshaber nach- 
denken , im Fall die bisherigen ihr Amt aufzugeben beabsichtig 
ten. ^ Dass hiermit übrigens nicht eine unmittelbar von den Städten 
ausgehende Bestimmung der Nachfolger in Aussicht genommea 
war, geht wohl aus dem nachherigen Verfahren hervor. Auf de^ 
grossen Tagfahrt des 6. Oct. ward nämlich beliebt, dass die air 
22. Oct., dem Endtermin eines [allgemeineren, längeren Urlaubs ~= 
nach Schonen abgeschickten Befehlshaber mit den dort verblich 
benen zur Einsetzung möglichst tüchtiger Hauptleute in Copen- 
hagen, Scanör, Ellenbogen, Werping und anderen Schlössern er- 
mächtigt sein sollten.^ In dieser Aufführung von Schlossnamen 
vermisst man mit einiger Verwunderung Falsterbo; zwar kann es 
in dem allgemeinen Ergänzungsbegriff „und anderen Schlössern'* 
enthalten sein; allein die Wichtigkeit der Feste ebenso sehr als 
ihre ganz mundgerechte, so oft wiederkehrende Zusammenstellung 
mit dem Nachbarca stell Scanör lässt vermuthen, dass es diesmal 
in dieser Beziehung nicht dem gleichen Schicksal unterlag wie jenes. 
Möglich, dass der dort befindliche städtische Beamte sieh zur 
Fortführung seiner Stelle bereit erklärt und damit eine Fürsorge 
für seine Amtsnachfolge unnöthig gemacht hatte. Ob und wie 
viele Wechsel nun in den Commandostellen durch Entlassnngs- 
gcsuche der bisherigen Inhaber und ihre von den schonischen 
Heereshauptleuten bewirkte Wiederbesetzung eintraten, ist nicht 
ersichtlich. — Fragen wir aber weiter, was jene Schlosshauptleute 
für Amtspflichten und Befugnisse hatten, so gibt uns ein interes- 
santes, kurzes Schreiben des zeitweiligen Befehlshabers von Hei- 



» H.R. I Nr. 475 § J. 

2 Ebd. Nr. 467; 479 § 18. 

3 Ebd. § 39. 



137 

singborg vom 8. Sept. 1369 eine willkommene Handhabe zu Ihrer 
Erkenntniss. ^ Den Lübeckern war danach die Aufgabe zugefallen 
das Schloss zu halten ; an ihre Rathmanncn theilte jener mit, dass 
sein Vorrath an Malz und Mehl nur bis Martini ausreiche und es 
auch an einer genügenden Quantität Hering fehle. Er bat um mög- 
lichst baldige Zusendung von Nahrungsmitteln, machte aber darauf 
aufmerksam, dass wenn sie statt dieselben zu schicken, ihn lieber mit 
dem Einkauf beauftragen wollten, in Schonen augenblicklich gün- 
stige Marktpreise fQr Fleisch, Butter und Fisch beständen. Auch 
seien ihre Diener, doch die Besatzungsmannschaft insgesammt oder 
thcilweise, nicht genau von ihrer Seite zum Bleiben, oder Abziehen 
instrnirt Man sieht, der Hauptmann hatte die militärische und 
administrative Leitung über das Schloss und die eingelegte Söld- 
nerschaft. — Für die Jahre 1369 und 1370 erfahren wir nuu 
weiter gar nichts über die Verwaltung der schonischen Schlösser, 
erkennen dagegen am 25. Mai 1371 Gregor Swerting, einen 
stralsunder Rathsherrn, als Hauptmann von Helsingborg^ und 
27. Oct. die wendischen Städte im alleinigen Besitz der Schlösser, 
deren Zahl ein späterer Recess vom 15. Juli 1375 auf die 4 resp. 
5 bedeutendsten beschränkt.^ Ich darf nun wohl die früher be- 
gründete Behauptung, dass während des Krieges nur wendische 
Städte die Schlösser inne hatten, dahin erweitern, dass dies Ver- 
hältniss bis zum October 1371 unverändert fortbestand. — Inte- 
ressant wäre auch zu wissen, wie es sich in der Eriegszeit mit 
den Steuern der dazu gelegenen Districte verhielt, die ja für den 
Fall von deren Erwerbung den Städten gleichfalls von den Meklen- 
burgern vertragsmässig abgetreten waren.' Hat die einsässige Be- 
völkiung sie seither wirklich geleistet? 

Der zweite Punkt, dem wir unsere Aufmerksamkeit zuwenden 
wollten, betrifft die Aufnahme und Verwaltung des Pfundgeldes 
und des Zolls in Schonen, zwei Einzelfragen, die man besser im 
Zusammenhange behandelt. 

Auf der Johannisversammlung 1368 hatten sich die confö- 
derirten Städte über die Erhebung des Pfundgeldes auch in Schonen 
geeinigt und um die fremden Kaufleute zur Leistung desselben zu 



» H. R. III Nr. 3(m. 
> Ebd. II Nr. 11 § 13. 
3 Ebd. Nr. 18 § 3; 94; 95. 



138 

zwingen, zugleich angeordnet, dass im Weigerungsfall jeder kauf- 
männische Verkehr und jede Dienstleistung der Schiffer ihnen 
gegenüber unterbleiben sollte. Die Aufnahme wurde, wie auch 
die Heringssalznng auf die beiden Orte Skanör und Falsterbo 
beschränkt und den städtischen Vittenvögten das Recht ertheilt, 
nach Anhörung der Hauptlente die Zöllner zu bestellen. Sie soll- 
ten die Pfundgeldformulare ausfallen und besiegeln und zu dem 
letzten Acte in beiden Hebestellen eines gleichgeprägten Instru- 
mentes sich bedienen.^ Am 1. August aber soll erst der dortige 
Verkehr seinen Anfang nehmen, ein Termin, bis zu dem also die 
Pfundzollbeamten von den schon etwas früher dahin abgegangenen 
Vögten bereits installirt sein mussten. Diesen Anordnungen folgte 
dann im August der Beschluss der zu Wismar versammelteii 
wendischen Städte, dass Lübeck und Wismar gemeinschaftlich 
einen Rathmann und einen Schreiber für Skanör, und Stralsund 
eben solche Beamten für Falsterbo bestimmen sollten. Falls ein 
freundschaftliches Uebereinkommen möglich, sollte der eine Rath- 
mann mit seinem Schreiber in Skanör, der andere mit dem seinigen 
in Falsterbo, andernfalls aber beide Rathsherrn in Skanör und nur 
ein Schreiber in Falsterbo Aufenthalt nehmen. Jedem Consul 
werden zwei, jedem Schreiber ein Diener beigegeben und die üd- 
terhaltskosten der ganzen Gesandtschaft auf den Zoll übernommen. ^ 
Dass man ein Widerstreben des betr. Rathmanns gegen den Wohn- 
sitz in Falsterbo vorzusehn für nöthig hält, wird mit anbekannten 
lokalen, vielleicht auch ephemeren Verhältnissen zusammenhängen. 
— Ausgemacht aber scheint mir, dass hier nicht von Pfundzoll- 
beamten die Rede ist. Man könnte freilich sagen, dass die von 
den Vögten kurz zuvor bestellten Einnehmer eben nur mit dieser 
rein äusserlichen , mechanischen Funktion betraut gewesen seien, 
während nun diesen Schreibern die Rechnungsführung, Ausfertigung 
der Scheine und dergl. und den consules über das alles die Ober- 
aufsicht zugefallen wäre. Allein wer wird diese so künstliche als 
unzweckmässige Verwaltungstechnik wahrscheinlich finden wollen? 
Wie viel näher liegt es, in diesen neuen Beamten das Personal 
zur Aufnahme des schonischen Zolls zu erblicken, den von der 
bewussten Hälfte der Schlösser zu besitzen die Meklenburger den 



» H. R. I Nr. 469 § 7, 2. 
2 Ebd. Nr. 475 § 5, 8. 



139 

wendischen Städten verbrieft hatten? War die schonische Reise 
freigegeben, so musste doch eine Erhebung des Zolls erfolgen, 
and niemand wird behaupten und nachweisen können, dass der 
Schwedenkönig hier als in einem ihm zustehenden Territorium 
seine Zollverwaltung etablirt hätte. Wir müssen geradezu nach 
städtischen Beamten für diesen Verwaltungszweig suchen und 
dürfen sie in jenen Rathmannen und Schreibern um so mehr er- 
kennen als später verwandte Einrichtungen zu diesem Zwecke 
getroffen wurden. Am 6. October fand dann auf der allgemeinen 
stralsunder Versammlung die Abrechnung über den von 22. Febr. 
bis 29. Sept sowohl in den Städten wie in Schonen erhobenen 
Pfandzoll statt, deren rechnerisches Detail hier uns natürlich 
nichts angeht Die gesammte Vertheilungssumme betrug c. 5495 
:^ M= c. 384,650 Rm.). Die von den Vögten eingesetzten Ein- 
nehmer haben demgemäss entweder hier oder zuvor jenen oder 
ihren Stadtbehörden eidliche Rechenschaft abgelegt. Gleichzeitig 
wurde Lübeck durch einen Beschluss beauftragt, nach der Rück- 
kehr der Zöllner aus Schonen einen von den übrigen Städten zu 
beschickenden Tag nach Rostock zur Vertheilung der schonischen 
Zollerträge auszuschreiben/^ — Was das Wort „Zoll" (thelonium) 
in seinem Gebrauche betrifft, so bezeichnet es allerdings nicht 
etwa von vornherein den eigentlichen schonischen Zoll, sondern 
kann, wie aus vielen Stellen erkennbar, auch das Pfundgeld be- 
deuten, obschon eben dieser Ausdruck (pecnnia libralis) häufiger 
und jedenfalls zutreffender ist. Wer sind nun jene Zöllner? 
Offenbär doch jene Rathmannen und Schreiber. Und was heisst 
hier Zoll? Unmöglich doch das schonische Pfundgeld; das ja schon 
auf der gegenwärtigen Versammlung verrechnet wurde. Die Vor- 
nahme einer neuen Rechnung aber für die kurze Zwischenzeit 
erscheint zu gewohnheitswidrig, um einen Ausweg zu bieten; 
überdies wäre der erzielte Ertrag dafür viel zu bedeutend. Und 
wer sind schliesslich die Städte, unter die er zu theilen? Nach 
einer zweiten Recesshandschrift waren es die dazu einzuladenden 
Mitglieder der Conföderation. ^ Nun liess sich jetzt schon der 
Termin der rostocker Versammlung*, welche, jedenfalls auf Be- 



» Ebd. Nr. 484. 

» Ebd. Nr. 479 § 40. 

» Ebd. p. 437 Variante(e). 

* Ebd. Nr. 485; 486. 



140 

rnfiing der Ltibecker, nur besucht von den vier wendischen Städten 
8. Nov. 1368 zusammentrat y annähernd im Voraus bestimmen, 
und man musste sich sagen , dass die gegenwärtig in Stralsund 
vertretenen süderseeischen , preussischen und livländischen Städte 
den Besuch nicht würden ermöglichen können : zum Verweilen ihrer 
Vertreter in der Nähe war die Zwischenzeit in Anbetracht des 
Zweckes doch zu lang; zur Heimfahrt und Wiederkehr aber zu kurz. 
Schwerlich konnte man also unter diesen Umständen, wie man 
es that, die Besendung von Seiten aller intercssirten Städte er* 
bitten. Schon deshalb scheint jener Zusatz der angezogeneik. 
Handschrift bedenklich, gradezu falsch aber, wenn man das Ver- 
zeichniss der Städte durchsieht, welche auf jenem Tage Zoll- 
portionen erhielten. Es sind Lübeck, Rostock, Stralsund, V^ismar, 
Greifswald, Stettin, Stargard und Eolberg, sämmtlich wendische 
Städte; wie hätten die übrigen Bündner bei etwa gleich massigen 
Ansprüchen übergangen werden dürfen? Das Pfundgeld aber 
wurde in der That, wie wir wissen, von allen erhoben und ge- 
meinsam verthcilt Es ist klar, hier haben wir den schonischen 
Zoll vor uns und den Beweis, dass seine Nutzniessung , die nach 
dem kölner Vertrage der Städte unter einander und dem Traktat 
der wendischen mit den Meklenburgern eben diesen ausschliesslich 
zukommen sollte, in der That ihnen allein zukam, wie sie ihn 
dementsprechend auch allein verwalteten. Die Abrechnung über 
die vereinnahmte Zollsumme, die sich auf c. 2376 7?^ (= ca. 
162,050 Rm.) stellte, geschah durch Johann Lange und Gerwin 
V7ilde; ersterer war lübischer Rathmann; auf ihn also wird die 
gemeinsame V^ahl Lübecks und Rostocks für das Zollamt in Skanör 
gefallen sein, während nach der Zugehörigkeit seines Collegen 
zum rostocker Rath zu urtheilen, die den Stralsundern zugewiesene 
Funktion auf Rostock übergegangen zu sein scheint, ein Umstand, 
der darum noch nicht zum Zweifel an der Identität derselben mit 
der Beamtung dieses Rathmanns berechtigen kann. Sehr be- 
dauerlich ist nun, dass für das nächste Jahr kein Material weder 
über die Administration noch die Erträgnisse des Zolls vorliegt. 
W^as jene angeht, so ist, auch nach ihrer späteren Regelung wahr- 
scheinlich, dass man völlig oder doch wesentlich an der vorjähri- 
gen festhielt. — Reichlicher fliessen die Nachrichten über die Pfund- 
gelderhebung. Die allgemeine Juliversammlung zu Lübeck musste 
sich natürlich bei dem Herannahn der ;, schonischen Reise^ mit ihrer 



141 

EinrichtuDg beschäftig^D. Sie traf sie in einer von der vorjährigen 
etwas abweichenden Weise. Hatten nach dieser die Vögte die 
Befagniss, mit Hinzuziehung der Heereshauptleute das Erhebungs- 
personal zu ernennen, so wuchs ihnen jetzt selbst für alle ihrer 
Stadt angehörigen Bürger auf ihren Vitten das Aufnahmegeschäft 
zu, während für die Geschäftsleute aus allen nicht conföderirten 
und den confdderirten Städten, die keine Vogtei und Vitte hatten, 
in den beiden, auch dies Jahr allein zugänglichen Verkehrsorten 
Skanör und Falsterbo ein zu besondrer Rechenschaft Pflichtiger 
Beamte eingesetzt werden sollte. Diese Unterscheidung wurde 
wohl gemacht, um die geschäftliche Last zu vertheilen, was mau 
nun durch ein auskömmliches Beamtensystem erreichte. 

Nach Schluss dieser diplomatischen Verhandlungen und 
städtischen Berathungen stand der bahuser Tag nahe bevor. — 
Der erste Stillstand mit Norwegen, während dessen übrigens 
städtischerseits der Verkehr dorthin untersagt blieb, war Anfangs 
August 1368 abgeschlossen und sollte bis Osteru 1369 dauern. 
Von vornherein war indess ein neuer Tag mit dem König im 
Nordsund verabredet, für den die beim Heere befindlichen Haupt- 
leute von den Städten als Gesandte ausgewählt und beauftragt 
wurden, auf einen definitiven Frieden hinzuwirken , in jedem Fall 
aber einen weiteren Stillstand zu Wege zu bringen. ^ Die Schick- 
sale dieser geplanten Gesandtschaft sind mir nicht bekannt; wenn 
sie aber zur Ausführung kam, so war sie ohne £rfolg. Und 
dachte man dann auf dem lübecker Städtetage Mitfasten 1369 offen- 
bar im Einverständniss mit König Hakon an neue Friedensunter- 
handlungen^, so kamen sie doch erst geraume Zeit uach Ab- 
lauf des Stillstandes am 3. August in Lübeck zu einem Resultat, 
das wieder ein einjähriger Stillstand war; zugleich wurden aber 
neue Verhandlungen für Pfingsten 1370 in Bahus in Aussicht 
genommen und im Fall ihrer Erfolglosigkeit gleichwohl für ein 
volles Jahr noch die ungestörte Fortdauer des nun wieder frei- 
gegebenen kaufmännischen Verkehrs uach Norwegen. Ferner 
musste der König die ausstehenden Forderungen, welche er beim 
Abziige der hansischen Kaufleute beschlagnahmt hatte, zurückgeben.^ 



» Ebd. Nr. 475 § 2. 

» Ebd. Nr. 489 § 23; 491 § 4. 

3 Ebd. Nr. 50:J— 507. 



142 

Ohne Zweifel werden aach zu diesen Verhandlungen die Städte 
die Zustimmung König Albrechts und der übrigen betheiligten 
Fürsten dem Vertrage getreu eingeholt haben; im entgegengesetz- 
ten Falle mttsste wenigstens der Mangel dahin gehender Klagen 
von ihrer Seite auffallen. • Dem entspricht in gewisser Beziehung, , 
dass keine Feindseligkeiten zwischen König Hakon und Albrecht^ 
in der Zeit des Stillstandes nachweisbar sind. — 13 Rathsende— 
boten waren der Abrede gemäss Pfingsten, wenn vielleicht aucW 
nicht ganz pünktlich, nach Bahus hinübergefahren. Die Boten der 
entlegneren Städte begegneten uns schon auf dem stralsunder 
Tage; nur dass nicht alle dort thätigen auch diesen Verhandlungen 
beiwohnten. Zum Theil treten sie ausdrücklich als Bevollmäch- 
tigte benachbarter Städte auf^, während von dieser Eigenschaft 
auf dem stralsunder Tage zum Mindesten nichts verlautet König 
Hakon hatte sich mit einem zahlreichen Gefolge von bischöflichen 
nnd theilweis sehr hochgestellten weltlichen Rathsherrn, darunter 
auch ihm ergebenen Schweden eingefunden. In einer schriftlicheB 
Eingabe wurden ihm die einzelnen Klagpunkte der Städte, wie 
schon 1368 den hansischen Unterhändlern aufgetragen war, be- 
händigt, und zwar, wie man beachten wolle, nur von den am 
ersten dänischen Krieg betheiligten wendischen. Ganz ungeheure 
Summen Schadenersatzes rechneten darin die vier hervorragendsten 
unter ihnen zusammen, vorbehaltlich der Verluste aller übrigen; 
der Hauptsache nach standen alle ihre Beschwerden (in unmittel- 
barem Zusammenhange mit dem ersten Kriege, während König 
Hakon in seinen Klageartikeln namentlich auch die ihm während 
des Stillstandes 1368/69 zugefügten Schäden in Anschlag 'brachte. 
Auf die städtische Eingabe antwortete er mit dem freilich oft 
fragwürdigen Versuche einer Widerlegung; ihm folgte dann eine 
neue Entgegnung der Städte. Diese hatten offenbar den lebhaften 
Wunsch, auch mit König Hakon in ein dauerndes Friedensver- 
hältniss zu kommen und endlich die bisher noch nicht erfolgte 
endgültige Bestätigung ihrer Privilegien zu erlangen. Das nor- 
wegische Verkehrsgebiet gehörte zu ihren wichtigsten und ein- 
träglichsten. Wie besonders üppig und niederdrückend aber hatte 
sich hier, zumal in Bergen, das deutsche über das heimische 
Element gelagert! Mochten auch die Städte dem König sein Aus- 



» Ebd. Nr. .489 § 20 (wieder Ertmar.). 



143 

bleiben in dem früheren Kriege und zwar bei allen seinen Ent- 
Bchnldigangen mit gutem Grande vorhalten , mochten sie an die 
listige Zurücknahme des vei*pfkndeten Borgholm (1366) und andere 
begründete Uebelthaten mehr erinnern, die Klagen des Königs 
wegen der Oewaltthätlgkeiten der deutschen Kaufleute und anderer 
Dinge dürften einen Vergleich in Bezug auf ihre Gewichtigkeit 
und das Schuldmass mit den städtischerseits vorgebrachten jeden- 
falls aushalten. Nur dies macht auch erst verständlich, dass es 
nicht zu einem definitiven Ausgleich zwischen den Paciscenten 
kam. Die Städte waren ja in einer viel günstigeren politischen 
Situation als der Noi*weger; hätten sie nicht ihren Wunsch nach 
einem ihnen vortheilhaften Definitivfrieden verwirklicht, wenn sie 
zu ihrer überlegenen Machtstellung noch den diplomatischen Vor- 
zug grösserer Schuldlosigkeit gehabt hätten? So aber kam es 
nach sehr langhingezogenen Verhandlungen am 1. und 2. Juli 1370 
nur zu einer Verlängerung der bestehenden Waffenruhe auf fünf 
Jahre, bis 24. Juni 1375. Völlige Verkehrsfreilieit wird von bei- 
den Parteien in dieser Zeit einander zugesichert Dabei begegnen 
wir hier ganz analogen Bestimmungen über das Verhältuiss Ro- 
stocks und Wismars für den Fall ihres Beitritts zu diesem Still- 
stand, wie. kurz vorher in dem Frieden der ersteren Stadt mit 
Dänemark. Nur gegen eine vorgängige einvierteljährige Absage 
dürfen beide Städte ihrem Landesherrn ausserhalb des Herzogthums 
Hülfe gewähren ; innerhalb desselben unterliegen sie den nämlichen 
Bedingungen, die jener Friedensvei*trag gestellt hatte. Hier han- 
delt es sich also um beide Städte, während Rostock uns damals 
allein erkennbar entgegentrat — Bis Pfingsten nächsten Jahres 
sollen die städtischen Ratificationen in Bahus eingehn. — Von 
neuem wurde demnach die endgültige Regelung des schon so 
lange sohwebenden Verhältnisses zu Norwegen vertagt; es wurde 
keine Entschädigung, keine Landabtretung, keine Erweiterung der 
alten Privilegien, ja nicht einmal ihre dauernde Bestätigung von 
den Städten erreicht, jetzt wo sie über Dänemark und Norwegen 
militärisch mächtig triumphirten. Der Krieg mit dem letzteren Lande 
hatte also keinen anderen Effect gehabt, als freilich eine höchst ener- 
gische Verwüstung und Züchtigung; und dazu hatte der Kaufmann 
mehr als ein Jahr das so dankbare Verkehrsgebiet meiden müssen ^ 



1 Ebd. Nr. 420 § 5; 421 § 14; 428; 510 § 6. 



144 

und sah bereits voller Sorge auf die Versuche der Engländer und 
Fläminger, sich in seine merkantile Aufgabe dort einzudrängen. 
Freilich auch die Abwehr dieser drohenden Gefahr durch recht- 
zeitigen Stillstandsvertrag konnte als ein Erfolg erscheinen , aber 
mit der Lage vor dem Kriege verglichen war ihre jetzt gewon- 
nene Position doch nur insoweit günstiger, als Krieg and Sieg 
den Respect vor ihnen erhöht hatten und dem Könige den Ge- 
danken gänzlich fern legen mussten, eine neue Coalition mit 
Dänemark gegen die Hause zu versuchen. Es kam hinzu, das» 
das alte, schon arg angefressene Kriegswesen in Norwegen in deik 
letzten Unruhen sich noch mehr aufgelöst hatte, und seine matten 
kriegerischen Kräfte in dem Gegensatz zu dem benachbartcD 
Schweden hinreichend gebunden und beschäftigt waren. Der Her- 
stellungsversuch eines Friedens zwischen diesen beiden Mächten 
war nach Lage der Dinge von vornherein aussichtslos, und im 
nächsten Jahre brach denn auch König Hakon, mit den Städten 
vorläufig ausgesöhnt, gegen Schweden los, das Reich zurückzu- 
gewinnen und seinen Vater aus laugjähriger, schwerer Haft zu 
befreien. Gegen die Städte aber behielt er mit jenem nur pro- 
visorischen Zustand eine Waffe in der Hand und fand dereinst, 
wie wir sehen werden, gute diplomatische Gelegenheit, sie äusserst 
erfolgreich zu handhaben. Diese dagegen hatten jetzt für meh- 
rere Jahre auch nach dieser Seite hin doch die neue Garantie 
eines ruhigen Verhältnisses: Friede war wieder für sie in dem 
weiten Bereich ihrer Handelsbewegung. 

Indessen war von Stralsund aus der Danziger Bürgermeister 
heimgekehrt und hatte den Geleitsbrief an König Waldemar über- 
bracht, der, wie nicht anders zu erwarten, über die Fassung des- 
selben höchlich verwundert war. Ihm lag aber daran, einen ge- 
wöhnlichen Geleitsschein zu bekommen. Man kann fragen, wozu 
er überhaupt einen solchen noch nöthig hatte. War er doch 
mittlerweile in den stralsunder Frieden völlig mit eingeschlossen. 
Allein offenbar sah er, ähnlich den Städten die Sache so an, dass 
sein Einbegriff in den Frieden erst dann gültig werde, wenn er 
ihm seine Genehmigung ertheilte, dass er mithin trotz des urkund- 
lichen Friedensverhältnisses factisch noch auf Kriegsfuss mit den 
Städten stand. Schon am 27. Juni richtet er sich von Kaiisch 
aus an sie mit einem Schreiben, in dem er seiner Verwunderung 
über den empfangenen Geleitsbrief und seiner Bitte um einen 



145 

neuen, gewöhnlichen Ausdruck gab und zugleich den Ertmar, der 
offenbar an jenem Tage und wie man hinzusetzen muss, noch 
in seiner Umgebung war, in dieser Angelegenheit beglaubigtet 
An wen aber schickte er den Brief und den Rathmann ? Aus der 
mit den Ausstellern der an ihn gerichteten Zuschrift identischen 
Adresse ist dafür nichts zu entnehmen. Also kein Grund, ihret- 
wegen an eine etwaige, ihm bekannte Versammlung der aufge- 
führten Städtegruppen zu denken. Nun haben wir aber überhaupt 
keine Runde von einer weiteren diesjährigen Versammlung der 
Städte, die doch nur in ihrer Gesammtheit oder in grösserer An- 
zahl zur Ausstellung eines solchen Geleitsbriefes befugt und fähig 
waren. Waldemar wusste unzweifelhaft, dass in der nächsten Zeit 
eine Versammlung nicht in Aussicht stand. Mithin konnte er 
sich nicht eine baldige Erwerbung des Geleites, die ihm übrigens 
auch kaum so dringlich war, versprechen. Möglich indess, dass 
£rtmar in seinem Auftrage sich sofort zu Schiff nach der betref- 
fenden wendischen Eüstenstadt begeben sollte, um dort noch einen 
Theil der aus Norwegen rückkehrenden Gesandten abzufangen» 
Oie Chronologie liesse sich allenfalls in Einklang bringen. Viel 
w^ahrscheinlieher aber ist, dass Ertmar mit Antwort und Bitte sich 
nach Lübeck aufmachte und dort diese bis zur nächsten städti- 
aolien Zusammenkunft deponirte. 

Weiter ist von dem Jahre 1370 nichts für das Verhält- 

niss der Hanse zu Däuemark zu berichten, zum Theil deshalb 

nicht, weil keine weitere Versammlung zu erzählen gibt. Ist es 

^och eine Eigenthümlichkeit dieses Bundes, dass sein politisches 

L«^ben nicht eigentlich in einer fortlaufenden zeitlichen Continuität 

*ioh entfaltet, sondern vorwiegend in die zeitweiligen Versammlungen 

^ tit sammendrängt , um in der Zwischenzeit fast gänzlich zu ruhen. 

S^ine politische Geschichte ist vorzugsweise eine Geschichte von 

^^rsammlungen, die wieder in ihrem Bestände mannigfach wechseln; 

^^ind jene darzulegen, thut man, wie ich glaube, am besten, 

^^c;h dieser und nicht etwa ausschliesslich sachlicher Gesichtspunkte 

^Iß Grundlage für die Darstellung zu bedienen; gewinnt sie dann 

^i » etwas aphoristisches Gepräge, so gibt sie doch in dieser Form 

^in zutreffenderes Bild von der eigenen politischen Thätigkeit 

^^s grossen, in sich etwas bunten Vereins. 



» Liib. N. B. III Nr. 728. 

De nicke, Reziehnngeu der liaiiseätädte etc. ^y 



146 

Erst am 1. Mai 1371 fand wieder eine Versammlung meh- 
rerer wendischer Städte statt, offenbar mit dem Hauptzweck 
aus dem ersten Krieg herrührende gegenseitige. Ansprüche zxz 
regeln. Indess befasste sie sich^ auch mit anderen Anliegen, di« 
für unseren Gegenstand von Interesse sind. 

Zunächst stellt sich heraus, dass der auf dem Tage nicht am 
wesende Ertmar schon vorher Waidemars Anliegen mitgetheiC 
hatte; es wurde jedoch die Beschlussfassung darüber bis zv^ 
nächsten Versammlung hinausgeschoben , sicherlich weil man dz^ 
Zustimmung von mehr Städten für erforderlich hielt, und jene j^i 
nahe bevorstand. Waldemar musste aber schon fast ein volles 
Jahr auf den Geleitsbrief wailien. 

Auch ein den König Hakon angehender Beratbungsgegenstand 
wurde der nahen grösseren Versammlung vorbehalten. Aus einer 
späteren Nachricht ergibt sich ^, dass vermuthlich schon in Bahus 
verabredete Verhandlungen mit ihm persönlich in Stralsund für 
die Zeit um Pfingsten in Aussicht standen, ohne allen Zweifel 
wegen Herstellung eines definitiven Fiiedens. So wird man nicht 
in der Annahme irren, dass jene vertagte Beschlussnahme die 
städtischerseits zu stellenden Bedingungen betraf. Für die Ver- 
tagung aber war um so mehr Grund, als es jetzt zwischen den 
nordischen Reichen Norwegen und Schweden zum Entscheidungs- 
kampfe gekommen war, und seine Entwicklung auf die Politik 
der Städte von Einfluss sein konnte. 

Auch eine Berathung über das Pfundgeld wurde auf die 
nächste Tagesordnung gesetzt; die Verrechnung desselben kann 
nicht damit gemeint sein : sie war ja im vergangenen Jahre für 
die Octoberversammluug angeordnet. Was freilich sonst, lässt 
sich nicht sagen, da der Recess der folgenden Tagfahrt über die- 
sen Punkt schweigt. 

Weiter kamen die Verhältnisse der Schlösser Scanör undj 
Helsingborg zur Sprache; besonders die Auswahl geeigneter Persön- 
lichkeiten für das dortige Commando. Man sieht, dass das bisherige 
bald sich erledigte. Hauptmann von Helsingborg war unzweifel- 
haft schon jetzt Gregor Swerting, während sein Amtsgenosse it. 
Scanör nicht mit gleicher Sicherheit erkennbar ist; vielleicht wa~ 
es der in anderem Zusammenhang mit ihm genannte Gerard Lowem 



» H. R. II Nr. 13 (Anfang). 



147 

Warum diese Abdankungen erfolgten, ist unbekannt; doch wer- 
den sie in der Initiative der beiden Männer ihren Grund haben, 
nicht in der der Städte. Auch hierüber kam die Versammlung 
zu keinem Beschluss, obschon sich die wendischen Städte hierin 
allein fQr völlig bescblussfähig halten durften; ein jeder sollte 
aber seinen Berath bringen auf den nächsten Stralsunder Tag. 

Sodann fand eine Abrechnung über den schottischen Zoll 
statt. Der betreffende Passus lautet: Die Rathmannen von 
Lübeck und Stralsund legten Rechenschaft über den schonischen 
Zoll von den beiden Jahren 1369 und 1370, wonach die Lübecker 
blWlbß.S^. (= ca. 4600 Km.) erübrigten und die Stralsunder 
einer Summe von 435 7?^ Ilj9. Ittbisch (= ca. 30,500 Rm.) ermangelten. 
Die Rechenschaft wollen die Rostocker und Wismarer an ihren 
Rath bringen. — Zunächst ist nicht völlig deutlich, ob hier der 
ganze Ertrag des schonischen Zolls zur Verrechnung kam. Lübeck 
und Stralsund machten die Abrechnung und demnach scheint es 
allerdings, als hätten sie den Zoll, wie sie ihn allein wohl auf- 
nahmen, auch allein verausgabt. Nun fehlt es freilich an einer 
positiven Angabe über die Summe der Zolleinnahmen ; indess wird 
sie sich doch 1369 auf eine ungeföhr gleiche Höhe wie im Vor- 
jahr gestellt haben und dem wieder vollbelebten Handelsverkehr 
^C8 ersten Friedensjahres müssen wir ein noch erheblicheres Er- 
^^bniss zumessen. Jedenfalls dürfen wir die Gesammtsumme der 
beiden Jahre auf rund 5000 Z?^ (ca. 350,000 Rm.) beziffern. Den 
^^nptposten jener Ausgaben haben unzweifelhaft die Bewahrungs- 
'hosten der schonischen Schlösser ausgemacht; sollte man aber 
'^icht meinen , dass sie nun auch gänzlich gedeckt waren ? Und 
^^ch kann dies nicht der Fall gewesen sein. Denn auf der dies- 
Jähngen Herbstversammlung hören wir von den die Schlösser inne 
^^benden wendischen Städten, dass sie noch beträchtliche Summen 
^^v dieselben in Rechnung zu stellen hatten. Und ein späterer, 
ft^eilich vielfach dunkler Recess (15. Juli 1375) lässt nach meiner 
Auslegung keinen Zweifel, dass nicht bloss Lübeck und Stralsund, 
Sondern auch Wismar, Rostock, in etwas auch Greifswald an der 
Obhut der Schlösser Theil nahmen; also würden allein die Halte- 
kosten der beiden Städte zum grössten Theil das zweijährige Zoll- 
einkommen verschlungen haben. — Rostock und Wismar zogen 
die vorgelegte Rechenschaft an ihren Rath; ob aus Opposition 
gegen den ganzen in Schonen hergestellten, pfandrechtlich von 

10* 



148 

Dänemark abhängigen Zustand überhaupt oder aus rein sachlichen 
Gründen, wer will es sagen? Diese rechnerischen Geschäfte scheincE 
besonders oft den Autoren des Recesses nicht wichtig gena§ 
gewesen zu sein zu ihrer Niedersclirift, wie dies auch nachstehen, 
der, in der einen Handschrift befindliche, in der anderen wegge 
lassene Paragraph an seinem Theile bestätigt. „Die Lübecker 
gaben ihren Ueberschuss an die Stralsunder ab. Sie sollen votz 
schonischen Zoll 392 7/1^ sund. (= 261 Vs lüb.) erheben. Von 
diesem Gelde überreichten sie 350 jH. sund. (= 233V3 lüb.) sa 
Gregor Swerting zum Gebrauch des N. Soldys, ebenso an Herrn 
Gerard Löwen 93 7/2^ (= 62 lüb.) und zugleich 39 7/1^ (= 26 
lüb.) für N. Soldys." — Dass sich das „sie" auf die Stralsunder 
bezieht, geht schon aus der Rechnungsmünze hervor. Gr. Fwer- 
ting war, Wie gesagt ^ Stralsunder Rathmann und Hauptmann von 
Helsingborg, Gerard Löwen wird gleichfalls Stralsunder Rathmanu 
und gleicherweise mit der Schlossverwaltung betraut gewesen sein. 
N. Soldys kennzeichnet sich durch seine titellose Einführung als 
ein dem Rath nicht angehöriger Mann, vielleicht war er ein Schrei- 
ber, aber wohl auch ein Stralsunder. Unter dem Ausdruck „von 
diesem Gelde" wird am besten die ausstehende Forderung 435 /^ 
11 ^. lüb. (=« ca. 30,500 Rm.) verstanden, ohne dass sie aber 
von der in lübische Münze umgerechneten Summe der einzelnen 
ausbezahlten Posten erschöpft würde. Der Zweck dieser Ausbe- 
zahlungen galt sicher den schonischen Schlössern. Auch die 
Klage des Greifswalder Rathmanns Syverd v. Lübeck steht wohl 
damit im Zusammenhang: sie betrifft die Nichteinhaltung eines 
Versprechens, ihm von dem schonischen Zoll 170 T/i^ sund. (= ca. 
7933 Rm.) zu bezahlen. Nocli weniger deutlich ist die naclifol- 
gende allgemeine Klage der Städte, dass jede so viele Ausgaben 
auf Reisen und andere mannigfache Dinge verwendet liabe. In 
dem letztverflossenen Jahre können diese Ausgaben nicht gut er- 
wachsen sein: die Reise nacli Norwegen hatten nur Lübeck und 
Stralsund unternommen. Wie sie aber mit dem Kriege zusammen- 
hängen sollten, ist mir auch nicht ersichtlich. Man behält sichi 
die Erledigung dieser Angelegenheit für die nächste Versamm- 
lung vor. 

Endlich treffen wir in diesem Recess noch auf eine für uns 
wichtige Angelegenheit, auf die Mahnung, welche an Rostockei* 
und Wismarer wegen ßesieglung der Briefe vom letzten Kriege 



149 

gering. Auch diese zogen sie an iliren Ratli. Was sind das für 
Briefe? Bloss die dänischen oder bloss die norwegischen oder 
beide? Letztes ist am wahrscheinlichsten; Pfingsten aber sollten 
schon die norwegischen Briefe in Bahus eingereicht werden. Be- 
sonders um dieser willen war die Mahnung angebracht und wie 
sich zeigen wird, auch von Erfolg. 

Am 25. Mai fand sich nun die grosse Versammlung in Stral- 
sund zusammen. Offenbar war sie bereits vor der letzten Zusam- 
menkunft ausgeschrieben ; wäre doch die Zwischenzeit zu kurz ge- 
wesen, um noch nach den ferngelegenen Städten Einladungen zu 
senden und die rechtzeitige Ankunft ihrer Sendeboten zu ermög- 
lichen. Von dem wendischen Drittel waren ausser den 5 nächst- 
verwandten Städten auch Stettin und Colberg vertreten; von dem 
preuBsisch - süderseeischen Thorn, Elbing, Danzig, Kampen und 
Zicriee. Die Tagesordnung der Versammlung, derentwillen 
sie einberufen wurde, wird besonders die Regelung der schonischen 
Verhältnisse betroffen haben, vielleicht auch die Verhandlungen 
ixiit Waldemar, die damals schon in Aussicht genommen sein 
konnten. Das Anliegen des Königs von Norwegen ist aber erst 
^Ki^cb der Einladung zu den Beratliungsgegenständen hinzuge- 
be ommen. 

Ich wende mich zunächst zur Besprechung erstgenannten 
l^iinktes. — Man wird einigermassen überrascht, wenn man da 
^icst, dass die Städte mit Henning von Putbus darüber verhandel- 
ten, wie man daran sei mit dem Haus zu Palsterbo, und der Ge- 
^i'agte darauf erwiederte, dass alle Städter daselbst sicher sein 
tollten an Leib und Gut. Henning war also Schlosshauptmann 
"^on Falsterbo. Seit wann ? Erst jetzt oder schon früher? — 
Keine Frage jedoch, dass die Städte ihm das Schloss anvertrauten, 
^arum sie es grade mit Palsterbo thaten, ist nicht zu ermitteln. 
Vielleicht war die Commandostelle gerade unbesetzt. Der Gründe 
^ber, dass sie einen Dänen und gar und gerade den Reichsstatt- 
Wter hierzu ausersahen, einige zusammenzutragen, wird sich 
Später noch Gelegenheit bieten, üebrigens scheint diese Ueber- 
gabe und Uebernahme der Schlosshauptmannschaft in wenig vor- 
bedachter Weise erfolgt zu sein; schon die sonderbare Frage der 
Städte an Henning, wie sie daran sein sollten, und seine noch 
sonderbarere Antwort, welche die Geleitszusicherung eines Beamten 
auf dem Grund und Boden seiner Auftraggeber bedeutete, dürften 



150 

das hinlänglich beweisen, mehr noch der gänzliche Mangel einen 
finanziellen Auseinandersetzung zwischen den beiden Contrabenten. 
wie sie ein späterer Anspruch Hennings deutlich verrätb. 

Demnächst fasste man über die Erhebung des Zoll- und des 
Pfundgeldes in den schonischen Pfandschaften Beschluss. In Betreu 
des ersten Punktes wurde dem Henning das Recht zugesprochen, z%: 
Falsterbo einen Zollbeamten einzusetzen, während zwei andere 
von den Städten dort angestellt wurden, einer von den wendi- 
schen, der andere von den preussisch - süderseeischen. Sie sollen 
den Zoll aufnehmen und in eine Kiste sammeln, wozu jeder von 
ihnen einen Schlüssel führt. Merkwürdiger Weise legten die 
Kostocker und Wismarer gegen diese Beliebung Protest ein. Die 
Stellung der diesbezüglichen Worte im Zusammenhang des Recess- 
paragraphen zeigt aber, dass er sich nicht eigentlich gegen das ZoU- 
hebungsverfahren, sondern nur gegen die Theilnahme Hennings daran 
gerichtet hat, etwas sehr Begreifliches, da Dänemark immer noch 
nicht mit Mecklenburg gesühnt war. Gegen die ganz gleiche Ein- 
richtung in Scanör, die nur den Dänen ausser Spiel lässt, hatten 
die beiden Städte nichts zu erinnern. — Die Einkünfte aber soll 
man bringen zu dem ja schon Jahrs zuvor für Michaeli angesetz- 
ten allgemeinen Stralsunder Tage, lieber den Malmöger Zoll wird 
dann weiter vereinbart, dass von Helsingborg dazu ein Schreiber 
zu fügen sei und von der Städte wegen einer oder ein anderer 
biederer Mann behufs Zollaufnahme und Rechenschaftsablage auf 
der nächsten grossen Versammlung. Das Recht, den letzten 
Zöllner zu setzen, wird — ein weitgehendes Vorrecht! — den 
beiden Bürgern von Lübeck und Rostock zugestanden, die dahin 
zur Aufnahme des Pfundgeldes beordert würden. — Das sind die 
Nachrichten dieses Recesses über die diesjährige Zollverwaltung. 
Es bleiben mancherlei Dunkelheiten. So verschweigen sie, wer 
nach Stralsund die Zolleinnahmen von Scanör und Falsterbo« 
bringen soll. Doch wohl die Zollbeamten selbst! Und wer waren^ 
diese? Doch wohl Rathmannen, wie sie uns dann oft genug aufi 
diesen Posten begegnen, nicht Schreiber, wie man sie zu Malmöi 
einsetzte. Warum aber vor allem sollte Henning einen Zoll- 
beamten bestellen? Und wie erklärt sich die Einsetzung eines 
Schreibers von Helsingborg? Heisst es, er soll von dem dortigen 
Hauptmann ernannt werden oder von dort herstammen, eben auch 
etwa ein Däne sein? — Wie geschah ferner die Aufnahme des 



151 

dänischen ZoUantheÜB ? Soll man annclimcn, dass der Zollbctrag 
vom Kaufmann auf einmal voll entrichtet und erst nachher unter 
die beiden Nutzniesser getheilt oder aber in den einzelnen Por- 
tionen von vornherein in die getrennten Kassen gezahlt wurde? 
In jedem Fall mussten an den Hebestätten auch dänische Recep- 
toren sich befinden; später wird auch ihres Wohnsitzes auf den 
Schlössern gedacht. Ich will doch, wenngleich mit aller Reserve, 
die Andeutung nicht unterdrücken, dass der Zollbeamte Hennings, 
der jetzt noch im Wesentlichen die dänischen Regier ungsgeschäfte 
leitete, und der Helsingborger möglicherweise identisch sind mit 
den von uns vorauszusetzenden dänischen. Für Scanör würde 
freilich eine Analogie fehlen, indess könnte man sich mit lokalen 
Verhältnissen, der Nähe Falsterbo's behelfen, die vorläufig dort 
ein dänisches Zollamt unnöthig machen mochte. Endlich sei noch 
Ixervorgehoben , dass sich die wendischen und preussisch - süder- 
seeischen Städte ähnlich wie bei Gelegenheit früherer Pfundgeld- 
sLlorechnungen, schon jetzt mit Bezug auf Scanör und Falsterbo als 
z^vrei gleichberechtigte oder richtiger gleich verpflichtete Gruppen 
trennten zum Zweck einer bequemeren und gerechten Verwaltung 
der gemeinsame^! Zolleinkünfte. Es sind also in summa 7 Zöllner, 
die auf die 3 im hansischen Pfandgebiet belegenen Hebestellen 
vertheilt werden. 

Der andere schonische Verwaltungszweig, der hier seine Re- 
^«lung fand, ist die Erhebung des Pfundzolls. Ich schicke vor- 
aus, dass darüber eine allgemeine Verordnung für alle conföde- 
^'^*i*ten Städte erging, welche die Bestimmung, dass alle Ausser- 
^^udischen das Pfundgeld leisten sollten , in ihre Consequenzen 
^^sführt. Auch wenn ein solcher in Compagnie steht mit dem 
Bürger einer conföderirten Stadt, soll er bei geschworenem Eide 
^^ch von dem ihm zugehörigen Geschäftsantheil die Abgabe ent- 
^'^^hten. Das Gleiche gilt von allem Gut, das ein Fremder zu 
^igen und ein für sich steuerfreier Bürger etwa in Commission 
^^at. Will man aber dem Kaufmann die bürgerliche Angehörig- 
keit zu einer im Verbund befindlichen Stadt nicht glauben, so be- 
darf es einer Bescheinigung seiner Stadtbehörde. Alle Zöllner 
sollen schriftlich von dieser Verhaltungsvorschrift in Kenntniss ge- 
setzt werden. — Unzweifelhaft hat diese allgemeine Anordnung 
auch auf Schonen Bezug. — Die dortige Verwaltung aber gewinnt 
in Folge der auf die Nichtconföderirten beschränkten Zollpflich- 



152 

tigkeit einen anderen Charakter als 1369 oder hat ihn viel — 
mehr durch eben jene Veränderung höchst wahrscheinlich schoivi 
im Vorjahr 1370 genommen, das uns leider eine directe Auskunft* 
versagte. Jeder Vogt soll jetzt von seinen Vitteneinliegern , di^ 
dem Bunde nicht angehören, das Pfundgeld aufnehmen, während 
an ihn früher grade die bündischen Kaufleute und Schiffer zahlten^ 
Nur die Dänen bleiben von der Leistung befreit. Von den Eng^-^ 
ländern, Flamländern, Brabantern und allen denen aber, die wed^r 
im Verbünde noch Vitteninsassen sind, sollen zu Scanör die Vögte 
von Wismar und Campen und zu Falsterbo die von Lübeck und 
Preussen erheben. Die Auswahl dieser Vögte für die genannten 
Orte richtete sich einmal natürlich nach der örtlichen Lage der 
Vitten und dann nach dem früher schon beobachteten Princip, 
alle drei Städtegruppen in entsprechender Weise an dem gemeinen 
Geschäft zu betheiligen. Der wendischen wird an beiden Ein- 
nahmestellen Recht und Amt der Aufnahme zuerkannt, und ihren 
Vögten an der einen der preussische, an der anderen ein süder- 
seeischer beigegeben, wogegen für Malmö, wo ja ein Vogt fehlte, 
Lübeck und Rostock allein das Recht erhalten, in das dortige 
Pfundzollamt zwei wohlbescholtene Bürger zu installiren. — Man 
sieht, es war ein ziemlich umfangreicher aber einfacher Apparat, 
mit dem die schonische Zollverwaltung überhaupt arbeitete. Die 
Sicherheit vor Veruntreuung lag besonders in dem Charakter der 
Beamten: biederen Bürgern, Geistlichen, Rathmannen und Vögten, 
welche letztere jetzt für die Pfundgelderhebung in ihren Bezirken 
allein schon ausreichten, ward die Einnahmefunction ob nun für 
Zoll oder Pfundgeld anvertraut, und die eidliche Bekräftigung 
der Abrechnung ergab noch ein weiteres Präventiv. 

Leider hat der Recess nur wenig von dem gehalten, was der 
vorige erwarten Hess, wenn er eine Vorlage der heimischen Stadt- 
behörde über die Regelung der eigentlichen Schlossverwaltung und 
die Auswahl der Hauptleute verlangte. Wir erfahren bloss, dass 
der Stralsunder Rathmann Gr. Swerting hier Rechenschaft leistete 
über seine Hauptmannschaft in Helsingborg. Er ist im Recess- 
eingang nicht als berathender Theilnehmer an der Versammlung 
bezeichnet, sondern steht ihr nur als rechenschaftspflichtiger Be- 
amter gegenüber. Seine Forderung belief sich auf 461 V2^^ ii^d 
zwar, wie sich aus einer späteren Angabe ergibt, lübisch (= ca. 
32,300 Rm.). Den Rechnungsnachweis gab er den Vertretern 



153 

einer jeden Stadt in einem besonderen Schriftstück. Er wird auf 
die näehstfälligen Einkünfte in Schonen angewiesen, seine Gehalts- 
bestimmung dagegen soll bis zur Michaelisversammlung vertagt 
werden. Wir wissen nun nicht wie viele Auslagen Gr. Swerting 
schon vorher gehabt und etwa zurückerhalten hatte. Die uns be- 
kannte Angabe des letzten Recesses über den Empfang von 392 
sund. Ji. ist nicht mit Sicherheit auf ihn zu beziehen, auch der 
Anfang seiner Amtsdauer nicht zu ßxiren. Man kann zwar somit 
nicht wohl von der Höhe der erwähnten Forderung auf die ihm 
obgelegenen Ausgabeposten zurückschliesseu, immerhin aber einen 
Einblick in die finanzielle Seite der Schlosswirthschaft gewinnen. 
Man setzte einen Beamten ein, der theilweise wenigstens zunächst 
auf eigene Rechnung die Ausgaben bestritt und erst hinter- 
drein mit dem Anspruch der Rückerstattung hervortrat. Den Ge- 
halt Hess man offen, wohl deshalb, um ihn nach der gehabten 
Mühwaltnng einrichten zu können. Auch Hennings finanzielle 
Stellung zu den Städten in seiner Eigenschaft als Sclilossinhaber 
von Falsterbo war ja vor der diesjährigen Michaelisversammlung 
uoch nicht regulirt. — Wie aber näher die Schlosshauptleute zur 
eingeborenen Bevölkerung standen, ist hier wieder in keiner Weise 
erkennbar. 

Aus diesem Kreis von Verwaltungeaufgaben führt uns der 
Recess über in nicht unwichtige politische Verhandlungen mit dem 
Abgesandten des Königs von Norwegen, während er uns die ge- 
pflogenen Besprechungen mit der anderen feindlichen Macht des 
grossen Hansekrieges, mit dem Dänenkönig verschweigt. 

Ganz schnell müssen wir einen Blick auf die norwegisch- 
schwedischen Verhältnisse werfen. König Albrecht war durch 
den mehrjährigen Waffenstillstand der Hanse und Norwegens iso- 
lirt. Sein Vater, in Wirklichkeit, soweit es die Macht des 
Reichsrathes zuliess, der Herrscher Schwedens an seines Sohnes 
Statt, war in Deutschland ausreichend genug beschäftigt, um in 
die nordischen Verhältnisse nicht wirksam eingreifen zu können. 
Darum suchte König Albrecht den Frieden mit seinem Nachbar. 
Allein die Ansprüche beider Könige standen sich diplomatisch un- 
ausgleichbar gegenüber; die wiederholten Verhandlungen, deren 
eine zu Lödose zur Zeit des Bahuser Tages, vielleicht unter städti- 
scher Intervention geschah, führten zu keinem Ergebniss. König 
Hacon rüstete einen neuen und nach Möglichkeit energischen 



154 

Feldzug gegen sein Stammland, wo ihm in der wirksamsten Weise 
ein sehr weitverzweigter Aufstand vorarbeitete: das oberschwe- 
dische Bauernvolk erhob sich gegen das Gewaltregiment und 
Ausländerthum der Deutschen und machte mit jenem bekannten 
Aufruf an seine südlichen Volksgenossen eine wohl nicht unglück- 
liche Propaganda. An seine Spitze traten mehrere schwedische 
Herren, auch solche, die zuvor sich zu König Albrecht gehalten, 
darunter der Bischof von Linköping. Das Insurgenten beer rückte 
vor Stockholm, König Albrecht floh hinüber nach Deutschland. 
Noch aber unterstützte Hacon , wohl mit seinen Rüstungen be- 
schäftigt, nicht activ die Insurrection, deren ausgesprochener Zweck 
die Befreiung und Wiedererhebung seines Vaters, des ^guten und 
ehrlichen Herrn Königs" Magnus war. Am 15. April kam es je- 
doch vor Stockholm zwischen Belagerern und Belagerten zu 
einem fünfwöchentlichen Stillstand mit einer ebenso langen Ab- 
sagefrist. — In dieser Zeit schickte König Hacon den erwählten, 
aber noch nicht investirten Bischof von Linköping nach Deutsch- 
land hinüber, jetzt auf das höchste interessirt, mit den Städten, 
die immerhin den wankenden Thron des Schweden stützen konn- 
ten, in gutem Vernehmen zu stehn. Wann er in Stralsund ein- 
traf, ist nicht genau zu sagen; nur kann es nicht gleich beim 
Beginn der Versammlung, sondern erst einige Zeit später ge- 
schehen sein. Die Städte erwarteten — doch gewiss in Folge 
einer Abrede — die Herüberkunft des Königs selber. Aber er 
blieb aus, und das kann bei seiner derzeitigen Lage nicht ver- 
wundern. Die Versammlung wird um jene nordischen Vorgänge 
gewusst haben und daher bald zu ihrem Entschluss gekommen 
sein, städtische Gesandte in den bezüglichen Angelegenheiten nach 
Bahus zu schicken, gewissermassen versuchsweise, ob sie den 
König vielleicht da fänden. Man sieht auch hier, wie den 
Städten am endgültigen Friedensschluss lag. Da erschien nun 
jeuer Bischof Gotschalk, gab sein Creditiv vom König und 
brachte dessen Werbung vor: er sähe gern, dass die Städte mit 
ihm am 8. oder 15. Sept. über die bewussten Dinge verhandelten. 
Dieser Termin war ihnen aber nicht genehm, weil ihre Boten, 
die sie mit den norwegischen Verhandlungen gern beauftragen 
wollten, schon durch anderweitige, gleichzeitige Unterredungen 
mit anderen Herren in Deutschland in Anspruch genommen seien. 
Es zeigt sich, wie das auch aus den Recesseingängen evident 



155 

hervorgeht, dass der Ratli meist nur über einen bestimmten Kreis 
von Rathmännern verfügte , die in die liansischen Dinge einge- 
arbeitet, eben durch ihre Geschäftsroutine die beste Fülirung der- 
selben verbürgten. Die Städte machten nun ihrerseits dem Bischof den 
Vorschlag, am 1. oder 15. Aug. zusammenzukommen; das wo ist 
immer offen gelassen. Indess passten diese Termine wieder dem 
König Hacon nicht, da er dann fern in Scliweden mit sehr schwie- 
Wgen Dingen d. h. mit dem Kriege zu thuu habe. Daher kamen 
die Versammelten überein, die Verhandlungen für dies Jahr über- 
iiaupt auszusetzen und dem König dafür den 1. Mai 1372 zu pro- 
poniren. Ein angesehener Bote soll ihm diesen Vorschlag zu- 
gleich mit einem Schreiben überbringen, ausserdem aber die Ein- 
gabe der eingegangenen Stillstandsratificationen besorgen. Noch 
nielit alle Städte hatten dieselben eingeschickt, doch die meisten; 
voix wendischer Seite vermisst man nur die von Stargard, von 
stlderseeischer die von Briel und Stavoren; denn andere süder- 
söoische Communen waren in den Bahuser Verhandlungen durch 
St^^te vertreten , die jetzt ihre Bestätigungsbriefe eingegeben und 
^^irin wahrscheinlich auch ihre damaligen Auftraggeber mit auf- 
Söxiommen hatten. Die preussischen und livländischen Gemein- 
wesen traten aber, wie so oft bei ähnlichen Anlässen, in Geschlos- 
^^^Kiheit auf und hingen nur die einzelnen Siegel an gemeinsame 
^^■^•iunden, welche der letzte Verein in allerletzter Stunde noch 
*^"^ Lübeck einsandte. — Die provisorische Urkunde von 1370 
®^^Xlte der Bote wieder zurückbringen. Das in höflichster Form 
^■^^^efasste Schreiben fasst nun alle diese Dinge zusammen, berichtet 
^^-Vr^er die auf das Ausbleiben des Königs hin vereinbarten Be- 
^^^llttsse, die plötzliche Ankunft des Bischofs u. s. f. und macht 
^^^n Vorschlag für eine Zusammenkunft am 1. Mai nächsten 
^Lres. Einen Punkt aber unterdrückt es, den der Bote mündlich 



T)rbringen sollte: die Klagen, welche Rostock, Stralsund, Wismar 
^^nd die Preussen über die ihren Bürgern geschehene Unbill er- 
hoben hatten, ohne dass man ersähe, worin sie im einzelnen be- 
standen; sie werden Bedrückungen durch norwegische Officialen 
gegolten haben. Auch die Verschwiegenheit der Zuschrift über 
diese Dinge beweist wieder die schonende, bescheidene Rücksicht- 
nahme städtischer Diplomatie. — Wer der Bote war, und ob er 
sich zugleich mit dem Bischof nach Norwegen begab, ist nicht 
überliefert Jedenfalls hat er seine Reise nicht vor dem 24. Juni 



angetreten, da erst von diesem Tage und zwar vielleicht eben 
wegen seines späten und dieszeitigen Aufbruchs das Schreiben 
an den König datirt ist. In jedem Fall kamen die Ratifications- 
urkunden der ersten Abrede zuwider, aber wohl im Einklang mit 
einer späteren, erst nach dem 1. Mai in des Königs Hände. 

Wichtiger als diese vorbereitenden Verhandlungen massten. 
die resultatlosen mit König Waldemar erscheinen, die vermuthlicli 
eben dieser Ergebnisslosigkeit wegen keine Aufnahme in den 
Recess fanden. Waldemar hatte inzwischen seinen Aufenthalt in 
Preussen mit dem am kaiserlichen Hof zu Prag vertauscht, wo 
wir ihn im Juli 1370 finden. Bekanntlich stand er mit Kaiser 
Karl in einem freundschaftlichen Verhältniss, und es mag ihm 
nicht schwer geworden sein, zwei Briefe auszuwirken, durch die 
jener alles für seine Situation that, was nur in seinem Vermögen 
stehen mochte. Waldemar wird sicherlich in hohem Masse sich 
über die Städte beschwert haben. Aber der Friede war ein fait 
accompli, und was hätte am Ende der Kaiser geg6n das geeinte 
norddeutsche Städtethum vermocht, selbst wenn er sein Machtwort 
dagegen in die Wagschale hätte legen wollen! Und wie wenig 
ihm auch die Selbstherrlichkeit desselben behagen mochte, so 
konnte er doch als Kaiser dieser Organisation deutsch nationaler 
Interessen zu Gunsten des ihr feindlichen , ausländischen Königs 
auch nicht entgegentreten wollen. Dieser war denn auch zufrie- 
den , äusserst entrüstet über die Treulosigkeit seiner aufsässigen 
Untertlianen , durch das indirecte Zugeständniss der kaiserlichen 
Hoheit über sein Reich, insonderheit sein jütisches Besitzthum^ ein 
kaiserliches Einschreiten gegen sie zu erkaufen; nur in dieser 
Stellung konnte Kaiser Karl dem Markgrafen von Meissen, Herzog 
Bogislav von Stettin und Graf Adolph von Holstein die Vollmacht 
ertheilen, das Achts verfahren gegen die meineidigen Aufständischen, 
seien sie Eingeborene oder nur im Reich resp. Jütland angesessen, 
einzuleiten und mit Ausschluss jeder Appellation zu Ende zu 
führen. Man erkennt, dass dem schlauen Luxemburger diese Ac- 
quisition gleich billig wie willkommen war. Freilich ist sie eben- 
sowenig der Anfang nachhaltigerer Errungenschaften in dieser 
Richtung geworden, als dem Dänenkönig aus dem kaiserlichen 
Pergament irgend ein Gewinn erwuchs. 

An demselben Tage 27. Juli 1370 gab ihm der Kaiser einen 
allgemeinen Geleitsbrief, addressirt an alle Fürsten, Grafen, freie 



157 

Herren und Städte im römisclicu Kcicli. Da er es mit seinem 
guten Bruder, König Waldemar so wohl meine, fordere er sie auf, 
sein und der Seinigen Bestes zu fördern, ihre Güter (wohl mit 
Bezugnahme auf den räuberischen Brandenburger) zu schützen 
u. d. f. Dieser Geleitsbiief galt demnach auch für die Hanse- 
städte und mochte den von ihnen erbetenen dem König uunöthig 
emcheinen lassen. Wir haben keine Spur dafür, dass sie auf 
dieser Versammlung der vorher bestimmten Tagesordnung gemäss 
3bli mit der Ausfertigung eines solchen befasst hätten, treffen 
aber König Waldemar auf ihr anwesend und mit ihm Bischöfe, 
l^itter und Knappen, darunter auch den Reichshauptmann, woraus 
aii£ vorangegangene Verabredungen mit König und Reichsrath 
geschlossen werden muss. Sind wir über die £xistenz dieser 
Verhandlungen nur durch ein kurzes Schreiben der Versammlung 
aa Riga, also weiter an die nicht vertretenen livländischen Städte 
uut;errichtet, so ist bezeichnend, dass es bloss zweierlei enthält: 
^»^ Mittheilung über die dänischen Conferenzen und den Recess- 
pa.Y>agraphen über das Pfundgeld. Letzterer enthielt ein Gebot, musste 
^^ ri en also bekannt gemacht werden , wogegen die erstere Nach- 
^^^^It ihnen zugeschrieben wurde wegen des lebhaften Interesses, 
^i't dem man die Weiterentwicklung des Verhältnisses zu Walde- 
^ ^r verfolgte. Von dem Erscheinen des norwegischen Gesandten 
^^^:»i der Ordnung der schonischen Verhältnisse etc. kein Wort: 
"^^T diese dänische Frage war von durchschlagender Wichtigkeit. 
^ ■^^ so mehr werden wir bedauern, dass so wenig über das Detail 
^^^> gehaltenen Besprechungen kund wird. Waldemar wird sich 
1^^ i 1; dem Freibrief, vielleicht auch mit der beschränkten, fünfzehn- 
J*^^^rigen Abtretung schonischer Besitzungen einverstanden erklärt 
/"^^ben, aber kaum mit einer Sanktionirung des hansischen Eingriffs 
^^^ die innerste und wichtigste Angelegenheit des Verfassungslebens 
^^iuer Nation. An dem etwaigen Widerspruch der Städte gegen 
^^ine vielleicht hier auch noch gar nicht aufgestellte Forderung 
^es Königs, die Aufgabe des Anrechtes an Wartbergs Schloss 
>Verden die umfassend vorbereiteten und ohne Zweifel lebhaft be- 
t-riebeneu Verhandlungen nicht gescheitert sein. Schon vom 25. 
Mai, dem Anfangstermin der Versammlung, datirt das angezogene 
Schreiben und berichtet, dass an diesem Tage mit den Dänen 
unterhandelt wurde. Es ist unmöglich zu glauben, dass dies 
nur einen Tag gedauert habe, und an ihm obendrein noch 



158 

die Pfundgeldberathung zum Absclilnss und das Schreiben nach 
LivlandzurConception gekommen sei. Aus dem Datum des letzteren 
ist ebensowenig auf den Tag der Abfassungszeit zu schliessen, wie 
aus dem Recessvermerk über den der Versammlung auf ihre blosa 
eintägige Dauer. Dieser gibt vielmehr in den meisten Fällen bloss 
die Eröffnung der Sitzungen an und diente wie auch im vorlie- 
genden Fall, nicht selten zur chronologischen Grundlage für die 
Correspondenz der Versammlung. — Waren die Unterredungen 
ergebnisslos, so führten sie doch andererseits nicht zu einer defi- 
nitiven Gegenerklärung des Königs gegen den Frieden. Der Brief 
drückt sich so aus: „es scheint uns, dass der König noch nicht mit 
seinem eigenen Siegel besiegeln will. Indessen wissen wir nicht, 
ob er nicht bis Michaeli darüber anderes Sinnes wird." Michaeli 
lief die Frist für die königliche Bestätigung ab; erfolgte sie bis 
dahin nicht, so wurde damit für die vereinigten Städte die Frage 
über die Wiederaufnahme des Krieges mit der bekannten Beschrän- 
kung praktisch. Der König schwankte, wollte offenbar von der 
ihm vergönnten Bedenkzeit Gebrauch machen und hoffte sicher, 
von den harten Bedingungen noch etwas hinweg zu diplomati- 
siren. Ein hartnäckiges Sperren gegen die Ratification konnte 
ihm nichts nutzen, nur schaden : wollten doch Bischöfe, Ritter und 
Knappen auch in diesem Falle ihrer Zusage gemäss, wie die ver- 
sammelten Rathmänner ihren livländischen Genossen beruhigend 
mittheilen konnten, an den verbrieften Vereinbarungen festhalten. 
Sollte der König aber bis zu dem angegebenen Termin nicht be- 
siegeln, so wollten sie wie von anderen diesbezüglichen Vorkomm- 
nissen, ihnen Nachricht davon zukommen Ussen. Im Uebrigen 
luden sie auf das Dringlichste zum Besuch des Stralsnnder Tages 
ein, auf dem ja die dänische Angelegenheit in ein neues Stadium 
kommen musste. Man wird nicht abgeneigt sein, jene Stelle in 
der Zuschrift an König Hacon, die mit der Inanspruchnahme der 
Rathssendeboten im Sept. zu Verhandlungen mit anderen Herren 
entschuldigt, dahin auszulegen, dass schon jetzt für jene Zeit eine 
neue Zusammenkunft mit dem dänischen König vorläufig verab- 
redet wurde, für den Fall eben, dass bis dahin keine Sinnesände- 
rung desselben erfolgte. Eine genauere Festsetzung des Tages 
muss dagegen erst später eingetreten sein, da hier immer nur von 
einer Michaeliversammlung, nicht aber von dem 27. Oet. , dem 
nachherigen, wirklichen Verhaudlungstage die Rede ist. lieber 



159 

die Zeitdauer der hiesigen Besprccliungeii ist, wie schon ange- 
deutet; nichts aus deu hausischen Acten bekannt; auch gibt meines 
Wissens keine anderswo ausgestellte Urkunde eines liier nachweis- 
bar anwesenden Dänen dafür eine Handhabe. 

Dass der wirkliche Friedenszustand in Schonen noch manches 
zu wünschen übrig Hess, zeigt ein weiterer Recessparagraph , der 
die Heringseinsalzung zunächst für Falsterbo, Scanör und Malmö 
und danach auch für andere Fischereiplätze freigab; — insoweit 
eigentlich eine ziemlich überflüssige Erlaubniss eines rechtmässigen 
und sich alljährlich im Frieden von selbst erneuernden Verhält- 
nisses. Aber es wird für die drei genannten Orte, und nach 
Fassung der Worte nur für sie, die Verordnung angeschlossen, 
dass ein jeder Mann, der Selbstherr ist, d. h. jeder Kaufmann, 
Meister u. a. in voller Waffenrüstung dahin kommen und jeder 
hei dem anderen bleiben solle, beides offenbar zum Zweck einer 
wirksameren Abwehr von Gefahr. Auch die weitere Bestimmung, 
da.ds kein Kaufmann bei drei löthigen Mark (= ca. 630 Rm.) mit 
den Fischern zusammenliege, wird nicht bloss Zwistigkeiten unter 
d^n deutschen, sondern zugleich mit den dänischen Fischern haben 
vox-bauen sollen. Schon während des Krieges war zweimal, immer 
^^legentlich der beschränkten Freigabe des schonischen Fischfangs 
^i^selbe Verfügung über den Waffenzwang erlassen; der hergestellte 
^^^K^lede hatte sonach ihren Anlass nicht hinfällig gemacht. Ganz un- 
^ ^^^eifelhaft musste sich in Dänemark das nationale Empfinden bei den 
^^"^en Verwüstungen des deutschen Heeres im Kriege, bei den 
^ '^^^ m Theil übermässigen und tief kränkenden Erfolgen der städti- 
*^^lien Diplomatie im Frieden und bei der neuen und ohne viel 
^^Xicksicht aufgenommenen Monopolpolitik in Krieg und Frieden 
it einem grösseren Hass gegen das fremde, deutsche Wesen 
Xirchsetzen, und man wird aus jenen wiederholten vorkehrenden 
estimmungen und Massnahmen auf eben diese Wirkung und ihre 
^«drohliche Aeusserung zurückschliessen dürfen. 

Soweit die Mittheilungen und Anordnungen dieser Tagfahrt. 
^it wenigen nebensächlichen und nicht hierher gehörigen Zu- 
sätzen wäre der Inhalt des Recesses völlig erschöpft, ein Be- 
weis, dass die dänische Frage in diesem Zeitpunkt immer noch 
Interesse und Thätigkeit hansischer Politik fast ausschliesslich ab- 
Borbirte. Nur arbeitete um diese Zeit eine Gesandtschaft in Now- 
gorod au der Wiederaufrichtung des Friedens, der durch eine 



Ilandelsfehde gestört war, zunächst ohne, dann aber mit Erfolg« 
Sonst herrschte jetzt für den rührigen liansischen Raufmann in denk 
weiten Ländergebiet, auf dem er sich bewegte, überall Ruhe unci 
Frieden. 

Freilich nur für ihn : denn im übrigen gab es da vieler Orten 
kriegerische und aufständische Bewegung. Holstein und Jütland 
standen noch in dem gleichen Verhältniss zu Dänemark wie seit 
1368, nicht anders Mecklenburg, wenn auch beide Fürstenmächte 
sich vorwiegend auf das Festhalten des Errungenen und den 
kleinen Krieg beschränken mochten. Und unter den beiden skan- 
dinavischen Reichen dauerte sogar der offene Krieg fort Im 
August war König Hakon zu dem Belagerungsheer vor Stockholm 
gestossen und konnte sicher sein, seine Forderungen durchzu- 
kämpfen, wenn nur ein grösserer Theil des schwedischen Reichs- 
raths dem Weckruf aus Oberschweden gefolgt wäre. Doch dieser 
suchte und fand auf seinen eignen Wegen sein selbstisches In- 
teresse, auf Kosten des angestammten Königs und des Landes. 
Inmittelst war auch König Albrecht heimgekehrt, um sich sofort, 
gewiss auf Rath seines staatsklugen Vaters, seinem Königstitel zu 
Liebe zu einem unerhörten Schritt zu entschliessen : er bekannte 
sich gegen den nunmehr in seiner Zusammensetzung fest normir- 
ten Reichsrath wegen seiner bisherigen, mit deutschen Landsleuten 
und schwedischem Gelde geführten Regierungsthätigkeit für schul- 
dig, räumte ihm beinah alle Rechte und Schlösser der Krone ein, 
unter anderem das Ergänzüngsrecht beim Ableben eines Mitglieds, 
— ungeheure Concessionen, die das Königthum zum Schatten und 
die Oligarchie fertig machen mussten; allein sie hielten eben 
diese bei seiner Sache gegen den nebenbuhlerischen Nachbar fest « 
Der Volksaufstand erlahmte; selbst alte schwedische Parteigänger — 
König Hakons scheinen sich, von des Reichsraths neugeschaffhei — 
Selbstherrlichkeit verführt, ihm abgekehrt und unter der Hand, 
kleinlicher Ehrgeiz und Egoismus das Ihrige gethan zu haben ^ 
seine bisher günstige Lage fast in ihr Gegentheil umzuwenden. 
Eben jener Gottschalk, der die letzte Stralsunder Versammlung 
besuchte, hatte sich mit Herzog Albrecht in Deutschland dahin 
verständigt, gegen thatsächliche Einführung in das Linköpinger 
Bisthum einen für seinen Sohn vortheilhaften Frieden zu vermit- 
teln. Genug, wenige Tage nach jener unköuiglichen Erklärung, 
14. Aug. 1371 kam es zwischen den beiden Inselreichen zum 



161 

Frieden, der zwar nicht ein gespanntes, dann und wann offen 
feindseliges Verhältniss für die nächsten Jahre beseitigte, aber 
doch dem acuten Kriegszustande ein Ende machte. Die Haupt- 
sache war, dass König Magnus, der nun, allerdings gegen eine er- 
hebliche Loskaufsumme auf freien Puss gesetzt wurde, nebst 
seinem Sohn und grossen schwedischen Anhang das meklenbur 
gische Königthum anerkannte und damit die Lostrennung des 
staatsrechtlichen Bandes legalisirte, das wie schwach auch oft, 
zumal in letzter Zeit, doch für 52 Jahre die beiden Nachbar- 
völker verknüpft hatte. Aber das Fortwirken des nationalen 
Verwandtschaftsgefühls erleichterte der klugen Politik jener grossen 
Tochter König Waidemars die Aufgabe, ihre staatliche Einigung 
nach etwa zwei Jahrzehnten aufs neue zu vollziehen. — Die 
Hanse jedoch hatte allen Grund, jenen Friedensschluss unter den 
beiden Nationen, die so wesentlich in ihr Handelssystem gehörten, 
eben aus merkantilen Rücksichten willkommen zu heissen und 
nicht weniger aus politischen, indem er den drohenden neuen Zu- 
sammenschluss derselben verzögerte und mit ihrer Rivalität eine 
Sicherheit ihrer selbst fortbestehen Hess. 

Gleichzeitig wurde der Friede zwischen König Waldemar und 
dem Herzog Albrecht vollzogen. Leider vermag ich wegen man- 
gelnder Einsicht der bisher ungedruckten Urkunde den Ort des 
Abschlusses nicht zu erkennen, jedenfalls aber lag er in Deutsch- 
land. Herzog Albrecht gibt alle seine dänischen Eroberungen 
heraus und erhält dagegen das Anrecht auf die Nachfolge in 
Dänemark für seinen Enkel, den Sohn der ältesten Tochter Wal- 
deroar's für den Fall, dass dieser ohne berechtigte Erben mit 
Tode abginge. Die andere Tochter Margarethe, Hakon's Gemahlin 
soll nebst ihrem Sohn Olav mit Lehen abgefunden werden. Curd 
Moltke nimmt es auf sich, die Zustimmung des Reichsraths zu 
dieser Successionsordnung oder doch zu einem schiedsrichterlichen 
Erkenntniss darüber zu erwirken. — Von wessen Seite die An- 
regung zu dieser Vereinbarung ausgegangen, vermag ich nicht zu 
sagen. Beiden Parteien musste daran liegen, wieder in friedliche 
Verhältnisse zu kommen, dem König, um den gefährlichen Wider- 
sacher los zu werden, diesem, dem Herzog, um die dänische 
Thronfolge seines Enkels besser vorzubereiten. Welch eine weite, 
lockende Perspective aber that sich ihm damit für sein Haus auf, 
das dann hoffen konnte, ganz Skandinavien in seine Gewalt zu 

Deaioke, Ucziehuiigcu der llanse>tüJlc etc. 1 1^ 



162 

bringen, eine Orossmacht zu werden, gegen die keine andere im 
Norden das Gleichgewicht hielt! Er konnte nur an eine diploma- 
tische, nicht eine kriegerische Verwirklichung dieses lang geheg- 
ten Lieblingsplanes denken; zu dieser reichten seine deutschen 
Mittel, die er zudem schon gegen nachbarliche Gefahren sparend 
zusammenhalten musste, nicht hin und von seinem bedrängten 
königlichen Sohn hatte er keine grosse Hülfe zu gewärtigen. Gab 
ihm der andere Weg, den er einschlug, bessere Chancen? Er 
wusstCj dass Dänemark ein Wahlreich sei, aber auch, dass das 
Wahlrecht sich in Wahrheit fast zu einem blossen Anerkenntniss 
des Erbgangs abgeschwächt hatte. Und in Ermangelung unmittel- 
baren männlichen Nachwuchses Hess sich erwarten, dass die männ- 
lichen Sprossen der weiblichen Descendenz allein oder doch ganz 
vorzugsweise in Frage kommen würden. So galt es denn haupt- 
sächlich für den Herzog, die Ansprüche seines Enkels gegen 
dessen Mitbewerber, Junker Olav zu decken, mehr zu decken, als 
es durch den Altersvorzug der Mutter desselben geschah. Nun 
bemerkten wir schon, dass dem energisch regierenden Dänenkönig 
in den Friedensurkunden ein sehr weitgehendes eigentlich ver- 
fassungswidriges Bestimmungsrecht der Nachfolge beigelegt war, 
freilich nur für den Fall seiner Abdankung. Eben auf diese Be- 
fugniss und die darin sich ausdrückende Machtstellung Waidemars 
wird der Herzog seine Rechnung gegründet haben , wenn er gegen 
Herausgabe aller seiner dänischen Eroberungen — ich finde nicht, 
wie viel nnd bedeutend sie waren, — sich dessen Zusage für die 
meklenburgische Nachfolge erkaufte. Man sage nicht, dass er 
jene Errungenschaften auf die Dauer doch nicht hätte halten 
können und sein Kaufpreis daher billig war. Schon an andert- 
halb Jahre nach dem Städtefrieden hatte er sie inne, und kaum 
hätte der König, wäre er ihres Rückerwerbs sonst so sicher ge- 
wesen, den Weg von Unterhandlungen und Zugeständnissen be- 
treten. Freilich was besagte dies Zugeständniss , das er machte? 
Hatte er wirklich damit der ruhelosen deutschen Dynastie den 
Zugang zum Thron seines Reiches, gegen das sie seic Jahren in 
Waffen stand, erleichtert ? Ich denke, nicht viel mehr, als er es wollte. 
Es war doch damit nicht gemeint, dass er jene Succession förm- 
lich während seiner Regierung proklamirte; das ging schon nicht^ 
weil es gar zn arg seiner Wahlhandfeste zuwider gewesen. Auch 
hätten zuvor die Städte in Achtung ihres freilich von Waldemar 



163 

noch nicht anerkannten Rechtes gehört werden mtlssen, und tlber- 
dies würde er selbst, der sich ja wieder verheirathen konnte, in 
einer Weise gebunden sein, gegen die ihn die seiner etwa noch 
entstehenden erbfähigen Nachkommenschaft reservirten Rechte 
schützten. Die Energie seiner Wirksamkeit für den Mecklen- 
bui^er im Fall seiner Erblosigkeit war eben nicht näher formu- 
lirt, und er brauchte im Grunde, ohne Vsrtragsbruch, — nichts 
zu thnn. Und wenn der Herzog vermeinte, mit jener Urkunde 
noch nach Waidemars Ableben die Exspectanz seines Neffen dem 
wählenden Reichsrath und Volk gegenüber erfolgreich stützen zu 
können, so hatte er damit freilich die Macht desselben überschätzt 
— Die Bürgschaft des angesehenen Reichsrathsmitgliedes für seine 
Genossen war und blieb kaum etwas anderes als eine Formalität 
Man erkennt, dass es dem König nicht eben schwer fallen mochte, 
jene Zusage, ob sie gleich mit seinen Intentionen wie gesagt, ge- 
wiss nicht übereintraf, dennoch zu geben: schaffte er sich doch 
den begehrlichen Dynasten damit wirklich vom Halse, ja ver- 
pflichtete er ihn doch für seine Lebensdauer sogar zu einer ge- 
wissen politischen Freundschaft 

Nun blieben ihm nur zwei Aufgaben zu erfüllen, um die 
äusseren Folgen des Hansekrieges völlig aus der Welt zu schafien: 
der Rückerwerb der holsteinischen und städtischen territorialen 
oder rechtlichen Errungenschaften. Die erste war leichter als 
die zweite: jene gelang in nicht ferner Zeit, während diese im 
Wesentlichen missglückte. 

Mit beiden Widersachern ti*at er in Verhandlung. Ein aus 
Rostock 19. October datirtes Schreiben eines Adligen (Wedekind, 
Edler v. Berge) an den Lüneburger Bürgermeister (Heinrich v. d. 
Molen) zeigt, dass er sich an jenem Tage nach Gnoien begeben 
hatte, um dort mit den Grafen verabredeter Massen zu conferiren. 
Der Briefsteller verspricht, diesbezügliche ihm zu Ohren kommende 
Neuigkeiten an den Empfänger zu berichten. Lüneburgs Interesse 
daran galt hauptsächlich der Stellung, die Waldemar zu dem seit 
1369 zwischen dem Herzog v. Braunschweig und dem von Sachsen- 
Wittenberg um das erledigte Herzogthum Lüneburg geführten 
Erbfolgestreit einnahm. Lüneburg stand seit Längerem auf des 
letzteren Seite, Waldemar dagegen auf der des Braunschweigers. 
Diese Händel also sollten voraussichtlich bei den Verhandlungen 
mit den Grafen zur Sprache kommen, unzweifelhaft aber auch 

11* 



164 

deren Stellung in Dänemark^ besonders in Jütland. In wie 
weit beides in einander spielte, entzieht sich meiner Kennt- 
niss und Beurtheilung , wie ich auch die wirkliche Abhaltung des 
verabredeten Tages weder zu bejahen noch zu verneinen vermag. 
— Am 26. October aber, eine Woche später, schreibt (n. b. wenn 
die Jahresziffer in den Hanserecessen richtig gewählt ist) ein 
Lüneburger Rathmann Hartwig van der Suiten an den Bürger- 
meister Jacob Plesco, Graf Heinrich von Holstein habe ihm seinen 
Wunsch zu verstehen gegeben, ihn, den Bürgermeister, in Kennt- 
niss darüber zu wissen, dass er mit König Waldemar in keinerlei 
Verhandlung stehe. Daraus möchten die Lübecker sich das ihnen 
Nützliche entnehmen. Zugleich bittet er Namens seines Rathes, 
das Beste seiner Stadt gegen den Dänenkönig wahrzunehmen, der 
gröblich auf ihren Schaden aus sei. Augenscheinlich geht aus 
diesem Schreiben hervor, dass in Lübeck das Gerücht über Ver- 
handlungen der Grafen mit dem Könige umging, sodann dass die 
Stadt, etwa eben weil sie ihre Politik beeinflussen mochten, ein 
Interesse hatte davon zu wissen, und Graf Heinrich, dasselbe zu 
befriedigen. Er wandte sich dabei aber nicht direct und 
persönlich an Lübeck, sondern gab nur dem Hartwig und zwar 
nach dem Wortlaut des Briefes in etwas verdeckter Weise, seinen 
Wunsch kund. — Also die Verhandlung mit den Holsteinern, die 
jedenfalls angeknüpften sind gescheitert. Hartwig schrieb in Rib- 
nitz, der König muss sich gleichfalls dort oder in der Nähe be- 
funden haben, ebenso der Graf, sicherlich alle drei zum Zweck 
von Verhandlungen. Der letzte steht offenbar mit Hartwig, ferner 
mit Lüneburg in gutem Vernehmen und mit Lübeck in einem 
wenn nicht gradezu freundschaftlichen, so doch keinesfalls un- 
freundlichen Verhältniss, das er formell ein wenig 2hi verhüllen 
scheint. Es dürfte dies ganz dem entsprechen, welches sich aus 
der Entwicklung nach dem Stralsund er Frieden erwarten Hess. 
Das Interesse wies ihn auf Lübeck und die Städte, aber ganz 
mochte er den Groll über jenen noch nicht vergessen. — 
Wenn nun der Lüneburger Rathmann Lübeck auffordert, das Beste 
seiner Stadt dem König gegenüber wahrzunehmen, so wird er 
sich eben auf die zwischen diesem und den Städten bevor- 
stehenden Verhandlungen bezogen haben. Das Schreiben wird 
kaum rechtzeitig in die Hände des lübischen Bürgermeisters, 
des Adressaten, der schon nach Stralsund abwesend War, gekom- 



165 

men, aber sein Inhalt zum mindesten ihm bald mitgetheilt 
sein. Gewiss konnte es immerhin auf die in Aussicht stehenden 
Verhandlungen mit dem Könige einigen Einfluss üben, ob seine 
Beziehungen zu Holstein sich günstiger anliessen oder in alter 
Art fortbestanden. 

Am 27. October trat die Versammlung in Stralsund zusammen. 
Sie war wie gesagt, auf den 29. September, also um fast einen 
vollen Monat früher, anberaumt, bereits vor Jahr und Tag. Eine 
Nachricht über den Grund ihrer Vertagung ist nicht überliefert; 
den Gedanken, dass eine solche gar niclit stattgefunden und mit 
dem Datum einmal der Endtermin der Berathungen bezeichnet 
sei, wird man weder fassen wollen noch können. Wenige Tage 
vor dem 27. October war der König weitab von Stralsund und 
scheint vor dem Eintritt in die städtischen Verhandlungen erst 
die holsteinischen haben erledigen zu wollen. Danach ist es am 
wahrscheinlichsten, dass von ihm selbst die Verlegung des Tages 
angeregt und erbeten, dann nach Dänemark und etwa von Lübeck 
den übrigen Städtegruppen mitgetheilt ward. Halten wir somit 
am 27. October als dem Anfangstag der Zusammenkunft fest, so 
lässt sich weiter aber nicht sagen, ^n welchem Tage die Ver- 
handlungen mit den Dänen einsetzten, noch wie lange sie 
dauerten. Sämmtliche ausgefertigte Urkunden, die natürlich noch 
mehrtägige Beredungen verlangten, sind von einem Tage, eben 
dem 27. October datirt. Vertreten waren auf dieser grossen 
und wichtigen Versammlung von wendischer Seite Lübeck, Rostock, 
Wismar, Greifswald, Stettin, Kolberg, Anclam, Stralsund; von liv- 
ländischer: Riga, Dorpat, Reval; von preussischer: Kulm, Thorn; 
von sttderseeischer : Kampen, Zierixee, Zütpfen, Briel, Dortrecht, 
Stavoren, Harderwik, Amsterdam, Deventer und Elburg. Es waren 
die weitaus meisten und hervorragendsten Städte der Cölner Con- 
föderation beisammen, zum grössten Theil auch alle die, welche 
der vorigen Tagfahrt beiwohnten. Die Namen der Sendeboteö, 
in summa ihrer 36, aufzuführen, hat keinen rechten Zweck, weil 
die Politik und Bedeutung der einzelnen überhaupt nur zum 
Theil und dann bloss durch viel umfassendere und eindringendere 
Spezialuntersuchung erkennbar wird. Die näher gelegenen wen- 
dischen Städte hatten grösstentheils mehrere Rathmänner deputirt, 
die übrigen immer je einen. Wi der ist das Interesse der Ver- 



Sammlung fast ausschliesslich dem dänischen Verhältniss und seinen 
Consequenzen zugewandt. 

Sie sah sich in der Lage, folgenden Beschluss fassen zu 
können: „Jede Stadt soll ihren Bürgern (in der Bürgersprache) offen- 
baren, dass der König die Sühne und Verabredungen, die vor 
einem Jahre mit den Dänen gemacht wurden, gevollbordet , sie 
mit seinem heimlichen Insiegel bekräftigt und ihren Vollzug mit 
dem grossen bis nächsten Jacobstag (25. Juli 1372) angelobt hat. 
Darauf haben wir (sc. die Städte) mit ihm gelobt und gewissert 
einen ganzen Frieden." Waldemar bequemte sich endlich dazu, 
den Frieden zu besiegeln; er hat es gethan, weil gar kein ver- 
nünftiger politischer Grund vorhanden war, es nicht zu thun. 
Vielmehr konnte eine Unterlassung nur schädlich sein; zwar 
dürfte ihn schwerlich die von den Hansen in das Friedensinstru- 
ment aufgenommene Drohung geschreckt haben, in solchem Falle 
möglicherweise den Frieden ihrerseits zu verwerfen, die sie nach 
aller Wahrscheinlichkeit weder ausgeführt hätten noch auch 
zwingenden Anlass hatten auszuführen. Aber den Stolz nnd das 
Ansehen des Herrschers musste es empfindlich treffen, einen Frie- 
den von seinen Unterthanen, gleichviel ob durch Nothwendigkeit 
und Treuwort gezwungen, gemacht und gehalten zu sehen, den 
er selber verwarf. Darum besiegelte er, wie schwer es seiner 
Natur auch ankommen mochte, aber weder bedingungslos noch in 
der vollkräftigen Form. Die Städte hatten, wie wir sahen, eine -s 
Hypothek auf die andere gethürmt; eine rüttelte er jetzt um... 
Wir kennen nicht die Verhandlungen im Einzelnen, Rede und^ 
Gegenrede der Parteien, nur ihr Resultat: die Bestimmungen übeir" 
Wartbergs Schloss wurden mit gutem Willen der Hansen ver — 
tragen. Freilich blieben ihnen Sicherheiten genug, und man wirdi- 
sich deragemäss hüten müssen, der sonst so wichtigen Veste in 
dieser Rolle eine überschätzte Bedeutung beizulegen. Aber sehr 
beachtenswerth ist doch, dass sie schon anfingen, mit sich han- 
deln zu lassen, sich nicht getrauten oder nicht für werth hielten, 
die ganze Fülle ihrer erkämpften Ooncessionen zu behaupten. 
Waldemar andererseits mochte sich freuen, wieder unbedingt Herr 
über Warberg und die umliegende Landschaft Halland zu sein. — 
Und weiter! Diesen so beschnittenen Frieden bestätigte er nur 
mit dem kleinen Siegel; sein Entschuldigungsgi'und : er habe das 
grosse nicht zu Händen. Und gewiss, dies lag in Dänemark. 



167 

Aber war es ihm wirklich voller Ernst, es anhängen zu lassen, 
so Hess sich dasselbe, solle man meinen, unschwer herbeischaffen. 
Noch mehr ist sein nachheriges Verhalten für die Annahme be- 
weisend, dass er auch hier wieder lediglich hat zögern und hin- 
halten wollen, und kaum können sich die Städte selbst einer 
Illusion darüber hingegeben haben. Er versprach aber urkundlich 
die Ratification mit dem grossen Insiegel bis zum nächsten Jacobs- 
tage, mithin nach etwa ^/4 Jahren; vielleicht, dass er die Ferne 
dieses Termines mit weiteren Reiseplänen entschuldigte. War 
denn nun überhaupt diese Unterscheidung zwischen grossem und 
kleinem Siegel von irgend weittragender Bedeutung ? Eine gesetz- 
liche Verfügung für Dänemark habe ich darüber nicht ausfindig 
machen können; jedoch herrschte eben, wie wir hier und später 
noch zur Genüge ersehen, der Grundsatz, dass ein officieller Re- 
gierungsact von grösserer Wichtigkeit des grossen Staatssiegels 
bedürfe, durch das Handsiegel des Königs nicht genugsam recht- 
lich gesichert sei. — In jedem Fall zeigt auch hier sich eine 
Rücksichtnahme und Nachgiebigkeit der Städte, die dem grossen 
Sieger weniger zukam als dem unterlegenen Gegner. 

Waldemar stellte im Anschluss an die formelle urkundliche 
Binrichtung des Stralsunder Friedenswerkes zwei Documente aus, 
von denen das eine zur Bestätigung des transsumirten Freibriefs, 
das andere zur Bestätigung der gleichfalls aufgenommenen eigent- 
lichen Friedensurkunde mit nachherigem Ausschluss der auf War- 
berg bezüglichen Bestimmung diente. Der Reichsrath nahm seinen 
in einem Punkte ja entkräfteten Brief vom 24. Mai 1370 nicht 
wieder an sich, wie es sonst für entwerthete Urkunden üblich 
war; sicher schien ihm das bei der königlichen Verbriefung des 
hansischen Verzichtes überflüssige Vorsicht. — Wenn sich in 
dem Recess des Stralsunder Friedenstages die Bestimmung fand, 
dass die betreffenden Städte schon am Martinstage ihre Einzel- 
ausfertigungen in Stralsund zur Auswechslung mit den könig- 
lichen Bestätigungsbriefen bereit halten sollten, so dürfen wir an- 
nehmen, dass sie ihr allseitig Folge gegeben : von mehreren sind 
uns die Originalausfertigungen, eine bloss im Stralsunder Raths- 
archiv, die übrigen in der Lübecker Trese erhalten. Jetzt waren 
sie aber alle unbrauchbar geworden. Freilich nicht, wie man er- 
warten könnte, darum, weil die Veränderung des Friedensinhaltes 
auch ihre Abänderung nöthig gemacht hätte: e^ t^aren in ihnen 



die Verabredungen über Warberg gar hiclit aufgenommen. AucIj 
eine andere, jetzt getroffene Beliebung, dass nämlich die Einzel- 
briefe im Eingang nicht alle friedenschli essende Städte, sondern 
bloss die ratificirende Stadt aufführen und vom 27. October 1371 
datirt werden sollten, wird kaum zu einer neuen Redaction bei- 
getragen haben, vielmehr umgekehrt dieser Gelegenheit ihren ü^ 
Sprung mit verdanken. Dagegen hob eine weitere Aenderung die 
Brauchbarkeit jener Ratificationen auf. Sie waren für den König 
und Reichsrath gemeinsam ausgestellt, sprachen von einem Frie- 
den, der von beiden zugleich besiegelt sei. Jetzt hingegen trennte 
man diese Adresse — und das ist allerdings von weiterem Inter- 
esse — , indem man dem Reichsrath versprach, ihm jedenfalls d. h. 
doch, mag Waldemar mit dem grossen Siegel besiegeln oder nicht, 
bis zum nächsten Jacobstage die Anerkennungsbriefe zu über- 
mitteln. Unter Stralsunds Siegel wurden dem entsprechend drei 
vorläufige Urkunden ausgefertigt, eine für den Reichsrath, zwei 
für den König, die inhaltlich natürlich mit den Entwürfen von 
1370 überein lauten; nur ist zu beachten, dass jene Einleitung 
der vorläufigen Urkunde vom 24. Mai 1370 mit ihren höchst 
wesentlichen Zusatzbestimmungen nicht wiederholt wird; hatten 
sie in ihrer Mehrheit die Versagung der königlichen Bestätigung 
zu ihrer Voraussetzung, so fielen sie mit ihrer Gewährung hin- 
weg; und die Städte sahen in der That, wie sich gleich deutlich 
an einem Punkte herausstellen wird, diese zunächst als geschehen 
an. Auffallen darf, dass nicht auch eine für den Reichsrath be- 
stimmte Abtretungsurkunde bezüglich der Schlösser etc. vorliegt^ 
ich stehe nicht an, hier nur einen Verlust der Ueberlieferung^^ 

nicht aber einen factisch bestandenen Mangel zu behaupten. 

Ich sagte, jene Unterscheidung in der Adresse sei noch von einena^ 
weiteren Interesse : in ihr eben zeigt sich, dass die Städte durch dio 
so zu sagen halbe Anerkennung Waidemars doch insoweit zufrie- 
den gestellt waren , um niclit mehr an jene für den Fall der 
Nichtbestätigung offen gehaltene Wiederaufnahme der Feindselig- 
keiten zu denken. Somit war auch diese im Frieden vorbehaltcne 
Möglichkeit eines neuen Krieges bei Seite geräumt, war er per- 
fect geworden. — Und dann wird man sie als einen significanten 
Beleg für die steigende Macht des dänischen Reichsraths anrufen 
dürfen. Es scheint, als habe die Nation ihren einheitlichen 
Staat«ausdruck verloren und zertheile sich in zwei gleichgeordnete 






169 

politische Mächte. Und in der That war sie im üebergang zu 
jener eigenthümliehen Mischtbrm aus Oligarchie und Monarchie, 
zum ständischen Königthum begriffen; noch aber eben nur im 
üebergang; selbst in König Olavs Wahlhandfeste ist von dem ge- 
schlossenen Institut, zu dem sich der Reichsrath ausbildete, noch 
keine Rede.^ Der kräftige Wille Waidemars hatte diese centri- 
fugalen Kräfte in Zaum und Zttgel gehalten und wurde von 
ihnen auch nach den letzten Kriegsunruhen, die ihrer Entwicklung 
nothwendig förderlich waren, wie ich |glaube, doch nicht über- 
holt. So tritt uns der hervorragendste unter den dänischen 
Grossen in den nächsten Jahren in Abhängigkeit vom König ent- 
gegen, bereitwilligst eingehend auf seine Intentionen. 

Man wird leicht verstehen, dass die dänische Politik ein In- 
teresse hatte, in dem vielleicht werthvollsten Theile des Reiches, 
Jn Schonen, ihren Einfluss gegenüber dem hansischen, der für die 
Öauer der Verpfändung nach Inhalt der Verträge ja einer Landes- 
hoheit fast gleichkam, möglichst zu behaupten. Ich deutete schon 
an, dass dies ein Grun5 mit für den Reichsrath gewesen sein 
^ird, nicht auf den Gesammtertrag der dortigen Einkünfte und 
*uf die damit gegebene Niedersetzung von eigenen Erhebungs- 
"Gamten zu verzichten. Gewiss verfolgte Waldemar denselben Ge- 
danken, wenn er in den Verhandlungen mit den Städten auf dic- 
^^m Tage — und erfolgreich — darauf hinwirkte, das General- 
kommando über die schonischen Schlösser an den Reichshauptmaun, 
^a.ttirlich zur treuen Hand der Städte, zu übertragen. — Zunächst 
&Ut es festzustellen, welche Rechte, Pflichten und Revenuen mit 
diesem Amte verbunden wurden. Darüber giebt die im Concept er- 
*^altene Vertragsurkunde Hennings sowie eine wesentlich überein- 
. stimmende und zugleich ergänzende Aufzeichnung erwünschte 
Auskunft. Henning liess sich, vielleicht dem Wunsch sowohl des 
K^önigs als der Städte zuwider, nur bewegen einen bloss bis zum 
Jacobstag 1374 gültigen Contract zu schliessen; ohne Frage, um 
sich in dem neuen Amte erst zu versuchen, sich den Rücktritt 
offen zu halten. — Entschliesst er sich zu diesem oder wünschen 
andererseits die Städte, noch während der Contractszeit die 
Schlösser wieder an sich zu nehmen, so soll er sie nur an die 
von Stralsund' und Lübeck im Auftrag des Bundes dazu Aus- 



* S. Dahlmann a. a. 0. II. p. 53. 



170 

ersehenen übergeben, welchen beiden Städten also die Versamm- 
lung zur Vereinfachung des Geschäftsganges Recht und Gommissiou 
der Einforderung tibertragen hatte. Mit dieser Stipulation war er 
für die Contractsdauer den Städten gegenüber gebunden, nicht 
aber diese gegen ihn. Sie beobachteten damit nur eine gebotene 
Vorsicht; denn wie, wenn er sich als unzuverlässig oder unzu- 
reichend für die Aufgaben seiner Stellung erwies? Immerhin 
mochte es dann geschehen, dass jene ohnehin exponirten Pfand- 
schaften hoch gefährdet oder gar abgewonnen wurden. — Man 
wird nun nicht sagen können, dass er als eigentlicher Beamter in 
jene Commandostelle eintrat; er war nicht rechenschaftspflichtig 
und nahm an den , wenn ich so sagen darf, landesherrlichen Be- 
fugnissen der Städte in der Schlossverwaltung seinen hervorragen- 
den Antheil, vor allem an der Auswahl und Einsetzung der Vögte, 
die er auf den drei im eigentlichen Verkehrsbereich belegenen 
Schlössern mit dem Rathe der Städte und gemäss der verbrieften^ 
Zusage setzen soll, nur dem Kaufmann wohlgesinnte Leute aus — 
zuwählen. Vi)n dem entlegenen, kaufmännisch wenig besuchteiM. 
Helsingborg ist in diesem Zusammenhang nicht die Rede, wo — 
nach wahrscheinlich, dass ihm dort ein ungeschmälertes Besetzungs — 
recht der Vogtei zu Theil ward. Von der Clausel einer vorheri- 
gen Anhörung der Städte ist aber in den nächsten Jahren, so 
weit man sieht, kein Gebrauch gemacht, erst 1375 führte ein 
übles Vorkommniss die Städte zu dem Anspruch auf ihre Erfül- 
lung. Henning hatte demnach in letzter Linie die Landeseinkünfte, 
so Steuern und Gerichtsgelder zu erheben: nur ihr wichtigster 
Bestandtheil, der Zoll, wurde von seiner Verwaltung ausgeschlossen. 
Unzweifelhaft übernahm er auch die alleinige militärische und ad- 
ministrative Fürsorge für die Schlösser, musste Besatzungstrnppen 
einlegen, sie baulich im Stande erhalten u. s. f. Bei der nm etwa 
zwei Jahrzehnte späteren Besetzung Stockholms werden den städti- 
schen Hauptleuten so und so viel Gewappnete beigegeben, an 
deren Spitze sie nur gestellt sind, ohne für ihre Besoldung etc. 
aus eigenen Mitteln aufkommen zu müssen. ^ Sie waren eben 
reine Beamte, während, will man Henning einen Titel geben, der 
eines städtischen Statthalters vielleicht der geeignetste sein dürfte. 
Fast auffallen kann die weitere von ihm beurkundete Verpflich- 



' H. R. Nr. IV. Recess eines preussischen Städtetages v. J. 1394. 



171 

tuDg, je einem städtischen Zollbeamten in den drei Schlössern für 
seine und seines Gesindes Unterkunft während der Schonenzeit 
ausreichendes Gemach anzuweisen, die sich den königlichen Ein- 
nehmern gegenüber wie von selbst verstanden zu haben scheint. 
Und doch ergab gerade jene sich unmittelbar aus dem städtischen 
Pfandbesitz der Schlossgebände. Im Uebrigen dürfte aus der 
Stelle auch hervorgehen, dass die Städte von dem im Mai belieb- 
ten Doppelbeamtensystem für die Zollverwaltung wieder Abstand 
nahmen : wie dem auch in der Folgezeit das Auftreten von immer 
nur einem Zollbeamten an den verschiedenen Hebestellen ent- 
spricht — Nicht durchweg klar ist die finanzielle Auseinander- 
setzung mit Henning. Man unterscheidet zwei Einnahmequellen, 
ans denen er sich für Kosten und Mühwaltung erholen soll: ein- 
mal die Harden und sodann die städtischen Zölle und Nutzungen, 
die in den drei südlichen Schlössern alljährlich fallen. Die Ein- 
künfte aus der ersten Position soll er jedenfalls zum vollen Be- 
trage erhalten: ihnen wird man einen Theil der vogteilichen Ge- 
richtsgelder, die Leistungen der ansässigen Bevölkerung und 
natürlich die Pertinenzien der Schlösser selbst zuzuzählen haben. 
Wie unterscheiden sich aber davon jene auf den drei südlichen 
Märkten fälligen Nutzungen ? Als müssigen Redezusatz zu den vorge- 
nannten Zöllen kann man sie nicht etwa abfertigen ; das lässt schon die 
genannte Aufzeichnung nicht zu, die von ihrer Vertheilung zwischen 
dem König und den Städten durch Henning spricht, was ja nicht beim 
Zoll zutrifft, sondern nur bei den Erträgen der von ihm gehal- 
tenen Vogteien, welche auch jene Nutzungen mit umfassten. Auch 
Qiüssen wir uns ausser dem Zoll noch nach anderen Einnahmen 
üQisehen, in deren directem Mitgenuss die Städte standen, da von 
solchen mehrfach geredet wird, und sie, wie ich glaube, vorzugs- 
weise in den Verkehrssteuern und den polizeilichen oder straf- 
rechtlichen Erträgnissen der Vitten suchen. An diesen Nutzungen 
soll nun der neue Schlosshauptmann zu einem Sechstel ihres Ge- 
sammtertrags participiren , so dass dessen Restsumme sich zu 
seinem Drittel auf das Reich und zu seiner Hälfte auf die Con- 
•föderation vertheilt. Man sieht, es war kein fixes, sondern ein mit 
der wechselnden Frequenz des Verkehrs, der wechselnden Zahl 
der StraffUUe u. s. f. schwankendas Einkommen, das er bezog; 
sein Zollantheil mochte sich jährlich auf rund 600 lüb. 7/2^ (= ca. 
42,000 Rm.) belaufen, seine übrigen Einkünfte, die unter anderem 



172 

übrigens den naturalen Unterhaltsbedarf der Mannschaft auf 
bracht haben werden, entziehen sich wohl näherer Berechnu 
Zum guten Anfang thaten die Städte noch ein übriges; sie ne 
ciirten in Stralsund eine verzinsliche Anleihe in der Höhe ^ 
600 lüb. Mk., hypothecirten sie auf den nächstfälligen Zoll 
Schonen und über machten die Summe an Henning, die also sei 
jährlichen Zollquote etwa gleichkam und ihm zur ersten Einri 
tung seiner Schlossverwaltung nicht gut entbehrlich sein mocl 
Ein wenig Wunder nimmt, dass diese einmalige Oratification ni 
in den Entwurf, sondern nur in äie Aufzeichnung aui 
nommen ist. 

Wie aber konnten sich die Städte zu diesem eigenthümlicj 
Schritte entschliessen ? Nicht zum ersten Mal trat an sie 
Aufgabe einer gemeinsamen Verwaltung eines gemeinsamen 
Sitzes heran: von 1362 — 66 war Schloss Borgholm mit der 
behörenden Insel Oeland in der Hand der Greifswalder Confc 
ration. Es knüpft sich an diese Pfandschaft eine interessa 
Geschichte, besonders auch in Bezug auf ihre Verwaltung, 
deckt an ihrem Theil die Gebrechen der inneren Organisal 
des Städtebundes auf, wovon sich zu überzeugen man nur in 
ewigen Verhandlungen und Schwierigkeiten, welche die einzel 
Städte der an sie gerichteten Aufforderung zur Uebernahme je 
Verwaltung entgegensetzten, einen Einblick zu thun braue) 
Die Gründe dieses Widerstrebens lagen sicher zum guten T 
in den höchst erheblichen Ausgaben, die sich mit ihr verban 
und der Umständlichkeit ihres Wiedererwerbs von den ttbri 
betheiligten Städten. Auch war es offenbar kein Leichtes, 
eignete und geneigte Rathmänner für diesen Dienst herauszufinc 
und so nahm man in Ueberlegung und Absicht, ihn in die H; 
eines Ritters zu legen. Interessant sind die Gründe, warum i 
Ausführung schliesslich doch unterblieb: es war die Besorgi 
vor zu grosser Kostspieligkeit einer ritterlichen Verwaltung i 
zugleich davor, dass zwischen ihrem Personal und den Land 
einwohnern Zerwürfnisse zum grossen Schaden der Städte e 
stehen möchten.^ Indess scheint zuletzt die Abneigung der c 
zelnen Städte gegen eine Uebernahme des Schlosses diese i 



* S. die Nachweise H. R. I. p. 505. 
2 Ebd. Nr. 299 $ 15. 



173 

denken überwanden zu haben , indem man aufs Neue an die An- 
atellung eines Ritters dachte, dessen Amtsantritt nur die plötz- 
liche Entwendung des Schlosses unter rathmännischer Verwaltung 
zuvorkam^; — dies übrigens mit dem Vorbehalt, dass Gregor 
Swerting wirklich wie das Register der Hanserecesse will, ein Ad- 
liger war und nicht Identisch ist mit dem Stralsunder Rathmann, 
der uns wenige Jahre hernach und zwar in ganz analoger Stel- 
lung entgegentritt Jedenfalls aber haben jene Bedenken lange 
und entscheidend auf das Verhalten der Städte eingewirkt. — 
Ein Pendant bietet auch die Verwaltung der meklenburgischen 
Pfandschaft Wittenborg durch Lübeck und Stralsund; zuerst 
gaben sie dieselbe einem benachbarten deutschen Ritter in Ver- 
wahrung^; bald aber begegnet die Kunde, dass sie einen lübischen 
Rathmann an seine Stelle setzen wollten.^ Auch die neuen däni- 
schen Erwerbungen hatten die Städte anfänglich allesammt durch 
Rathmänner verwalten lassen, bis dann die Uebergabe von Fal- 
sterbo an Henning die Ausnahme brachte. Jetzt nun gaben sie 
mit Uebertragung zugleich der übrigen Plätze an denselben Ritter 
jenes Verwaltungsprincip vollends auf. Und dazu gehörte dieser 
nicht etwa dem umwohnenden Adel, sondern einem Volke an, 
dem sie kurz zuvor in erbittertem Kampfe gegenübergestanden und 
jene Verwaltungsobjecte abgewonnen hatten. Ja mehr noch: er 
war der hervorragendste Mann des Reiches und stand mit dem 
König, dem Städtefeind, in vertrauter Beziehung. War nicht reich- 
lich Gefahr vorhanden , dass die Schlösser in solchen Händen ein 
zweifelhafter Besitz werden konnten ? — Allerdings sonst erschien 
Henning zu dieser hansischen Stellung wie ausersehen. In Schonen 
angesessen und begütert, genoss er dort zu dem Einfluss seiner 
amtlichen Reichsstellung das Ansehen eines grossen Grundherrn. 
Um so mehr durften die Städte ho£Pen, Widersetzlichkeiten und 
f aafständischen Bewegungen der Einwohnerschaft, die unter dem 
Regime städtischer Rathmänner sich leichter gegen den neuen Zu- 
stand regen mochten, vorzubeugen oder mit Glück zu begegnen. 
^ Hier also traten sie der Gefahr eines unruhigen Zustandes, die 
sie von der Etablirung einer ritterlichen Verwaltung in Borgholm 



» Ebd. Nr. 376 $ 18; 388 § 8 etc. 

« Ebd. Nr. 475 § 11, 13 (v^l. Nr. 427 § 3). 

3 Ebd. 479 S 23. 



174 

befürchtet hatten, grade umgekehrt mit eioer ähnlichen Massregel 
entgegen. — Um ferner mit dem finanziellen Abkommen wohl 
zufrieden zu sein, brauchten sie sich nur an die erstjährige Ver- 
waltung Borgholms, des einzelnen Schlosses zu erinnern, die 
neben den Landeserträgnissen den vier wendischen Städten noch 
über 3000 7/^ (= ca. 210,000 Rm.) gekostet hatte. ^ Hennings 
Ansässigkeit in Schonen mag dazu beigetragen haben, ihm die 
Verwaltung billiger zu machen. 

Worin aber fanden sie die Garantie für seine Treue, auf die 
es in erster Linie ankam? Zunächst doch in seinem Charakter, 
den sie in so vielen diplomatischen Verhandlungen kennen gelernt 
hatten oder meinten kennen gelernt und als zuverlässig und 
ehrenhaft erkannt zu haben. Nicht minder dann wohl in dem 
Bewusstsein ihrer politischen Kraft, die sie so gross halten durf- 
ten, um sich gegen das Wagniss einer ungetreuen Entwendung 
des anvertrauten Pfandes sicher zu glauben: dessen Kostbarkeit 
aber bürgte ihnen hinwieder für jene, nämlich für das, worin sie 
ruhte, für ein leidlich einmüthiges Zusammenstehn. 

Waren sie der Loyalität ihres Stellvertreters sicher, so ergab 
sich für sie ausser der Annehmlichkeit, der ewigen Sorge um 
passende Hauptleute, Deckung der Kosten u. s. f. enthoben zu 
sein und die Verwaltung in sicheren und leidlich billigen Händen 
zu wissen , noch ein weiterer Vortheil , den seine Doppelstellun^ 
zum Reich und zu ihnen gewährte: durch sie wurde er befähigt, 
ja halb genöthigt, eine Mittlerrolle zwischen beiden zu nehmen, 
wurde er ein Garant ihres friedlichen Verhältnisses. 

Freilich erfüllten sich späterhin kaum alle Hoffnungen, die 
man an ihn geknüpft hatte. Mancherlei Misslichkeiten traten in 
seiner Verwaltung ein, aber man nahm sie nachsichtig hin, er- 
neuerte lieber wiederholentlich den Vertrag, als sich nach einem 
neuen heimischen Beamten umzuthun. Es ist nicht genau er 
sichtlich, wer von beiden Contrahenten, ob Henning oder die Con- 
föderation zumeist auf die Aufgabe seiner bisherigen Stellung hin- 
wirkte^*, mau hatte wohl beiderseits zum Fortbestand keine Nei- 
gung mehr; sicherlich aber hat den Entschluss der Städte viel- 
mehr die Ueberlegung bestimmt, dass bei den befürchteten Kriegs- 

» Ebd. Nr. 321 § 14. 
2 Ebd. II, Nr. 156 § 24. 



I 



175 

Unruhen eine grösBere Sicherheit für Behauptung und Neutralisi- 
rung der Schlösser in der eigenen Besitznahme läge, als der 
Charakter von Hennings Verwaltung, deren Uebelstände er viel- 
leicht gar nicht einmal bewältigen konnte, wie solche denn auch 
nnter den nachherigen städtischen Beamten hervortraten.^ — 
Heber den Zeitpunkt und näheren Hergang seiner wirklichen 
Schlossübernahme fehlt es an Nachricht; will man vermuthen, so 
liegt am nächsten, an Martini, den Endtermin der Schifffahrt zu 
denken. 

So gestaltete die wenn auch nicht sehr energische, so doch 
klnge Politik der Städte ihr Verhältniss zu Dänemark: erreichte 
sie mit dem König jedenfalls wieder einen modus vivendi, so zog 
sie seinen und des Reiches ersten Beamten in ihren Dienst und 
ihr Interesse, das in diesem Punkt mit dem nächsten dänischen 
wohl harmonirte. 

Auch die Ergebnisse der städtischen Berathungen, die an 
Wichtigkeit gegen die Resultate jener Verhandlungen allerdings 
zarückstanden, betrafen vorwiegend Angelegenheiten, die mit den 
letzten kriegerischen Verwicklungen in Zusammenhang standen. 
Zaerst eine Besprechung der finanziellen! 

Im Mai vorigen Jahres war die Pfundgelderhebung in der 
nng bekannten Weise bis zum diesjährigen Michaelisfest ver willigt, 
wohl in der Meinung, dass die für diesen Termin anberaumte Ver- 
sammlung über ihre Fortdauer oder Beseitigung berathe und be- 
Bchliesse. Mit ihrer Verzögerung hatte sich natürlich auch diese 
BeBchlussfassung verzögert. Wenn es da nun heisst, man soll 
nach diesem Tage, eben dem 27. Oct kein Pfundgeld mehr auf- 
nehmen, so darf das doch kein Anlass sein, erst jetzt, nicht schon 
einen Monat zuvor, seine wirkliche Sistirung zu datiren: es wieder- 
spräche die bis Michaeli reichende Abrechnung und noch mehr 
ile vorjährige Verordnung. — Mit dieser definitiven Abschaffung 
entlastete man den Handel hansischer aber nicht conförderirter 
Und ausserhansischer Kauf leute von einer immerhin drückenden 
Und unwillig getragenen Auflage; den Stadtbehörden kam dies 
Opfer kaum schwer an, da ihre Erträgnisse nicht belangreich 
waren und die Verwaltungskosten nur wenig überschritten. Der 
Verein leistete damit auf die Möglichkeit Verzicht, aus jenem mehr- 



» ebd. Nr. 220 § 25; 232 § 18; 240 § l, 8. 



176 

jährigen eigenthümlichen Hafenzoll, der dem letzten Kriege seinen 
Ursprung verdankte und zur abschlags weisen Vergütung seiner 
Kosten dienen sollte, eine dauernde Institution zu entwickeln. — 
Die Rechnung, die sich an die vorhergehende anschliesst, umfasst 
die Zeit von Ostern 1370 bis zum letzten Michaeli und weist er- 
staunlich geringfügige Beträge auf^ ein interessantes Zeugniss für 
den schwachen Verkehr nicht conföderirter oder ausserhansischer 
Kaufleute an der langgedehnten norddeutschen und kurzen 
schonischen Küste. Die ganze Summe beziffert sich auf c. 480 7?2^ 
(ca. 33,600 Rm.). Zweimal wird eine besondere Angabe über 
die schonischen Erträge gemacht, die sonst in die Ziffern der 
städtischen Aufnahmen einbegriffen sind; einmal die der Stralsunder, 
welche sich auf nur 2V2 -^^ und die der Preussen, die sich auf 
9 /^ stellen. Die niederländischen Städte Kampen, Dortrecht, 
Stavoren, Elborg und Deventer verrechnen gar keine Einnahmen; 
sollten sie überhaupt keine gehabt haben? Von der ersten Stadt 
mindestens müsste eine dahin gehende Annahme bei ihrem frisch, 
entwickelten Verkehrsleben bedenklich erscheinen. Nun ist im 
lübecker Stadtarchiv eine freilich mehrfach dunkle Speeialabrech- 
nung von vier süderseeischen Städten aufbewahrt, die jene all- 
gemeine ergänzt. Dass es sich darin auch um das schonische 
Pfundgeld handelt, wird auf der Rückseite des Pergamentblattes 
vermerkt; doch ist in ihr selbst keine Trennung der Erhebungs- 
stätten gemacht. Kampen hatte danach eine Oesammteinnahme 
von 325 m^ 28 ^. lüb. (= ca. 22,759 Rm.) zu verzeichnen, die 
es zur Hälfte an Lübeck gab, während die übrigen Harderwyk, 
Elborg und Zütphen derselben Stadt in summa 21 7/^ 9 ß b ^ 
(= ca 1510 Rm.) überreichten. Wann und wo beides geschah, 
ist nicht ersichtlich. Koppmann sagt: „Da bei der Abrechnung 
vom 27. Oct. 1371 Kampen und Elburg gar Nichts, Harder- 
wyk und Zütphen nur ganz unbedeutende Suromen anzugeben 
hatten, so wird man annehmen dürfen, dass die Abrechnung 
kurz vorher stattgefunden hatte" ; vielleicht auf unserem Tage, auf 
dem alle diese Städte vertreten waren. 

Der Gesammtertrag des erhobenen Pfundgeldes wurde nach 
Mannzahl alse it sik gheboret getheilt; also ohne jede Rücksicht 
auf etwa besondere in gemeinsamem Interesse resp. Auftrage ge- 
habte Mehrausgaben einzelner Städte. — Damit hatte der zweite 
hansische Pfundzoll sein Ende erreicht, und erat 1378 belebt sich 



177 

nach mehrseitigem heftigen Widerstreben diese merkwürdige Ein- 
richtung hansisclier FinanzwirthschaftJ 

Hieran schliesst sich eine verwandte Materie, die Abrech- 
nung über den schonischen Zoll. Koppmann würde diese letztere 
ugabe freilich bestreiten, da er darin wieder das Pfundgeld er- 
«nnt; allein die Irrthümlichkeit dieser Ansicht liegt offen zu 
age. — Die letzte Nachricht über die Erträge des Pfandzolls 
atten wir in den kurzen, im Einzelnen nicht erkennbaren Nach- 
eisen der ersten Maiversammlung dieses Jahres und zwar für 
ic Jahre 1369 und 1370, die sich an die Abrechnung v. 8. Nov. 
368 anschlössen. Nach den auf der zweiten diesjährigen Mai- 
crsammlung getroffenen Anordnungen müssten wir auf unserer Tag- 
alirt die uns nnr unbekannte Anwesenheit auch eines preussisch- 
ji^iiederländischcn und eines in Malmö stationirten Zollbeamten 
^tatuiren. Der letzteren Annahme steht auch nichts im Wege, 
"%70gegen es in Bezug auf die erste überhaupt fraglich erscheinen 
clürfte, ob jenen Anordnungen gemäss ein solcher Beamte wirklich 
«ingesetzt ward. Hier so wenig wie später begegnet eine Spur 
seiner Existenz. Die apart für sich behandelte Mnlmöer Hebung 
l)elief sich auf 63 TligL (ca. 4410 Rm.) und wurde zur Bezahlung 
der Notare, wohl der bei der Zollaufnahme beschäftigten, verwandt. 
Die Summe ist im Vergleich zu den Ergebnissen der Nachbar- 
märkte auffallend gering ; ein V^erhältniss, das sich in rechnerischen 
Nachrichten aus späteren Jahren wenig verändert zeigt- und der 
Verschiedenheit in der Vekehrsfrequenz entsprach. Die Summe 
nämlich, welche die beiden Rathmänner Joh. Lange und Diet. Kru- 
dener, jener ohne Zweifel mit der Zollerhebung in Skanör, dieser 
mit der in Falsterbo betraut, nachwiesen, erreichten die Höhe von 
3453 ^ü^ 14 i? lüb. (ca. 241,772 Rm.); — an einer anderen Re- 
ccsBstelle und in einer andern Version finden sich etwas ab- 
weichende Ziffern. — Lange wird im Recesseingang als Consular- 
bote aufgeführt, während sein Amtsgenosse dort nicht genannt ist 
und mithin nicht als Bevollmächtigter an den Berathungen Theil 
nahm. — Zwei hansischen Ausgabenreihen werden die Erträge 
zugewandt; die eine knüpft sich an die schonische Verwaltung, die 
andere an die Befriedung der See. 

» ebd. Nr. 120 § 6 (cfr. Nr. 121; 144); 148; 149; 150 § 4 (vgl. 173; 
174 § 8). 

» cfr. z.B. ebd. Nr. 171. 

De u icke, Beziehangen der llanäestädte etc. 12 



178 

Sollte Gregor Swerting, der Hauptmann von Helsingborg, der 
im letzten Mai über seine Verwaltung Rechnung gelegt hatte, mit 
den ersten schonischen Gefällen seine von ihm auf 461 V2 lüb. 7^^ 
(= ca. 32,300 Rm.) gestellte Forderung befriedigen, so wird 
jetzt berichtet, dass er den Betrag aus den Zolleinktinften von 
den Städten erhalten habe; ob sich das Präteritum auf die Zeit 
unserer Versammlung oder auf die Vorzeit bezieht, mag dahin- 
gestellt bleiben ; seine Gehaltsfrage aber scheint hier nicht entscliieden 
zu sein. An Nie. Soldys der uns wiederholt im Zusammenhang 
mit der schonischen Verwaltung begegnete, kamen 200 7?^ lüb. 
(= ca. 14,000 Rm.), an die Söldner in Skanör 99 :?5^ 10 ^ 8 Ä 
(= ca. 6977 Rm.) und die beiden Rathmann selbst 11 7?2^ (ca. 
770 Rm.) zur Auszahlung. Weiteres lässt sich aus den nakten 
Zahlen und Angaben nicht herausklauben. 

Von dem Restbetrag 2681^7/^ 11 /S 4 ^. werden dann die 
Kosten der Friedeschiffe bestritten. Wir liaben eine v. 28. Oct. 
datirte Zuschrift des Itibischen Raths an seine Sendeboten — unter 
ihnen wird der, wie D. Krudener, offenbar aus Schonen herüber- 
gekommene J. Lange nicht mitgenannt — , in welcher er ihnen 
eine in grossen Posten specificirte Rechnung über den lübiseben 
Friedekoggeu mittheilt. Entweder war sie von ihnen bei der Ab- 
reise vergessen oder erst nach derselben aufgemacht. Danach 
waren blO 7?^ 8 ß für die Söldner, 348 2?!g^ Iß für die Schiffs- 
herrn 680 P5^ 18 ^. für Lebensmittel und andere Requisiten ver — 
ausgabt; in summa also 1599 77^ 6 ^. (ca. 111,933 Rm.), genais^ 
dieselbe Summe, welche sie hier vom Zoll entnehmen. Zugleicl:» 
sehen wir, dass das Abrechnungsgeschäft erst im Anfang November 
vorgenommen ward, da jener Brief nicht früher in die Hände der 
Adressaten gelangen konnte, beiläufig ein nachträglicher Beweis 
dafür, dass der 27. Oct. nicht der Schluss sondern Anfangs- 
termin der Versammlung war. Gleichzeitig aber rechnete J. Lange 
eine in Schonen für den Friedekoggeu gemachte, wie es scheint 
dem Rath noch unbekannte Auslage von 110 77^ 1 ß 6 ^. hinzu, 
so dass die Gesammtkosteu 1709 7/^ 2 ß lüb. (ca. 119,649 Rm.) 
betrugen. 

Die Stralsunder nehmen, noch nicht völlig über ihre Schiffs- 
unkosten im Klaren, vor der Hand nur 634 77^ 6 ß lüb. (= ca. 
44,407 Rm.) in Anspruch, jedoch mit Vorbehalt eines etwaigen 
weite reu Anschlags absei ten des Herrn Joh. Rüge, der an der Ver- 



179 

Sammlung Theil nahm und in dießüm Zusammenhang als Hauptmann 

^es Stralsunder Koggen erscheinen könnte. Er verrechnet, ofFen- 

4>Är später als jener Vorbehalt erfolgte, 123 TT/iL 2 [^ und steigert 

^^rait die Ausgaben der Expedition auf 151 ^/-i //^ lüb. (= ca. 

^S,025 Rm.)) die also nicht einmal die Hälfte des lübischen 

«stenquantnms , mit diesem zusammen aber 2466 77P^ 10 j? lüb. 

ca. 172,664 Rm.) erreichten. 

Von der Gesammtsumme des Zolls erübrigte nach diesen zwei 

usgabemassen nur der kleine Rest von 215 /^ 1 ß (= ca. 

^,055 Rm.), über dessen Verwendung nichts verlautet. — Bei der 

K)ngen Abrechnung hatten die Ausgaben für die Schlösser den Ertrag 

erschlnngen, jetzt kamen zu diesen noch anderweite hinzu. Aber 

enn der Zoll auch nicht in erheblichen Theilportionen in die 

^^inzelnen Stadtkassen abfloss, so war er doch ein Befriedigungsmittel 

^^llgemein hansischer Bedürfnisse, die kaum ohne ihn ein so bereite 

X^lrfüllung gefunden. 

Keineswegs waren indess mit dieser Abrechnung alle Forde- 
rungen der Städte unter einander beglichen, lieber die scho- 
nischen Schlösser, die Lübeck und andere nicht näher genannte 
wendische Städte hielten, wurde kein Rechnungsabschluss gemacht. 
Auch stellt die verrechnete ZoUsumrae nicht die ganze Einnahme 
dar: hatten doch jene Städte schon vorher davon erhoben; aller- 
dings wie ich meine, nicht eben viel, da die Annahme des Gegen- 
theils zur Voraussetzung eines nach sonstigen Angaben un- 
wahrscheinlich hohen Zollergebnisses führen würde. Die „Nutz" 
aber d. h. die unmittelbaren Leistungen und Einkünfte, die sich 
an die Schlösser als Verwaltungscentren der umliegenden Gebiete 
anschlössen, werden sie gutentheils absorbirt haben, natürlich nur 
die bewnssten zwei Drittel, wie diese denn auch später zum 
grössten Theil zur Verfügung der Schlossinhaber standen. Die 
Restbestände ihrer Ausgaben verwahren sie sich ausdrücklich, 
von den ersten schonischen Gefällen des nächsten Jahres auf- 
zunehmen. Unzweifelhaft hatten sie einen durchaus rechtmässigen 
Anspruch auf den Ersatz dieser im allgemeinen Dienst erwachsenen 
Kosten: sie hielten, eben auch nach 1370, für die Conföderation 
die Schlösser bis zu diesem Zeitpunkt besetzt; darauf kann man 
mithin die Rücknahme ihrer Erklärung an den Rath abseiten der 
Prenssen und Sttderseeer nicht gut beziehen, sondern besser auf 
die nächstjährige sofortige Befriedigung ihres Ersatzanspruchs. 

12* 



rso 

Man beachte, dass nur jene zwei Gruppen die Sache zurückzogen. 
Die Livländer hielten sich offenbar, wie schon bei der Pfundzoll- 
abrechnung vom 6. Oct. 1368 hervortrat, in diesen ganzen Rech- 
nungsgeschäfteu fest zur wendischen Partei, und bald fand dies 
Verhältniss auch in der organisatorisclien Zerlegung der Con- 
föderatiou hinsichtlich der schonisciien Verwaltung seinen Aus- 
druck. Es ist nun schwer zu sagen , ob jene Verwahrungen 
unmittelbare Folgen gehabt oder ob wirklich die wendischen Städte 
im nächsten Jahr ihre Forderungen befriedigt haben. Mir macht 
jener spätere Recess v. J. 1375 bei all seineu Dunkelheiten und 
Schwierigkeiten wahrscheinlich, dass sie bis zu dieser Zeit nicht 
ihre Bedeckung gefunden. . 

Schon vor der Versammlung hatte man dem Erzbischof von 
Lund Briefe geschickt mit der Aufforderung in Stralsund zu er- 
scheinen und sich wegen des Guts, das den Prcussen bei der dem 
Erzbisthum zugehörigen Insel Bornholm genommen war, zu ver- 
antworten. Wie sie sicherlich in höflichster Form gehalten waren, 
so wurde der Erzbischof auch wohl nur mit Rücksicht auf den 
Verhandlungstag, dessen Besuch sich aus politischen Gründen von 
ihm erwarten liess, um sein persönliches Erscheinen angegangen. 
Aber immerhin mag man in dem Ganzen ein gewisses Zeugniss 
von dem selbstbewussten Auftreten der siegreichen Städte erkennen. 
AHein der hohe geistliche Würdenträger hatte der Aufforderung 
keine Folge gegeben, ja nicht einmal einen beauftragten Boten 
gesandt. Dies wurde der Aulass zu einer neuen Correspondenz 
der Städte und zu ihrer Bitte an Henning, auch seinerseits dea 
Erzbischof brieflich zu mahnen: der Schade mochte gross, seine 
Vergütung dringlich sein. Man sieht sie hier bemüht, ihre Be- 
ziehung zu Henning auch anderweitig nutzbar zu machen. — 
Stralsund wurde commissarisch mit der Entgegennahme der er- 
warteten Antwort beauftragt, über die wir aber ebensowenig wie 
über den weiteren Verlauf und Ausgang der Sache Kunde haben. 

Aufs neue sieht sich dann die Versammlung in der unerquick- 
lichen Lage, an die Auslegung von FriedeschifFen für das nächste 
Jahr denken zu müssen, ein überzeugender Beweis, dass die dies- 
jährige Flottenunteruehmung jedenfalls nicht einen durchschlageu- 
den Erfolg gehabt hatte. Jeder soll in seinem Rath hierüber 
spr chen und bis 2. Febr. 1372 Lübeck — auch hier wieder das 
Ha ipt des Bundes — seinen Berath zukommen lassen. Ohne Zweifel 



181 

war es diese Stadt and wenn man will, ilire Rivalin Stralsund, 

^ie wieder als Organe des Seefriedens in Betracht kamen. Erst 

»l^äter versuchten beide bei dem wachsenden Uebel des Sceraubs 

Yid den auflaufenden Kosten noch andere Städte heranzuziehen, 

obei ihnen offc genug eine hartnäckige Opposition beß:egnen sollte. 

Von Interesse ist es zu sehen, wie vorsorglich die Städte, 

es endlichen Friedens froh, sich bemühten jeder Störung des- 

dben von Seiten ihrer Angehörigen durch „Aufstand", „Fehde" 

der unbefugtes Schelten gesprochenen Rechtes mit Strafandrohungen 

orzubeugen. Nach Abkündigung der mit Waldemar geschlossenen 

ühne soll in der Bursprake vor solchen Uebertretungcn ernstlich 

ewarnt, jedem Uebertreter aber ein solches Gericht der vereinigten 

^ätädte in Aussicht gestellt werden, „dat en ander daran denken 

s^cholde". 

Inmittels war es noch nicht zur Vereinbarung eines Tages 
^nit König Hakon gekommen. Wir wissen, dass eine Gesandschaft 
in dieser Angelegenheit an ihn geschickt werden sollte, aber nichts 
1lber deren Schicksale. War sie in der That, wie doch nicht zu 
bezweifeln, abgegangen, so war sie entweder, was sehr zu be- 
zweifeln, noch nicht zurückgekehrt oder aber, was also wahr- 
scheinlich, sie hatte keine definitive Verabredung mit dem Könige 
zu Wege gebracht In jedem Fall wurde der Vorschlag des 
1. Mai 1372, wie sich aus der späteren Zusammenkunft heraus- 
stellt, nicht von ihm acceptirt. Unsere Versammlung nun dehberirte 
über die abzuhaltenden Verhandlungen, aber ein fester Termin 
Hess sich eben noch nicht bestimmen, und so sehen wir zum Zweck 
der Besendung die Preussen und Süderseeer nur den Anspruch 
einer rechtzeitigen Benachrichtigung erheben, deren Besorgung 
einer oder einigen der 4 wendischen Städte zugefallen sein wird. 
König Waldemar verweilte fortan noch geraume Zeit im 
Meklenburgischen. Das Lübecker Urkundenbuch theilt ein aus 
Lüchow V. 3. Dec. datirtes Schreiben von ihm mit , das unzweifel- 
haft diesem Jahre angehört. Es ist an die bekannten lübischen 
Rathmänner Jac. Plescow und H. Osenbrugge, mit denen er eben 
auf dem Stralsunder Tage persönlich zusammen gewesen war, 
gerichtet und die Antwort auf eine von diesen erhaltene Zuschrift, 
in der sie ihn wissen Hessen, dass Rykmann v. d. Lanken ihnen 
das königliche Siegel, „Bundwerk" und „Kelk" mit der dringenden 
Bitte um Weiterbeförderung an ihn anvertraut habe. Rykmann wird 



182 

UU8 bald wieder als Geschäftsträger des Königs begegnen. Leider 
wird nicht gesagt, was für ein Siegel es war: doch wird man an 
das grosse zu denken haben, da ja er das kleine, das Sekret bei 
sich führte. laicht ohne Interesse wäre es, dies genauer zu wissen: 
man erinnere sich, dass Waidemars urkundliche Entschuldigung 
für die dem Vertrag nicht genügende Besieglung bloss mit dem 
kleinen Insiegel die augenblickliche Ermanglung des grossen war. 
Bei dem Bundwerk ist natürlich nicht an Pelzwerk, sondern wohl 
an buntfarbiges Wachs zu denken. Kykmann war also, vielleicht 
auf dem Stralsunder Tage, mit der Beschaffung jener Gegenstände 
beauftragt; warum er sich freilich und dies wenn nicht im Auf- 
trag, so doch zu voller Zufriedenheit des Königs jener merk- 
würdigen Vermittlung Lübecks bediente, verstehe ich nicht recht 
Jedenfalls zeigt dies und Waidemars höfliches Schreiben, dass er 
durch die Traktatsbestätigung mit Lübeck und den gemeinen 
Städten sich wieder auf einen äusserlich freundlichen Fuss gestellt 
hatte. Er liess es durch seinen beglaubigten Oapellan überbringen, 
dankt darin für die übernommene Mühe und bewiesene Gunst 
und bittet, denselben mit den angegebenen und anderen etwa inne- 
habenden ihm gehörigen Sachen versehen und durch Knechte 
bis Schwerin in die Nähe seines Aufenthaltsortes geleiten zu 
wollen. 

Schon oben habe ich zu bemerken Gelegenheit gehabt, dass 
wir unmittelbare Kunde von einem Hansetag i. J. 1372 entbehren. 
Insofern steht dies Jahr in der Reihe dieses und der nächsten 
Jahrzehnte als Anomalie da, ohne aber darum zum Schluss auf 
den Mangel einer Tagfahrt zu berechtigen: mehrfache Hinweise 
des letzten Recesses auf eine nächste Versammlung, denen nicht 
Massnahmen späterer Recesse entsprechen, sowie auch die noch 
hervorzuhebende Gesandtschaft König Hakons an die Seestädte 
sprechen vielmehr für ihre wirkliche Abhaltung. Man wird dem- 
nach am besten eine Lücke in der Tradition vermuthen. 

Was zuvörderst den Vorschlag der letzten Versammlung 
über eine neue Ausrüstung von Friedeschiffen angeht, so fehlt es 
auch darüber an directer Nachricht. Wir haben indess überwie- 
genden Grund, ihn ala ausgeführt anzusehen. Denn wurde ein 
solcher Vorschlag, nachdem man nach den Erfahrungen des letzten 
Jahres Gewinn und Schaden auszurechnen sehr wohl im Stande 
war, wiederholt, so liegt darin schon ein gewisses Argument, dass 



183 

seine Annahme durch zustimmende Antworten der Räthe erfolgte, 
hierzu dürfte noch ein anderes kommen. Es ist aus dieser Zeit 
^Ine leider undatirte Kostenrechnung der lubischen Kämmerei 
ttlDer eine Schiffsexpedition gegen die Seeräuber erhalten.* In die 
•^«ihre 1371, 76, 78, 79 und 84, in denen solche Ausrüstungen 
^■^ ^rgenommcn wurden , kann man sie zum Theil neben anderen 
rrüuden deshalb nicht verlegen, weil deren Kostenbeträge nicht mit 
ir congrniren.^ Auf zwei andere Jahre 1381 und 1383 kann sie 
»ach aber schon darum nicht gut beziehen, weil S. Swerting in 
Inen mehrfach in einer mit seiner militärischen Aufgabe als Ilaupt- 
lann unverträglichen Weise beschäftigt erscheint.^ Ich möchte mich 
^:3emgemä8B für ihre Angehörigkeit zum Jahre 1372 entscheiden. 
«Sie giebt der lübecker Expedition, an deren Spitze ausser dem Ge- 
:iiannten noch sein Rathsgenosse Danquard v. See stand, das 
2eugniss eines sehr umfassenden und kostspieligen Charakters: zu 
dem grossen Koggen war noch eine Reihe kleinerer Fahrzeuge 
von den Schiffsherren gemiethet. Es ist hier nicht der Ort, an 
der Hand der in jenem Aktenstück verzeichneten Ausgabeposten 
eine Ausmalung der Bedürfnisse und Vorkommnisse der Unter- 
nehmung im Detail zu versuchen. Genug die dort verrechnete 
Gesammtsumme ist nicht geringer als rund 3100 :^ (= ca. 
217,000 Rm.) und begreift wohl die meisten aber wie es scheint 
kaum alle Ausgaben in sich. Der Bierconsum allein überstieg 
weit die riesige Summe von 1000 W (= ca. 70,000 Rm.). Nur 
einmal hören wir von der unerheblichen Beschädigung eines 
Fahrzeugs und werden somit behaupten dürfen, dass es min- 
destens nicht zu ernsten Zusaramenstössen mit den Piraten kam. 
— lieber die Stralsunder Unternehmung ist nichts bekannt. — 
Die Flotte wird wie gewöhnlich die ganze Verkehrszeit hin- 
durch das Meer durchkreuzt haben, und dies hatte wohl nicht 
bloss zur äusseren Folge, sondern auch zum Erfolge, dass nächsten 
Jahres eine neue Ausrüstung unterblieb und unterbleiben konnte. 
Die See mochte sich nach den zweijährigen Schutzmassregeln, nach 
der Rückkehr des Königs und bei der allmählichen natürlichen Ab- 



« Ltib. U. B. III. Nr. 737. 

2 H. R. II. Nr. 171 (a. 1376)-, ebd. am Ende (a. 1378); Nr. 191 
(a. 1379); 301 (p. 354) (a. 1383 u. 1384). 

3 Ebd. Nr. 232; 240; 241 (a. 1383); 258; 266. 



184 

schwäcluiDg der aus der letzten Fehde nachwirkenden kriegerischen 
Erregung leidlich wieder beruhigen. 

Um die Mitte des Jahres finden wir nämlich Waldemar nach 
mehr als vierjähriger Abwesenheit wieder in seinem Lande; seine 
Ankunft ist nicht genau zu datiren, doch steht seine Anwesenheit 
daheim für Ende Juli urkundlich fest. Kurz zuvor war der Ter- 
min (25. Juli) zur Eingabe und Einwechslung seiner Ratification 
gegen die städtischen vergangen. Waren diese, wie man an sich 
und zumal nach der nächstjährigen Mittheilung an Waldemar an- 
nehmen und glauben muss, pünktlich an den Stralsunder Rath 
eingesandt^, so säumte und versäumte wieder der unzuverlässige 
Däne. Ausflüchte, mit denen er diesen neuen Vertragsbruch hätte 
bemänteln können , etwa die Vorgabe verspäteter Rückkehr oder 
einer erst späteren Versammlung des Reichsraths, in der er auf 
seinem Todtenbett für den Fall seiner Genesung die Friedens- 
genehmigung zusagte, weiss ich nicht nachzuweisen; politisch 
machte er ihm jedenfalls eben so wenig Sorge wie moralisch, da 
er eich der versprochenen Einhaltung des Friedens von Seiten 
der Städte sicher wusste. Einen grösseren politischen Zweck 
aber, wie etwa den Weg zur Aufnahme eines Revanchekrieges 
offen zu halten, konnte sein Vorgehen andererseits nicht haben: 
denn der Reichsrath, die Gesammtvertretung des Adels, war und 
hielt sich durch die Verträge gebunden, und mehr noch schreckte 
die überlegene Macht der Städte; es war im Grunde nichts mehr 
als e'n neuer Ausdruck von Verachtung, Stolz und Uebermuth 
des alten Städtefeindes. Die Conföderation nahm diesen Affront 
für nahezu ein volles Jahr ruhig und unthätig hin, was immerhin 
als ein Beweis gelten mag, dass sie seit jenem Tage nicht wieder 
auf einer Versammlung zusammenkam ; aber durch die Zusammen- 
kunft der Sendboten nach Norwegen war doch ein Mittel coUe- 
gialischer mündlicher Berathung und Beschliessung gegeben, und 
überdies hätte sie, sollte man meinen, gegenüber einer so schwer 
wiegenden Vertragswidrigkeit die Umständlichkeiten eines schrift- 
lichen Meinungsaustausches überwinden oder diesen durch Be- 
vollmächtigung einzelner, wendischer Städte ersetzen müssen. 
Ich erkenne daher in dieser langdauernden Passivität ein neues 



^ Wann und wie sind sie nach Dänemark gekommen? H. R. II. 
Nr. 23, 24, 26 stammen aus dem Kopenhagener Archiv. 



185 

ZeugDiss ihrer schwäclilichen Connivenz gegenüber dem des voll- 
Wussten Dänenkönig zu einer Zeit, wo sie im Vollgefühl ihrer 
gehobenen Stellung nach vielen Seiten hin. nach innen und aussen 
bäftig vorschritten und agirten. 

Inzwischen waren, wohl um Anfang April, norwegische Ge- 
sandte, ein geistlicher und ein weltlicher, welcher letztere ein 
Wclgenannter Reichsbeamte und derselbe war, der 1366 laut 
-K.lage der Städte ein harisisches Schiff etc. aufbrachte \ mit kö- 
^tglichem Creditiv in Deutschland — es ist nicht ersichtlich, in 
"^^ elcher Stadt — erschienen, um Namens ihrer Herren, Magnus' 
^ud Hakons ein für beide Theile wichtiges Anliegen vorzutragen« 
^^aum ein Zweifel, dass es der näheren örtlichen und zeitlichen 
^Verabredung der wiederholt hinausgeschobenen Verhandlungen 
^'alt und durch Festsetzung des Tönsberger Tages für den 
^September erledigt wurde. Die Städte sind es mithin wieder zu- 
frieden, ihrerseits die weitere Reise nach Norwegen zu machen, 
^ber kaum Hess sich auch ein näher gelegener Treffort finden, 
^och auf der letzten Versammlung hatten die von Preussen und 
^er Südersee zu Verhandlungen mit Norwegen senden wollen: 
^nrde nun jene Botschaft nicht auf einem Hansetage vorgebracht 
oder auch hatten jene Städtegruppen ihn nicht beschickt, so haben 
sie brieflich Kenntniss erhalten. Aber nur Kampen betheiligte 
sich von ihnen durch Abordnung eines Bürgermeisters an der 
Gesandtschaft, die im Uebrigen aus zwei Bürgermeistern von 
Lübeck, ebensovielen von Stralsund und je einem der beiden 
meklenburgischen Städte Rostock und Wismar bestand und am 8. 
September am angegebenen Orte mit den beiden Königen, dem kurz 
zuvor befreiten Vater und seinem Sohne zusammentraf. Wieder 
stehen die wendischen Gemeinwesen im Vordergrund der allge- 
meinen Geschäfte. — Unzweifelhaft ging das Streben beider Par- 
teien, insonderheit der Städte, auf einen vollen, dauernden Frieden. 
Das^ norwegische Interesse an ihm war vorzugsweise durch die 
gewichtige Stimme der Städte bei der dänischen Königswahl be- 
dingt: sie hatten voraussichtlich über die entgegenstehenden An- 
sprüche des norwegischen und des meklenburgischen Präten- 
denten zu entscheiden. Ihr hohes und eingestandenes Interesse 
aber lag in der Beseitigung jenes für den Handel so nachtheiligen 



' H. R. IL Nr. I S 7; (3 § ü.) 



186 

schwebenden Verhältnisses, in dem sie politisch und merkantil 
mit Norwegen sich befanden. Beider Ansprüche hngen wesentlich 
noch wie zu Bahus, und beide hielten unnachgiebig an ihnen fest: 
die Städte an der Ersatzforderung für den im ersten Krieg ver- 
ursachten Schaden , deren Befriedigung zugesichert und verbrieft 
sei, sowie an Genugthuung für die betrügerische Entwendung des 
verpfändeten Borgholm und alle im Frieden bis 1368 erlittenen 
Verluste und Nachthcilc. Die Könige versuchten durch Behaup- 
tung einer verrätherischen Vollmachtsübertretung seitens ihrer da- 
maligen Gesandten diese Verbindlichkeit für die Erfüllung der bei- 
den ächten Forderungen zu verneinen; aber mit Recht wandten 
die Städte ein, dass diese Verrätherei sie nichts anginge und die 
mit ächten Siegeln beglaubigten Vollmach tsbricfe den Königen die 
Pflicht ihrer Einhaltung und hier zutreffenden Falls die Ersatz- 
pflicht für ihre Verletzung auferlegten. Diese aber massen ihrer- 
seits den Städten eine Schuld bei an dem Verlust ihres schwedi- 
schen Reiches, durch pecuniäre, militärische oder verpflegungs- - 
weise Unterstützung der Eroberer, ein Vorwurf, den sie als ge- - 
sucht und nichtig zurückwiesen in nachweisbarer Uebereinstim — 
mung mit dem Thatbestand. Der Recess verschweigt dann in^ 
seinem erzählenden Theil eine Reihe anderer Klagpunkte den:- 
Gegenpartei, wie es fast scheinen kann, in beschönigender Absichfc 
die nachher schriftlich aufgesetzt und abschriftlich allerdings ihio 
angefügt wurden. Davon noch später. — Volle 14 Tage waren 
über derartige unfruchtbare Hin- und Herredereien verstrichen 
und noch hielt jede Partei zurück, als König Magnus die Vermitt- 
lerrolle übernahm und die Sendboten um eine letzte Erklärung 
ihrer Forderungen anging. Diese fassten sie in zweierlei, in der 
Vergütung ihrer Schäden und — unzweifelhaft ihnen das Werth- 
vollste — in der Bestätigung und Vermehrung ihrer Privilegien 
zusammen; bezüglich des ersteren Punktes erklärten sie sich im 
Fall der Insolvenz der Könige mit einer Abschlagssumlne oder 
entsprechender Erweiterung ihrer Freibriefe einverstanden, sie 
auf Wunsch zweimal verlasen, zuerst vor den Königen und 
dann vor ihren Räthen aus den Transsumpten, während sie aus 
gewissen, vielleicht wohlweislich verschwiegenen Gründen die er- . 
betenen Copieen vorläufig versagten. — Nach gehabter Unter- 
redung machten nun auch die Könige ihr Depositum, erklärten 
1) ihre Bereitschaft zu gegenseitiger Begleichung der beiderseits 



187 

erlittenen Schäden ; wünschten 2) ein PreiHangebot der Städte für 
Bestätigung und Bcsieglung ihrer Privilegien; forderten '^) eine 
Kotschädigung fttr die bisher oline König llakons Willen und 
Gutlieissnng genossenen und behielten sich endlich 4) ihr Recht 
S'egen alle vor, die im Stillstand sie oder die Ihrigen geschädigt, 
^ie es sich ausnimmt, meinten sie mit jenen Schäden die vor 
^em Kriege und mit diesen die nach dem Stillstand von 136b 
^Ä-Iittenen. Zum Schluss äusserte König Hakon nochmal« in de- 
^idirter Weise, nicht gratis die hansischen Privilegien anerkennen 
^ti wollen nnd hielt somit an der im Recess verschwiegenen Be- 
l^auptung fest, sie noch nicht anerkannt zu haben. Daraus ent- 
spann sich eine neue Debatte. Die Rathmänner erklärten: Der 
Sühn sei durch die väterliche Bestätigung gebunden und habe sie 
J a ttberdem, was noch mehr besage, selbst in der zum Zweck des 
Nachweises verlesenen Greifswalder Conföderationsurkunde zu der 
reinigen gemacht. Beiläufig man sieht, einen wie stattlichen Ur- 
1(undenapparat die städtischen Diplomaten mit auf die Reise ge- 
nommen hatten. Der ersten Behauptung brachen die Könige mit 
dem Einwand einer längst geschehenen Abtretung Norwegens an 
Hakon die Spitze ab, wogegen sie bei dem Versuch, die zweite 
durch abermalige Vorgabe eines verrätherischen Verhaltens ihrer 
Gesandten zu entkräften, wieder jenen berechtigten Einwurf der 
Städte zu hören bekamen; daher sie sich einem schiedsrichterlichen 
Urtheil darüber untergeben wollten. Schliesslich beschränkte man 
sich nach einer königlicherseits gegebenen Anregung auf den 
schriftlichen Austausch der beiderseitigen Forderungen, der am 
25. Sept* in der Laurentiuskirche erfolgte; beide Paciscenten 
sollen sie mit ihren Räthen erwägen und möglichst bald ihre Ent- 
schliessungen einander zusenden. 

Die Sendboten erklärten zunächst in ihrem Aufsatz, wenn 
ich seinen Eingang recht verstehe, bei Eröffnung der Verhand- 
lungen in genügsamer Art nur nach Besieglung der Privilegien 
und einem auf dieser Basis aufgerichteten endgültigen Frieden 
gestrebt zu haben, darin aber unglücklich, sich nunmehr alle etwaigen 
weiteren Ansprüche ihrer Städte ausdrücklich vorbehalten zu müssen. 
Ihre registrirten Forderungen, auf die ich nur flüchtig eingehe, 
bezogen sich auf Bestätigung resp. Vermehrung einiger, beson- 
ders wichtiger Punkte hansischer Gerechtsame, sodann auf den 
zum Theil versprochenen Ersatz ihrer Kriegs-Auslagen und Schäden 



188 

von 1362 und der in Friede und Stillstand den Ihrigen zuge- 
fügten Verluste. Der erste Artikel fordert eine Regelung des 
Strandrechts nach Analogie des für Dänemark stipulirten 
Verfahrens, besonders also das unbedingte Bergerecht und die 
eventuelle amtliche Hülfeleistung königlicher Beamten ; der zweite 
Rechtsschutz gegen die Räuber schiffbrüchiger oder anderer Güter 
in den königlichen Herrschaften ; der dritte — vielleicht der wich- 
tigste — zu dem älteren Recht des Grosshandels das des Klein- 
verkehrs an allen Marktstellen und in allen Waarensorten. Auch 
hier kennzeichnet sich das Geschäft in wollenen und leinenen 
Tüchern, für das die Zulässigkeit des ellenweisenAusschnitts besonders 
gefordert wird, eben dadurch als ein Hauptzweig des hansischen 
Activhandels im Norden. Der 4. Artikel fasst die Bekräftigung 
aller Privilegien in sich , seien sie an einzelne Städte oder ihre 
Gemeinschaft, vom Könige selbst oder seinen Vorfahren verliehen. 
Die Verbriefung aber soll für die am letzten Kriege betheiligten 
Städte Insgesammt ausgestellt werden. Man darf diesen Ausdruck 
nicht pressen : er dient obschon in Wirklichkeit eine fest begrenzte 
Städtevereinigung bedeutend, an dieser Stelle zur Bezeichnung jener - 
grossen dehnbaren Masse von vereinigten Städten, mochten ihre Bundes- 
beziehungen auf der Conföderation oder dem Recht des gemeineik- 
Kaufmanns beruhen, wie er denn auch in der Stillstandsnrkund^ 
dahin erweitert wird. Man sieht, wie eminent hoch auch in Nor- 
wegen sich die merkantilen Strebungen und Ansprüche der Han- 
sen versteigen, wie sie auch dies Verkehrsgobiet den ausländi- 
schen freien Wettbewerb abwehrend, den inländischen nieder- 
haltend, überfluthen und beherrschen. — Bezeichnend hierfür ist 
auch die Eingabe des Kaufmanns zu Bergen^ die er ohne Zweifel 
an die Rathsendeboten machte; unter anderem führt er darin 
Klage über die Verheirathung deutscher Landsleute in Norwegen 
und über die ihm von solchen zugefügten Schäden; auf einen wie 
schroffen nationalen Gegensatz im Verkehr lässt sie schliessen! 
Er sieht die in den norwegischen Unterthanenverband Eingetre- 
tenen als nicht mehr deutsch an und ihre fortgesetzte Geschäfts- 
thätigkeit als unliebsame, zu bekämpfende Concurrenz. Weiter 
erbittet er für den Fall einer neuen Räumung des Contors Verhal- 
tungsvorschriften sowohl für die Bewerkstelligungderselben wie gegen 
diejenigen, welche dem Städtegebot entgegen im Lande blieben, 
vor allem aber den Erlass eines Ausfuhrverbotes für Engländer 



189 

und Fläminger, das alle Handelsartikel, die sie aus deutscheu 
fläfen nach norwegischen führen könnten, umfasse: denn nichts 
fi^gte er sei präjudicirlicher als dies. 

Die an die Hansestädte gerichteten Artikel der Könige sind 
-^Imrer acht. Im ersten wünschen sie Abschriften aller städtischen 
rivilegien in Norwegen und erklären , zur Aufnahme derselben 
Inen Kleriker nach Lübeck senden zu wollen, das ja, wenn mau 
^D will, das hansische Hauptarchiv unter sich hatte. Ich möchte 
ich dabei trotz aller Gegenbedenken der Andeutung Munchs an- 
chliessen, sie hätten fälschende Interpolationen geargwöhnt. Im 
weiten verlangen sie Auskunft über die städtischerseits zu leisten- 
en Zahlungen für die Bestätigung, im dritten Genugthuung für 
^xnannigfache, mittelbar und unmittelbar ihnen und den Ihrigen 
"von dorther geschehene Kränkungen, im vierten diese insbesondre 
für die angeblich leicht beweisbaren und mündlich erwiesenen Still- 
standsverletzungen durch Rostocker und Wismarer Bürger. Im 
fünften klagen sie ebenfalls über eine solche, begangen von han- 
sischen Kaufleuten, die mit bewaffneter Hand zwei feindliche 
schwedische Ritter aus dem Bereich ihrer Herrschaft entführt und 
damit dem Angriff ihrer Beamten entzogen hätten; im sechsten 
gar über Tödtnng und Ph-säufung einiger Unterthanen durch 
Kaufleute, die nach vollbrachter That durch die Flucht mit un- 
statthafter Begünstigung ihrer Genossen der straf- und civilrecht- 
lichen Verfolgung entgangen seien; im siebenten fordern sie ge- 
bührende Entschädigung für die des Brennmaterials halber von 
den Deutschen ruinirten Waldungen und abgebrochenen einsam 
gelegenen Häuser und im achten endlich eine Verordnung an die 
Norwegenfahrer, ihre Waare, Leinen, Getreide etc. nach gutem 
alten Brauch, aber nicht in verderbtem Zustand dem Lande zu- 
zuführen. 

Fi*agt man nach dem Punkte, an dem sich, gewiss zum 
grossen Unwillen der Städte, die Verhandlungen zerschlugen, so 
wird man ihn in den weitgehenden Forderungen der Könige er- 
kennen müssen : in den Ausgleich der beiderseitigen Schädigungen 
werden die Städte gewilligt haben, kaum aber schon jetzt in eine 
besondere Leistung für die neue Privilegirung ebensowenig in eine 
Vergütung des bisherigen Genusses, dessen Widerrechtlichkeit die 
Könige behaupteten, sie bestritten, noch auch in deren Vorbe- 
halt, im Rechtsweg gegen die des Stillstandbruches Schuldigen 



190 

vorzugehen, den es, war er geschehen, doch in den allgemeinen 
Scliaden einzurechnen galt. 

So standen die Wünsche beider Parteien schroff einander 
entgegen, weniger wohl diese selber: erbaten doch die Könige in 
ihrer finanziellen Bedrängniss die Bewilligung einer städtischen An- 
leihe in dem hohen Betrage von 6000 7n^ rein (= 18,000 TTi^ lüb. = 

* 

1,260,000 Rm.) gegen Pfandsetzung von Schloss Bahus, eine Bitte, 
welche die Boten natürlich nur an den Rath ziehen konnten. 
Beide sind, versteht sich, eins, den Stillstand bis zu seinem Aus- 
gang zu halten. Gleich hier beschliessen dann die Rathmannen, 
also ganz nach Art einer daheim tagenden Versammlung, eine 
Tagfahrt für Mittsommer nächsten Jahres, um dort über diese 
norwegischen Angelegenheiten, die Anleiheofferte* und anderes 
mehr zu berathen, insbesondere auch über die Kostendeckung 
dieser im Interesse des gemeinen Kaufmanns zu Bergen unternom- 
menen Reise, wie mich dünkt, die Andeutung der beabsichtigten . 
Heranziehung desselben zu den Kosten. Und doch war dessen Finanz — 
läge keineswegs eine glänzende : er richtet an die Städte das An — 
suchen, ihm den Fortbezug des Schosses von den Bergenfahreri^ 
zu verstatten und motivirt sie mit den kostspieligen Ehrenbezeu — 
gungen bei dem im August gehaltenen Hoflager des Königs unCJ 
der Königin in Bergen, damit ein Zeugniss gebend, dass er b&i 
aller Spannung mit den Landeseingeborenen doch die königliche 
Gunst zu schätzen wusste und zu gewinnen bemüht war. 

Nach neuen Berathungen gelangte denn auch eine zweijährige 
Verlängerung des Stillstandes, also bis zum 25. Juli 1377 am 30. 
September zu ihrem urkundlichen Vollzug, die im eigentlichen 
Recessbericht merkwürdigerweise keine Erwähnung gefunden hat. 
Die Könige bekundeten sie unter Bürgschaft von sechd welt- 
lichen Rathsherren in einem definitiven Document, die Sendboten 
in einem vorläufigen, das aber die rechtzeitige Einhändigung der 
einzelstädtischen Ausfertigungen versprach. Diese wurden gleich 
im Entwurf festgestellt und schliessen sich natürlich inhaltlich 
mutatis mutandis ganz jener an. Unzweifelhaft haben ihnen die 
Bahuser Stillstandsurkunden zur Vorlage gedient, wie sie denn 
nur deren Geltungsdauer verlängern sollten. Aller gegenseitige 
Verkehr bleibt in bisheriger und altgewohnter Weise freigegeben, 
alle hansische Gerechtigkeit, die Hakon dauernd anzuerkennen 
verweigerte, die Zeit über in Geltung. Wieder begegnen wir der 



191 

bekannten Klausel wegen Rostocks und Wismars und ersehen 
atis ihr wie oben aus der wohl nach dem Stockholmer Frieden 
^xjL datirenden Affaire mit den beiden schwedischen Kittern, dass 
^ me Meklenburger und Norweger jenem zum Trotz immer noch 
^-^^f factischem Rnegsfuss standen. In Opslo sollen bis 24. Juni 
^ ^74 die städtischen Ratificationen eingereicht sein, die auch ver- 
^^--etungs weise für mehrere Städte zugleich ausgefertigt werden 
lirfen. 

Der Ausgang dieser langathmigen Verhandlungen erscheint 
och für die Städte als ein höchst unbefriedigender, zumal bei 
ler Erwägung, dass er jenem provisorischen Verhältniss die dritte 
'^erlängerung brachte. Gewinnt man nicht den Eindruck, als 
^lehme die politische Macht ihrer Vereinigung mit der geographi- 
schen Entfernung ihres Wirkungskreises ab? Völlig Sieger über 
Norwegen hatte sie gleichwohl bisher keinen ihr genehmen Frie- 
den durchsetzen können, und wieder erlagen ihre im Ganzen 
massigen Ansprüche den energisch und hoch gesteigerten Gegen- 
forderungen des unterlegenen Gegners. Man schied, wie schon 
so oft, nicht Feind, nicht Freund; und doch hatten beide ein In- 
teresse, das letztere zu werden. Erst in später, aber für den 
König glücklicher Stunde gelang es. 

In den nächsten Monaten entstand eine neue, eigen thümliche 
Differenz zwischen ihm und zunächst einigen Stralsunder Bürgern, 
die aber in ihrem Verlauf auch den Rath d. h. also die Stadt 
mit ihm entzweite. Er hatte sich in seiner schon anderen Orts 
beobachteten finanziellen Bedrängniss selbst dazu verstehen müssen, 
mehrere Kleinode, darunter die goldene Krone und ein goldenes 
Erinnerungszeichen an seine Mutter zwei bekannten dänischen 
Edelleuten zu versetzen, war jedoch, wie es sich anlässt, im Sep- 
tember in der Lage, ihnen den Pfandschilling zurückzahlen zu 
können. Diese hatten indess besagte Kleinode an zwei wohl mit 
einander verwandte Stralsunder Bürger weiter gegeben, die sie — 
zunächst der eine — zur Herausgabe derselben gegen Einzahlung 
der Pfandsumme an den König anwiesen. Allein auch diese 
scheinen die Pfänder an einen anderen Mitbürger, Namens Bokhe 
weiter beliehen zu haben, wofern der König bei diesem nicht noch 
anderweite Goldsachen ausstehen hatte. Genug, hier in Stralsund 
kam der Rücktausch ins Stocken, ohne dass man den Grund er- 
kennen könnte. Demzufolge wandte sich Hakon an die Autorität 



192 

des Bundcshanptes mit der Bitte, die säumigen Stralsnnder zu 
muhnen und ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Ende Januar 
1373 schrieben die Lübecker in höflichster Weise zurück, dass 
nach Ostern bei ihnen eine Tagfahrt der gemeinen Seestädte statt- 
finde, (lass sie dort mit den Stralsunder Abgeordneten über die 
Sache verhaiideln und sofortige Antwort veranlassen würden. 
Zum Schluss versäumen sie, für Stralsund unaufgefordert eintre- 
tend, nicht die Bitte, dieser wie den anderen Bundesstädten för- 
derlich zu sein. 

Indess dachte König Waldemar natürlich nicht an jenen 
Schritt den die Verträge zwischen Reichsrath und Städten vor- 
gesehen, an Abdankung: im Gegentheil, mit alter Energie nahm 
der thätige Monarch die Zügel wieder auf. - Mit den Meklen- 
burgern hatte er ein entschieden günstiges Abkommen getroffen; 
den Städten gegenüber aber mit jener unzulänglichen Anerkennung 
der Sti'alsunder Verträge doch sein Unvermögen, sie umzurütteln, 
eingestanden. Anders seine Pläne gegen die Holsteiner. 

Seit seiner Thronbesteigung hatte er die schleswigschen Ver- 
hältnisse scharf im Auge behalten. Andere und dringendere Auf- - 
gaben nahmen freilich lange Zeit seine im Geiste jener neuen 
Fürstenpolitik Karl's IV^ und Kasimir's^ gehaltene Thätigkeit in^ 
Anspruch, und wenn er auch mehr als einmal seine Ansprüche 
an das südjUtische Lelinsherzogthum im scharfen Gegensatz zim 
den holsteinischen geltend machte, so hat er sich doch immer 
wieder bereit finden lassen, von ihrer Durchführung abzustehen 
d. h. in seinem Sinne dieselbe nur zu vertagen. Schleswig war 
der Angelpunkt, um den sich das Verhältniss des Königs und der 
Grafen drehte. Jetzt stand die Erledigung des Herzogthums, 
dessen Inhaber Heinrich ohne Erben dahinlebte, in voraussichtlich 
naher Ferne wesentlich mit den Bemühungen, es wieder unmittel- 
bar zur Arroudirung der nordjütischen Herrschaft unter die 
Krone zu bringen, füllte der König, welcher die trotz eines Ge- 
brechens wohlbegründete Expectanz der Holsteiner Grafen nicht 
ehrte, die wenigen ihm noch vergönnten Lebensjahre aus. Mau 
muss dabei ebensosehr und noch mehr sein diplomatisches Ge- 
schick und unermüdliches Arbeiten wie seine Erfolge bewundern. 
Seine Aufgabe war schwierig, seine Aussichten wenig glänzend. 



* Nitzsch a. a. 0. p. 271. 



193 

3eit Jahrzehnten hatte die Kendsburger Grafenlinic pfandweise 
den Süden des Herzogthnms inne, in dem deutsches Wesen, durch 
litter- und Bürgerschaft wie durch die fürstliche Regicrungs- 
fcätigkeit gefördert weitere und tiefere Wurzeln schlug; der Nor- 
«n dagegen war mehr dänisch und der Hauptsache nach in herzog- 
^ ^ chem Besitz geblieben. Waldemar begann mit dem Erwerb der 
ormundschaft über das grosse Leibgedinge der Herzogin Wittwe, 
.. h. über ganz Alsen und eine Reihe anderer festländiächer Har- 
ien, zu deren Uebertragung er sie am 1. Januar 1373 glücklich 
vermocht«. Man sollte erwarten , dass dies die Herstellung des 
'riedens mit den wachsamen und misstrauischen Grafen verzögert 
liätte. Aber nein, schon 3 — 4 Wochen nachher kam er unter 
"Vermittlung der glücklich düpirten Meklenbnrger zu Stande, um 
^ie Erfolge des Königs um einen neuen, kaum von ihm erwarteten 
2u bereichern: durch ihn wurde er wieder Herr in Nordjütland, 
wenn auch noch einige Unruhen im Lande fortdauern mochten. 
Damit hatte er den zweiten Feind des Hansekrieges aus seinen 
Annexionen herausdiplomatisirt und herausgeschreckt und zu einem 
weiteren Theile wett gemacht, was er einst selber verschuldet 
Nun hatte er Frieden im Süden und eine Operationsbasis im 
Norden und konnte in Schleswig auf jene schon gewonnenen Po- 
sitionen gestützt weiter wirken und schaffen. Eine Hauptbedin- 
gung seiner ferneren Erfolge war hierbei die Schwäche und frei- 
oder unfreiwillig« Ergebenheit des Herzogs, der ihm bald sein 
Einlösungsrecht auf das hochwichtige Schloss Gottorp etc., also 
die südlichen Landestheile übertrug, desgleichen Langeland pfand- 
rechtlich abtrat Den Versuch, jenes Recht auch zur Geltung 
zu bringen, wiesen die Grafen, die daduich ihren stärksten Halt 
eingebüsst haben würden, in vertragswidriger, aber durch ihr In- 
teresse gebotener und geschichtlich gerechtfertigter Weise zurück ; 
dagegen verstand er es durch Kauf- Auf lass und umgeschriebene 
Pfandbriefe grösseren und geringeren Werthes immer mehr 
Schlösser, Harden und Güter an sich zu bringen, und so geschah 
es, dass er bei dem in den mittleren Monaten des Jahres 1375 
erfolgten Ableben des Herzogs den nördlichen Theil des Herzog- 
thnms vi)llig in seiner Gewalt hielt Seine Zahlungsfähigkeit zu 
erhöhen sowie seine Positionen zu stärken und zu decken, hatte er 
znvor auch den letzten Heereszug in seinem kriegerisch so bewegten 
Leben unternommen: dei*selbe traf die zahlungssäumigen Nordfriesen, 

Deiiloke, Beziehungen der Hansestädte etc. 13 



194 

# 

die zwischen Dänemark nnd Holstein eingeklemmt ihre Selbstän- 
digkeit lind Freiheit nicht mehr behaupten konnten und schon zuvor 
von Waldemar unterworfen waren , mit neuer Verwüstung und 
arger, dem Könige hochwillkommener Schätzung. — ' Jetzt nach 
des Herzogs Tode musste die letzte Entscheidung fallen: nur ein 
Krieg schien sie bringen zu können, und wie vereinzelt die Kunde 
auftritt, ist sie darum doch glaubhaft, dass er sogleich wenn auch 
nicht heftig zum Ausbruch kam : die Holsten konnten ja unmöglich 
auf den baldigen Tod des Königs, der bei dessen Rüstigkeit nicht zu 
vermuthen, speculiren, daher etwa zurückhalten, sondern hatten 
um nicht noch mehr zu verlieren, ein entschiedenes Interesse, un- 
gesäumt in die kriegerische Action einzutreten. Aber das Geschick 
versagte dem König seine Vorbereitungen weiter und zu glück- 
lichem Abschluss zu führen: eine kurze Krankheit raffte ihn 
einen oder einige Monate nach des Herzogs Tode dahin. Wer 
will sagen, welche Entscheidung sonst der unausbleiblich ernstere 
Waffengang gebraclit hätte? Aber jetzt wurde es den Grafen, zu 
denen sich nun auch Graf Adolph aus der Plöner Linie, Wai- 
demars langjähriger Anhänger, wieder gesellte, leicht Schritt für- 
Schritt und zwar schnell mit List, Bestechung und Gewalt di^: 
königlichen Stellungen zu nehmen und das ganze Herzogthunm 
mit ihrem Erblande zu einen. Es folgte diesem nur thatsächlicheim 
Verbände bald der staatsrechtliche nach, der wie oft auch mit Wort 
und Schwert bekämpft doch fortgedauert hat bis auf unsere Tage. 
Die nächste Nachfolge in Dänemark war eben nicht im Staude 
und anderer Ziele wegen zunächst auch nicht gewillt, den Grafen 
die reiche Beute, durch die sie Macht und Ansehen ihres Hauses 
gradezu verdoppelten, streitig zu machen und entschlosB sich zau- 
dernd zu ihrer lehnrechtlichen Sauction. Auch für die Hanse, 
namentlich die wendischen Städte konnten diese Verwicklungen 
und Entwicklungen nicht gleichgültig sein: sie bedeuteten ja den 
Ausfall eines selbständigen Factors aus dem politischen System 
des Mordens und die entsprechende Besitz- und Machtvermehrüng 
eines anderen. Aber hindernd einzugreifen, hatte sie nach Lage 
der Dinge kein irgend zwingendes Interesse noch auch ein Recht; 
sie Hess aufmerksam beobachtend ^ die Vorgänge geschehen, die 
ihren Handel nur wenig benachtheil igten. 



» H. B. H Nr. 50 (p. 63). 



195 

• 
Noch einem andern Punkte, der Stellung des heimgekehrten 

Waldemar in seinem Reiche, mtlsscn wir einen Augenblick unsere 
Aufmerksamkeit zuwenden. Dahlmann hat Hlr die Autorität des Königs 
dessen tyrannischer Weise er die hauptsächliche Schuld am letzten 
Kriege zuschreibt, die schädigenden Folgen desselben sehr hoch 
in Anschlag gebracht. Aber die beigebrachten Beweise ermangeln 
der ttberzeugenden|Kraft. — Dass Waldemar jenen friesischen Zug mit 
Miethstruppen , nicht mit heimischem Aufgebot ausftlhrte, recht- 
fertigt kaum die zweifelnde Frage, ob er überhaupt noch darüber 
verfügt habe. Auch in besseren Tagen hatte er nach dem Kriegs 
brauch der Zeit Soldtruppen verwandt. Zudem war nach dem 
zweijährigen und längeren schweren Kriege eine Erholungspause 
ein ganz natürliches Bedürfniss und ist kaum zum Nachweis einer 
Schwächung der königlichen Heeresgewalt verwendbar. Eine 
weitere Argumentation Dahlmanns gründet sich auf den bekannten 
Brief des Kaisers Karl, wahrscheinlich an den dänischen Reichs- 
rath, die Mahnung enthaltend, den verwittweten König zur Wieder- 
verheirathung zu bewegen, mit dem ausgesprochenen Zweck, durch 
eine erbfähige Nachkommenschnft inneren Kriegen zuvorzukommen. 
Dahlmann ist nun geneigt, die Anregung zu diesem Schreiben 
dem König zu vindiciren und schliesi^t dann hieraus wie aus einer 
Thatsache, auf eine grosse Abneigung der hohen Aristokratie 
gegen den König und dessen geringen Einfiuss auf sie zurück. 
Ich bekenne^ dass ich den sonst so klaren Autor hier nicht recht 
begreife. Als ob Waldemar zum Beschluss einer neuen Vermäh- 
lung erst der Zurede seiner Untergebenen oder zur Ausführung 
desselben erst ihrer Genehmigung bedurft hätte! Das Sachverhält- 
niss ist doch vielmehr dies, dass der vielgewandte Luxemburger, 
seit kurzem auch Landesherr der Marken, dieser Schlussstellung 
seines grossen , tief nach Deutschland hineinreichenden Macht- 
gefUges, ein Interesse daran zu haben glaubte, durch die Fort- 
dauer der bestehenden dänischen Dynastie die Meklenburgische 
Nachfolge gleichviel ob im Widerspruch zu seiner feierlichen Zu- 
sage hinfällig zu machen. Auch die Beschwerden, mit denen 
König Waldemar sich wegen einiger seiner Prälaten, — ich finde 
den Zusatz wegen des Zustandes seines Reiches nicht begründet^, 
— an die Curie wandte, können kaum wie Dahlmann folgei*t, die 



» Cf. Suhm a. a. 0. XIII p. 743. 

13 



196 

« 

Gebundenheit seines Willens so zweifellos beweisen. — Das frei- 
lich ist ansgemacht, folgt gewissermassen ans der Logik der That- 
sachen, dass der Städtekrieg und dazu die langjährige Abwesen- 
heit des Königs in den schlimmen, seiner Gegenwart hochbedürf- 
tigen Zeiten seine Machtmittel nnd seine Autorität verkürzten. 
Dafür finde ich auch einen mittelbaren urkundlichen Beweis in 
der Verordnung vom Jahre 1396, welche Ostern 1368 als Zeit- 
punkt seiner Abreise nach Deutschland zum Termin bestimmte für 
die Restitution aller unrechtmässig entzogenen Krongüter, derent- 
wegen sie jedenfalls hauptsächlich erging. ^ Aber dass man sich 
diese Minderung seiner königlichen Gewalt nicht zn gross, seine 
Missliebigkeit bei den Grossen des Reichs in nicht zu weiten 
Kreisen verbreitet denke! Es ist wahr, Waldemar hat nicht die 
beste Nachrede hinterlassen. Suhm hat diese Einzelproducte der 
geschäftigen Volksphantasie, die allerdings in der Richtung unmit- 
telbar gehabter Eindrücke nur erweiternd, übertreibend schafft undi 
dichtet, sorgfältig zusammengetragen. Aber sind sie nicht eigent- 
lich allesammt geeignet, an ihrem Theile nicht sowohl die Schwäche 
als die Macht seines Königthums auch für seine letzten Regie 
rungsjahre zu erweisen ? Und wie sollte es nicht geschehen sein 
dass seine geschickten und glücklichen Verhandlungen mit des 
Meklenburgern und Holsteinern, seine raschen Fortschritte in Jüfl 
land und seine im eigentlichen Dänemark wieder aufgenommei« 
richterliche und administrative Thätigkeit seine gesunkene Mach. 
Stellung schnell wieder hoben ? Auch Graf Claus ist dafür ke 5 
schlechter Zeuge , wenn er bei der Nachricht von seinem Tode ' 
frohlockenden Jubel über die Befreiung von einem so mächtige 
Feinde ausbrach.^ Bei guter Kasse muss der König übrigens 
seiner letzten Zeit stets gewesen sein, auch das immerhin ein .^^ 
zeichen seiner noch iroponirenden Stellung. Wir finden ferii * 
eine Reihe der hervorragendsten Adligen um und für ifi 
thätig: also auch eine so grosse und allgemeine MissbeliebtH e 
kann ihm füglich nicht zugesprochen werden. — So im AI 
gemeinen des Königs Lage in seinem Reiche. Wie gestaltete 
sich nun seine äusseren Beziehungen zu dem dritten Gegner, 
Städten ? 



* Dabimann a. a. 0. p. 71. 
2 Presbyter bremens. cap. 27. 



197 

Antwort erwarten wir von den Akten ihrer näcliteu Versamm- 
lung, die in Abweichung von dem Tönsberger Besehluss schon am 
1. Mai 1373 in Lübeck zusammentrat und ausser den vier wen- 
dischen Städten von Hamburg, Lüneburg, Stettin, preussischer- 
seits von Kulm und Thorn , aus dem gothländisch - livländischen 
Drittel von Wisby, Riga, Dorpat, Reval und der grössten süder- 
seeischen Commune Kftmpen beschickt wurde, eine Versammlung, 
deren zahlreichem Besuche in mehr als einer Richtung ihre Be- 
deutung entsprach. — Der Recess geht über das städtische Ver- 
liältniss zum König freilich stillschweigend hinweg, aber ein 
gleichzeitiger, ihm zugeschriebener Brief verbreitet darüber helles 
Liebt £r ist in höflichster Form gehalten, beg. üsst ihn mit dem 
wenig verdienten Schmeichelwort „fautor graciosus^ und nennt 
die versammelten Rathsherreu der slavischen, preussischen , liv- 
Itodischen und anderen Städte, als welche sie sich imponirend 
genug einführen, „humiles^: beides natürlich Ausdrücke von ge- 
i*ingüm Gewicht, ganz entsprechend der ausgesuchten Höflichkeit han- 
sischeu Briefstils, wo es galt, von befreundeten oder nicht grade 
v^erfeindeten Fürsten zu forderu und zu gewinnen. 

Endlich nehmen sie denn von der ausgebliebenen Friedens- 
bestätigung Notiz und bitten den König nun dringend, sie vorzu- 
aeLmen und der üebereinkunft getreu die Briefe darüber, wie 
sie ihrerseits längst gethan^ nach Stralsund zur Auswechslung ein- 
zusenden. — Eine zweite Bitte betraf neue und kürzlich erlittene 
Schäden. Viele Städte und Kaufleute hätten sich vor ihnen, so 
führen sie aus, bitter über schwere Verluste und Kränkungen be- 
schwert, welche dänische Vögte, Beamten und Vasallen neuerdings 
ihnen zugefügt. So habe im verwichenen Jahre Jacob Niclesson, 
den die Friedensurkunden 1370 als Schlosshauptmann von 
^urre und dem benachbarten Seeburg aufi*ührcn, eine Stellung, die 
®^ aber 14. Aug. 1376 nicht mehr inne hatte \ — im Nordsund 
^^^ einem gestrandeten Schiffe grosse Summen haaren Geldes in 
^^Id- und Silbermünze und verschiedene gerettete Güter ihren 
*^%fjnthümern , Lübecker und Stralsunder Bürgern entwendet, 
^^hnlich sei es letzteren in dem laufenden Jahre im Grönesund 
^^Vch Peter Niclesson, vielleicht Bruder des vorigen? ergangen, 
^^x* aus seinem Amt als Hauptmann Wordingborgs in gleicher 



' H. R. I Nr. 530 (p. 492) etc.; II Nr. 136 (p. 148). 



Eigenschaft nach der schon Ischen Vcste Lintholm versetzt war 
und daselbst 1370, aber gleichfalls 1376 nicht mehr erscheint;^ 
wie konnte er übrigens, war er noch Schlosshanptmanu in Schonen) 
sich des Strandrechtes im fernen Grönesund unterwindeu ? ! Beide 
Gewaltthäter scheinen nach dem Gesagten Beamte des Königs ge- 
wesen zu sein. — Ein weiterer Klagepunkt richtet sich im Grunde 
gegen diesen selbst. Bei der Eroberung der zur holsteinischen 
Pfandschaft gehörigen Stadt Flensburg, die durch diesen und 
einen anderen hansischen Briefe meines Wissens erst bekannt ge- 
worden und sei sie nun vor oder gleich nach dem Frieden mit 
den Grafen geschehen, sehr auffallen muss, — bei dieser Erobe- 
rung seien durch seine Manuen Schiffe, die sammt ihrer Ladung 
Bürgern von Wismar gehörten, aufgegriffen und wie verlaute, zu 
seinem Gebrauch gekommen und in Apenrade gleichfalls Bürge 
jener Stadt von den Seinen durch Pferderaub geschädigt 
sind somit Gewaltthätigkeiten , die im Zusammenhang mit seine 
Vordringen in Schleswig stehen und kaum ohne sein Wissen un 





Wollen verübt wurden. Sicher würde der behutsame und in dei 
Form so sclionende Briefsteller jenes Gerücht nicht aufgenommei 
haben, wenn er nicht Grund hatte, von der völligen Wahrheit dei 
selben überzeugt zu sein. — Dann Klagen noch anderer Arl 
nämlich über Belästigungen des Handels, die sich zwar in legs 
leren Formen, aber an um so zahlreicheren Orten des Reich^^s 
zugetragen hatten. Sie bestanden in neuen missbräuchlich^^^n 
Schätzungen und Satzungen, die wieder von Vögten und Officiul ■ c n 
ausgegangen waren. So habe der adlige Vogt gemeinschaftli.. ch 
mit dem Kath von Kopenhagen von jedem dort überwintern^^Hen 
deutschen Kaufmann 16 grote (= ca. 336 Rm.) für die Wint er- 
läge eingetrieben, in die sich beide dann gleichmässig geth ^ilt 
hätten. Zu ähnliclien und anderen Beschwerden gäbe das ^^^er- 
halten der Behörden in Goek, Malmö und vielen anderen Städi^ ten 
und Ortschaften des Reiches Anlass. — Mithin auch hier, kb 
wiederhole und betone, nicht einfacher Raub, sondern officio lier 
Druck. Wohl zu beachten ist der Einfluss, den die VeraammL ring 
trotz der städtischen Pfandherrschaft indirect dem Könige m 
Malmö mit jener Klage einräumt. — Ob aller dieser VorfÄUe bittet 



»Ebd. I Nr. 336 (a. 1364); .530 (p. 492) (a. 1370); II Nr. 136 (p. 146j. 
2 Ebd. II Nr. 50 (p. 63). 



199 

^ie ihn in ebenso dringlicher als devoter Weise , jenen Beamten 
^ud Mannen die schleunige Zurückgabe oder Vergütung der ge- 
raubten Güter und Erpressungen au die betroflfenen Bürger und 
Kaofleute, nicht also an die Städte! — streng eiuzuschärfen , so- 
wie für die Zukunft holchem Unwesen im Voraus zu steuern. 
Zum Schluss beglaubigt sie den Ueberbringer des Schreibens zu 
'Qündlicher Besprechung und erbittet eine ihm mitzugebende, also 
sofortige Antwort 

Wenn man nun auch nicht alle Anlässe für diese letzteren 
^l&gen näher datiren kann, es ist doch wahrscheinlich, dass sie 
wie die übrigen erst nach des Königs Rückkunft eintraten; und 
k^um wird man fehl gehen, sie wie jene eben hiermit in einen 
gewissen ursächlichen Connei zu stellen. Nicht als wenn der 
^Önig direct diese Belästigungen meist oder immer anbefohlen 
^^tte; das lässt sich zum Mindesten nicht erweisen, ist jedoch an 
^^h in hohem Masse unwahrscheinlich und zwar um so mehr, als 
^er Brief annehmen lässt, dass nicht er, sondern die betreffenden 
^^amten vorbehaltlich jener in Südjütland passirteu Räubereien 
^^n Nutzen ihrer Gewaltsamkeiten davontrugen. Aber diese kann- 
''^n seine Erbitterung gegen die Städte und mochten sich, seit er 
Nieder im Lande war, um vieles sicherer gegen deren Repressa- 
lien glauben. Desto Wünschenswerther musste jetzt die vollkom- 
mene Bestätigung des Friedens erscheinen, deren bisheriger Mangel 
^em ganzen tollen Treiben noch einen Schatten von Berechtigung 
Leihen konnte. Im Uebrigen aber seidenen sich mit ihm, wesent- 
lich also durch Schuld hierin eigenmächtig agirender Behörden 
Jene schwer gerächten Gewaltthätigkeiteu des vorigen Jahrzehnts 
Wiederholen zu sollen. — Weniger unmittelbar traf die Städte 
^ine unerhörte Keckheit des Königs. Es erschien nämlich vor 
^er Versammlung Hennings Schreiber und erklärte, gewiss zu ihrem 
Sprachlosen Ei*staunen, dass der König seinem Herrn den ihm 
s^tätischerseits bewilligten Zollantheil genommen habe, und begehrte 
fienigemäss von der Conföderation, „ihn nicht in ihrem Dienst ver- 
derben zu lassen^. Unzweifelhaft auf jenes Ereigniss stützt dieser 
dann die weitere Bitte, ihn der ferneren Schlossbewahrung zu 
überheben, den Contract also, der erst mit dem Jacobstag 1375 
ablief, vorzeitig zu lösen. — Wie nun? Mau muss wissen, dass 
das persönliche Verhältniss des Königs und des Reichshauptmanns 
zu einander von Duhlmann, der es als ein sehr gespanntes hin- 



200 

stellt, entschieden verkannt ist; davon überzeugen wenn auch nicht 
die etwas leichtfüssige Angabe bei Suhni (XllI, p. 724), wonach 
besondere die artige Buhle des Königs Lille Tove durch ihre Ver- 
wandtschaft mit Henning die Freundschaft zwischen beiden ver- 
mittelt habe, unwidersprechlich die Nachrichten, die die Hanse- 
recesse darüber gebracht haben. Aber um so schlimmer auf den 
ersten Blick für unseren Zweck eine Erklärung jenes Vorfalls zu 
finden. Lag eine solche allenfalls in der Voraussetzung eines 
feindseligen Verhältnisses, so nimmt der König nunmehr nicht 
bloss dem ersten Reichsbeamten, sondern seinem Freunde die 
Gelder, die er nothwendig zu der von ihm selbst überdies ge- 
wünschten Verwaltung der abgetretenen Schlösser und Vogteien 
gebiauchte. Musste er ihn sich damit nicht zum Feinde machen 
und seinen Rücktritt aus jener Verwaltungsstelle und ihre Ueber- 
tragung höchst wahrscheinlich an einen Deutschen veranlassen, 
die ihm doch keinesfalls willkommen sein konnte? Das alles nm 
etwa 600 7^^ lübisch? Schon diese Unklugheit macht stutzig: 
denn sie war des Königs Sache nicht. — Was aber soll man gar 
dazu sagen, dass sein Uebergriff nicht die mindeste Störung in 
seinem Verhältniss zu Henning hervorbrachte; dieser bleibt nach 
wie vor dem König hold und gewärtig, nach wie vor von ihm in 
den wichtigsten Reichsgeschäften verwandt. — Wie reimt sich das 
alles? Doch nur, wenn er gar keinen Uebergriff beging, wenn es 
sich vielmehr um ein abgekartetes Spiel handelt, in dem der 
König die Rolle des Diebes, der Statthalter die des Bestohlenen 
vertrat. Der Zweck leuchtet ein und lag auf Seiten des ersten; 
ihm war es nm das stets benöthigte Geld zu thun, und wer weiss 
ob nicht auch den verhassten Städtern eins auszupudeln, während 
der andere sich gutwillig zum Mitspiel dieser Finanzintrigue her- 
gab. Man versuchte und hoffte die Städte zum Ersatz der ent- 
wendeten Summe zu bewegen und durch Drohung mit Hennings 
Rücktritt einen Druck in diesem Sinne auszuüben. Die Versamm- 
lung natürlich auf einen solchen Zwischenfatl nicht vorbereitet, 
zog ihn an den Rath und sagte dem Schreiber nur eine Ant- 
wort für den nächsten Tag zu. Allein dieses Unvorbereitet- 
sein macht auch einigermassen die höchst auffällige negative That- 
Sache, — wofern man sie nicht als einen Beweis beispielloser 
Nachsichtigkeit gelten lassen will, — verständlich, dass sie in 
ihrem Sendschreiben an Waldemar mit keiner Silbe der Sache 



201 

£rwähnung that. Dass sie ihr nämlicli bis dahin bcliou mitgetheilt 
war, darüber herrscht wohl nach dem Datum des erst am Schluss 
der ersten Versammlungswoche aufgesetzten Briefes kein Zweifei. 
P^reilich blieben die Städte auch fernerhin der mit diesem Schwei- 
fen wenigstens angedeuteten Dulderpolitik besagtem Vorfall gegen- 
über getreu, der andrerseits allerdings mehr eine Injurie als eine 
materielle Schädigung für sie bedeutete. 

Was übrigens die Art der Entwendung betrifft, so kann sie 
freilich nicht zu einem misstrauischen Blick auf Hennigs Unschuld 
veranlassen. Es war ihm ein Drittheil des städtischen Zolls zu- 
gewiesen, aber nicht etwa mit der Massgabe, dass die Städte die Er- 
hebang desselben besorgen würden, die vielmehr seine eigene Sache 
^ar. Andernfalls wäre die königliche Wegnahme unmöglich gewesen. 
^B steht nun nach meinem Dafürhalten ausser Frage, dass Hen- 
ning nicht private Zöllner an den 3 llebestellen einsetzte. Aus 
^iQer soichen weiteren Trennung der ZoUeutrichtung wären auch 
^^eitere ünzuträglichkeiten für den zahlenden Kaufmann hervor- 
gegangen; sonst dürfte man fragen, warum zur Verhütung von 
Wiederholungen die Städte nicht diesen Ausweg empfahlen. Hen- 
ning muss den königlichen Beamten die Befugniss der Aufnahme 
^ibertragen haben und konnte so allerdings in Gemeinschaft mit 
^em König jene Manipulation begehen, ohne sich dem entschiedenen 
^^ erdacht der Städte auszusetzen. Diesen scheint in der That ein 
Solcher gar nicht gekommen zu sein : sonst würden sie schwerlich 
4ie Schlossadministration in seiner Hand belassen, noch weniger 
^le aufs neue hineingelegt haben, wie sie beides thaten. 

Noch eine Frage bleibt, die nach dem Jahr des fraglichen 
^olls. Im nächsten Jahre kehrt die nämliche Klage über könig- 
lichen Zollraub wieder, diesmal mit der näheren Zeitangabe seiner 
^erübung im J. 1373 ; mau könnte zunächst geneigt sein, ihn mit 
clem hier geklagten zu identificiren. Doch geht das nicht an. 
I3ie Erhebung begann ja erst mit der im Juli stattfindenden Er- 
öffnung der ^schonischeu Reise^', wie das einfach und schlagend 
die derzeitige Installirung der städtischen Einnehmer beweist. Wir 
müssen demgemäss den in Rede stehenden Zoll dem Jahre 1372 
zuweisen und seiner Zeit die Wiederholung des Trugspiels con- 
statiren. 

Vielleicht hat auch diese Henningsche Angelegenheit dazu 
beigetragen, das lebhafteste Interesse der Versammlung der Ver- 




theilung und Verwendnng der schonischen Natzungen zuzuwenden, 
während sie eine Ordnung ihrer diesjährigen Auinakme dem Recess 
zufolge unterliess. 

Eine verfassungsmässige Regelung jener Vertheilungsfrage 
gleich nach dem Erwerb der Pfandschaften hatte man nicht für 
nuthig befunden, sie offenbar dem Zeitpunkt ihrer eraten un- 
mittelbar praktischen Bedeutsamkeit vorbehalten. Im Oct. 137 1, 
dem Termin der ersten Abrechnung, die wenn überhaupt, so eine 
kaum nennenswerthe Auftheilungssumme ergab, trat er nicht ein, 
aber jetzt scheinen sich die Städte der dann freilich illuBoriBchen 
Hoffnung auf eine Dividende hingegeben zu haben , und damit 
gewann die Feststellung eines Theilungsmodns eine unmittelbare 
Wichtigkeit. Man hatte für ihn eine Analogie in den früheren 
Vertheilungen des Pfundzolls; er war erhoben, um den Bedai'f 
zweier Kriege zu bestreiten und dementsprechend nach Maass- 
gabe der geleisteten Mannschaftscontignente, nicht etwa nach dei 
zufälligen Vereinnahmungen der betr. Städte, die zu grossei 
UnglelcliJiheiten und Unbilligkeiten führen musstc, vertheilt. Bei^ i 
der ersten Abrechnung des zweiten Pfundgelds Oct. 1368 hatti 
man dies Vertheilungsprincip ein wenig modificirt, insofern mai 
die massige Gesammtheit der Städte in zwei Abtheilnngen zer 
gliederte und diesen überliess, die auf sie entfallenden Betrag* 
des Weiteren uuter sich zu theilen, wobei sie denn das ManiEUK^ n- 
scliaftsverhältniss als massgebend zu Oininde legte!). Bei dem alle^Ez^^en 
ist nur das Auffallende, dass die wendisch-livländischo Gruppe mmzmjAi 
ihren 1050 Mann eine geringere Procentualquote aufzuweisen h^mniisX 
als die preussisch-niederländisclie mit .ihren 950 Mann, dass mf .mzußli- 
hin die Differenz der Mehrleistung jener Gruppe der Differer ^^-2bz 
ihrer finanziellen Besserstellung nicht genugsam entspricht Die^^ ese 
von Koppman urgirte aber nicht aufgeklärte Eigenheit »ohez ^^ssint 
bloss eine Aufgabe jenes Mannschaftsprinoips zu bedeuten; in 

Wirklichkeit erklärt sie sich, wie ich meine und eine Nachrechm 
wenigstens annähernd bestätigt, daraus, dass die Höhe der in 
Kölner Couföderation festgesetzten Pflichtcontingente, die mit 
wirklich geleisteten nicht übereinkommen, als normativ angese^ic// 
wurde.^ Wie sich dies aber auch verhalte, in jedem Falle h^ite 
man hier schon zum Behuf grösserer rechnerischer und adminiatn- 




1 Koppmann U. R. 1, p. 430 und ebd. Nr. 4b4. 



203 

tiver Bequemlichkeit die Masse der Städte in zwei Gruppen unter- 
Bchieden. Jetzt nahm man diese Massregcl mit Beibehaltung der 
Zusammensetzung der Theile ftir die Zoll- und die eng damit zu- 
sammengehörige Kostenvertheilung betreffs der sehonischen Ge- 
sammtverwaltung wieder auf und leitete dadurch für einen an- 
dauernden Wenn auch schon zeitlich begrenzten Zweck eine neue 
Theilung des grossen Städteverbandes ein, wie er sich bereits seit 
langer Zeit in die drei Drittel aus Zweckmässigkeitsgründen zer- 
legt hatte.^ Es wurde zwischen den wendisch-livländischen Städten 
mit ihren zubehörenden einerseits und auf der anderen Seite den 
prenssisch-niederländischen und zugehörigen — diese Zusätze frap- 
piren ein wenig, da doch diese zugefügten Gemeinwesen kaum an 
den sehonischen Erwerbungen participirten, — eine „Eintracht"* 
dahin getroffen, dass jede dieser Abtheilungen fernerhin zur 
Hälfte Kosten, Risico, Schaden und Gewiun an den sehonischen 
Schlössern und Zöllen übernehmen und überhaupt in jeder Hinsicht 
an ihnen „nach Laut der Briefe", — womit wohl die dänischen 
Vergabungsurkunden gemeint sind, — gleichmässig interessirt sein 
sollte. Als eine besondere Consequenz dieser allgemeinen An- 
ordnung ergab sich in Rücksicht auf das Entlassungsgesuch Hen- 
nings die Beschliessung, nur mit Uebereinstimmnug beider „Par- 
teien'' im Bedürfnissfall die hochwichtige Stelle des obereten 
Schlosshauptmanns neu zu besetzen. Liesse sich aber dafür 
niemand finden, so sollen beide eben die Kosten gleichmässig tragen 
und einmttthig das Weitere beratheu. Dieser ganze Vorschlag — 
denn dies nur war er zunächst — ging von der lübischen Partei 
aus; die anwesenden Vertreter der preussischeu und süderseeischen 
Communen zogen ihn an den Rath, versprachen aber sobald als 
möglich den Bescheid nach Lübeck zu entbieten. Wie es scheint, 
geschah jenes, wenigstens bei einem Theile, nicht vorwiegend aus 
mangelnder Vollmacht, sondern schon aus Bedenklichkeiten gegen 
die Institution. Dem gegenüber aber erklärte die wendische Partei 
ausdrücklich, im Fall der anderseitigen Ablehnung des Entwurfs 
an dem durch den Stralsunder Frieden geschaffenen Rechtszustaud 
festhalten zu wollen. — Die einzelneu Artikel derselben sind klar 
und durchsichtig genug, nur eine Frage drängt sich zu, wogegen 
denn Preussen und Süderseeer zunächst Verwahrung einlegten. War 

» Klar ausgeaprochen 1347 (cfr. H. R. I, Nr. 143). 




es das Ganze, also aiicli die gleiciic Tlieiluiig des Zolls unter beide 
Gruppen V Allein hiergegen konnten sie nichts haben, da sie da- 
bei wo nicht besser doch zum Mindesten ebenso gut standen als 
die andere Partei. Sie werden sich, wie die wiederholten münd- 
lichen und schriftlichen Debatten der nächsten Jahre mit den 
Preussen bezeugen, vorwiegend gegen die fernere Bewahrung der 
Schlösser gekehrt haben; diese erschien bei der Inanspruchnahme 
eines Zolldrittels und der Hardenerträge den Opponenten zu kost- 
spielig und der Vortheil den diese festen Stützpunkte der städtischen 
Macht für die Sicherheit des ganzen Friedenswerkes gaben, nicht 
als ein genügendes Acquivalent: finanzieller Eigennutz verbunden, 
wie es sich fast anlässt mit einem gewissen Eigensinn verdunkelte 
die klare und unbefangene politische Erwägung. 

> Auch zwei Sendboten Wisbys waren diesmal erschienen, be- 
sonders wohl wegen der Anliegenheiten des Kaufmanns zu Now- 
gorod, dem grossen russischen Centralmarkte, wo die alte Ostseestad 
noch einen hervorragenden Einfluss bewahrte. Aber sogleich habe 
sie wieder eine Mahnung an ihr Kölner Gelübde zu vernehmen 
hätte sie doch darin erklärt, nach Beendigung des Krieges ger 
eine mit ihrer Ehre verträgliche Beisteuer zu gewähren. Natürlic 
kamen die Herreu der Aufforderung der Versammlung, die Sach 
hinter sich an den Kath zu bringen nach, aber wie zu vermuthe 
stand, schleppte sie sich wie bisher, in langsamem Tempo weite 
um am Ende wohl ganz im Sande zu verlaufen. 

An erster Stelle bringt der sehr gut und übersichtlich df ^s- 
ponirtc Kecess die auf Norwegen bezüglichen Beschlüsse, um der» —reu 
willen die vorjährige Gesandtschaft besonders diesen Tag in k^r- _us- 
sicht genommen hatte. Nur im Vorübergehen sei erwähnt, ds. _afi8 
der Kaufmann in Bergen hier wenigstens für ein Jahr noch - ^it 
erbetene Schossaufnahme bewilligt erhielt und einer jeden St ^ aj^ 
in Erfüllung der königlichen Forderung der Auftrag ward, ^dfe/? 
Ihrigen den Import vou nur soliden Waaren, guten Tüchern ^K-und 
ungeialschtem Mehl zu gebieten. Auch gegen die üblichen 'M^ ot- 
schläge und andere geklagte Gewaltthätigkeiten der Deutsc^Zie/? 
brachte mau wenigstens einen Gesetzentwurf ein zur Begutachtvo^ 
des Rathes und Beantwortung auf dem nächsten Tage: Jeder 
Kaufmann und Schiffer, der sich dergleichen zu Schulden kommen 
lässt, soll zu Recht stehen und jeder, der einen Delinquenten in ' 
unzulässiger Weise wegführt, nach dem Recht der Stadt, da er 




205 

angesproclien wird, bltsscn. Diese letztere Zuständigkeitsbestimmung 
verbürgte einen schnellen und erwünschten Gang der Jurisdiction, 
Dnd das Ganze, womit die Städte wohl alles in der Sache thaten, 
was sie konnten, bedeutete ein nicht mehr als billiges Entgegen- 
kommen gegen den König. Einer Berathung oder Beschhissfassung 
Ober die weiteren Artikel und d»s Anleihegesuch desselben sowie 
ffber Klagen und Begehr des Contors wird nicht gedacht; wie wir 
aaeh über Erhalt oder Ausbleib der zugesagten beiderseitigen Ant- 
worten nichts erfahren. Verhandlungen standen indess wieder 
^©vor; und zwar seheint die Vei'sammlung bestimmt — warum, 
^*t nicht ganz deutlich — eine Botschaft des Königs nach Deutsch- 
^^xxA erwartet zu haben. Nur diesen Fall zieht sie in Betracht und 
^^achliesst bei Eintritt desselben nach Kräften auf die Wahl eines 
^»^sseitigen Treffortes hinzuwirken. Jede Stadt der hierin etwas 
'^^nd werde, vor allem also die wo die erwarteten Boten einträfen, 
*^ll den Verbündeten Nachricht zukommen lassen. Bevollmächtigte 
^ ^sandten sollen dann städtischerseits die Verhandlungen führen. 
*^Ventuell aber scheinen die Städte abermals zu einem Norweger 
^^rsammlnngsplatze bereit gewesen zu sein. — Auch hier übergeht 
^^r Recess die Mittheilung, dass sie dem Könige einen Brief zu- 
schrieben ; leider liegt dieser nicht vor, betraf aber wie ein späteres 
^«hreiben zeigt, Beschwerdon, welche die Opslofahrer auf unserem 
^r*age vorgebracht hatten. Sie gehörten vermuthlich nach Rostock 
^Xnd Stralsund, Städte, welche vorzugsweise nach dem genannten 
Qrte handelten: insbesondere führte die erstere auch dorthin ihr 
ä^n Mittelalter so weitberühmtes Bier.^ Von selbst verstellt sich, 
^ass dies hansische Schreiben ebenfalls in höflichster Form ge- 
Vialten war. 

Im übrigen war das Interesse der Versammlung in der aus- 
"wärtigen Politik, um von ilir einen Gcsararateindruck zu geben, 
^em Lüneburger Erbfolgekrieg und der Vorbereitung zweier Ge- 
sandtschaften zugewandt Die eine, die recht bald auf Contor- 
kosten zur Abhülfe von mancherlei Gebrechen und namentlich 
eines kürzlich geschehenen ernsteren Zwischenfalls nach Flandern 
gehen sollte, setzte man ans einem Lübecker, Hamburger und 
Preussischen Rathsherrn zusammen; auch hier aber zeigen sich 
die Preussen zögernd, indem sie die Mitwirkung an dieser diplo- 



1 Cfr. Munch, a. a. 0. Bd. I, p. 881. 



206 

matischen Sendung, freilich wieder mit der Zusage baldigen Be- 
scheides zurückzogen, an den Rath. — Und dann hoch ein kurzes 
Wort über den interessanten Bcschluss einer Gesandtschaft nach Rnss 
land, gleichfalls zur Abstellung mannigfacher Unbilden, welche aus 
Rathmniinorn Lübecks und Wisbys, beziehungsweise auch der nah- 
gelegenen livläiidischcn Städte bestehen soll; die Preussen und 
Niederländer, deren Handel dahin jedenfalls bei Weitem nicht 
ebenbürtig und concnrrenzfähig war, griffen in diese Verhältnisse 
nicht ein und betheiligten sich dementsprechend auch nicht an 
dieser Gesandtschaft. Eine besondere Aufgabe derselben war die 
Ausübung einer interimistischen Gerichtsbarkeit am Petershofe, gegen 
deren Entscheide aber die Appellation offen stand. Wisby will 
sich immer noch nicht dem Beschluss von 129.3 wegen Verlegung 
seines alten Oberhofes nach Lübeck fügen. Auch Riga scheint 
seinem damaligen Einspruch treu geblieben zu sein, wogegen die 
übrigen Städte, denen auch Reval und Dorpat sich anschlössen^ 
an ihrer damaligen Consenserklärung festhalten.^ Zu guter Letzlz 
verfügt man: die Gesandtschaft soll an Ort und Stelle über die= 
Appellationsinstanz die endgültige Entscheidung fällen, die dann wie 
zu erwarten war, gegen das gesunkene Wisby und für das mäch 
tige, fort und fort sich hebende Lübeck ausfiel — Dann sei uocla 
in aller Kürze der Bitte der Stadt Lüneburg gedacht, die für den 
schon erwähnten Erbfolgekrieg die Hülfe der Städte, bestehe sie 
in Zuzug) Geld oder Lebensmitteln anrief. Der eine Prätendent, 
Herzog Magnus von Braun schweig war wegen Widersetzlichkeit 
vom Kaiser 3. Nov. 1372 in die Acht gethan, deren Erklärungs- 
urkunden unter anderen an Lübeck und Hamburg officiell geschickt 
wurden, und das rivalisirende sächsische Herzogshaus in dem 
streitigen Territorium investirt. Auch die Städte Braunschweig 
und Lüneburg, welche letztere den sächsischen Herzögen dem 
kaiserlichen Edicte gemäss gehuldigt hatte, waren durch den 
Streit ihrer Landesherrn selber in heftigen Zwist gerathen; und 
so galt es für die Hanse, einen in ihrem Schosse ausgebrochenen 
Krieg zu beruhigen. Braunschweig war zur Beschickung dieser 
Tagfahrt eingeladen, die es aber der Ungunst der Städte gewiss 
nnterliess, während Lüneburg aus eigenem Antrieb seine Rath- 
männer entsandte. Wenn die Versammlung nun auch mit der 



1 H. R. I, p. 30 ff. 



207 

Antwort anf ihre weitgehenden Anträge liinhielt, so trat sie doch 
Mmfs einer für Lüneburg günstigen Schlichtung des Streites mit 
Brannschweig in Correspondenz, an deren Fortführung Lübeck und 
Magdeburg den Ilauptantheil nahmen. 

In der ersten Hälfte dos Juni wurde dann ein vollzäliliger 
preiissischer Partikularstädtetag zu Danzig abgehalten, von dessen 
Aeten nur ein vom 12. Juni datirtes Schreiben an die Seestädte 
niifbehnlten ist. In willkomraner Weise verzeichnet es die Resul- 
tate der Berathung über die letzten Lübecker Beschlüsse und Vor- 
lagen, die den Hauptpunkt der Tngesordfiung ausgemacht zu haben 
scheint. 

Inzwischen wird der Bote an König Waldemar abgegangen 
sein. Natürlich musste eine Autwort von diesem erfolgen: keine 
^äre ja auch eine gewesen. Wenn daher der Brief eine Mit- 
theilung über den etwaigen Empfang einer Antwort erbittet, so 
ist damit nur an den Fall der noch nicht erfolgten Rückkehr des 
^oten gedacht, die freilich aller Mnthmassung nach bei Ankunft 
dieses Schreibens in Rostock (Ende Juni) längst geschehen sein 
^ UBste. 

Den schonischen Zoll betreifend, über dessen beabsichtigte 
Regelung ihnen ihre letzten Rathsboten nach Lübeck genau be- 
i*iehtet hätten, können die versammelten Städte noch keine Reso- 
lution übermitteln ; indess hätten eben jene dort mit der Vertretung 
Campens verabredet, sich darüber unter einander, natürlich brief- 
lich, bald zu verständigen und danach eine Antwort den Seestädten 
2u entbieten. Sie bitten freundlichst um Geduld und Nachsicht 
lind versichern, die Sache so schnell als möglich betreiben zn 
^oilen. — Für die Forderung an die Gothländer bringen sie so- 
^^ön nach einstimmigem Beschluss eine Beisteuer von 2000 77^ 
^•ejn (== Q^ 6000 7^ lüb. = ca. 420,000 Rm.) in Vorschlag 
^^<i halten dafür, dass jene mit Ehren diese prästiren könnten. 
^uin Nachweis aber der auf dem Köluer Tage eingegangenen 
^t'bindlichkeit beziehen sie sich auf die Aussagen, welche die dort 
^i einander gewesenen Sendboten auf der nächsten Lübecker 
^^fahrt gemacht hätten \ woraus nebenbei hervorgeht, dass die 
^'^Hage in der That nicht in den verloren gegangenen Recess auf- 
genommen war: würden sie doch andernfalls unzweifelhaft auf 



^ Im Recess (H. R. 1, Nr. 420) nicht erwähnt. 



208 

diese siclierstc Quelle zurückgegangen sein. Der Vorschlag war 
verständig und verdienstlich, weil damit dem schwankenden An- 
spruch der Städte eine klare und feste Formel gegeben wurde, 
aber kaum wird man den Antragstellern einräumen, dass die Höhe 
der Summe der Billigkeit entsprach, zumal wenn man damit den 
Kostenbeitrag der ebenfalls inactiven Hamburger im Belauf von 
nur 900 7/1^ lüb. in Vergleichung bringt*; wenig verschlägt 
doch, dass bis zum Mai 1370 die Gothländer in ihrem Hafen kein 
Pfundgeld aufnahmen, da sie ja in ihrem Verkehr mit den hau- 
sischen Handelsplätzen der Leistung nicht entgingen. — Was end- 
lich die Verträglichkeit mit der Ehre angeht, so liegt der Gedanke 
und die Anhänglichkeit au die Landesherrschaft zu Grande, deren 
Bekriegung zu unterstützen in abstracto allerdings nicht eben ehren- 
haft ist. Im Uebrigen rathen sie wegen der bescheidenen Fassung des 
Braunschweiger Antwortsschreibens, das inmittelst schon eingegangei 
war, zu einem gemässigten Vorgehen wohl im Gegensatz zu dek^ ^i 
bisher herrschenden Absicht, und erklären unter Anlage von Ver 
Wendungsschreiben des Hochmeisters an den König von Franl 




reich und den Grafen von Flandern wegen der ihnen mitgetbeilter ^^n 
günstigen Gestaltung der dortigen Verhältnisse eine flandrisch^i^üe 
Gesandtschaft für unnöthig. 

Dieser Brief wurde auf der für den Johannistag angekündigte^^ en 
aber erst 29. Juni eröffneten Versammlung zu Rostock ves=^:-*er- 
lesen. Die Theilnehmer sind nicht genannt, gehörten indess wo ^rsW 
nur zu den wendischen Städten und beschäftigten sich ganz 



zugsweise mit der höchst nothwendigen Verbesserung ihrer z^» er- 
fahrenen Münzverhältnisse. Wie wir aus dem Recess nichts üb==)er 
die für diesen Tag versprochene Beantwortung des Lflnebnr r — ^. ^r 
Hülfegesuchs erfahren, so auch nichts über die Stellang ^ die «/e 
zu dem preussischen Schreiben einnahmen. Als einzige politiscz^/ie 
Neuigkeit bringt er die Weigerung Stargards, den mit König Hali^ on 
geschlossenen Stillstand zu besiegeln; wie und warum sie erfolgr^^? 
ist nicht näher anzugeben; sicherlich weil der Stadt in Norwe^e^ 
irgend eine Unbill widerfahren war; vielleicht auch zu Opslo. B^ s 
soll nun, wenn nöthig, in dieser Sache — wie ich umschreibend d« * 
Notiz wiedergebe — ein Mahnschreiben an die opponirende Stad^Bt 
gerichtet werden. 



^ n. R. I, Nr. 4G9 § 15,40; 490 (p. 450). 



209 

lu dieser Zeit war die ruBsisclie Gesandtscliaft in Vcrfassungs- 
ünö. GericlitsangeiegeolieiteD des Peteraiiotes thätig uud setzte 
überdies einen Vergleicli mit den Eingeborenen glücklich durch. 

Nahezu ein volles Jahr verging, bevor ein neuer allgemeiner 
3tädtetag zusammentrat. £in lübisches Schreiben vom 6. Sept an 
d^n König von Norwegen bezeugt aber, dass die hansische 
Politik in der Zwischenzeit wenigstens nicht gänzlich ruhte. Jenen 
fi^^lion erwähnten Brief der letzten Maiversammlung hatte der 
^Önig mit einem ebenfalls verlorenen Schreiben erwiedert, in dem 
^^* die gerügten Uebelstände entschuldigte, auch wie es scheint, 
lixx* Vorhandensein anzweifelte. Daher wohl in der überaus höf- 
^^^^^lien, gradezu etwas submisseu Antwort der geschäftsführenden 
^ vindeshauptstadt die Versichrung, dass jener Klagebrief dem Be- 
^*^iht der Opslofahrer entspräche. Sie erklärt, den mitverbundenen 
^t;^dten des Königs Antwort und deren Rückantwort ihm mit- 
^^eilen zu wollen: ein ganz instruktives Beispiel für den compli- 
^irten und schleppenden hansischen Geschäftsgang. Da musste 
^^st ein Umlaufsschreiben an die vielen betheiligten Städte er- 
gehen, deren Entscheide einlaufen, ehe etwas Weiteres in einer 
^D einfachen Sache geschehen konnte. — Von der Anregung neuer 
V'erhandlungen oder einer dahin gehenden Anfrage, wie sie die 
Itecessstelle der vorletzten Versammlung erwarten liess, übrigens 
l^eine Spur. 

Am 11. März brachten dann die Preussen bei den Lübeckern 
^ine neue und möglichst baldige Städteversammlung in dem ihnen 
^m bequemsten gelegenen Stralsund in Anregung. Diese aber 
Säind durch nicht näher angegebene triftige Gründe ausser Stande 
Oenen Versammlungsort zu acceptireu und bitten in ihrer Antwort 
«u die Preussen und ihrem Einladungsschreiben an Stralsund und 
Campen, die uns hier wieder in ihrer hervorragenden Bedeutung 
entgegentreten, ihre Stadt dafür auszuwählen. Als Haupt- 
berathungsgegenstände machen sie die dänischen Schlösser, Raub 
und Behinderung von schiffbrüchigem Gut neuerdings in Dänemark 
und an anderen Orten erlitten, sowie Bedrückungen in England, Flan- 
dern und Frankreich neben anderen Anliegen namhaft. Ungewiss 
bleibt, ob jenen standrechtlichen Beschwerden gegen Dänemark 
auch neue oder bloss die in dem Brief v. J. 1373 vorgebrachten 
Thatsachen zu Grunde liegen. Auch bemerke ich, dass von den 
doustigeu damals geklagten Gewaltsamkeiten hier nicht gesprochen 

Uehuicke, Beziehungen der Uanttestädto etc. 14. 



210 

wird, ohne aber damit einen Schluss auf ihre etwa geschehene 
Abstellung nahe legen zu wollen. Zugleich bitten sie die Preussen, 
ihren Gesandten zu der wohl durch ihren Einspruch bisher unter- 
bliebenen flandrischen Gesandtschaft zu schicken, damit nicht die 
Fläminger aus ihrer Zurückhaltung auf inneren Zwiespalt schliessen 
möchten. Endlich ersuchen sie um sofortige Einsendung der Töns- 
berger Stillstandsratificationen, um zu dem vorgesehenen Termin, 
dem nächsten Johannistage dieselben eingeben zu können: auch hier 
Lübeck wieder der geschäftsführende Vorort der ganzen Föderation. 
Interessant ist in diesem Passus auch die oft begegnende Frei- 
stellung des Beitritts zu den geschlossenen allgemeinen Verträgen. 
Der Wunsch und Vorschlag Lübecks fand Beifall, und am 21. Mai 
1374 trat hier die Versammlung unter Theilnahme der 4 wendischen 
Städte sowie Stettins und Hamburgs, Thorns und Elbings zusammen; 
während die Niederländer der an sie ergangenen Einladung nicht 
folgten. Sie stand und arbeitete unter dem frischen Eindruck 
eines Ereignisses, welches einen Monat zuvor die Städtewelt des 
nördlichen Deutschland in grossen Schrecken gesetzt hatte und in. 
lebhafter Spannung erhielt. Am 17. April war nämlich in Braun- 
schweig, sicher im Zusammenhang mit den letzten Kriegswirren. 
eine äusserst radicale Zunftbewegung ausgebrochen und hatte zur 
Hinrichtung von 10 Rathsmitgliedern, zur Flucht oder Verfestung 
der übrigen und ihrer Verwandten geführt. Mit diesem AufätanJ 
hielt jener „ Zunftteuf eP^ der schon seit lange das südwestdeutschc 
Städtegebiet siegend und unterliegend beunruhigt hatte, seinev 
ersten siegreichen und bedrohlichen Einzug auch im Norden. Dieser 
ihm beiwohnenden Kraft der Propaganda war man sich hier deut- 
lich bewusst, und nichts natürlicher, als dass die gefährdeten 
Rathsaristokratieen und ihr Hauptbollwerk, die lübische dio alte, 
vorwiegend merkantile Verbindung ihrer Städte ausbeuteten, um 
repressiv gegen den geschehenen und präventiv gegen weiteren 
drohenden Umsturz anzukämpfen. Damit erhielt der Inhalt der 
hansischen Geschichte ein ganz neues Element: der Verein wirft 
sicli auf nicht allein zum Vermittler von Streitigkeiten der Bundes- 
glieder, sondern zum Wächter der bestehenden städtischen Ver- 
fassungen und fügt dadurch seiner inneren und äusseren diplo- 
matischen Thätigkeit mit bewusster Energie eine verfassungs- 
politische Richtung hinzu. Bezeichnend ist die Kundgebung 
unseres Tages im Fall der Weigerung der Braunschweiger, Ge- 



211 

nugthaung und Sühne zu gewäliren, sich nämlich nicht bloss mit 
ihrem Ausweis aus der Hanse begnügen, sondern ihnen überhaupt 
auf alle Weise auch den ausserhansichen Verkehr abschneiden und 
gegen die Anstifter des Aufruhrs wie gegen Mörder und Räuber 
vorgehn zu wollen : der Bund hielt sich befugt, eine völlige staat- 
liche Control-, Zwangs- und Strafgewalt über svine Mitglieder zu 
beanspruchen und auszuüben. Das viele hansegeschichtlich Wich- 
tige und Interessante, wie es der Verlauf dieses langjährigen Con- 
flicteS) dem sich bald ähnliche Unruhen in anderen Städten anreihten, 
hier auch nur anzudeuten, liegt mir natürlich fern; nur möge 
man in ihm zu den schon früher beigebrachten ein weiteres und 
höchst bedeutsames Erklärungsmoment für das leise Auftreten der 
Städte, in erster Reihe Lübecks gegenüber Dänemark und Norwegen 
erkennen! 

Wir treten an den Recess mit der Erwartung heran, Aus- 
kunft zu erhalten über die Entscheidung oder doch Weiterführung 
der mit dem Dänenkönig schwebenden Fragen. Noch das Ein- 
ladungsschreiben hatte wenigstens eine davon auf die Tagesordnung 
gesetzt, Raub und Behinderung von gestrandeten Gütern. Aber 
diese Erwartung wird getäuscht: kein Wort von der Bestätigung 
des Friedens, den Bedrückungen der Beamten, im Besonderen der 
Entwendung und Belästigung des schiffbrüchigen Guts. Sollte man 
nicht zu der Ansicht neigen, dass König Waldemar bei den brief- 
lichen und mündlichen Mahnungen der Städte guten Willen gezeigt 
und ihn gar thätlich schon zu ihrer Zufriedenheit bewiesen habe? 
Aber nicht doch. Nie hat er ja den Frieden besiegelt, gewiss 
auch keinen neuen Termin hiefür gelobt, und wenngleich dies die 
einzige unter jenen Beschwerden von 1373 ist, deren Nicht- 
beachtung mit völliger Sicherheit erkennbar, so erlaubt dies immer- 
hin auf sein analoges Verhalten inbetreif der anderen einen Schluss, 
den sein ganzer persönlicher und monarchischer Charakter nur 
unterstützen kann, und in jedem Fall schwindet die Berechtigung 
völlig, aus der Ignoranz des Recesses auf ihre erfolgte Abstellung 
zu schliessen. Was aber thut der König? Er schickt seinen 
obersten, auch von den Städten so hoch betrauten Beamten zur 
Lübecker Versammlung und muthet ihr zu, folgende Bitte zu er- 
füllen „dat de stede dem konynghe wedder gheven wolden sin 
vederlke erve alze de slote uppe dem lande to Schonen." Im 
letzten Ausdruck dürfen wir unbedenklich im Anschluss an die 

14* 



212 

spätere Fassung der Bitte auch den sclionisehen Zoll einbegriffen 
sein lassen. — Waldemar war auf der jütisclien Halbinsel in 
rüstigem Fortschreiten: nichts natürlicher als seine wachsende 
Zuversicht und Begierde, wieder Herr im ganzen Lande zu werden. 
Aber sollte sich sein scharfer Blick auch nur einen Momeut über 
die Aussichtslosigkeit seiner Bitte habe täuschen können? Aller- 
dings fand er dabei eine gewisse Unterstützung innerhalb der 
städtischen Vereinigung selbst, eben in jener Abneigung gegen die 
Fortbewahrung der Schlösser, weche die Preussen entschieden und 
beharrlich vertraten. Doch konnte kaum er darum wissen: die 
städtischen Protocolle waren Geheimnisse, und Hennings Schreiber, 
der als Gesandter der vorjährigen Maitagfahrt beiwohnte, hat 
keinesfalls unmittelbare und schwerlich auch mittelbare Kunde von 
jenen Differenzen gehabt. Genug, ich kann mich nicht zu dem 
Glauben entschliessen, als habe der König diese in sein Calcul 
gezogen und etwa auf sie einige Hoffnung für die Gewähr seines- 
Wuusches gesetzt. Ja aber wozu dann seine Aeusseruug? Ich er- 
kenne darin einen jener diplomatischen Schachzüge des Königs undi 
darf wohl sagen, einen Meisterzug. Die unliebsamen Mahnungen 
der Städte mussteu ihn in eine gewisse Verlegenheit bringen. Sicli 
Luft zu schaffen, übertrumpft er sie mit einer weitgehenden For- 
derung, die er mit nichts anderem und Besserem als seiner An- 
hänglichkeit an ihren Gegenstand zu stützen weiss, und hat nun 
den Vortheil, hinhalten und zurückschieben und wird sie aus- 
geschlagen, mit einem gewissen Anstand sogar den Verletztew 
spielen zu können. Auch die Braunschweiger Zunftrevolution kam 
ihm hierlei gelegen, indem sie mit ihrem erschütternden Eindruck 
über die dänischen Obliegenheiten mehr hinwegführen musste. 
Kurzum wir dürfen aus dem Mangel jeglicher Nachricht über eine 
Erneurung der früheren Beschwerden entnehmen, dass die Ver- 
sammlung sie in der That jetzt nicht wiederholte, geschweige ver- 
schärfte. Die Antwort auf des Königs Werbung aber schob sie 
auf, da zuvor die nicht vertretenen betheiligten Städte, namentlich 
also die süderseeischen, anzuhören seien. Wären diese vertreten ge- 
wesen oder hätte in so wichtigen Dingen eine Majorisirung statt- 
gefunden, so hätte sie sicher für den Aufschub die Nothwendigkeit 
vorgeschützt, für die wichtige überraschende Vorlage die un- 
umgänglichen Instructionen der einzelnen Stadträthe einzuholen. 
Dies das eine Anliegen, welches Henning nach Lübeck hin- 



213 

überführte und durchaus als vertrauten Beamten und Unterhändler 
des Königs erscheinen lässt; dazu aber kam im Zusammenhang 
mit seiner städtischen Beamtung eine Verhandlung über ihre Fort- 
führung und zwei finanzielle Ansprüche. — Sprach er dem Recess 
zufolge soeben in voller Fürsorge für des Königs Interesse, so 
beklagt er sich wie in einem Athem zugleich über die ihm von 
diesem widerfahrene Kränkung. Er heischte, heisst es diesmal 
offner als in der vorjährigen Klage, das Sechstel des Zolls vom 
J. 1373, das der König aufnahm und ihm entzog, ohne aber nach 
dem Recess auch die Einklage des 72 er Zolls zu wiederholen, 
noch den für diesen Tag versprochenen rathsgutachtlichen Be- 
scheid zu erhalten. Nimmt dies ein wenig Wunder, so kann es 
uns doch nicht entgegen den früher vorgeführten Gründen nö- 
thigen, die beiden Zollklagen für identisch zu halten. Sind sie es 
aber nicht, so wird um so deutlicher, wie wenig dem König vor 
den Städten bange war, und wie wenig er ihren höflich beschei- 
denen Mahnungen nachgab, gleichviel ob sie darin dieses concre- 
ten Vorfalls gar nicht erwähnt hatten. Was aber Henning anbe- 
trifft, so würde er uns ein ungelöstes psychologisches Räthsel sein 
und bleiben, wenn wir es nicht eben mit seiner Mitwissenschaft 
und Mitthäterschaft in der königlichen Intrigue aufklären dürften. 
Er war erster Reichsbearater , ein Mann, der doch einen Willen 
hatte und fähig war ihn zu bethätigen, auch hoffen durfte, mit 
Erfolg einem solchen Eingriff des Königs in sein gutes Recht, war 
es einer, entgegenzutreten. Ein Jahr und länger hätte er ihn 
aber nun schon widerstandslos hingenommen : war er doch mit dem 
König seither in bestem Einvernehmen geblieben. Allein das Ganze 
war eben nur Trugspiel, dem eine freilich seltsame Vertrauens- 
seligkeit der Städte entgegengekommen zu sein scheint. 

Noch mit einem anderen und lange zurückgehaltenen Ver- 
langen trat er jetzt hervor; es ging auf Ersatz der Kosten, 
die ihm aus der Hauptmannschaft über Schloss Falsterbo ent- 
standen wären, ehe er es von den Städten übernommen habe. 
Klingt das nicht ganz paradox? Nur dann, wenn sie es an ihn 
übergaben, waren sie ihm zur Vergütung der Haltungskosten 
verpflichtet und nur dann konnte er diesen verständigerweise 
in Anspruch nehmen. Es erklärt sich dies Bedenken wohl mit 
einer prägnanten Auffassung des Wortes ;, übernehmen '^f indem 
der Contract im Herbst 1371 demselben zu Grunde liegt. Aber 



214 

schon vorher war Henning ja Hauptmann des Schlosses und 
zweifelsohne im Auftrag der Städte, die es seit 1368 nach dem 
Kecht der Eroberung und seit 1370 auch nach friedlicher Ueber- 
einkuuft besassen; nur rechtfertigt sich eben hier meine frühere 
Anmerkung, dass sie keine dabei finanzielle Abfindung für ihn 
vorgesehen hatten. Denn an eine Contractsversäumniss ist nach 
der ganzen Art städtischer Verwaltung bei so wichtigen Interessen 
nicht wohl zu denken. 

Für eine Verhandlung über Beibehaltung seines Oberbefehls 
war es hohe Zeit, weil sich derselbe schon nach zwei Monaten er- 
ledigte, und im Fall seiner Ablehnung ein dazu geneigter und 
geeigneter Nachfolger zu suchen war. Wie schwer muss es ge- 
wesen sein, einen solchen daheim zu finden, wenn man trotz jener 
Manipulation des Königs, die unter einem städtischen Beamten — 
ganz abgesehen von Hennings directer Mithülfe — ungleich 
schwieriger und gewagter gewesen wäre, doch den Dänen in 
seiner bisherigen Stellung festzuhalten eifrigst bemüht war? 

Indess kam man über diese dringende Sache ebensowenig zu . 
einem definitiven Beschluss wie über Hennings übrige An liegenheiten . 
und mit einer Ausnahme sämmtliche andere Vorlagen dieser Ver- 
sammlung. Daher soll denn 8 Tage vor dem nächsten Jacobs — 
tage eine neue Zusammenkunft zur Abwicklung der auf Henning 
und nach dem Recesszusammenhang auch auf Waldemar bezüg- 
lichen Angelegenheiten abgehalten werden. Ohne Zweifel hatte 
man in Abweichung von dem üblichen Jacobstage grade dieseo 
vorzeitigen Termin gewählt, um vor Ablauf des Henning'schen 
Contracts, der eben mit jenem Tage erfolgte, gewissermassen noch 
in zwölfter Stunde, eine neue Regelung der Administration 
vornehmen zu können. Für den Fall seiner Behinderung persön- 
lich zu erscheinen, erwirkte man aber von ihm die Zusage, die 
Schlösser noch bis Michaeli zu halten: eine durchaus gebotene 
Vorsorglichkeit. 

Endlich dachte man auch wieder au eine Abrechnung des 
vereinnahmten Zolls für die nächste Versammlung, die bis Oc- 
tober 1371 zurückzugehen hatte. — Um diese Zeit wird auch 
die zustimmende Antwort der Preussen betreffs der Gesammtbe- 
wahrung der schonischen Pfandschaften und der gleichmässigen 
Theilung von Kosten und Gewinn unter die beiden Städtegruppen 
eingegangen sein unter dem Siegel von Culm, aber wie sich nach 



215 

dem Späteren nicht zweifeln lässt, eigeumäcbtig von dieser Stadt 
ausgestellt. Vielleieht darf man ihre Eingabe näher nach der 
Versammlung datiren, da hier nichts von einem Protest der preus- 
sischen Städteboten verlautet. Sicher aber war sie nicht, wie man 
erwarten sollte, in Gemeinschaft mit den Süderseeern ausgefertigt. 
Diese haben vielmehr vor oder auf der nächsten Tagfahrt unbe- 
dingt in die fraglichen Punkte eingewilligt. 

Wenn die Städte ihre jetzigen Verhältnisse und Erlebnisse 
überschauten und mit den glorreichen Erinnerungen aus den 
Rriegsjahren zusammenhielten, so trat allerdings ein wenig er- 
freulicher Contrast hervor. Damals aus dem Frischen Sieger über 
Dänemark, das Königthum und die Aristokratie, Sieger auch über 
Norwegen, eine Stellung freilich, deren rechtzeitige und volle 
Ausbeute sie versäumten, und eine Zeit lang fast ungestört in 
der Ausübung ihrss weitverzweigten Handels. Und jetzt ? In 
Dänemark wieder ernstlich gefährdet durch den Uebermuth der 
Beamten nicht weniger als durch den Hass des Königs, dessen 
Macht fort und fort zunahm, und mit Norwegen in unsicheren, 
fast erfolglosen Verhandlungen, in Flandern arg verletzt und zu 
alledem im Bestand der alten aristokratischen Grundlagen , auf 
denen seit Alters das politische Leben 'der Städte und ihrer Ver- 
einigung ruhte, auf das Schlimmste bedroht. Nicht ohne Besorg- 
niss mochten sie der Zukunft entgegensehn. Was lag näher, als 
sich gegen die mannigfachen Gefahren, mit denen sie drohte, 
durch energische Zusammenfassung der Widerstandskräfte zu 
rüsten ? Merkwürdig wie zögernden und bedächtigen Schrittes sie 
diesen Weg betraten. Hatten sie die Cölner Conföderation , mit 
der für einen bestimmten Zweck und Zeitraum gegen bestimmte 
politische Mächte eine gewisse Verfassungsform glücklich gefunden 
war, in den anregenden Tagen des frischen Erfolges und der 
Siegesfreude nicht weiter ausgebaut, ihre Zwecke weder vertieft 
noch erweitert, so folgten sie auch jetzt nicht der ernsten Auf- 
forderung, welche die veränderte Lage der Dinge an sie stellte. 
Alles, was in dieser Richtung auf diesem Tage geschah, war die 
Verfügung, dass ein jeder über die Verlängerung der Confödera- 
tion in seinem Rathe sprechen und wie der Zusammenhang er- 
giebt, dessen Ansicht auf der nächsten Versammlung zur Btcschluss- 
fassung vortragen sollte. Ganz sonderbare Irrthümer liefen dabei 
unter. Die Conföderation bestand noch auf 3 Jahre nach dem 



216 

FriedenBScliluss mit beiden feindlielien Mächten zu vollem 
Recht: mit Dänemark hatte man diesen nun aber noch nicht 
völlig, mit Norwegen noch gar nicht erreicht. Mithin keinerlei 
Grund, die Dauer der Allianz überhaupt in nächster Zeit schon 
für beendigt zu halten. Noch mehr verwundert die Angabe des 
Termins, des 25. Juli: liess man die Reichsrathsverträge vom Mai 
1370 als Friedensschluss ohne Rücksichtnahme auf die Beziehungen 
zu Norwegen gelten, so erlosch sie im Mai 1373; nahm man da- 
gegen Waidemars unzureichende Ratification im October 1371 als 
massgebend an, so erlosch sie im October 1374. Inwiefern aber 
am Jacobstage? Nun es ist eben ein Irrthnm. 

In einer anderen Rücksicht, in den commerciell so hochwichti- 
gen Münzverhältnissen setzte sich dagegen die Consolidirung des 
wendischen Städteverbandes langsam fort: als Mitzweck wird da- 
bei die „gute Eintracht" bezeichnet. — Zudem beschäftigte die 
Versammlung namentlich die flandrische Gesandtschaft, die aufs 
Neue erst von den Räthen begutachtet werden soll, und die 
Tödtung eines Aeltermanns am Petershofe durch livländische 
Bürger, für deren Verfolgung sie auch die Mitwirkung des Ordens- 
meisters in Anspruch nimmt; dabei fungirt sie aber nicht bloss 
als Gerichtshof, sondern auch als Kläger, indem sie nicht nur für 
die „amici" des Ermordeten und den gemeinen Kaufmann in 
Nowgorod, sondern zugleich für die Städte Genugthuung und 
Strafgelder fordert. — Auch an den Hochmeister ist eine Corre- 
spondenz nöthig, um das Interesse einer einzelnen Bundesstadt 
gemeinschaftlich wahrzunehmen. 

Trptz jenes oben besprochenen Beschlusses trat erst am 
25. Juli die neue Versammlung in Stralsund zusammen, neben den 
5 wendischen Städten und Stettin diesmal auch von 3 niederlän- 
dischen, Kampen, Zierixce und Harderwik beschickt, die man na- 
türlich in der Zwischenzeit entboten hatte; wogegen die livländi- 
schen und vor allem die preussischen ausblieben. Was letztere 
angeht, so lag der Grund ihrer Zurückhaltung nicht sowohl in 
der Kürze der Zwischenzeit, als in ihrer Spannung zur Mehrheit 
der übrigen Städte, die uns in den Akten dieses Tages in über- 
raschender Schärfe entgegentritt. Auch die Hamburger, die offenbar 
das erste Entsetzen über die Braunschweiger Begebenheiten in 
die vorige Vei*sammlung gelockt, hielten sich dieser fern. 

Henning hatte sich Verabredetermassen wieder eingestellt. 



217 

Für seine reiciisjimtliclie Thätigkeit war ihm tlicömal zu vollerem 
Eindruck und besserem Erfolg noch ein anderes Mitglied des 
Reichsraths, Rikman van der Lanken vom Könige beigegeben, der 
zwar, soweit ich sehe, kein dauerndes Amt bekleidete, uns aber 
früher schon einmal als sein Geschäftsträger entgegentrat.* Allein 
die Städte waren inzwischen über des Königs Bittgesuch noch nicht 
einig und schlüssig geworden. Wir haben eine kurze Notiz über 
einen verloren gegangenen Brief der Preussen an die Veraarnm- 
lung, in dem sie rund heraus erklärten, die festen schonischen 
Plätze nicht mehr mithalten zu wollen. Dies ist der eine Diffe- 
renzpunkt und wohl die Haupturaache des anderen, welche die 
Gefahr einer inneren Zerklüftung des grossen Städteverbandes klar 
erkennen lassen. Nur darf man nach späteren Nachrichten nicht 
glauben, als schliesse dieser ihr Protest zugleich einen Verzicht 
auf die Zolibethoiligung ein. Waren bislang auch nicht nennens- 
werthe Qeträge zur Verthcilung gekommen, so Hess sich das doch 
von der Zukunft erwarten, und grade ihr freilich sehr kurzsich- 
tiges finanzoplitisches Interesse führte sie zu dem Verlangen, die 
Schlösser, welche den Zoll erheblich belasteten, aufgegeben zu 
sehn. — Diese Meinungs- und Willensverschiedenheit wird die 
Städte veranlasst haben, von einer runden -abschlägigen Antwort 
auf das sonderbare Ansinnen des Königs vorerst noch abzustehn, 
um über die Schlösser zunächst die Heratellung derselben Ein- 
stimmigkeit unter den Betheiligten zu versuchen, wie sie über 
den Zoll bestand. So hatte denn die dänische Gesandtschaft, die 
allerdings eine recht undankbare diplomatische Aufgabe erfüllen 
sollte, ihrem König wiederum nur die Nachricht heimzubringen, dass 
die Sache erst auf dem nächsten Tage, dann aber endgültig ent- 
schieden werden sollte. Dieser wurde für Mittsommer künftigen 
Jahres angesetzt. Gewiss wäre dem König dieser fast einjährige 
Verzug eine harte Geduldsprobe gewesen, hätte er sich über die 
negative Erledigungsweise seines Bittgesuches irgend Illusionen 
machen können. Aber wie konnte er es? Wie mochte er erwar- 
ten, dass die Städte in ihrer ausschlaggebenden Mehrheit die 
vielleicht kostbarsten Früchte der opfervollen Kriegsjahre daran 
geben würden, einem Könige zu gefallen, dem sie so gar keinen 
Dank schuldeten. Es ist nicht anders, er spielte nur, um seine 



^ 8. oben p. 182. 



218 

Gegner zur Zeit über ihre Ansprüclie liinwegziibringen, seine diplo- 
matische Lage ihnen gegenüber zu verbessern. 

Dahingegen führten die Verhandlungen mit Henning über 
seine weitere Schlosshauptmannschaft zu einem wenngleich noch 
nicht unbedingten Resultat. Er erklärt sich für seine Person be- 
reit, noch grade ein volles Jahr in seiner Stellung zu verbleiben. 
Aus dem sehr interessanten Recessbericht erkennt man indess 
nicht, wem diese kurze Geltungsdauer des neuen Vertrags mehr 
zuzuschreiben ist, ob Henning oder den Städten: noch dreimal 
sollte sie sich wiederholen, bis denn die letzteren 1378 sich ent- 
schlossen, die Schlossverwaltung dem Dänen wieder zu entziehen 
und zwei dafür glücklich gefundenen Rathmannen Stralsunds zu 
unterstellen. — Die Zollräuberei aber forderte gebieterisch das 
Einschreiten und die Vorkehrung der Städte. Man sollte ein ge- 
harnischtes Schreiben au den König erwarten, das sich allen 
Ernstes solche Diebesgriffe verbeten hätte. Nichts davon. Die 
städtische Politik ging jeder Friction mit dem gefahrlichen Nach- 
bar scheu aus dem Wege. Ihr empfahl sich ein anderes, unge- 
fährliches und sicher wirkendes Auskunftsmittel. Dem Reichs- 
hauptmann wurde sein bisheriger beweglicher Antheil am Zoll 
entzogen, der nun wieder in die städtische Kiste floss, und ein 
nach Massgabe seines durchschnittlichen Ertrags auf 1000 sund. 
r/2^ (666^3 lüb. 7/1^ = ca. 42,670 Rm.) fixirtes Jahreseinkommen 
gewährt, pränumerando zahlbar in zwei gleichen Raten und zwei 
halbjährigen Terminen, der erste zur Zeit der herbstlichen Zoll- 
einnahme und der andere beim Ablauf des Contracts. Damit war 
denn die Wiederkehr eines ZoUunterschleifs eine Unmöglichkeit, 
Auffällig ist nun, dass Henning seine für sich schon gegebene 
Zustimmung erst noch von der Genehmigung des Königs abhängig 
macht; wobei freilich nicht ohne Erinnerung bleiben darf, dass 
auch die Städte mit diesem über fragliche Dinge verhandelt .und 
damit seine Sanktion als wünschenswerth anerkannt hatten. Aber 
sie war immerhin nicht erforderlich, und noch auf der vorigen Tagfahrt 
hatte sich Henning benöthigten Falls zu einer halbjährigen Fort- 
führung seiner Beamtung ohne Vorbehalt derselben bereit erklärt 
Wer weiss, diese neue Gehaltsregelung durchkreuzte vielleicht 
neue ihm mit dem Könige gemeinsame Machinationen, und daher 
erst die Ausbedingung jener Rücksprache. Bei der hohen Dring- 
lichkeit der Sache aber geben ihm die Städte für seine Rückkehr 



219 

einen stralaundcr Boten bei, um durch ihn sofortige Kenntniss von 
seiner resp. der königlichen Entscheidung zu erhalten und treffen 
zugleich für den Fall ihres verneinenden Ergebnisses Vorsorge, in- 
dem dann die zur Zollaufnahme nach den südlichen schonischen 
Märkten deputirten Rathmannen die vier Vesten bis zur definitiven 
Einsetzung neuer Schlosshauptleute, — man beachte den Plural! — 
interimistisch übernehmen sollen. So begegneten sie hastig und 
zweckmässig der Gefahr eines obhutlosen Zwisclienzustandes der 
schonischen Pfandschaft. — Die Ersatzforderung für den an- 
geblichen Zollverlust und die Falsterboischen Verwaltungskosten, 
zu der sie sich hier erklären wollten, ist weder von ihnen be- 
antwortet noch von Henning erneuert; wenigstens fehlt hierüber 
in den Akten unseres wie späterer Tage jegliche Nachricht. Zur 
Befriedigung der ersteren waren sie auch in keinem Falle ver- 
pflichtet: Hennings eigene Sache war es doch, für die Sicherheit 
seiner ZoUcinkünfte gegen Dritte zu sorgen. Er mochte sich 
auch auf die Dauer nicht in dem Versuche gefallen, aus seinen 
Vorspiegelungen für den König Capital zu schlagen. 

Die schonische Reise stand unmittelbar bevor, ja muss nach 
früherem Brauch schon begonnen haben. Und doch bestimmt man 
erst jetzt das Nöthige über das Personal der Zollerhebung, deren 
Regelung die vorjährigen Recesse verschwiegen, ein Umstand, der für 
unsere Personalkenntuiss in diesem Verwaltungsgebiet um so be- 
dauerlicher sein würde, als jetzt nur berichtet wird, dass man die be- 
währten Beamten vom vergangenen Jahre aufs Neue anstellte, 
wenn es nicht ausgemachtermassen dieselben wären, welche wir 
1371, 1372 und später dort treffen: der lübecker Rathmann 
J. Lange und der stralsunder D. Crudner und wahrscheinlich ein 
rostocker Notar für Malmö. Sie erhalten den Auftrag, den Er- 
trag nach vorgängigem Abzug der an Henning auszuzahlenden 
500 7?2gL sund. besiegelt nach Stralsund zu bringen und dort bis 
zur Feststellung eines Theilungsmodus zu hinterlegen. — Offenbar 
die über diesen mit den Preussen bestehende Uneinigkeit und deren 
Abwesenheit hat der Anordnung zuwider einen neuen Aufschub 
der ZoUabrechuung herbeigeführt Einmüthig aber erklärten die 
versammelten Städte an der 1373 aufgerichteten Eintracht fest- 
halten zu wollen, indem sie dem Schreiben Culms eine für alle 
preussische Städte verbindliche Kraft zuerkannten und zwar um 
so mehr, als aucli deren schouischer Vogt in Stralsund und Schonen 



220 

sich eines so qualificirtcn Vollmaclitbriefes bedient hätte. — Noch 
in einem anderen, nicht minder wichtigen Punkte erwiesen sich 
die letzteren ebenso gereizt und radical, als voreilig und unverständig. 
In der schon erwähnten Zuschrift hatten sie abgelehnt, ferner in 
dem Vorbande mit den Städten bleiben zu wollen, hatten also auf 
die Frage der letzten Versammlung wegen Verlängerung der 
Conföderation mit nein geantwortet. Man dai*f dies tlbrigens nicht 
mit dem beabsichtigten Abbruch aller bündnerischen Beziehungen 
idcutificiren wollen : das wäre ja eine Thorheit ohne Gleichen und 
bei den vielen bestehenden kaufmännischen Wechselbeziehungen 
kaum durchführbar gewesen; überdies verband der gemeinsame 
Zoll ; auch würde zu einer solchen Annahme das im Ganzen doch 
unbefangene Verhalten der übrigen Städte diesem zweiten Diffe- 
renzpunkte gegenüber nicht wohl passen. Sehr richtig und recht- 
zeitig erkennen diese die begangenen Irrthtimer. Nur eine Stimme 
ist unter ihnen, dass die Cölner Ordonnanz noch bei voller Macht 
sei und fortdaure, da mit Dänemark kein vollgültiger, mit Nor- 
wegen überhaupt noch kein wirklicher Friede zu Stande gekommen 
sei. Damit war selbst in dem Falle, dass die Könige dieser beiden 
Reiche sich zu beidem in allernächster Zeit verstanden, der Fort- 
bcstand der Conföderation noch auf drei Jahre hinaus in Gemäss- 
heit ihrer Stiftungsurkunde gesichert. — Am 29. Juli nun schrieb 
der Sendbote der Stadt Campen, die wie überhaupt die nieder- 
ländischen, seit; 1367 den Preussen am nächsten stand ^, an 
eben diese in kurzer, aber dienstbeflissener Weise, dass ihnen auf 
ihren Brief entweder briefliche Antwort oder mündliche durch eine 
expresse Botschaft zukommen werde, sonst aber bisher keine Be- 
schlussnahmen zu vermelden seien. Zuletzt entschloss sich die 
Versammlung zu einer Deputation, die sich aus einem lübecker, 
rostocker und stralsunder Boten, ob nun Rathmannen oder Notaren 
bilden sollte und an ihrem Theile die grosse und wohlgewürdigte 
hansische Bedeutung des festgeschlossenen, nur etwas zu eigen- 
willigen Städtevereins im Ordenslande herausstellen mag. Es galt 
wichtige Dinge, insonderheit den bei dem bestehenden braun- 
schweiger Zerwürfniss doppelt bedrohlichen Conflict mit ihm aus- 
zugleichen. Sie soll die Beschliessuugen der Versammlung über 
die Eintracht und die Conföderation überbringen, die nächstjährige 



> H. R. 1, Nr. 403. 



221 

Tagfahrt zur Erledigung des Walderaar'sclicn Antrags ansagen, 
ferner die Auswirkung eines hoelimeisterlielieu VerwendungsscLrci- 
bens an den englischen König wegen einer ungewöhnlichen Zoll- 
aufläge erbitten und über die auch jetzt noch nicht definitiv bc 
schlossene Gesandtschaft nach Flandern sowie über die auf Braun- 
schweig bezüglichen Verabredungen, die vor allem nochmalige 
Verhandlungen mit dem neuen Rath bezweckten und für den 
Fall ihres ergebnisslosen Ausfalls den Ausweis aus der Hanse um- 
fassend vorbereiteten, Rücksprache nehmen. Das alles dachte mau 
wohl auf einem preussischen Städtetag vorzutragen und zu ver- 
handeln. Ob die Gesandtschaft wirktich abgegangen, ist nicht 
überliefert, doch natürlich anzunehmen und um so mehr, als auf 
der nächsten Versammlung die Preussen wieder auftreten. — 

Die Zwischenzeit füllt sich aus mit zweimaligen Verhandlungen 
der dazu bevollmächtigten Städte mit Braunschweig, wobei sie sich 
immer noch entgegenkommend zeigten. Der Agitatiousversuch der 
braunschweiger Gilden in anderen Städten, der zwischen beide 
fällt, war so gut wie ohne .Erfolg, und dies wird den neuen Rath 
wie Koppmann bemerkt, zu neuen Verhandlungen geneigt gemacht 
haben, die aber wieder an seiner Hartnäckigkeit scheiterten. 

Der Johannistag 1375 führte dann 29 städtische Abgeordnete 
aus allen Dritteln im lübecker Rathhause zusammen : wieder waren 
die wendischen Städte der vorigen Versammlung vertreten, dazu 
die preussischen Thorn und Elbing, dessen Rathsseudebote H. Be- 
teke in diesem Jahre noch eine bedeutende diplomatische Rolle 
spielen sollte, endlich einmal auch drei livläudische Städte und 
Hamburg, das zu dem Ausschuss in der braunschweiger Sache 
gehörte; auch die beiden namhaftesten niederländischen Städte Kam- 
pen und Zierixee nebst Zütphen hatten die Versammlung be- 
schickt, während Kolberg der sicher ergangenen Einladung nicht 
gefolgt war. 

Diesem bunten Gemisch von Abgeordneten, das wieder einmal 
recht lebhaft die eminente Ausdehnung des Bundes veranschaulicht, 
correspondirt der ausnehmend reiche und bedeutsame Inhalt der 
Beschlüsse, welche auf sämmtliche Contore Nowgorod, Bergen, 
Brügge, London sich beziehend uns den damals fast unvergleich- 
lichen Wirkungsbereich seiner Politik bewundern lassen. Unser 
Interesse concentrirt sich auf die dänisch-schonischeu und nor- 
wegischen Angelegenheiten. 



222 

In erster Linie galt es die Divergenz der preussischen nnd 
allgemein städtischen Politik zu versöhnen oder zu überwinden. 
Die Gesandtschaft zu den Preussen hatte jedenfalls den deutlich 
erkennbaren £rfolg gehabt, dass diese die Absicht einer Abson- 
dernng fallen nnd den Nachweis für den noch fortdauernden 
Rechtsbestand der kölner Conföderation gelten Hessen; so hatten 
sie denn auch diesen Tag wieder besandt Aber auf der anderen 
Seite hielten sie nicht weniger zäh die bisherige Weigerung, 
an den Kosten der schonischen Schlossbehauptung Antheil zu 
nehmen , fest , wie die übrigen Städte die entsprechende For- 
derung; natürlich mussten sie der überwiegenden Majorität dieser 
unterliegen. Die darüber geführte Debatte ist in ihren Haupt- 
zügen kurz überhefert. Jene gaben die Erklärung ab, sich zwar 
nicht mehr an den Schlössern mit ihren Ausgaben, aber an den 
Intraden des Zolls betheiligen zu wollen, worauf die übrigen ein- 
stimmig entgegneten, dass der Culmer Bestätigungsbrief über die 
Abmachung vom Jahre 1373 für sie alle verbindlich sei; eine An- 
schauung, die sie gegen die anderseitige Einrede eines eigenmäch- 
tigen und illegalen Vorgehns von Oulm aufrecht halten und noch 
mit einem abermaligen Hinweis auf das gleichbeschaffne Creditiv 
des preussischen Vogts stützen, das diesen zum Abschluss eines 
nicht näher angegebenen Zollgeschäfts in Stralsund und Schonen 
befähigt habe. Kann man auch kaum an dem guten Grund jenes 
Einwurfs zweifeln, so mochten die preussischen Städte jene Ueber- 
tretung unter sich wettmachen und begleichen ; welcher Grund, die 
Gesammtheit dieselbe entgelten zu lassen ? So ward man denn auch 
darüber einig, dass der 73er Concordanz gemäss und in Anlehnung 
an die Zolleinrichtungen des Jahres 1371 im bevorstehenden Herbst 
die wendisch-livländische und die preussisch-niederländische Partei 
je einen Boten zur gemeinschaftlichen Erhebung des Zolls ent- 
senden sollte, von dessen Ertrag sie gleich die Kostensumme der 
Schlossverwaltung, so die 500 7^ sund. an Henning abzuzahlen 
hatten, um den liest an Ort und Stelle alsbald zu gleichen Theilen 
zu repartiren. Nochmals erhoben [die Preussen Einsprache, aber 
sie begegnete dem entschlossenen und einstimmigen Zurückweis der 
übrigen Städte: wollen sie an den Zolleinuahmen participiren , so 
mögen sie es auch an den Ausgaben der Schlösser. — Damit war 
denn der Theilungsmodns endlich gefunden, oder besser nur über 
den Widerspruch einer einzelnen Städtegruppe hinweg definitiv 



223 

bewilligt, wie er 1373 vorläufig stipulirt war. Ohne allen Zweifel 
lag Recht und Billigkeit auf Seiten der allgemein-städtischen Po- 
litik, und nicht schwer konnte es fallen, sie mit ausgiebigen, 
durchschlagenden Gründen politischer und commercieller Natur zu 
verfechten. 

Weder Henning noch ein anderer dänischer Geschäftsträger 
war diesmal erschienen; dagegen hatte König Waldemar in con- 
sequenter Bemühung seinen Antrag in einem nicht mehr vorliegen- 
den Schreiben an die Versammlung und zugleich mündlich durch 
den lübischen Bischof und einen meklenburgischen Ritter, die er 
vorher natürlich dazu engagirt hatte, wiederholt. Jetzt aber 
glaubte man die Zeit gekommen, ihn auch gegen den Protest der 
Preussen entschieden zu verwerfen. Man kam überein, noch 
ferner die Verwaltung der Schlösser in Hennings Händen zu be- 
lassen, wenn er selbst sich dazu verstünde, andernfalls aber nach 
einem andern „guten Mann" — man beachte den hier gebrauchten 
Singular ! — auszuschauen, der sie in ihrer aller Auftrag treulich 
bewahre; für das laufende Contractsjahr aber muss sich jener 
noch mit des Königs Erlaubniss hiezu bereit erklärt haben. Aus 
alledem resultirten zwei Aufgaben, einmal eine neue Verhandlung 
mit Henning, um seinen mit dem 24. Juli ablaufenden Vertrag zu 
prolongiren und dann die Mittheilung des abschlägigen Beschei- 
des an den König. Dazu kam, dass die in den letzten Jähren 
erlittenen Kränkungen endlich wieder in das politische Bewusst- 
sein der Städte traten, aus dem sie die diplomatischen Manöver 
des verschlagenen Dänen und andres mehr verdrängt hatten. Be- 
sonders ihretwegen empfahl sich eine persönliche Zusammenkunft 
mit ihm, die zugleich die erwünschte Möglichkeit gab, schonender 
und geschickter die Rückgabe der schonischen Pfandschaften zu 
verweigern, als brieflich geschehen mochte. Zuvor soll ein Bote 
nach Dänemark gehn, mit dem König einen Tag theidigen wenn 
möglich in Deutschland, aber nöthigenfalls auch in Dänemark, wie 
man sich ja in diesem Punkte auch gegen Norwegen oft genug 
nachgiebig zeigte, in welchem Fall dann die Städte obschon 
Sieger und Kläger den grösseren Kostentheil der diplomatischen 
Begegnung zu trageu hatten. Ein demüthiges Schreiben wird ihm 
von der Versammlung mitgegeben: als „devoti consules" der wen- 
dischen, preussischen, livländischen und süderseeischen Städte 
führen sich die Vertreter des geaammten norddeutschen Bürger- 



224 

thiims ein. Sie bescheinigen den Eoipfang von des Königs Zu- 
schrift, die Werbung seiner Beauftragten und erklären ihre Be- 
reitwilligkeit, im Fall das Gerücht einer von ihm beabsichtigten 
Reise nach Deutschland sich bewahrheite, ihre Consularboten ihm 
hier zu persönhcher Verhandlung über sein Gesuch zuzusenden. 
Habe er dagegen eine solche Reise nicht vor in nächster Zeit, so 
möge er nur Ort und Zeit zu einer Verhandlung in Dänemark 
bestimmen, am liebsten in Schonen, da sie dabei einige dort befind- 
liche Mitbürger, — sicherlich ihre Vögte — heranziehen möchten. 
So der wesentliche Inhalt der Zuschrift, die demnach nur die An- 
regung einer Zusammenkunft in sich fasst; schlau und geschmeidig 
vertuschen sie die schon beschlossene Ablehnung der erbetenen 
Pfandausliefrung, und der König konnte meinen, dass darüber 
erst bei dem Rendezvous entschieden werden würde. Auch die 
anderen Berathungsgegenstände werden vorsichtig in dem allge- 
meinen „aha optima" versteckt. 

Eine jede wendische Stadt soll an der Gesandschaft mit einem 
Rathmann Theil nehmen; ob und inwieweit die Preussen und 
Niederländer, wird nicht berichtet, dahingegen einer Vollmachts- 
übertragung der livländischen an die übrigen Städte gedacht. 
Auf jeden Fall war es eine recht stattliche Gesandschaft. Jeder- 
mann soll ihr schriftlich oder mündlich seine besonderen Beschwer- 
den mittheilen. Ihre eigentliche, uns aufbehaltene Insti*action aber 
bestand in drei zusammenfassenden Mahnungen an den König: 
1) dass er den Frieden dem Vertrag und Gelöbniss gemäss mit 
seinem grossen Siegel vollziehe; — hier die Stelle, wo mau zu- 
erst die Fruchtlosigkeit der bezüglichen Ansprache von 1373 er- 
kennt; dass er 2) die uns theilweis bereits bekannten Beschwerden 
wegen des schiffbrüchigen Guts und mancherlei anderer Dinge, die 
der nach Dänemark und Schonen handelnde Kaufmann, insbeson- 
dere, wie ein vierter sonst aber inhaltlich gleicher Paragraph hin- 
zusetzt, der Malmöer erhoben, abstelle und 3) die andre, bisher 
— wie ich den Sinn der Worte richtig wiederzugeben glaube — 
vorenthaltene Hälfte von Helsingborg nach Massgabe der Ver- 
tragsbriefe herausgebe. Diese letze Nachricht muss in hohem Masse 
überraschen. Habe ich recht übersetzt, so lag nicht etwa eine 
Verschuldung, ein Uebergriif des Königs, sondern eine schon vom 
Frieden sich herschreibende Unregelmässigkeit vor. Jener wäre 
ein doch gar zu gröbücher und widerrechtlicher Act gewesen, als 



^L, 



225 



dass er nicht ein energisches Dazwischentreten der Städte hätte 
zur unmittelbaren Folge haben müssen, wovon nicht die ge- 
ringste Spur in den vorliegenden Akten. Andererseits erscheint es 
freilich höchst wunderbar, dass erst jetzt diese Klage auftaucht: 
es handelte sich doch um nichts Geringeres als drei Harden, 
nahezu die Hälfte der überhaupt abgetretenen. Dass die Haupt- 
leute, zuletzt noch Henning nicht ihre Einkünfte mehr entbehrt 
and anderweite Schadloshaltung gefordert haben! Genug, die Ent- 
stehungsgeschichte dieser Verkürzung des städtischen Pfandrechts 
bleibt dunkel. 

Auch an den Reichshauptmann richtete die Versammlung ein 
Anschreiben und zwar in einer doppelten Absicht, zunächst „dat 
hee werve umme de vorscrevenen daghe to holdende mid deme 
konynghe uppe Schonen". Man kann dies in zwiefacher Weise 
?erstehen, entweder, dass er den König zur Annahme der Ver- 
handlung überhaupt bereden helfe oder, was wahrscheinlicher ist, 
zu einer solchen in Schonen, und ersieht daraus wiederum, dass 
aucli sonst die Städte sich der Mitwirkung ihres Hoclibeauftragten 
vertrauensvoll bedienten. Die andere Absicht beruht auf einer 
heftigen Klage, mit der sich der in MalmÖ liegende Kaufmann 
aus den Städten Lübeck, Rostock. Wismar und anderen an eben 
diese drei den schon 21.'März gewandt hatte. — Folgender Sach- 
verhalt lag ihr zu Grunde. Der von Henning an genanntem 
Orte eingesetzte Vogt hatte dort für den gemeinen Kaufmann 
einen Wegzoll nach Lund, von jedem Wagen 5 lüb. ^. (= ca. 
1,82 Rm.) eingeführt^ und diese Massnahme mit der Behauptung 
zu begründen und zu legitimiren gesucht, dass er von Alters her 
bestehe und nur von dem Kaufmmann, den er darum gerichtlich 
citirte, mit List und Gewalt umgangen sei; eine Behauptung, 
der letzterer die seinige entgegenstellte, dass jene Abgabe 
weder jemals zu Recht existirt habe noch auch je von ihm ein- 
gefordert sei. In seiner Bedrängniss wandte er sich an den Erz- 
bischof und Stadtrath von Lund und rief deren Zeugnisse an, die 
ihm günstig ausfielen, aber den Vogt nicht beruhigten ; der ganze 
Vorfall übrigens ein Beweis , wie keck und selbständig und 
wenig überwacht diese Unterbeamten Hennings verfahren konnten. 



* Cf. oben p. 83. — Steht etwa dieser Zoll mit dem dortigen in 
Beziehung ? 

Denicke, Beziehungeu der Hansestädte etc. ]5 



226 

Der Erzbischof nahm sich nun zu des Kaufmanns Gunsten der 
Sache an und vermittelte bis zur Ankunft des Keichshauptmanns 
oder/ was sehr bezeichnend und beachtenswerth, des Königs einen 
gerichtlichen Stillstand zwischen den beiden streitenden Parteien. 
Die Eingabe schliesst mit der Bitte ; Henning zu einem loyalen 
Verhalten gegen den Kaufmann aufzufordern und da seine bezw. 
des Königs Ueberkunft noch unbekannt sei, sofortige Verhaltungs- 
vorschriften zu ertheilen. — Ich zweifle nicht, dass auch die in 
angeführter Instruction betonten Klagen des Malmöer Kaufmanns 
sich vor allem auf diesen Zolloctroi beziehen. Wenn dann jenem 
Briefe nach der Erzbischof so gut wie der Kaufmann den fort- 
dauernden Einfluss König Waidemars in dem Pfandgebiet aner- 
kannten, so thaten es die Städte ihnen hierin, wie schon früher, 
in der Eingabe vom Jahre 1373, völlig gleich, wenn sie jene Kla- 
gen von ihm befriedigt wissen wollten. — Von Henning aber 
verlangten sie in Anlass dieses üblen Vorfalls, gegen Herbst 
zur Verhütung weiterer kaufmännischer Beeinträchtigungen keine 
Vögte auf Schonen zu setzen ohne Kath und Genehmigung der 
städtischen Vögte, woraus hervorzugehen scheint, dass er alljähr- 
lich in jener Jahreszeit neue Vögte anstellte und zwar dem Con- 
tract von 1371 zuwider ohne Zuziehung der Städte. Zugleich er- 
kennt man aus dieser Fürsorge für die Besetzung der Vogtei- 
stellen, dass von ihren Inhabern nur allzuleicht Schädigungen des 
Kaufmanns ausgehen konnten, ihnen beugte allerdings die wirk- 
liche Ausführung des von Anfang an vorbehaltenen Bestätigungs- 
rechtes der Städte bestmöglich vor. 

Gaben diese die Initiative zu einer Conferenz mit König Wal- 
demar, um das nun schon so lange schwankende Verhältniss zu 
demselben zu klären und sicher zu stellen, so empfingen sie eine 
solche zu einem ganz ähnlichen Zweck von König Hakon, der 
damit die im Recess vom 1. Mai 1373 'geäusserte Erwai*tung 
einlöste. Inmittelst war sein Vater eines unglücklichen Todes 
gestorben und er der Alleinherr des Reiches geworden. Sein Ver- 
hältniss zu den Hansestädten und ihren nach Norwegen hantiren- 
den Kaufleuten forderte eine endliche abschliessende Regelung. Dem^ 
gemäss sandte er einen beglaubigten Notar mit einem kühl un 
phrasenlos gehaltenen Schreiben an die Versammlung ab, wori 
er eine Reihe alter und neuer Klagpunkte aufzählt und ihret- 
wegen eine Verhandlung erbittet. Da beschwert er sich deiiKi 



227 

zuvörderst über die Eingriffe der Kaufleute in die staatliche Juris- 
diction, indem sie sich selbst zur ^ Entscheidung aller unter ihnen 
vorkommenden nicht gradezu offenkundigen Rechtssachen Richter 
erwählten, und diese obendrein die Gerichtsbarkeit nicht nach 
Landesrecht, sondern ihrem Outdünken übten. Bei klar zu Tage 
liegenden Vergehungen aber weigerten sich die Thäter der schul- 
digen Rechtsantwort, obwohl die Verträge mit den Städten immer 
das Recht des Thatortes zum normativen gemacht hätten. Kurz 
er negirte ein eigenes Recht und Gericht der Deutschen in seinem 
Lande und beklagte sich über deren Usurpation. — Nächstdem 
zwei concreto Vorkommnisse: Vor seinem letzten Besuche in 
Bergen hätten deutsche Kaufleute dort drei Engländer, die im 
Geleit seines Vaters und einiger Räthe gestanden, umgebracht, ohne 
ihm oder den Erben ein Sühngeld zu geben ; bei seiner Anwesen- 
heit aUer seien ihm wie zum Hohn 20 Tonnen Bier für den Tod 
so edler Männer geleistet, während die Uebelthäter selbst gewalt- 
sam aus seinem Reiche entführt wären. Sodann fügt er der schon 
inTönsberg vorgebrachten, jetzt wieder aufgenommenen Klage wegen 
der beiden schwedischen Ritter eine neue über einen ähnlichen 
Vorfall hinzu ^ der zugleich darthut, wie faul und brüchig der 
officielle Frieden zwischen den beiden Nachbarreichen der skan- 
dinavischen Halbinsel war. Vergangenen Herbst nämlich seien 
drei Schiffe von Stockholm mit feindlichen d. h. schwedischen 
Waaren an die Küste seines Landes gekommen, geschützt von 
den darin befindlichen Schiffern und Kaufleuten, welche eigene 
Guter an Bord zu haben vorgegeben hätten. Seiner Aufforderung 
diese an sich zu nehmen, dagegen die feindlichen herauszugeben, 
seien sie nicht nachgekommen und nur im Vertrauen auf den Ge- 
rechtigkeitssinn der Städte, die aber jedenfalls jenes Betragen des 
Kaufmanns mit dem officiellen Friedenszustand rechtfertigen konn- 
ten, habe er die gute Gelegenheit, sich auf eigene Hand seines 
Schadens zu erholen, ungenützt verstreichen lassen. Daran 
schliessen sich allgemeine Klagen über die Gewaltthätigkeiten der 
Deutschen. Wo sie immer ihre Schiffe in grösserer Menge an- 
sammelten, da verübten sie Mord und Todtschlag und anderes 
Unerträgliche mehr, erbrächen die Thüren seiner Unterthanen, 
brandschatzten, hieben in den königlichen und privaten Waldungen 
ohne jede Erlaubniss Holz und brächten einsam belegene Häuser 
bei Seite. — Auch die nun dreijährige Zurückhaltung seiner Pfänder 

15* 



228 

in Stralsund giebt ihm Anlass zu neuer Beschwerde, betreffs deren 
er sich besonders an die Lübecker mit dem Ersuchen wendet ihn 
wissen zu lassen, ob er mit ihrer Vermittlung von den Schädigern 
Recht erhalten werde oder aber sieh auf eigene Faust nehmen 
solle. Ausserdem wiederholt er seine frühere Angabe, die städti- 
schen Privilegien nie eingesehen zu haben — es war also wohl 
der anfänglichen Absicht entgegen nach der Tönsberger Zusammen- 
kunft kein Notar zur Copieaufnahme nach Lübeck geschickt — und 
verlangt aufs Neue, seinen Notar Abschriften nehmen zu lassen, 
die der lübische Bischof und möglichst viele andere wohlbeleu- 
mundete Personen vidimiren sollen. Denn jetzt mache der Kaufmann 
sich diese seine Unkenntniss zu Nutze , um unter dem Deckmantel 
der angeblichen Privilegien ihm gänzlich fremde Rechte zu bean- 
spruchen. Zum Schluss bittet er, ihre Gesandten hoch zu bevoll- 
mächtigen und ihm ihre Wünsche über Ort und Zeit einer Be- 
gegnung mitzutheilen. — So gewiss nun dem Könige alle die 
vorgenannten Dinge einer solchen werth und bedürftig erschienen, 
so gewiss wird ihn noch eine andere Beziehung bewogen haben, 
sie nachzusuchen, die Anwartschaft seines Sohnes auf den dänischen 
Thron, zu deren glücklicher Durchführung die rechtsbegründete 
Sanction der Städte unentbehrlich schien. Höflich geben diese 
zurück, dass sie sich wegen seiner und ihrer eigenen Anliegen- 
heiten gern zu einer persönlichen Verhandlung bereit hielten, aber 
wie sie seinem Boten dies näher motivirt hätten, jedenfalls vor 
Pfingsten nächsten Jahres, etwa um Anfang Mai; zuvorkommend 
stellen sie ihm die Auswahl des Ortes völlig anheim, nur dass 
er auf eine ihnen nicht unbequeme Lage Rücksicht nehmen möge 
und bitten etwaige Vergehungen ihrer Kaufleute bis dahin in Güte 
anstehn zu lassen, sie überall und immer zu fördern. — Zu 
diesen Verhandlungen soll eine jede Stadt entweder selbst Boten 
ausschicken oder eine andere autorisireo. Die vier wendischen und 
Campen erklären sich schon jetzt zu ersterem bereit, wogegen die 
andern auf ihre Räthe in zusagendem Sinne einzuwirken versprechen. 
Auch diese Gesandtschaft wollte man recht zahlreich ausstatten, 
sicherlich in dem guten Glauben, erfolgreicher die hocherwünschte 
Anerkennung der Privilegien und gleichzeitige Herstellung eines 
ewigen Friedens betreiben zu können. Ja, dieser eingestandene 
Zweck ist ihnen wichtig genug, um sich seinethalben zum Rücktritt 
aus der 1372 eingenommenen diplomatisch en Position anzu- 



229 

schicken; dies nicht eigentlich dadurch, daßs sie von der For- 
derung eines Schadensersatzes für den ersten Waldemarischen 
Krieg, Borgholm u. s. w. abstehen wollten, was sie ja an den 
entsprechenden gleichwerthigen Verzicht König Hakons knüpften, 
sondern vielmehr dadurch, dass sie sich im Nothfall zu einer 
Anerkennungssumme für die Privilegirung verstanden. Hiermit 
gaben sie in einem Theile den bündigen Tönsberger Schlusserklä- 
rungen der Könige nach und durften sich nun in der Hoffnung 
gefallen, wirklich den Frieden zu erlangen. Die Normirung jener 
Summe, deren Betrag sich doch den kaum berechenbaren Forde- 
rungen des Königs anbequemen musste, stellten sie am besten in 
das Ermessen ihrer Rathsboten; die Leistung aber wälzten sie 
von sich auf die Norwegenfahrer, auf das Contor ab, so gut wie - 
die Unterhaltskosten der Gesandtschaft, ohne darum zuvor sich seines 
Einverständnisses zu versichern. Mochte ihm auch im Fall des 
Gelingens beides durch die Sicherstellung des kaufmännischen Be- 
triebes reichlich gelohnt und bezahlt werden und in diesem Be- 
tracht seine Zustimmung entbehrlich erscheinen, so denke man 
andererseits nur an den Fall des Fehlschlagens , um in diesem 
eigenmächtigen Vorgehen des Städteverbandes ein deutliches An- 
zeichen seiner dominirenden Stellung zu den ausländischen Nieder- 
lagen zu erkennen, die sich ganz naturgemäss und unter dem 
Einfluss seiner letzten kriegerischen und politischen Triumphe um 
so rascher bilden und befestigen musste. — Eine gleiche Beob- 
achtung kann man im Hinblick auf die bisher verzögerte flan- 
drische Gesandtschaft anstellen, der dritten, die hier definitiv be- 
schlossen ward, die zugleich Frankreich und wenn es Noth thäte, 
auch England behufs Abstellung mannigfacher Beschwerden auf- 
suchen sollte. Auch für ihre Kostendeckung will man den gemeinen 
Kaufmann heranziehen. — Wenn uns nun in diesen mit fünf 
Königen zugleich angeknüpften Verhandlungen, alle zum Wohl 
des Handels, die Macht des Bundes nach aussen hin imponirend 
entgegentritt, wie viel gewaltiger und schneidiger noch kam sie 
nach innen zum Ausdruck in der Züchtigung, die er über sein 
widerspenstiges Mitglied Braunschweig in politischer Absicht ver- 
hängte: das im Mai 1374 schon vorgesehene Strafurtheil wird in 
Kraft und Vollzug gesetzt die Stadt aus der Hanse und allem 
Verkehr mit ihren Städten und Contoren ausgestossen und 
die Vollendung dieser Isolirung beabsichtigt durch das Streben 



230 

auch den ihr noch disponibeln Handelsverkehr auf alle Weise zu 
unterbinden, während man die Uebelthäter selbst, wird man ihrer 
habhaft, an ihrem Höchsten richten will. Wie äusserlich das Ver- 
breitungsgebiet des Bundes, so tritt uns hier der Einmuth dessel- 
ben in imposanter, fast überraschender Weise entgegen. Für die 
betroffene Stadt aber war ein ungeheurer Umschwung ihrer Ver- 
kehrslage die Folge ihres hartnäckigen und kurzsichtigen Gebah- 
rens; ein Umschwung, dem man in unsern modernen Verhältnissen 
keine wirkliche oder mögliche Analogie zur Seite setzen dürfte: 
noch eben in vollem Connex mit dem hansischen in- und aus- 
ländischen Verkehrsgebiet und jetzt mit einem Schlage aus jenem 
fast gänzlich verdrängt, in diesem vereinsamt und immer bedroht. 
Zugleich spiegelt sich aber in der rücksichtslosen Enschiedenheit 
und seltenen Einmüthigkeit dieser Massregeln die bange Besorg- 
niss der aristokratischen Käthe vor ähnlichen Schicksalen wie die, 
welche jene provocirten. 

Hatte man sich nun dazu entschlossen, jenen Widerspruch 
der Preussen gegen die Mitbewahrung der Schlösser einfach zu 
überstimmen, so war damit endlich Raum für die immer noch aus- 
stehende Zollabrechnung gegeben. Dass eine solche hier stattfand 
erhellt aus dem Schlussparagraphen des Recesses, der wie meist 
derartige Nachweise in lateinische Sprache gefasst, die Erträgnisse 
des Jahres 1372 verzeichnet. D. Krudener der persönlich an der 
Versammlung als Consularbote Theil nahm, hatte danach über 
999 Z^ 15 jS lüb. (= ca. 70,000 Rm.), J. Lange, der nicht an- 
wesend gewesen zu sein scheint, über 1081 T/lgL 9 j3 (= ca. 
75,710 Rm.) und der Rathsnotar Hartwig endlich über 168 2;^ 2 /? 
(= ca. 11,769 Rm.) Rechnung zu legen, also zusammen über 
eine Gesammteinnahme von, man darf sagen, nur 2249 7/2^ 10 ^ 
lüb. (= ca. 157,480 Rm.). Damit lässt uns der Recess im Stich, 
ohne auch von dem übrigen nachgelassenen Aktenmaterial dieses 
Tages ergänzt zu werden. Dahingegen gewährt nachträglich noch 
einigen Aufschluss der freilich wie schon bemerkt, vielfach schwie- 
rige und dunkle Recess der nächsten Versammlung zu Rostock 
V. 15. Juli die, wie Datum, Theilnahme und Beschlüsse beweisen, 
von vornherein nur eine engere Zusammenkunft der fünf nächst- 
verwandten wendischen Städte zum Zweck ihrer finanziellen Aus- 
einandersetzung und Förderung sein sollte. Näher beschäftigten 
sie zwei Absichten, einmal unter einander die obwaltenden Ver- 



231 

schieden heiten im bisherigen Genuss des sebonenschen Zolls aus- 
zugleichen und sodann sich mit einander zu dem Anspruch auf 
die nächsten dortigen Einkünfte bis zur Tilgung ihrer rück- 
ständigen, in hansischem Dienst entstandenen Forderungen zu- 
sammenzuthun. — Zunächst erfahren wir, dass jene Abrechnung 
nicht bloss die Zollgefälle d. J. 1372, sondern auch von 1373 und 
1374, somit die überhaupt bisher vereinnahmten und unverrech- 
neten umfasste; ohne aber nach meinem Dafürhalten mit Sicher- 
heit die Höhe derselben für diese letzten zwei Jahre erkennen 
zu lassen. Es heisst nämlich, dass in Lübeck, d. h. ohne Zweifel 
auf der letzten Versammlung eine Theilungssumme von 3254 Tnjf. 
8 ß (= ca. 227,815 Rm.) als Ergebniss aus den genannten drei 
Jahren vereinbart sei. Unmöglich kann sie nach dem bisherigen 
Durchschnittseinkommen des Zolls den gesammten Bruttoertrag 
der drei Jahre repräsentiren und lässt daher nur die leider nicht 
sicher zu entscheidende Wahl zwischen zwei Möglichkeiten ihrer 
Erklärung: entweder ist sie bloss eine Quote für die wendisch- 
livländische Partei, vielleicht auch nur die wendische Theilgruppe 
oder aber der Restbetrag des gesammten Einkommens nach Ab- 
zug zuletzt in Lübeck geltend gemachter und anerkannter Aus- 
gaben im Dienste des Ganzen. In jenem, dem annehmbareren Falle 
müssen die wendischen Städte, welche den Zoll in Händen hatten^, 
die Hälfte desselben an die andere Partei behändigt und damit in 
voreiliger Weise die Ersatzmittel für ihre durchaus berechtigten For- 
derungen so gut wie gänzlich aus der Hand gegeben haben; denn eine 
irgend nennenswerthe Berücksichtigung der letzteren zu supponiren 
und dabei jene Summe nur als Hälfte des übrigbleibenden Zolls 
gelten zu lassen, verbietet sich wegen der unwahrscheinlich hohen 
Einnahme, die sich für den gesammten Zoll ergäbe. Die zweite 
Annahme stört doch sehr die Thatsache, dass bei Festsetzung 
jener Summe einige wendische Städte jedenfalls nicht ihre sämmt- 
lichen, andere gar keine ihrer Forderungen zur Geltung gebracht 
haben. Zuvörderst Hessen sich nämlich Lübeck und Stralsund 
durch ihre Vertreter, die beiden Zollerheber erst jetzt vernehmen, 
dass sie das aufgenommene Geld d. h. wenn schon nicht die ganze 
angegebene Summe, da auch Rostock einen Theil davon aufgenommen 
hatte, so doch ihren weitaus grössten Theil, versteht sich in han- 
sischem Dienste verausgabt hätten. Zum Verständniss der nach- 
folgenden Resolution nun möge man sich der bei Gelegenheit der 



232 

letzten Zollabrechnuiig (Oct. 1371) erklärten Absicht der wen- 
dischen Städte erinnern, sich für die Haltungskosten der inne gehab- 
ten Schlösser die den Betrag aller ihrer damit in Verbindung stehen- 
den Einnahmen weit überstiegen hätten, am nächstjährigen scho- 
nenschen Zoll zu erholen, eine Erklärung, die damals von der 
preussischen und süderseeischen Vertretung an den Rath gezogen 
wurde. Zwei von diesen Communen Wismar und Greifswald hatten 
indess gar nichts von den dreiletztjährigen Zollreveunen erhalten, 
die übrigen im Vergleich zu ihren Ausgaben nicht genug, unter 
diesen aber Rostock das Wenigste. Lübeck und Stralsund, die 
hauptsächlich über die Zollkasse verfügten, hatten — von jener 
Eventualität schon in der letzten allgemeinen Versammlung durch- 
gesetzter Ansprüche ganz abzusehn — eben für sich etwa 2790 ^* 
= ca. 195,300 Rm.) als Abschlag ihrer Ausgaben zurückbehalten. 
Wie bereits angedeutet, geht nun das Streben der Versammlung 
dahin, die übrigen Städte, namentlich die beiden meklenburgischen, 
welche die Schlösser vor ihrer Gesammtübernahme durch Henning 
mitbewahrten, mit jenen nach dem üblichen Vertheilungsprincip 
des Mannschaftsverhältnisses in Bezug auf die Vergütung der Aus- 
lagen und die Höhe der verbleibenden Forderungen auf gleichen 
Fuss zu stellen. In diesem Sinne wird sie über eine Vorlage an 
die Räthe einig, welche auf der nächsten Tagfahrt beantwortet 
werden soll. Wismar soll danach für seine 100 Mann in summa 
— durchaus nicht etwa, wie aus dem ganzen Schriftstück her- 
vorgeht, bloss für Ein Jahr — 400 7/2^ (= ca. 28,000 Rm.) er- 
halten. Um es aber nicht noch länger hierauf warten zu lassen, 
machen die Stralsunder sich anheischig, daheim in ihrem Rathe um 
einen zinsenfreien Vorschuss der Hälfte an die Wismarer ein- 
zukommen, während die andere Hälfte auf die herbstlichen ZoU- 
erträge angewiesen wird , die auch jenen Vorschuss den Eigen- 
thümern zurückgeben sollen. Ganz jenem Ansatz der Wismarer 
entspricht es, wenn denen von Rostock für 140 Mann 560 7^ 
zuerkannt werden. Diese aber hatten in d. J. 1372 und 1373 
466 :?5^: 12 /? (= ca. 32,657 Rm.) empfangen, wie kaum zweifel- 
haft, die Erträgnisse, welche von ihrem Rathsnotar in Malmö er- 
hoben waren: wie er sie denn nach ausdrücklicher Angabe des 
letzten Recesses im J. 1372 an seinen Rath gegeben hatte und 



» Man muss natürlich die rostocker Aufnahme abrechnen. 



233 

demgemäss vermutlilich auch 1372. 1374 hingegen war bestimmt 
den Zoll vorläufig in Stralsund zu deponiren, eine Verfügung, mit 
der das diesjährige leere Ausgehen Rostocks zusammenhängen 
dürfte. Der fehlende Rest im Betrag von 93 ;5^ 4 |9 (= ca. 
6527 Rm.) soll gleichfalls vom Zoll dieses Jahres gedeckt werden. 
Den Forderungen beider Städte aber werden zusammen 30 7/1^ 
(= ca. 2100 Rm.) zugeschlagen: nicht eigentlich als Zins, dessen 
Ansatz nach dem derzeit üblichen Zins- oder Rentenfuss für einen 
Zeitraum von 3 Jahren gar zu niedrig wäre, als vielmehr wohl 
im Sinn eines Wartegeldes. Reicht der Zoll jedoch nach Abzug 
der schon zuvor auf ihn angewiesenen Gelder für diese neuen 
Belastungen nicht aus, so sollen die 4 Städte dieser fehlgeschlagenen 
Erwartung Rechnung tragen und von Neuem die Herstellung 
eines anter sich gleichmässigen hansischen Finanzbndgets ver- 
suchen. — Zunächst soll hiermit alle Rechenschaft zwischen diesen 
Städten über den schonenschen Zoll für die vergangenen Jahre 
abgethan sein vorbehaltlich einiger im Octoberrecess von 1371 an 
Rostock, Wismar und Kiel gemachten Geldanweisungen! Was 
Lübeck und Stralsund angeht, so müssen die Verhältnisse ihrer 
betr. Einnahmen und Ausgaben bereits einander entsprochen haben. 
Wenigstens ist dem Recess zufolge kein Ausgleich für nöthig be- 
hnden. — Die Greifswalder aber traten mit einer Forderung von 
170 7?2gL sund. (= 113 Va lüb. TT^ = 7934 Rm.) hervor wegen 
des Schlosses Skanör, die wie es sich anlässt, ihre Gesammt- 
forderung ausmachte. Die Verbündeten verstatten ihnen den Vor- 
zog, sie nicht zum verhältnissmässigen Theil, sondern zum vollen 
Betrage vom diesjährigen Zoll aufzunehmen, doch nur sofern er 
über die früheren Anweisungen noch einen Ueberschuss ergibt, 
sonst aber oder den eventuellen Rest vom nächstjährigen. Die 
Summe war nicht erheblich und die „Gunst" daher wenigstens 
mit keinem grossen Opfer verbunden. — Wie aber standen nach 
dem Recess nun Lübeck und Stralsund zu ihren Nachbarstädten ? 
Zusammen haben sie also an 2790 7/2^ ausgegeben: dem entspricht 
bei Rostock, das sonst in dem Matricularsystem Stralsund gleich- 
zustehen pflegt, nur eine Summe von 660 7?2^, Will man nicht 
Lübeck die Differenz ganz vorzugsweise oder allein zuweisen, wofür 
kein Grund abzusehen, so müssen beide Städte diesmal in ganz 
extraordinärer Weise vor den anderen bei kostspieligen politischen 
Aufgaben der Hanse engagirt gewesen sein. Ich stehe nicht an, 



234 

als deren vorzügliclistc jene Seeexperlition des J. 1372 und hin- 
wieder in jener Zahl ein Argument für deren Ausführung zu erken- 
nen. — Trotz jener bedeutenden gegenwärtigen Forderungen für die 
schonenschen Schlösser bleiben in Zukunft immer noch bedeutende 
Rückstände: beide, zu den allerdings nicht berechenbaren Nutzungen 
und Vereinnahmungen aus ihnen selbst, lassen ihre Verwaltungs- 
kosten in der vorhenning'schen Zeit zu einem riesigen Umfang an- 
wachsen, die nur dann einigermassen verständlich sind, wenn man 
sie auf die drei Verwaltungsjahre, von Beginn des Krieges bis 
Herbst 1371 bezieht. — Hatten sich nun die vier wendischen 
Bundesstädte in ihrem Soll und Haben unter einander auf gleichen 
Fuss zu setzen bemüht, so sind sie auch gewillt, gemeinsam die 
noch ausstehenden Ansprüche zur Geltung und Befriedigung zu 
bringen. Lübeck rechnet noch ganze 1100 7/^ lüb. (= ca. 
77000 Rm.) als Auslagen für die Schlösser und ihre Besatzung 
zusammen; Rostock, Stralsund und Wismar natürlich die ent- 
sprechenden Summen, die, wenn anders das herkömmliche Mann- 
schaftsverhältniss von Lübeck zu den anderen Bündnem hier Ver- 
wendung fand, die Höhe von 18322/3 W- (= ca. 128,287 Rm.) 
erreichten. Sie alle sind fest entschlossen, wie das auch eben so 
gerechtfertigt als natürlich war, die anderen conföderirten Städte 
so lange vom Mitgenuss der schonenschen Einkünfte auszuschliesBen, 
bis sie ihre Forderungen eingebracht haben. — Gewiss hat der 
plötzliche Umschlag der dänischen Verhältnisse mit seinen drängen- 
den politischen Anforderungen an die Hanse dazu beigetragen über 
die Zollangelegenheit d. J. 1375 und die besondere Nachwirkung 
dieser Versammlung alle Auskunft vermissen zu lasseq. Erst 
für die Zeit von 1376 — 78 ist wieder eine Zollabrechnung er- 
halten, die aber nicht mehr in den Bereich unserer Darstellung fallt. 
Anfang des nächsten Monats muss dann die aus dem schon 
genannten, preussischen und einem lübecker Rathmann zusammen- 
gesetzte Gesandtschaft ihre vielseitige diplomatische Mission an- 
getreten haben, gelegentlich deren sie natürlich auch in das 
Brügger und Londoner Contor regelnd eingriff. Der Erfolg war 
ein rühmliches Zeugniss für die Gewandtheit und Fähigkeit ihrer 
Träger: im September brachten sie, wie aus dem Dankschreiben 
des gemeinen Kaufmanns hervorzugehen scheint, die flandrischen 
Verhandlungen zu erwünschtem Abschluss, wahrscheinlich im 
October die französischen und im November endlich mit Erneue- 



235 

rung der Privilegien seitens des Königs die englischen. So waren 
diese drei Monate denn für den westenropäisclien Markt der 
Hanse von ausgiebigstem nnd glücklichstem Inhalt. 

Diesen Geschehnissen zur Seite ging die weitere Vorberei- 
tung der norwegischen und dänischen Gesandtschaft nnd die Aus- 
ffihrnng der letzten. 

Die erstere und merkwürdiger Weise nur diese angehend ist 
das Schreiben einer preussischen Parti cular Versammlung vom 
4. August an Lübeck allein oder die wendischen Städte zusammen 
erbalten. Auch dies zeigt, so gewählt und coUegialisch seine 
Form sich ausnehmen mag, jene fest geeinte Territorialgruppe 
wieder in eigen thümlich freier und selbständiger Haltung gegen 
das Ganze. Sie hatte in der flandrischen Gesandtschaft nachge- 
geben, hatte die Deduction über die Fortdauer der Kölner Con- 
f5deration anerkannt, in Sachen der Schlösser aber ihr oppositio- 
nelles Verhalten nicht aufgegeben. Führte sie hierzu ihr finan- 
zielles Interesse, wie sie es verstand, so dictirte dieses im Wesent- 
lichen auch die in Rede stehende Zuschrift Sie gab darin ihrem 
Wunsche Ausdruck von persönlicher Theilnahme an der norwe- 
gischen Gesandtschaft verschont zu bleiben, mit Hinweis auf die 
Veite und gefahrvolle Reise, wogegen die wendischen Städte 
bum Erhebliches einzuwenden hatten. Anders aber klang es, 
wenn sie in decidirtester Form die Erklärung beifügte, ihnen allein 
kämen die Ausführungskosten mit Fug und Recht zu. Allerdings 
berührte sie jene Legation am unmittelbarsten und nächsten: man 
denke an den ersten Krieg, an Borgholm und die besonders häu- 
figen Beschädigungen grade ihrer Bürger. Allein auch die Preus- 
sen waren an der Bestätigung der Privilegien, dem vornehmsten 
Zwecke der Gesandtschaft, nahe genug interessirt und nicht we- 
niger an der Vergütung der auch von ihnen mannigfach erlittenen 
Schäden, wie sie diese ja den Wendischen dringend zur Berück- 
sichtigung empfahlen. Fragt man nach den Kosten, welche sie 
scheuten, so erinnere man sich, dass durch einen endgültigen Be- 
schluss die Zehrungskosten der Gesandtschaft während der Reise 
dem Kaufmann zugeschoben waren. Von diesen wird man aber 
die eigentlichen Ausrüstungskosten noch zu unterscheiden haben: 
denn von lexikalischen Gründen ganz abgesehn, hätten die Preussen 
sonst mit ihrer Verwahrung in die Luft geschlagen oder aber 
jenen Beschluss mir nichts dir nichts im Interesse des gemeinen 



236 

Kaufmanns ignurirt; dies doch eine zu krasse, dabei schlecht be- 
gründete Willkür, um sie irgend glaubhaft sein zu lassen. Ueber 
einen andern allgemeinen Beschluss gingen sie allerdings mit 
souveränem Stillschweigen hinweg: indem sie der erklärten Bereit- 
willigkeit der Städte gegen Vollzug der Privilegien Schaden gegen 
Schaden zu rechnen, ja wo nöthig, gar noch ein üebriges zu thun, 
die Willensäusserung entgegensetzten, ihren Ersatzanspruch mcht 
ohne Weiteres aufzugeben und sich nicht, wie die Meinung ist, an 
der blossen Bestätigung der Freiheiten genügen zu lassen. — In- 
dess sollten die Vorgänge in Dänemark bald das ganze Schreiben 
gegenstandlos machen. 

um dieselbe Zeit erfolgte wohl die definitive Verabredung einer 
Zusammenkunft mit König Waldemar; nur lässt sich weder die 
Mitwirkung Hennings hierbei mit Sicherheit constatiren noch der 
in Aussicht genommene Treffort, ob Falsterbo, also wie erbeten 
ein schonenscher, oder Gurre, noch endlich der Termin, ob 
Michaeli oder ein wenig später. Der Verfügung gemäss hatte dann 
Lübeck, Rostock, Stralsund und Wismar je einen Rathmann ab- 
gesandt, Lübeck seinen reicherfahrenen und hochverdienten Bflr- 
germeister Jacob Pleskow, der nun nahezu anderthalb Jahrzehnte 
an der Spitze des Vororts und damit in gewisser Weise des gan- 
zen Bundes stand. ^ Dazu kamen auf Schonen der lübische Zoll- 
receptor J. Lange, der wie es wenigstens den Anschein hat, zu- 
gleich die Vittenvogtei in diesem Jahre bekleidete, und alle dor- 
tigen Vögte, denen das Geschäft mitbefohlen war, ein Zusatz, der 
wohl mehr erklärende als einschränkende Bedeutung hat. Unter 
diesen wird in den einschlägigen Akten namentlich der Greifs- 
walder, der preussische und der von allen süderseeischen Städten 
bevollmächtigte von Kampen hervorgehoben. Vermuthlich vor 
der üeberfahrt nach Schonen nahm man in Stralsund eine ver- 
zinsliehe Anleihe von 500 25^ (= 333V3 lüb. W = 23,334 Rm.) 
dortiger Münze auf, für welche die Stadt zunächst auf die nächst- 
jährigen schonenschen Einkünfte angewiesen wurde und des Wei- 
teren, im Fall sie unzureichend, das Versprechen erhielt, schadlos 
auszugehen. Hiervon gab man an den Greifswalder Rathmann 
110 /55pi zur Befriedigung einer aus dem erstep Waldemar'schen 



* Zuerst 1363 als Gesandter auf einer Tagfahrt genannt (H. R. I. 
Nr. 280). 



237 

Kriege herrflhrenden Forderung eines seiner Mitbürger, die aber, 
wie ausdrücklich vermerkt wird, die damals unbethciligten Preus- 
sen und Süderseeer nichts anging, während man einen andern 
Theil in der Höhe von 180 W^ zur Deckung der Reiseunkosten, 
den Rest aber, also 200 7/^ zu einer Voraus- und Abschlags- 
zahlung an Henning verwandte, worauf wir gleich zurückkommen. 
Der wohl daheim, jedenfalls erst nach der Ausführung der Ge- 
sandtschaft aufgesetzte uns erhaltenene Bericht zeigt, dass sie 
nicht bloss mit dem König, sondern auch mit dem Reichs- 
haaptmann wegen seiner weiteren Amtsführung Verhandlungen 
pflegea sollte. Ueber die vorläufige Verlängerung seines am 25. 
Joii erloschenen Contracts bis etwa zu diesem Zeitpunkt erfahren 
wir zwar nichts, doch kann sie natürlich nicht gefehlt haben. 
Mit ihnoi trafen die Gesandten am Michaelitage in Falsterbo zur 
Besprechung zusammen, deren Ergebniss wieder ein kurzlebiger 
Gontract, bis 25. Juli 1376 war. Merkwürdiger Weise ist die Ur- 
kunde erst vom 25. October, grade einem Tage nach Waidemars 
Tode datirt mit der Ortsangabe Skanör, während doch schon hier 
und um diese Zeit jene Abmachung nach dem angezogenen Be- 
richte getroffen wurde; es mag diese vielleicht auch nicht sicher 
lösbare Frage dahinstehn, deren Interesse eigentlich nur darin 
Ue^ ob Henning am 24. October am Sterbelager des Königs ge- 
wesen oder nicht vielmehr wieder mit den Rathssendboten zu- 
sammen. Um so mehr Beachtung verdient ein anderes. Hatte 
es uns überrascht, bei zufälliger Gelegenheit über die noch 
nicht erfolgte Herausgabe der Hälfte von Helsingborg unterrichtet 
zu werden, so sehen wir aus den Angaben dieser Urkunde, dass 
auch Schloss Malmö nur halb im Besitz der Städte gestanden 
haben kann, ohne indess hinter den Ursprung dieser Thatsache 
nach Zeit und Art kommen zu können. — Hennings Einkommen 
bleibt unverändert : 1000 7/Ilf. sund., dazu die Einkünfte der sieben 
flarden; nach wie vor soll es auch die Risicoprämie enthalten 
Qod überhaupt keinen Raum zu weiteren Kostenansprüchen lassen. 
Nur scheint die halbjährige Auszahlung in zwei gleichen Raten 
fortfallig geworden zu sein: wenigstens erhielt er jetzt bloss jene 
200 ^, und ward sein Gesammtgehalt als zahlbar am Jacobs- 
tage ^ dem Endtermin seines Amtes ausgegeben. Wieder wurde 
Liübeck und Stralsund das alleinige Recht zuerkannt, die Schlösser 
am Verfalltage oder vorkommenden Falls schon vorher von ihm 



238 

oder seinen üntervögten zurückzuheischen. Ausser ihm selbst 
hingen zwei von diesen , der Vogt zu Skanör und der zu 
Palsterbo ihre Siegel an beredete Urkunde und gelobten wie auch 
der Vogt von Helsingborg, mit Hand und Mund alle diese Stücke 
treu zu bewahren und zu erfüllen. Man vermisst nur den Vogt 
von Malmö: gewiss hatte er sich mit jener Zollaffaire den Han- 
sen sehr missliebig gemacht. 

War die Sorge um die Schlösser damit abgethan, so erübr^ 
die schwerere und grössere, mit dem König wieder zu Recht und 
Frieden zu kommen. Vom Reichshauptmann geleitet begaben sich 
die vier eigentlichen Sendeboten, J. Lange und die Vögte von 
Greifswald und Kampen, sieben Rathsherren also, nach dem im 
nordöstlichen Seeland gelegenen Schloss Gurre zum König und 
brachten dort angekommen ihre Anliegen vor, denen denn auch 
die etwa eingegangenen nachträglichen Beschwerden, nicht nur 
die in der Instruction angemerkten beizuzählen sind. In Walde- 
mar's Umgebung befand sich der Erzbischof von Lund, der 
Bischof von Roeskilde, Rikman v. d. Lanken und noch 5 andere 
hervorragende dänische Grossen. Wie es scheint, haben einleitende 
Besprechungen, wenn gleich nicht unmittelbar mit dem schon 
schwer erkrankten König stattgefunden ; am Ende aber überbrachte 
jenes Gefolge insgesammt den Städteboten die Kunde, dass ihr 
Herr leider zu krank und entkräftet sei, um über Schlösser, Lande 
oder sonst ein Erdengut verhandeln zu können. Es ging mit 
diesem reichen, bewegten und thätigen Leben zum schnellen Ende. 
Wie bezeichnend, dass bis an sein Totenbett noch die Klagen 
und Mahnungen der Feinde dringen, die vor allen anderen die 
Erfolge seiner rastlosen kriegerischen und administrativen Arbelt 
aufgehalten oder durchkreuzt hatten. Von grossem psycholo- 
gischen Interesse sind die letzten Vorgänge in seiner Seele, die 
sich in unserem Bericht, natürlich nur sehr fragmentarisch wieder- 
spiegeln. Nichts von den wilden Fluchworten, die eine übel- 
wollende Nachrede dem scheidenden Monarchen in den Mund ge* 
legt, nein ganz das Gegentheil, da er am Lebensende anfängt 
nachgiebig und versöhnlich zu werden. Er Hess durch die ge- 
nannten Herren den Boten erklären, käme er mit Gottes Hülfe 
wieder zurecht, so wolle er gern die Vereinbarungen mit den 
Städten einhalten. Für den Fall seines Todes aber gaben sie aus 
eigner Initiative im Namen des Reiches die Versichrung, ihrerseits 



239 

wie ehrenhafte Männer denselben getreu sein zu wollen mit der 
Bitte^ an ihrer Aufrichtigkeit nicht zu zweifeln. Auch unterdrückten 
sie nicht die Besorgniss, dass es dann übel in dem erblosen, ver- 
waisten Reiche stehn werde noch die Bitte, daheim im Rath das 
Verhalten der Städte diesem Vorkommniss gegenüber zu erwägen, 
da sie deren Winke gerne befolgen wollten : eine Bitte, deren Er- 
füllung die Gesandten natürlich versprachen. Sie reichten dann wohl 
hier eine Abschrift ihrer sämmtlichen Klagepunkte mit Vorbehalt 
etwa noch hinzukommender an Henning ein, um sie an den 
Beichsrath, die Stellvertretung des Königs zu expediren und eine 
Antwort ihnen mitzutheilen. Danach machten sie sich auf die 
Heimreise, da sich nach Lage der Dinge vor der Hand doch 
nichts Weiteres erreichen liess. Mit wachsender Krankheit wuchs 
indess die versöhnliche und schwachmüthige Stimmung des hin- 
sterbenden Gegners; er schickte ihnen seinen getreuen Hauptmann 
nach, der sie in Helsingborg einholte, um ihnen noch die Bitte auf 
die Städte mitzugeben, ihm alle seine etwaigen Kränkungen um 
Gotteswillen zu vergeben. Auch liess er sie seinen Erlass an den 
Beichsrath wissen, der die Herausgabe des Gewandes, das auf 
Skagenshorn, wohl in unerlaubter Ausübung des Standrechtes, 
zurückbehalten war, freilich sonderbar genug nicht sofort sondern 
ent nnd nur im Fall seines Todes verfügte, sowie seine Absicht 
auf der Reichsrathsversammlung am nächsten Johannisfest , wenn 
er noch lebe, die Friedensbesieglung zu voUziehn. Hiernach 
aeheint dieser Act fast nur im Beisein des Reichsraths vollziehbar 
gewesen zu sein, oder wieder müsste man verwundert fragen warum 
er nicht sogleich geschah. — Diese Versprechungen erschöpften 
nun freilich bei Weitem nicht die Wünsche der Hansen, aber 
leicht möglich, dass der Bericht nur die weiteren übergeht, und 
in jedem Fall gaben sie den Beweis für das veränderte Benehmen 
des Königs und sein bereitwilliges Entgegenkommen. 

Von Helsingborg zogen die Rathsherrn weiter nach Kopen- 
hagen, wo sie am 1. Novemb. eintrafen, eine Woche nach Wai- 
demars Tode, der am 24. Oct erfolgte und ihnen wie ich im Ge- 
gensatz zu Koppmann überzeugt bin, bereits zu Ohren gekommen 
war. Hier gab es eine Reihe neuer strandrechtlicher Klagen an- 
zuhören, um deren willen die betroffnen Kaufleute Beschwerdebriefe 
an den Reichsrath von ihnen erbaten und erhielten. Besonders 
in Schonen sah es in diesem Jahre kläglich aus mit der Sicherheit 



240 

von Person und Sache; Räubereien, wohl besonders zur See und 
anderweite Belästigungen waren im Schwange; daher man im 
Rath zweckmässige Gegenmassregeln berathen will, deren beste 
übrigens in einem strafferen oder auch loyaleren Regime Hennings 
und seiner Vögte bestehn mochte. Man sieht, wie in Dänemark 
der gemeine Kaufmann aus Angst und Sorge nicht herauskam, 
ja wie sich fast die Entstehungsgeschichte, das Vorspiel des letzten 
Krieges wenn auch wohl weniger durch Schuld officieller Personen 
zu wiederholen schien; und nun warf schon seine dunklen Schat- 
ten der Streit voraus, der sich um die erledigte dänische Krone 
erheben sollte. Fehlte jetzt der mächtige Arm des Mannes, der 
ihr in 35 arbeits- und mühevollen Jahren neuen Ruhm neue Auto- 
rität errungen und die innere Ordnung hergestellt hatte, so stand 
nach der ganzen Situation zu erwarten, dass alle zügellosen Ele- 
mente im Reiche aufleben würden. Könnte es sich den Winter 
über nicht beruhigen, so werde, meinen die besorgten Boten, der 
üble friedlose Zustand des Meeres im künftigen Sommer die 
sichre Folge sein. Jeder soll in seinem Rath das Beste zur Vo^ 
kehr überlegen. Zugleich aber trat jetzt an die Städte die An- 
fordrung heran, ihr selbstgeschaffnes 'Recht an der dänischen 
Königswahl zu üben: die stolzeste Errungenschaft des stralsunder 
Friedens gewann unmittelbar praktische Bedeutung. Daher ver- 
abredeten die wendischen Städteboten sogleich eine neue Tagfabrl^ 
freilich nur eine binnenländische, da sich eine allgemeine wolil 
wegen der Jahreszeit verbot. Der späte Termin aber ihrer An- 
beraumung dürfte andeuten, dass sie eine langsame Entwicklnng 
der strittigen Kronangelegenheit erwarteten. 



IV. 

Die dänische Thronfrage. 

Damit treten wir zum Schluss unserer Besprechung an die 
hochinteressanten Vorgänge heran, wie sie sich um die dänische 
Thronfolge bis zu den Friedensschlüssen der Städte gruppiren. 
Es ist nicht meine Aufgabe, eine allseitige ErÖrtrung derselben zu 
versuchen: auch hier bleibt die hausische Theilnahme an ihnen 
der massgebende, beschränkende Gesichtspunkt. 

Es wird zunächst nöthig sein, die derzeitigen rechtlichen und 
politischen Verhältnisse, die mit ihnen in Berührung stehn, auch 
auf die Gefahr einiger Wiederholungen hin kurz zu veranschaulichen. 
Das Wahlrecht des Volkes, das sich aber im Anschluss an die 
allmähliche Herausbildung eines mächtigen Adelsstandes thatsäch- 
üeb auf immer engere und höhere aristokratische Kreise be- 
sehränkte, war gewissermassen ein Staatsgrundgesetz des dänischen 
Reiches. Auf der anderen Seite hatte der jahrhundertelange Be- 
stand der Dynastie in ihr selbst und im Volke vermöge der Macht 
der Gewohnheit und der Natur jeder Monarchie die Anschau- 
ung von einer Erbberechtigung erzeugt und fest wurzeln lassen. 
Aus der Mischung dieser beiden Elemente ergab sich die eigen- 
tliümliche Form der dänischen Königsküre : das Volk wählte, aber 
aus der bestehenden Dynastie und zwar meist den Erstgeborenen, 
erkannte also eigentlich nur den einfachen Erbgang formell an 
oder rjägelte ihn im gegebenen Falle. Zu diesem altherkömmlichen 
fiecht des eingeborenen Volkes gesellte sich neuerdings das viel- 
besprochene der ausländischen städtischen Conföderation, das kurz 
gesagt, ihre unumgängliche Zustimmung zu einer von jenem auf- 
gestellten Thronkandidatur bedeutete. 

Nun war mit Waldemar der Mannsstamm des alten Königs- 
geschlechts, dessen anderer Zweig kurze Zeit früher mit dem 
ßchleswiger Herzog erloschen war, ins Grab gesunken und nur 

Deuicke, Ueziehuiigcn der llan&eäLUdte oto. \Q 



242 

weibliche Naclikommenschaft und deren Descendenz hinterblieben. 
Die eine ältere Tochter Waldemar's, Gemahlin des Herzogs Hein- 
rich von Meklenburg, hatte bei ihrem vor einigen Jahren erfolgten 
Tode einen jetzt etwa siebenjährigen Sohn Albrecht hinterlassen; 
die andere und überlebende Margaretha, Königin von Norwegen 
aber war die Mutter des fünfjährigen Prinzen Olav. Wollte man 
daher die Krone in dem alten Königshause lassen, so galt es, da 
Margaretha selbst als Frau, und der Spross einer Seitenlinie * ilirer 
und seiner eigenen politischen Bedeutungslosigkeit wegen nicht in 
Frage kamen, eine Wahl zwischen jenen beiden unmündigen Kin- 
dern. Das Gewicht der Erstgeburt,- das dem [meklenburger Prä- 
tendenten zur Seite stand, brauchte durchaus nicht entscheidend 
für ihren Ausfall zu werden; leicht mochten es politiBche Erwä- 
gungen und Aktionen überbieten. 

In feindlichster Spannung standen sich die beiden bewerben- 
den Dynastien entgegen. Die meklenburgische hielt seit mehr als 
einem Jahrzehnt den schwedischen Thron inne, aus dessen alt- 
verjährtem und geheiligtem Besitz sie die schwedisch- norwegische 
verdrängt hatte: wiederholte Kriege und zuletzt ein wesentlich 
auf den status quo basirter Friede, dem sofort neue Reizungen 
und Reibungen folgten, waren das Ergebniss. Und nun durch- 
kreuzten sich die Ansprüche der beiden Gegner abermals in 
der Anwartschaft auf einen neuen Thron, in dessen Besitz der 
Noi*weger den Eindringling aus seinem angestammten Reiche 
wieder herauszuwerfen, und umgekehrt dieser jenen auch ans 
seiner letzten Machtstellung hinauszudrängen hoffen durfte: in 
beiden Fällen schien aber die Union des Nordens das endliche 
Resultat sein zu müssen. Nach jeder Richtung hin waren es 
Dinge von fundamentaler Wichtigkeit, die jetzt zur friedlichen 
oder kriegerischen Entscheidung standen. 

Der eigentliche Träger der norwegischen Politik hiebe! war 
Margaretha, jene junge, hochbegabte und hochstrebende Frau, die 
hiermit ihre weite politische Laufbahn antrat, auf der ihre That 
kraft und Klugheit noch so mancher Erfolg belohnen sollte. Der 
Hauptvertreter der gegnerischen Politik dagegen war jener alte, 
vielerfahrene Herzog Albrecht, kaum weniger hoch hinauswollend 



* cfr. Fr. Krarnp, Kongeskiftet efter Valdemars Atterdags D^d. 
p. 6. (Saertryk af. Bist. Tids. V. 1876). 



243 

als seine überlegne und glücklichere Rivalin. Unausgesetzt hatte 
er seit dem frühen Tode von Waldemar's Sohn, dem präsumtiven 
Thronerben, die dänische Thronfolge seines Hauses im Auge be- 
halten. Durch seine erfolgreiche schwedische Expedition dem 
König entfremdet, ja dessen offnem Angriffe ausgesetzt, gab er 
nach, doch auch deshalb um sich mit seiner Gunst einer Aussicht 
mehr auf die dänische Herrschaft zu versichern. Als sich aber 
dann jene gewaltige Bewegung ringsum gegen Waidemars üeber- 
muth erhub, ging er schnell wechselnd politisch und militärisch in 
die Offensive über, um auf diesem Wege das Ziel seiner Wünsche 
zu erreichen: seine Erobrungs- und Theilungspläne misslangen, 
und wieder legte er sich mit dem König zu friedlichen Verhält- 
nissen, ja erwarb nun gar dessen Zusichrung für die Nachfolge 
seines Enkels, mit dessen mehr oder minder vermeintlichem Erb- 
recht nun seine weitere ehrgeizige Dynastenpolitik operirte. — 
Nicht ungelegen mochte es ihm in dieser Rücksicht kommen, dass 
Kaiser Karl den langvorbereiteten Erwerb der Marken im Jahre 
1373 endlich zum glücklichen Ende führte. Denn dieser neue 
schntzbedürftige Territorialzuwachs sicherte ihm als einem unter 
Umständen gefährlichen Nachbar des Kaisers freundliches Ent- 
gegenkommen. Schon Juni 1373 erhielt er von diesem und 
«anem Sohn, dem böhmischen Könige das Versprechen ihrer Mit- 
hälfe dazu, dass König Albrecht sowohl auf dem schwedischen 
Thron bleibe als auch Prinz Albrecht in Ermanglung eines 
direkten Erben Waidemars auf den dänischen komme. Im April 
1374 folgte die Erneurung dieser Garantie für den Bestand der 
schwedischen Herrschaft von Seiten des Kaisei*s und im Mai mit 
fiinschluss des dänischen Thronerwerbs die des böhmischen Königs 
in Gemeinschaft mit seinen Brüdern, den beiden brandenburgischen 
^larkgVafen. An urkundlichen Handhaben , um den Beistand der 
luxemburgischen Macht anzurufen, litt die meklenburgische Partei 
Uiithiu keinen Mangel. Aber worin konnte dieser Beistand be- 
Btehn? Etwa im kaiserlichen Machtwort an die dänischen Wähler? 
Jjun gut, es erging und bald; aber wie vorauszusehn , verletzte 
lind schadete es mehr, als dass es förderte. Die Zeit lehnsrecht- 
licher Abhängigkeit von Deutschland war für das Inselreich ja 
längstens vorüber. Eine reelle Machtunterstützung so entlegner, 
fremder Zwecke aber liess sich von der friedliebenden und eigen- 
nützigen Politik des Luxemburgers nicht wohl erwarten. Er be- 



244 

zweckte nichts weiter, als den Meklenburger bei guter Freund- 
schaft zu halten, indem er seinerseits gegen ihn eine solche zur 
Schau trug; deutlich lässt jenes Ermuntrungsschreiben in betreff der 
Wiedervermählung des Königs diese Maske und mehr als das, den 
bewussten Interessengegensatz erkennen. — Mit jenen Pergamenten 
war daher am Ende nicht mehr gewonnen als mit der urkund- 
lichen Erklärung Waldemar's, die auch seinen wahren Intentionen 
schwerlich entsprach. Diese mögen sich vielmehr, wie ich Mnncli 
beipflichte, besonders gegen sein Lebensende der gewinnenden 
und thätigen Margarethe zugewandt haben. 

Wie gingen nun aber vor allem die Dänen selber, insbeson- 
dere die oberen Stände in dieser für sie so ungemein wichtigen 
Sache vor? Es wird, wenngleich vereinzelt von einem Herrentag 
in Odense berichtet, den Henning alsbald nach dem Ableben des 
Königs einberufen habe ; dies ist an sich ebenso wahrscheinlich, 
als die Verschiedenheit der Ansichten und Absichten , die dort 
ihren Ausdruck gefunden haben sollen. Eine Partei, der Ilennüig 
und andere hervorragende Grosse zugehörten, plaidirte für Olaf 
mit besonderem Hinweis auf die mit ihm gegebene spätere Per- 
sonalunion des norwegischen und des dänischen Reiches. Allein 
grade dies missfiel der anderen, da sie darin bei dem in Norwegen 
bestehenden Erbrechte eine Gefährdung des in Dänemark gül- 
tigen Wahlrechts erblickte. Waren die antinorwegischen Stimmen 
in dieser Negation einig, so zertheilten sie sich jedoch in dem; 
was sie positiv wollten; die einen sprachen im Anschluss an 
strengere erbrechtliche Anschauungen für den meklenburgischen 
Herzogssohn, die übrigen für die Küre eines eingeborenen 
Edelmanns. 

Von eigentlich entscheidender Bedeutung wurde- bei dieser 
Sachlage das Verhalten der beiden concurrirenden Dynastieen. 
Herzog Albrecht beging in übereiltem Eifer die Thorheit, seinem 
Enkel Königstitel und Königswappen von Dänemark beizulegei, 
ihm sonach ein unbedingtes Erbrecht zu vindiciren. Wie hätte 
sie nicht den Widerstand des auf seine Rechte eifersüchtigen und 
wachsamen Adels provociren sollen? Und mehr noch. Er schloss 
mit den holsteinischen Grafen, die sich, wie wir uns erinnern, 
diesen Zwischenzustand zur endlichen Annexion Schleswigs zu 
Nutze machten, am 21. Januar 1376 einen Bund, in dem ihnen 
sein Enkel als König von Dänemark die staatsrechtliche Aner- 



245 

kennung derselben sowie weitere bedeutende Erwerbungen in Nord- 
jütland und auf den dänischen Inseln zusagte; ein Bund also, der 
die schlimmsten fürstlichen Feinde dänischer Nationalität ver- 
einend unselige Zustände wie unter Gerhard zurückführen zu 
sollen schien. Es mag dahinstehen, ob die Dänen vor dem Wahl- 
act von demselben erfuhren ; wenn, so musste er die dem Meklen 
burger freundlichen Stimmungen bei Weitem mehr schwächen als 
er ihm gegründete Aussichten auf grössere Machtmittel gewährte. 
— ^ In Dänemark selbst scheint Herzog Albrecht versäumlicher 
Weise wenig oder keine Anstalten zur Förderung seiner Sache 
gemacht zu liaben. — Wie ganz anders die bewegliche, geschmei- 
dige und einnehmende Königin von Norwegen! Sie war, wenn 
nicht gar sclion am Sterbebett ihres Vaters, doch jetzt schnell 
mit ihrem jungen Sohne zur Stelle und sofort agitatorisch unter 
den dänischen Grossen thätig, sei es durch Vergabungen, sei es 
durch den Zauber ihrer persönlichen Gegenwart. Auch wird man 
mit der Annahme nicht fehlgreifen, dass eben ihre unmittelbare 
Abkommenschaft von König Waldemar ihrem Sohne zu Gute kam 
und mehr noch die allgemeine Volksstimmung, die entschieden 
lieber zu dem nordischen als dem deutschen Prätendenten hinneigen 
musste, um so mehr, als dessen Haus Jahre lang in erbitterter 
Fdndschaft mit Dänemark gestanden hatte. So geschah es, dass 
die norwegische Einwirkung immer weitere Kreise glücklich er- 
faaste, und eine sichere Majorität in wenig Wochen für Olaf ge- 
wonnen war. 

Aber nochhatte ein mächtiger und der von Rechtswegen ent- 
scheidende Factor sein Votum nicht gegeben, es waren die Städte. 
Sie zu ignoriren, ging schon darum nicht an, weil Brief und 
Siegel die Wählenden band, vorzüglich aber deshalb nicht, weil 
sie aus ihrer Neutralität heraus entscheidend zwischen die strei- 
tenden Parteien treten konnten. Für sie, insonderheit für die 
Meklenburg benachbarten wendischen Städte war der Austrag der 
Wahlangelegenheit eine Sache von weittragendster Bedeutung. 
Ist ihre Politik mit dem Streben, jenes grosse politische System 
des Nordens zur eigenen Sicherstellung im Gleichgewicht zu 
halten , richtig charakterisirt , so musste er , mochte er nun dem 
Norweger oder Meklenburger günstig ausfallen, immer ein höchst 
unliebsames Ergebniss sein: in beiden Fällen schied wieder, wie 
seiner Zeit Schweden, ein bedeutendes Reich als selbständige 



246 

Macht aus jenem System aus, indem es mit einem anderen zu 
einem übergewichtigen Ganzen zusammenwuchs. Den einzigen 
Ausweg aber aus diesem Dilemma, durch Verwerfung jener beiden 
Candidaturen zur Aufstellung einer dritten, ihnen convenablen zu 
nöthigen, konnten sie nach Lage der Dinge weder einschlagen 
wollen noch einschlagen. Unsere Frage stellt sich daher nur so, 
welche von jenen zwei Dynastieen sie mehr wünschen konnten 
.auf dem dänischen Thron zu sehen. Leider kommen ihrer Eot- 
^ Scheidung die Recesse oder andere Hanseakten wenig zu Hülfe, so 
dass wir im Wesentlichen auf den Versuch angewiesen sind, sie 
aus der herrschenden Situation und sonstigen Richtung der hansi- 
schen Politik zu eruiren. 

Wenn sowohl die norwegische als meklenburgische Candida- 
tur den Zusammenschluss der skandinavischen Reiche im. Gefolge 
zu haben schien — die Getheiltheit des meklenburgischen Hauses 
in verschiedene, hie und da herrschende Linien konnte ja leicht 
ihrer Vereinigung weichen, und in jedem Fall war eine gewisse 
Gleichartigkeit ihrer äusseren Politik so gut wie unausbleiblich, — 
so bot die letztere doch einen entschiedenen Nachtheil, indem sie 
zugleich den Stammlandschaften in Deutschland eine grössere Be- 
deutung und Expansivkraft verlieh und somit auch in die hier 
bestehenden politischen Verhältnisse umgestaltend eingriff. Wie 
bedenklich musste dies aber die particularistischen Interessen Lfl- 
becks berühren und das um so mehr, als das gemeinsame Inter- 
esse Meklenburger und Holsteiner in einem engen Bündniss zu- 
sammengeführt hatte. Nach v-orn und beiden Seiten zugleich 
kam dann durch diese fürstliche Umklammerung die leitende 
Bundeshauptstadt ins Gedränge; wogegen die norwegische Thron- 
folge ein wichtiges Land weniger in jenem nordischen Herrschafts- 
complexe aufgehen Hess und wenigstens mit keiner Störung des 
nächsten Friedens drohte. 

Noch ein anderes musste ihr die Städte geneigter machen: 
ich meine den endlichen Abschluss der so lange vorbereiteten, 
immer wieder verzögerten Sühne, die für sie vor allem die Be- 
stätigung ihrer Privilegien bedeutete. Wir haben im Vorher- 
gebenden die städtischen Beziehungen zu Norwegen eingehender 
erörtert, als bei unserer Hauptabsicht auf die zu Dänemark, zu- 
nächst durch die Mitgegnerschaft im letzten Kriege gerechtfertigt 
sein dürfte; doch wird uns nun der grosse Einfluss diesen Dienst 



247 

leisten, den jenes Land sowolil auf die Entschliessungen des dä- 
nischen Volkes als der Städte nahm, um sich dann für Jahrhun- 
derte mit Dänemark zu Einem Reichskörper zusammenzuschliessen. 
— Wir sahen, wie weit sie zuletzt ihrer Privilegirung halber 
nachzugeben gesonnen waren, und so wenig an diese zu denken, 
wenn sie die norwegische Candidatur verwarfen, so sicher schien 
sie der Preis für ihre Anerkennung oder Unterstützung sein zu 
müssen. Dass sicli diese beiden Dinge untrennbar wie kaufmän- 
nische Leistung und Gegenleistung verquickten, und den Städtern 
ungemein viel an dem Handel gelegen war, kam der norwegischen 
Politik sehr zu Statten, die sich glücklich preisen mochte, jenen 
Preis — schwerlich aber in dieser diplomatischen Voraussicht — 
bisher zurückgehalten zu haben. Dies ein allgemeiner und ein 
mehr transitorischer Grund, um den Städten den Uebergang der 
dänischen Krone auf Norwegen wünschenswerth erscheinen zu 
lassen. Dazu kam unzweifelhaft als ein weiterer Bestimmungs- 
grund ihres Verhaltens die vorherrschende Neigung für den nor- 
wegischen Prätendenten in Dänemark selbst. Sollten sie ihr zum 
Trotz dem Candidaten der Minorität zum Siege zu verhelfen 
suchen i! Je geringer diese war, um so grösser und verbreiteter 
musste der Unwille und Widerstand sein, den ein solcher Ver- 
8&ch, am meisten wenn er gelang, im Volke erzeugen musste 
Der Handel aber brauchte und wollte eben möglichst vielseitigen 
Frieden. 

Am 20. Januar 1376 traten Verabredetermassen die Send- 
boten aus den vier wendischen Städten in Wismar, ge wisser massen 
als der engste Ausschuss des Kölner Bundes zur Besprechung zu- 
sammen. Von einer Beschlussfähigkeit für die Gesammtheit über eine 
80 belangreiche, politische Frage wie sie die dänische Thronfolge 
darbot, konnte an sich schon nicht die Rede sein, um so weniger 
aber, als bei der feststehenden und nahe genug liegenden An- 
hänglichkeit der zwei meklenburgischen Landstädte an die Sache 
ihres Landesherrn in der Versammlung nicht einmal Einstimmig- 
keit erreichbar gewesen wäre. — Klar Hess sich schon jetzt die 
politische Constellation in der schwebenden Angelegenheit über- 
schauen. Die dänischen Sympathieen galten in ihrer Mehrheit dem 
Sohne Hakons und der Margaretlie ; allein der alte Herzog Albrecht 
vertraute auf sein vermeintlich gutes Recht, an das ihn die Be- 
griffe des deutschen Erbrechtes glauben machten. Wir erleben 



248 

nun das interessante liistorisclie Schauspiel, dass beide Parteien 
in Befolgung des Stralsunder Friedens, der in diesem Punkte 
diesmal entschieden zum Glück für Dänemark ausschlug wirklich 
die Entscheidung der Conföderation anrufen! wie leicht hätte 
doch ohne ihre beruhigende Zwischenstellung die combinirte Macht 
der Meklenburger und Holsteiner gegen das politisch und militä- 
risch nur lose zusammengehaltene Reich anstürmen können, am 
sich mit den Waffen selber zu geben, was der Volkswille ihnefl 
versagte. — Mit Recht hat soweit ich sehe, zuerst Munch darauf 
aufmerksam gemacht, dass Kaiser Karl in einem v. 18. Jan. datirten 
Schreiben an Lübeck der Reichsstadt nur verbot, die norwegische 
Aspiranz zu fördern, die meklenburgische zu hindern, und eben 
von dieser anbefohlenen Neutralität auf eine ihm bekannte Ab- 
neigung derselben gegen die letztere geschlossen: denn w<ar dem 
nicht so, was veranlasste ihn bei seiner gleichviel ob nur vor- 
gespiegelten Fürsorge für die Meklenburger auf den mächtigen 
Beistand der grossen Stadt zu verzichten? Das kaiserliche Mahn- 
schreiben ist vielleicht noch auf dem Tage eingetroffen , konnte 
aber kaum einen grossen Eindruck auf die frei einherschreitende 
Politik der Städte machen, wie sehr sie auch demselben in gewissem 
Betracht entsprechen mochte, was eben nur ein äusserlich zu- 
fälliges Zusammentreffen war. 

Die kluge Tochter Waldemar's hatte nicht versäumt, die Lock- 
speise rechtzeitig auszustellen und schon vorher zwei ihr treu 
ergebene, wohlbekannte dänische Edelleute, den Reichshauptmann 
und A. Jacobssohn nach Stralsund, das uns hier wiederum in 
seiner hervorragenden Stellung deutlich wird, abgesandt, um dort 
das Anerbieten eines definitiven Friedens zwischen Norwegen und 
den Städten anzubringen, ohne nach allem Anschein ihre dänischen 
Anliegen damit in unmittelbare Verbindung setzen zu lassen. Die 
nun erfolgten Verabredungen sind nicht völlig durchsichtig; nach 
Koppmanns Darlegung hat Stralsund mit der Gesandtschaft vor- 
läufig einen Tag für den 17. Febr. vereinbart anscheinend zu per- 
sönlicher Verhandlung mit der Königin und sich in dieser Sache 
brieflich an die Preussen gewandt. Dass es ein Gleiches auch 
den Südseeern und vor allem den wendischen Schwesterstädten 
gegenüber that, ist zwar nicht direct nachweislich, aber durchaus 
anzunehmen. Was die letzteren angeht, so lässt sich aus dem 
Datum des preussischen Antwortschreibens wohl entnehmen, dass 



249 

jener Einladungsbrief nicht lange vor dem 20. Januar abgegangen 
ist, und damit wird wahrscheinlich, dass Stralsund eben auf 
diesem Tage erst ihnen die Sache referirt hat. 

Hier hatten sich, wie nach dem Wortlaut des kurzen Recess- 
berichtes nicht zu bezweifeln ist, Abgesandte der beiden Parteien 
zu mündlichem Vortrag ihrer Werbungen eingefunden. Herzog 
Albrecht berief sich auf den Altersvorzug der Mutter seines Enkels 
vor der Margarethe, der auf diesen übergehe, und körnte mit 
der Zusage einer so umfassenden Privilegirung in Dänemark, wie 
kein anderer Fürst sie vornehmen könne, überdies mit einer genügen- 
den Caution. Versteht sich, dass die Gegenpartei, das norwegische 
Königspaar mit ähnlichen Reizmitteln seine Bitten um Erhebung 
seines jungen Sohnes auf den Thron unterstützte. Seine Ab- 
gesandten wQrden zugleich, aber wohl nur, wenn es Dänen waren, 
die briefliche Werbung des Reichsrathes, die an die Versammlung 
einging, mündlich wiederholt haben; ohne Zweifel befürwortete 
auch dieser die norwegische Thronfolge. Um Abwesenheit der ja 
auch gar nicht einberufenen Süderseeer und Preussen willen wurde 
nach offici eller Angabe eine Beschlussfassung über die heikle An- 
gelegenheit auf eine neue, lübecker Versammlung am 23. März 
also um etwa 2 Monate verschoben. Es trat die abwartende 
Haltung der Städte schon klar zu Tage, und schon jetzt mochten 
die Dänen ungeduldig werden, zumal ihr Reich in dieser königs- 
losen Zeit immer mehr an seinem äusseren Bestände auf der 
jütischen Halbinsel einbüsste. Weiter erkennen wir, dass man an 
dem Verhandlungstage des 17. Febr. nicht festhielt ; vielleicht des- 
halb nicht, weil man sich nachträglich auf den Zweifel besinnen 
mochte, ob die entfernten Städtegruppen nach dem Empfang 
des Stralsunder Briefes noch Zeit haben würden, pünktlich ein- 
zutreffen oder gar zuvor in Sonderberathungen zusammenzutreten. 
Das vom 20. Jan. datirte Einladungsschreiben, welches die Ver- 
sammlung an Preussen und Süderseeer und wohl nur in Rücksicht 
auf die weite, winterliche Reise und das oft genüg kundgegebene 
Einverständniss der livländischen Städte nicht auch an diese rich- 
tete, ist ganz objectiv gehalten und gibt keine Andeutung des für 
und wider; mag man sich dies aus einer Meinungsverschiedenheit 
der 4 Städte oder* ihrem Streben, der selbständigen Entscheidung 
der anderen Städte nicht vorzugreifen, erklären wollen. Nachdem 
es zunächst die Situation in kurzen Strichen gezeichnet, den Tod 



250 

Waldemar^B und die Ansprachen der beiden Bewerber gemeldet 
hat, wobei merkwürdiger Weise der doch nicht unwichtigen Wer- 
bung des Reichsraths so wenig gedacht wird, wie der den Adressaten 
freilich schon bekannten Gesandtschaft nach Stralsund, fordert es 
in beachtenswerth dringlicher Weise auf, zuvor die Angelegenheit 
unter sich zu berathen und dann Bevollmächtigte zu dem an- 
gesetzten allgemeinen Tage zu schicken, um hier einmüthig eine 
für Städte und Kaufmann nützliche Antwort an beide Parteien zu 
finden und zu geben. Kurz und klar spricht sich hier der letzte Ziel- 
und alleinige Richtungspunkt hansischer Politik aus: die Besorgung 
des merkantilen Interesses. — Schon traten aber die von der 
letzten dänischen Gesandtschaft geäusserten Befürchtungen näher 
und näher. Mit Sicherheit Hess sich bei dem haltungslosen Regiment 
in Dänemark und der Entzweiung der nordischen Fürsten und 
Völker in seiner Thronfrage eine Beunruhigung der See durch 
Räubereien voraussehen; es galt Schutzmassregeln für den Kauf- 
mann zu trefi'en, zu deren Vorberathung jenes Schreiben denn auch 
aufforderte; näher dachte man dabei sicherlich an die Auslegung 
von Friedeschiflfen, die von vornherein wohl Lübeck und Stralsund 
unternehmen, die übrigen Städte aber finanziell unterstützen sollten. 
Man wird vermuthen dürfen, das^ die Antworten darauf schriftlich 
eingesandt und nicht etwa erst auf der nächsten Märzversammlung 
mündlich abgegeben werden sollten oder, wenn dies doch, die be- . 
treffenden Städte bereits vorher, ohne sie abzuwarten, die Expedition, 
die nachweisbar ausgeführt wurde, anzutreten gedachten: denn 
schon in den Wettertagen des Februar, an denen der hansische 
Schiffer die Anker zu lichten pflegte, begann das Schutzbedürfoiss 
des Meeres. 

Noch ehe dies Schreiben den Preussen zur Hand kam, hatten 
sie auf einem Städtetage, über dessen sonstige Beschliessungen 
leider nichts überliefert ist, am 3. Febr. ihre Antwort an Stralsund 
aufgesetzt, die sich aber dem Inhalte nach an die wendischen 
Städte überhaupt richtete. Zuerst geben sie ihrer Verwunderung 
Ausdruck darüber dass nicht der König sondern die Königin diese 
diplomatische Aktion betreibe, da es ihnen „eine grosse Sache zu 
sein dünke, der Frau zu geloben und zu ihr zu gehen": recht 
bezeichnend für die ehrenfeste, etwas steifnackige und banausische 
Art jener Rathspolitiker, der eine solche Novität wie politische 
Verhandlungen mit der „Hausfrau von Norwegen" nicht zu Kopfe 



251 

will. Im Uebrigen waren sie der Ansiclit, dass es rathsam und an der 
Zeit sei, einen ewigen Frieden mit Norwegen abzuschliessen, wobei 
sie mit einem Hinweis auf ihr Schreiben vom 4. Aug. 1375 ganz 
ihre darin vorgebrachten Bitten um Vertretung durch die wen- 
dischen Städte und Mitein begrififensein in allen Privilegienerwerb 
sowie auch ihre Erklärung keinesfalls auf den Ersatz ihres in 
oder durch Norwegen gänzlich widerrechtlich erlittenen Schadens 
verzichten zu wollen, aufs Neue vortrugen. Zum Schluss erbitten 
sie, da die Kürze der Zeit und andere Dinge, wohl die Schwierig- 
keiten der Reise sie am Erscheinen verhindere, möglichst baldige 
Nachricht über den Ausfall der Verhandlung. Der brennenden 
dänischen Frage, der Ausübung des städtischen Bestätigungsrechts 
ist auch in dieser Zuschrift mit keinem Worte gedacht; eine nega- 
tive Thatsache, die doch schon eine gewisse Gleichgültigkeit 
gegen dasselbe andeutet, wie man sie freilich angesichts jener 
Gründe in der Fernhaltung von dem beredeten Tage nicht er- 
kennen darf. 

Pünktlich fand sich am 23. März die neue Versammlung, nur 
nicht in Lübeck, sondern wie ich vermuthe mit Rücksicht auf 
die Preussen, in Stralsund zusammen, besucht von 17 Rathmannen 
aus den fünf wendischen Städten, Stettin, und dem immer rührigen 
Kampen. Dass nur diese Stadt aus den Niederlanden vertreten 
war, mag weniger auffallen, als dass die Preussen sich auch dieser 
Versammlung gänzlich enthielten. Aus welchen Gründen? Doch 
nicht wieder wegen mangelnder Zeit oder Schwierigkeiten der 
Reise, Gründe, die diesmal entfernt nicht in gleichem Masse, wie 
bei dem anfänglichen Termin zutrafen und sie sicherlich nicht 
bei einem für sie wichtigen Zweck hätten zurückhalten können. 
Dies zugegeben folgt, dass sie den, der jene Versammlung zusam- 
naenführte, eben nicht für einen solchen und eine abwartende 
passive Haltung in den dänischen Thronverwicklungen für ange- 
zeigt hielten. — Wieder waren Gesandte beider Parteien, herzog- 
liche Räthc von Meklenburg und Reichsräthe von Dänemark er- 
schienen, um die versprochene Antwort entgegenzunehmen, aber 
statt dieser mussten sie wieder mit dem Bescheide heimkehren, 
dass sich die versammelten Städte bei Abwesenheit der preussi- 
schen und süderseeischen nicht ermächtigt hielten, sie zu geben, 
wofür sie auf einen neuen Städtetag am 18. Mai vertröstet wurden. 
Die Preussen, sowie Kampen und Zierixee als die hervorragendsten 



252 

Vertreter der Südersee sollen hierzu entboten werden, zugleich 
auch, um dort über den Seefrleden zu berathen. Jene Begrün- 
dung der Beschlussnnfähigkeit war nicht ganz correct und im 
Grunde wohl nur eine willkommene Ausflucht. Die mächtigste 
Stadtgemeinde der Südersee war ja vertreten. Und sollten sich 
ohnedies die Versammelten in dem Bewusstsein, ihre volle Schul- 
digkeit gethan zu haben, um die beiden andern Gruppen aus 
ihrer reservirten Haltung herauszuziehn , in der That nicht fär 
befugt gehalten haben, einseitig in der Sache vorzugehn? Einen 
Widerspruch derselben gegen ihre politische Richtung brauchten 
sie dabei nicht zu befürchten, da jene sich ja wo nicht völlig 
gleichgültig doch in keiner Weise ablehnend gegen die norwegischen 
Bewerbungen verhielten. Man wird schon hier die Frage auf- 
werfen dürfen, welche Gründe und Erwägungen die Conföderation, 
im Besonderen die aussermeklenburgischen wendischen Städte dazu 
geführt haben, von ihrem Recht an der Königswahl zu Gnnsten 
der von ihnen vorgezognen Candidatur keinen Gebrauch zu 
machen und am Ende es in aller Form aufzugeben. — Es konnte 
sich für sie nicht eigentlich um einen praktischen Effect, eine 
Wendung der politischen Lage handeln; dem Olav war Ja die 
Wahl der Dänen so gut wie gewiss. Dies wussten die Rostocker 
und Wismarer sehr wohl, wenn sie jenen aufschiebenden Beschlass 
der Städte hinter sich brachten; sicher in der Voraussicht, daas 
die Dänen nun ihres eigenen Weges über das hansische Recht 
hinweg zur Wahl des norwegischen Candidaten schreiten und 
dem Gegner wenig oder keine Hoffnung mehr lassen würden. — 
Aber man hätte doch das theuer genug erworbne Recht formell 
zur Anwendung bringen sollen. Allein jetzt wo es praktisch 
wurde, mochten seine Schattenseiten deutlicher zum Bewusstsein 
kommen als bei seinem Erwerb. Zu ihnen rechneten wir bei 
früherer Gelegenheit seinen hochpolitischen Charakter, der mit 
dem sonstigen politischen Verhalten der Städte nicht gut zusam- 
menstimmte, und seine aufreizende, bedrohliche Wirkung anf das 
Selbstgefühl der fremden Nation. Dazu konnte, wie eben jetzt 
sich herausstellte, es unter Umständen eine Quelle innerer Streitig- 
keiten werden und rief in jedem Falle die Feindschaft des Thron- 
candidaten hervor, gegen den es seine Anwendung fand, eine 
Feindschaft, deren Gefährlichkeit sich nach der Leistungsfähigkeit 
des Betroffenen bestimmte. — Wohl wahr, dass eine politisch und 



253 

besonders militärisch schlagfertige und überlegne Macht trotz 
jener Bedenken eine solche Gerechtsame nutzbar hätte üben und 
verwerthen können; aber waren denn das die Städte? Man hat 
gar nicht nöthig mit Nitzsch einen plötzlichen Umschwung der 
lübischen Politik mit dem Jahre 1374 in Folge des Braunschwei- 
ger Aufstandes zu statuiren; diese Auffassung in dieser Schärfe 
dürfte ebensowenig beweisbar und zutreffend sein, wie die von 
einem so dominirenden, fast ausschlaggebenden Einfluss, den der- 
selbe Autor die Reichsstadt auf den ganzen Städteverein ausüben 
lässt; dieser war ein so lockres Nebeneinander immerhin so eigen- 
williger Glieder, dass er zu einer sicheren und risquirten mili- 
tärischen Aktion sich nur im Moment grosser und unmittelbarer 
Lebensgefahr wie durch einen verzweifelten Entschluss auf- und 
zusammenzuraffen vermochte. Eine solche war doch aber nach 
keiner Seite hin vorhanden. Und wenn er mit jenem Recht be- 
sonders den Handel schützen wollte vermittelst der urkundlichen 
Anerkenntniss der jeweiligen Könige, die es allerdings sichern 
mochte, konnte sie denn jenen Zweck erfüllen? War es nicht im 
Grunde die bewiesene oder latente Kraft der Städte, die ihr erst 
rechten, dauernden Werth und Inhalt gab? Und reichte diese 
für sich allein nicht aus, sie ohne jenes Recht zu erwerben und 
durchzusetzen? Und wenn sie sich einst von der Auswahl der 
Könige gewisse persönliche Garantieen versprechen mochten, in 
wie engen Kreisen konnte diese hinwieder sich doch nur bewegen ! 
Genug, aus all diesen Bedenken ergab sich zunächst die inactive, 
abwartende Haltung, welche sie beobachteten; mag sie ein Gradmes- 
ser für ihre verhältnissmässig beschränkte politische Leistungskraft 
sein, so ist sie andrerseits doch ein Zeugniss ihrer staatsmännischeu 
Besonnenheit, Selbsterkenntniss und Mäsdgung. Neigten sie zu 
dem norwegischen Prätendenten, so wollten sie es auch nicht mit 
den Meklenburgern ganz verderben, wie sich bei einer offenen 
thätigen Unterstützung desselben nicht anders erwarten liess. 

In den Tagen dieser stralsunder Versammlung folgte unter 
dem nachwirkenden Eindruck der braunschweiger Begebenheiten 
in Stade die zweite städtische Bewegung, welche den norddeutschen 
Städtebereich erregte. Mochte sie auch bei der lebhaften Mitwir- 
kung von Rathsmitgliedern selbst, so zu sagen, mehr den Charak- 
ter eines Staatsstreiches als einer Revolution an sich tragen, so 
musste sie doch mit neuer Energie das schon lebendige Gefühl 



254 

von einer Bedrohniss der alten aristokratischen Verfassungsgrundlagen 
unter dem leitenden Patriciat der Städte anregen und ihm den 
äusseren Frieden doppelt erwünscht scheinen lassen, nun der 
innere in Frage stand. 

In Dänemark 'aber gingen die Dinge jetzt ungefragt der 
städtischen Zustimmung ihres eigenen und natürlichen Weges. In 
Jtttland, Schonen, also einzelnen Landschaften wurde Olav erwählt 
und damit sicher seine definitive allgemeine Wahl vorbereitet, wie 
sie am 3. Mai auf dem Danehof zu Slagelse erfolgte. Ifurga- 
rethens kluge Politik hatte ihren Zweck zunächst erreicht; jetzt 
sass ihr Sohn auf dem Thron, emporgehoben durch die grosse 
Mehrheit des Volkes, und unendlich viel schwerer musste doch 
sein y ihn wieder hinabzustossen als zuvor den Zugang dahin zu 
verlegen. Der eigentlich entscheidende Schritt war gethap. Die 
Städte hätten sich nun gradezu gegen den Willen und die mit 
Norwegen combinirte Macht des dänischen Reiches, mit dessen 
hervorragendsten Beamten- sie über das alles in so nahen geschäft- 
lichen Beziehungen standen, zur Wehr setzen müssen, wollten sie 
seine förmliche oder stillschweigende Anerkennung versagen. In- 
dess hatten die Eltern des jungen Königs wenig Grund , dies zu ' 
besorgen: ihren Gesandten hatte nicht verborgen bleiben können, 
dass man städtischerseits der Werbung Olavs geneigt war, nur 
ohne den rechtmässigen, massgebenden Eingriff in die Wahlent- 
Wicklung thun zu wollen. So kam denn die norwegisch- däniseiie 
Politik der städtischen entgegen. An sich freilich beging sie troti 
der wiederholten Mahnungen am letzten Ende eine Verletzung der 
städtischen Rechtsbefugniss einer vorgängigen Anerkennung, aber 
spricht nicht der völlige Mangel an Aeusserungen des Unwillens 
deutlich genug dafür, dass sie der andern willkommen war? 

Am 18. Mai trat unter diesen veränderten Verhältnissen die 
ausgeschriebene Versammlung zu Stralsund zusammen, besucht 
von Rathssendeboten aus Lübeck, Greifswald, Stettin, Stralsund 
und Kampen, wogegen die übrigen niederländischen, sowie die 
preussischen und livländischen Städte sämmtlich ausgeblieben 
waren. Die Preussen hatten sich schriftlich entschuldigt, aber 
kaum mit stichhaltigen Gründen, wie sich aus der brieflieben Ab- 
wehr etwaiger Entschuldigung für den nächsten Tag rückschliessen 
lässt; ihre Indifferenz gegen die hier zur Verhandlung gestellten 
Dinge lag klar zu Tage. Wie diese aber in dem Vermeiden des 



255 

Tagea, so trat in der Art seiner Besendiing die Differenz zwischen 
den meklenburgischen und den anderen, vertretenen Städten hervor. 
Jene hatten bloss Ratbsnotare geschickt, die nur berichten und 
hören, nicht rathen und stimmen konnten. Hätten sie die Neigung 
der massgebenden ßundesgemeinden zu der norwegischen Thron- 
folge für zweifelhaft und nicht vielmehr für notorisch gehalten, 
80 hätten sie sicherlich nicht den Versuch verabsäumt, sie noch- 
mals für die deutsche zu interessiren und in Thätigkeit zu setzen. 
Aus gleichem Grunde hatte auch der Herzog keine Deputation 
gesandt, während, wie nicht anders zu erwarten, die Gegenpartei 
mit einer solchen nicht säumte. Sie bestand aus zwei dänischen 
Reichsräthen , dem Bischof Nikolaus von Roeskilde und dem be- 
kannten Ritter A. Jacobssohn. Ueber ihre Thätigkeit finden sich 
einige Notizen in dem Recess und ein Bericht in dem Briefe, mit 
welchem die Versammlung das eingegangene preussische Schreiben 
erwiderte. Aus einem Vergleich ersieht man recht deutlich, wie 
kümmerlich oft die Recessn achrichten beschaffen sind, eine That- 
sache, Jdie wir für die gegenwärtigen Ereignisse ganz besonders 
bedauern müssen. Nach dem Recess war die Gesandtschaft nicht 
bloss von dänischen, sondern zugleich von dem norwegischen 
Reiche beauftragt und brachte, obschon kein Norweger ihr ange- 
hörte, auf beide bezügliche Werbungen vor: spielte doch auch 
der Frieden mit letzterem für die politische Rechnung und 
Haltung der Städte eine so wesentliche Rolle. Um Abwesenheit 
der Preussen und Süderseeer willen — die Anwesenheit kampen- 
scher Vertreter wird auch hier ignorirt — nimmt man einen neuen 
stralsunder Tag 4 oder 5 Tage vor Johanni, also nach ungefähr 
einem Monat in Absicht, um von dort nach achttägiger Vorbe- 
rathung im 'Interesse der Städte und des gemeinen Kaufmanns 
Bevollmächtigte nach Wordingborg hinüberzusenden zu Verhand- 
lungen mit dem Könige Hakon und dem Reichsrath von Däne- 
mark über mancherlei Stücke, Sachen und Gebrechen, worunter 
eben alles Mögliche verstanden sein kann. — Ergänzend tritt 
diesen Angaben der angezogene Bericht zur Seite. Eine kleine, 
wohl auf incorrectem Ausdruck beruhende Abweichung ist, dass 
er bloss von ambassiatores regni Daciae, nicht auch des norwe- 
gischen Reiches spricht; aber auch ihm zufolge vereinbarten diese 
eine Tagfahrt mit den consiliarirs Norwegiae. — Sie hatten eine 
vierfache Instruction auszuführen: 1) mitzutheilen sowohl durch 



256 

Uebergabe von besiegelten Sendschreiben vermuthlich des Reichs- 
raths, wie durch mündlichen Vortrag, dass die Gesammtbeit des 
Reichsadels, an seiner Spitze der Erzbischof einstimmig und mit 
Zustimmung des ganzen Volkes Prinz Olav zum König erwählt 
habe; dass dieser 2) bereit sei mit den Seinigen alle Freiheiten 
und Privilegien, also auch den Frieden zu bestätigen ; 3) sich zu 
beschweren, dass die Städte durch Verzögerung ihrer oft erbetenen 
Wahlconsenserklärung die Entfremdung vieler Schlösser d. h. ohne 
Zweifel die holsteinischen Erobrungen verschuldet hätten; und 
4) gradezu ihre Hülfe zur Vertheidigung des Reiches, also gegen 
die factischen Angriffe der Holsteiner und die muthmasslichen der 
zurückgesetzten Meklenburger anzurufen. Es war eine durchaus 
correcte Politik, die hier agirte : sie erkennt formell das städtische 
Recht an, deckt seine Umgehung mit der Nothlage , in die seine 
Versäumniss das Reich gebracht, und gewinnt durch das unbe- 
dingte Versprechen der Bestätigung des Friedens, mithin auch 
jenes Rechtes; von dem Frieden mit Norwegen ist allerdings in 
dem Schriftstück, aber wohl nur versäumlicher Weise, nicht die 
Rede. Da sie nun um ihrer und andrer Eingeladner Abwesenheit 
willen — so schreibt die Versammlung darin den Preussen weiter 
zu — keinen Entschluss habe fassen wollen , wobei übrigens das 
oben von dieser perhorrescirten Einseitigkeit des Vorgehns Gesagte 
wieder seine Anwendung haben möge, so lädt sie dringend zu der 
nächstmonatlichen neuen Tagfahrt, wo unter anderem eine Be- 
sprechung über die Ergebnisse der flandrischen Gesandtschaft 
stattfinden solle, ein, sowie zu den sogleich sich anschliessenden 
Verhandlungen mit den Räthen der Könige von Norwegen und . 
Dänemark über jene gesandtschaftlichen Erklärungen, den See- J 
frieden, für den man vielleicht jetzt schon dänische Hülfe begehrte, 
und dann noch über die schonischen Schlösser und Zölle. — Mit 
dem 25. Juli war Hennings Contract wieder zu Ende ; die häufigen 
Beschwerden in Schonen und die Unsicherheit jenes Dienstver- 
hältnisses mussten den Gedanken an die Aufgabe desselben nahe 
legen. Daher heisst es im Recesse: man soll über solche Schloss- 
hauptleute sich berathen, deren Verwaltung den Kaufmann in 
seinem Recht schütze. — Der Vogt von Kampen wartete, wie acft 
Schluss jener Zuschrift vermerkt wird, inzwischen in Stralsuni 
dic neue Versammlung ab. 

Noch waren die Städte der Möglichkeit nach die entschei' 



1 



I 



257 

dende Macht: eine ernstliche Wendung ihrer Politik zu Gunsten 
der mit Holstein verbundenen Meklenburger hätte den Krieg von 
1368 — 1370 erneuern und ohne Zweifel Dänemark ebenso leicht 
wie damals niederbrechen können. Aber sie blieb mit vollem Be- 
wusstsein in ihrem Geleis. 

Nicht ganz pünktlich, erst am 24. Juni versammelten sich 
zu Stralsund 15 Rathsherren, 4 allein aus Lübeck, die übrigen 
aus Stralsund, Greifswald, Kampen, Zütphen, Elbing und Thorn, 
welche drei letzteren Städte damit endlich ans ihrer reservirten 
Haltung heraustraten. Schwerlich werden die preussischen Send- 
boten von einem Particulartage , zu dessen Veranstaltung die 
Zeit nach Empfang der Einladung kaum ausreichend war, instruirt 
gewesen sein. Rostock und Wismar beschränkten sich wieder 
auf eine Absendung ihrer Notare und die livländischen Städte ent- 
hielten sich auch diesmal jeglicher Theilnahme. Dagegen waren 
Gesandte von Wisby zugegen, die indess im Recesseingang nicht 
aufgeführt und daher nicht als gleich würdige Theilnehmer hin- 
gestellt werden. 

Muss man schon bedauern, dass der Recess über die in Ab- 
sieht genommene Besprechung der Gesandtschaft nach dem West- 
gebiet des hansischen Handels stillschweigend hinweggeht, so gilt 
das in viel höherem Masse, wenn er in merkwürdiger, bezeichnen- 
der Weise sich über die Stellungnahme der Städte zu der grossen 
politischen Frage, die den Norden in Athem hielt, mit keinem 
Worte auslässt. Und doch müssen sie darüber auf diesem Tage, 
vielleieht in Form von Eventualmassnahmen, je nachdem der Gang 
der bevorstehenden Verhandlungen sie fordern werde, schlüssig 
geworden sein und die dann nach Dänemark überziehenden Boten 
hier ihre allgemeinen Vollmachten erhalten haben, die, wenigstens 
zum Theil durch ihr nachheriges Verhalten erkennbar werden. 

Der Recessinhalt füllt sich grösstentheils mit administrativen 
Berathungen und Beschlüssen betreffs der schonenschen Verhält- 
nisse aus. 

In erster Linie handelte es sich um die weitere Bewahrung 
der Schlösser. Wir erfahren hier zum ersten Mal von einer 
Opposition gegen die Statthalterschaft Hennings, oüne aber die Oppo- 
nenten selbst kennen zu lernen. Ihnen gegenüber steht die andere 
Partei, die sie beibehalten wünscht unter der Bedingung, dass 
der neue Contract Garantie biete für den Privilegienschutz und 

D6 nicke, Beziehungen der Hanucstädte etc. 17 



258 

den Städten überdies die Einsetzung der Vögte überlasse. Nir- 
gends wird gesagt, ob Henning die brieflich geäusseiiie Bitte der 
Städte, ihre Vittenvögte bei der vorjährigen Auswahl seiner 
Schlossvögte zu Rathe zu ziehen, erfüllt hat ; fest steht aber, dass 
sie nicht in die Form einer contractlichen Vereinbarung für das 
laufende Verwaltnngsjahr 1375/76 gebracht war. Jene Partei 
geht also jedenfalls einen grossen Schritt weiter, wenn sie dem 
Reichshauptmann die gänzliche Abtretung der Vogteiinvestitur «n- 
muthet. Gewiss war diese Clausel auch der Gegenpartei wiö- 
kommen und ihr bisheriger Mangel ein Grund mit für ihre anfr 
henning'schen Wünsche; aber noch mehr dürfte ihr der drohend 
heraufziehende Krieg zwischen den rivalisirenden Mächten No^ 
wegen und Meklenburg es haben nützlich erscheinen lassen, die 
Schlösser wieder aus Hennings Hand in eigene Verwaltung zn 
nehmen, da seine Zwitterstellung als städtischer Hauptmaun und 
als dänischer Drost, wozu er in dieser Zeit avancirte, eine Gefähr- 
dung der Neutralität der Schlösser zu bedingen schien. Zuletzt 
verständigte man sich dahin, der Gesandtschaft die Sache ver- 
trauensvoll zu guter Regelung anheimzugeben. Hennings Bereit- 
willigkeit zu weiterer Amtsführung war man aber, wie es sich an- 
lässt, sicher. 

Eine eigenthümliche Nachricht erhalten wir über die schonl- 
sche Zollverwaltung. Bisher hatten die beiden Rathmänner J. Laiige 
und D. Krudner an ihrer Spitze gestanden, wie mittelbar und iiä- 
mittelbar bezeugt wird, ohne indess allem Anschein nach inuner 
die ganze Verkehrssaison über an Ort und Stelle domicilirt 2a 
haben. Um den Verwaltungsmissständen, die sich daraus ergeben 
hatten oder doch ergeben konnten, zu begegnen, erhoben hier die 
Vertreter von Kampen und Preussen den decidirten Ansprncli, 
dass jene beiden Herren stets persönlich zur Einsammlung de& 
Zolls und anderer Einkünfte anwesend sein und — wenn idi 
recht umschreibe, — sich nicht mit einer Vertretung durch Schrei- 
ber begnügen sollten, widpgenfalls sie ihre sämmtlichen Antheile 
für sich selber aufnehmen würden. Danach erschien ihnen eine 
Verwaltung der Einkünfte, in den so zu sagen, subalternen Händen 
von Stadtschreibern weniger garantirt als in denen der Raths- 
herren. Die Lübecker — von den Stralsundern wird AehnlicheB 
gegolten haben — sahen sich durch diese Drohung, obgleich 
nicht vom heimischen Rathscollegium darüber instruirt, veranlasst 



259 

eine Zusage auf ihre eigene Verantwortung zu geben, da sie 
grossen Nachtheil für ihre Stadt von jener Mitaufnahme der 
schonenschen Gefälle besorgten. Dies letztere darf um so mehr 
auffallen, als am 10. August 1368 die wendischen Städte von 
ihren preussischen und süderseeischen Bündnem die Bestallung von 
Beamten zur Miterhebung des Pfundgeldes, das sie in gleicher Weise 
angehe, verlangten und sowohl am 25. Mai 1371 als 1374 eine 
preuBsisch-süderseeische Antheilnahme an der Zolladministration 
ausgemacht war. Ob sich jene Besorgniss an ihre superiore Stel- 
lung oder den Besitz der Zollkasse anknüpfte? 

Sodann greift die Versammlung angesichts der ewigen ün- 
mlien in Schonen und des drohenden Krieges auf eine schon 
mehrfach verordnete sicherheitspolizeiliche Massregel zurück. Jeder 
Schonenfahrer , der es vermag, mit andern Worten der Selbstherr 
ist, soll seine Waffenrüstung mit sich bringen und von dem betr. 
Vogt besichtigen lassen ; jeder aber, der sie nicht bei sich hat, in 
Strafe genommen werden. — War nun hiermit wieder der Waffen- 
zwang bei Strafe eingeführt, so suchte man verständiger Weise 
mit der Verordnung, dass alle ihren Vögten gehorsamen sollten, 
wenn sie ein gemeinschaftliches Beieinanderbleiben für nöthig er- 
achteten, aus den einzelneu Eaufleuten für den Nothfall auch 
Conen geschlossenen militärischen Körper herzustellen. Im nächsten 
Jahr wird sie wiederholt, scheint also, wie auch sehr begreiflich, 
sich bewährt, ein willkommenes Schutzmittel an die Hand gege- 
ben zu haben. 

Im Weiteren werden noch mehrere verkehrspolizeiliche Be- 
stimmungen für die schonischen Märkte und Heringsfischereien 
getroffen, so vor allem die erlaubten Münzsorten festgestellt, um 
der entsetzlichen Münzverwirrung, die sich dort bei dem Conflux 
von Geschäftstreibenden aus aller Herren Länder bilden musste, in 
etwas zu steuern. Schliesslich sei an seiner chronologischen Stelle 
noch einmal des erstaunlichen Anspruchs der Städte gedacht, dass 
die dänischen Vögte nur einen einzigen Tag für des Königs Be- 
huf salzen dürften; nirgends ist in den bisherigen Privilegien da- 
von die Rede, und sehr nahe liegt die Annahme, dass sie mit 
der Berufung auf ein altes Herkommen nur eine Anmassung der 
jüngsten Zeit verschleiern und decken wollten. 

Die übrigen Beschlüsse der Tagfahrt sind finanzieller Natur. 
Da die schonenschen Zölle bei all ihrer Erheblichkeit nicht hin- 

17* 



260 

reichten, die allgemeinen Ausgaben aufzubringen, so sali sie sich 
in der unerquicklichen Lage ein neues Pfundgeld — das dritte in 
der hansischen Finanzgeschichte — nach dem alten Master be- 
schliessen zu mtlssen, natürlich mit Vorbehalt der einzelstädtischen 
Einwilligungen. Mögen auch die Kosten der flandrisch-englischeD 
Gesandtschaft zum guten Theil auf die betreffenden Factorelen 
abgewälzt sein, so ergaben doch die Reisen nach Dänemark, wo 
in Ermanglung eines solchen kaufmännischen Centralinstitutes der- 
artige Mittel nicht disponibel waren, und die Friedeschiffe, die den 
ganzen Sommer hindurch das Meer durchkreuzten, bedeutende 
Ausgabeposten. Jene sollen wie auch Hennings immer prompt 
bezahlter Gehalt im Restbetrag von 800 sund. 7/2^ (= 533V3 
lüb. 7/^ = ca. 37,334 Rm.), aus den ersten schonenschen £^- 
ktlnften, diese aus deren etwaigem Ueberschuss und ihre Mehr- 
kosten zunächst aus einer verzinslichen Anleihe bestritten werden« 
wie denn Lübeck und Stralsund gleich jetzt bei dem Rath der 
letzteren Stadt eine solche im Belauf von 2000 lübischen 7?^ (ea. 
140,000 Rm.) mit Zustimmung der Boten von Preussen und Kam- 
pen negociirten, um sich nach ihrem hergebrachten MannschaflB- 
verhältniss (3 : 2) darin zu theilen. Die Vertreter Lübecks schick- 
ten ihrer Stadt von den danach auf sie entfallenden 1200 7/$- 
1000 zu, offenbar als Abschlagszahlung für die Ausrüstung ihres 
Friedekoggens, und gaben weitere 120 772^ sund. (= ca. 5600 BdJ 
für eben diesen an einen irgendwie dabei betheiligten Bfirgw» 
während sie den Rest, also 120 772^ lüb. (= ca. 8400 Rm.) ftr 
sich als Reisespesen zurückhielten. Ihre Bedeckung fand die An- 
leihe in Zoll und Pfundgeld ; umgehend sollten aber die Lübecker 
den Darleihern einen besiegelten Schuld- und Zinsbrief über 1200 
772^ aus- und zustellen und sie im Fall der Unzulänglichkeit jener 
Einnahmen anderweit schadlos halten. Wie es sich ausnimmt, 
haben erst hier die Vertreter der beiden Städte es in einer Soi- 
derberathung als rathsamer erkannt, die Befriednngskosten irf 
Rechnung der gemeinen Städte zu stellen, obwohl sich dies doek 
eigentlich von selbst verstand. Haben etwa zuvor die beiden' 
grössten Hansestädte die Ehre einer alleinigen Beschützung des 
Meeres trotz der allen dazu gegebenen Impulses für schätzbarer 
gehalten als eine Kostenerleichterung ? * — Was ferner die KosteB 



» Cf. Lüb. U. B. I, Nr. 4ü2 (a. 1280). 



\ 



261 

der bevorstehenden Reise „to Norwegen" d.h. wohl zur Verhand- 
lung mit Norwegen, die ja bereits in dem dänischen Wordingborg 
angesetzt war, betriflft, so schien der Versammlung wohl thunlich, 
die finanzielle Beihülfe des in Bergen befindlichen Kaufmanns in 
Anspruch zu nehmen. Es ergiebt sich^ dass sie den bereits ge- 
fassten dahingehenden Beschluss, ohne Frage in Folge jener 
preussischen Einsprache, in dieser gemilderten Form wieder auf- 
nahm und von neuem zur Discussion stellte. 

Die Gesandtschaft der Gothländer, deren Zweck wahrschein- 
Uch in irgend einer Beziehung zu der Eönigswahl stand, ver- 
Bäumte sie nicht an das Kölner Gelübde zu erinnern, dessen Er- 
/Ulnng in dieser Geldklemme besonders willkommen sein musste, 
sah sich jedoch dabei wiederum auf die Hinterbringung an den 
Rath zu Wisby und ein Antwortversprechen vertröstet. 

Ihr auf den 24. Juni zurückdatirter Brief an Jieval, der die 
unentbehrliche Aufklärung über den Pfundgeldbeschluss gibt und 
seine baldige Bestätigung erbittet, bringt ausserdem die Notiz, 
dass die Consularboten nach Dänemark und Norwegen — also 
wiederum diese unrichtige Lokalbezeichnung — abgeordnet seien 
zur Herstellung des beiderseitigen Friedens, lässt uns demnach 
Aber die nähere Vollmacht derselben gleichfalls ohne jede Auskunft. 

Zu ihnen waren von Lübeck und Stralsund je zwei, von 
Greifswald wie von Elbing und Kampen je ein Theilnehmer aus- 
ersehen; ein Amsterdamer Rathmann scheint erst jetzt hinzu- 
gekommen zu sein, wogegen sich die meklenburgischen Städte 
natürlich nach wie vor fernhielten. Es waren somit mit Ausnahme 
der livländischen alle Gruppeh des Kölner Verbandes vertreten. 

Am 1. Juli, als die Versammlung bereits entweder ihren 
Schluss erreicht hatte oder ihm nahe war, kam unerwartet ein 
Gesandter König Hakons, wieder jener letztverwandte Geschäfts- 
träger Gottschalck mit der überraschenden Nachricht, dass sein 
Herr mit dem Erzbischof von Nidros und übrigen Räthen längst 
auf die städtische Gesandtschaft in Bahus warte, die man für 
Johann! verabredet habe. Diese Abrede war jedenfalls vor der 
letzten Maiversammlung getroffen, da aber, wie sich herausstellt, 
eigenmächtig durch die dänischen Botschafter in der uns bekann- 
ten Weise abgeändert, ohne dass auch nur bis 24. Juni der Ver- 
sichrung des Klerikers gemäss dem König, der sich inmittelst wohl 
in seinem Reiche aufhielt, Kenntniss davon gegeben war. So- 



262 

gleich sandten daher die Städter, vielleicht auf hansische Kosten, 
den Gottschalck zur Benachrichtigung und mit der Bitte an Hakon 
zurück, er möge doch persönlich wenn möglich nach Wordingborg 
kommen oder sonst einen ihm bequemer gelegenen Treffort be- 
stimmen, womit sie denn alles thaten, was sich an Entgegeukom- 
men erwarten Hess. Sie verblieben dann noch zum Mindesten 
eine Woche in Stralsund, von deren Schlusstage dem 7. Juli ein 
Anschreiben der beiden lübischen Sendboten an den Rath als Be- 
gleitbrief zu dem tibersandten Recess datirt, eine Reihe von Be- 
stimmungen enthaltend, die erst nach der sicherlich verfrühten 
Rückreise ihres einen Rathscumpans — des andern geschieht keine 
Erwähnung — gefasst waren. Einem Referat über jenen Zwischen- 
fall folgt darin die Aufforderung, die Waffenpflichtigkeit der 
Schonenfahrer und die Münzregulirung in der Büi'gersprache am 
25. Juli zu publiciren, weiter dann die Bitte, jener Zusage über 
die immerwährende Anwesenheit der rathmännischen Zollerheber 
zur Schonenzeit gemäss J. Lauge hierzu anzuhalten und das An- 
leihegeschäft betreffend unverzüglich den Schuldschein den Stral- 
sundern zuzufertigen, schliesslich eine Anfrage, wie viel das Friede- 
schiff, schon gekostet habe, deren erbetene Beantwortung fast dar- 
zuthun scheint, dass sie vorläufig kein günstiges Wetter für ihre 
Ueberfahrt erwarteten. In einem Postscript legten sie schliess- 
lich für den Rathsdiener, der sie begleitete, ein Wort ein , beha/s 
seiner Beförderung zum schonischen üntervogt; ein interessantes 
Zeugniss eines solchen Amtes. Dem Ganzen wurden einige, zum 
Theil schon dem heimgekehrten Rathmann bekannte Briefe der 
Versammlung beigefügt, die einen in Abschrift, die andern im Ori- 
ginal zur Besieglung und geschäftsführenden Weiterbeförderung 
an die Adressaten. Sie mögen wenigstens grösstentkeils wie der 
an Reval^ den Lübeck absandte, den Aufuahmebeschluss des 
Pfundzolls betroffen haben. 

Wann die Gesandtschaft in Wordingborg eintraf, ist nicht 
zu sagen. Hier wahrscheinlich wurden zwischen den Parteien die 
örtlichen Dispositionen in der Weise abgeändert, dass die Ver- 
handlungen mit dem dänischen Reichsrath in Korsör und die mit 
Norwegen in dem um einige Meilen davon entfernten Schlosse 
Kalingborg geführt werden sollten. Man wird diese lokale Schei- 
dung vorgenommen haben, weil die Orte nicht zur Unterkunft der 
Könige mit ihrem zahlreichen Gefolge und zugleich der städtischen 



263 

Sendboten ausreichten. Im Uebrigen waren die Verhandlungen 
nicht nur gleichzeitig, sondern wirkten ohne Frage sich bedingend 
in einander. — Was die norwegischen angeht, so trjeten uns an 
der Seite des Königs acht Räthe entgegen , aber nur weltliche, 
so dass der in Bahus mit anwesende Erzbischof nicht mit herüber- 
gekommen zu sein scheint. Sie alle hingen ihre Privatsiegel an 
die Urkunden, während die dänischen bloss mit dem Siegel des 
Königs trotz seiner vormundschaftlichen Gebundenheit versehen 
wurden. Der dänische Reichsrath war durch den Erzbißchof, einen 
seeländischen und drei jütische Bischöfe, sowie durch eine ansehn- 
liche Zahl weltlicher Edel-, besonders Hauptleute repräsentirt. — 
lieber den näheren Verlauf und das Ineinanderspiel beider Ver- 
handlungen schweigen sich die diesmal ganz besonders dürftigen 
Recesse gänzlich aus, insonderheit auch über das persönliche Ein- 
greifen der Margarethe, an dem sich doch nach ihrer bisherigen 
in der der Kronfrage entwickelten diplomatischen Thätigkeit nicht 
wohl zweifeln lässt. 

Am 14. August kam alles zum urkundlichen Abschluss; das 
späte Datum zwingt eine lange, etwa einmonatliche Dauer der 
Verhandlungen anzunehmen, eine Annahme, die sich durch die 
ausdrückliche Recessangabe für die norwegischen wenigstens 
bestätigt. Und doch war die diplomatische Situation im Ganzen 
einfach. Wie die Städte hauptsächlich aus wirthschaftlichen Rück- 
sichten, so hatten die Dänen aus politischen allen Grund, den 
vollen Frieden zu wünschen, und nicht minder der König von 
i^orwegen, der ihn bisher aus Staats- und volkswirthschaftlichen 
Erwägungen zu verzögern gewusst hatte. Es musste ihm in den 
Verhandlungen um die Legalisirung des vertragsrechtlich etwas 
zweifelhaften Kronerwerbs für seinen Sohn zu thun sein, aber 
mehr noch um das Arrangement mit einer Macht, die an sich 
stark und respectabel durch die ganze politische Lage in den 
Vordergrund geschoben wurde. Er mochte sich sagen, dass er 
nur vermöge einer activen Mitwirkung oder zum wenigsten einer 
wohlwollenden Neutralität der Städte die neue Krone gegen die 
herandrängenden Ansprüche des immerhin mächtigen Nebenbuh- 
lers behaupten werde, und sich versprechen, für eine Concession 
im Stammlande sich reichlich und überreichlich an den dänischen 
Verhältnissen zu erholen. In der That kam der Definitivfrieden mit 
ihm zu Stande; aller Zwist, Streit Hader, und wie die gehäuften 



264 

Ausdrücke weiter lauten mögen, wurde gütlich beigelegt, die 
kolossalen Verluste der Städter und Norweger , die sie sich , sei 
es officiell oder privatim seit dem ersten Däiienkriege gegenseitig 
beigebracht, einfach gegen einander aufgehoben. Damit gab Haken 
dem schon 1372 gemachten Vorschlag trotz der zwischenzeitlichen 
Vermehrung seiner Beschwerden nach. Noch grösser vielleicht 
war eine andere Concession. Wenn das ganze grosse System der 
Hanse, ihre ungeheure wirthscliaftliche Ueberlegenheit im Norden 
zum guten Theil auf ihren Privilegien beruhte, so hatte König 
Hakon mit die wichtigsten durch die gleichviel ob bestrittene Er- 
klärung, sie seit seinem Regierungsantritt noch nicht bekräftigt zu 
haben, rechtlich im Grunde für ungiltig erklärt, ohne sie natür 
lieh thatsächlich bei der Macht der Städte ausser Kraft setzen 
zu können noch auch bei der theilweisen Unentbehrlichkeit ihrer 
Kaufleute es zu wollen. Gleichwohl war es eine Gefahr, der die 
Städte durch die immer wiederholte Forderung der Bestätigung 
zuvorzukommen suchten. Aber jetzt erst erfüllte er sie und zwar 
ohne eine Anerkennungssumme, möglicherweise sogar ohne die ge- 
wünschte vorherige Einsicht der Originalurkunden; indem er nach 
dem aus den früheren Stillstandsverträgen herübergenommenen 
Anerkenntniss nochmals in besonderer Betonung der gesammten 
deutschen Hanse alle Gerechtigkeiten, Freiheiten, Gnaden, alte Ge- 
wohnheiten und Briefe bestätigte, seien sie gemeinsam oder wn 
einigen Städten erworben, von seinem Vater oder früheren Vo^ 
fahren. Zwar erhielt sie jene drei Punkte über das Strandrecht, 
den Rechtsschutz gegen Räuber und den Kleinhandel nicht ans- 
drücklich verbrieft, wie sie das 1372 gewünscht hatte, allein d» 
sie kaum eine Erweiterung der bestehenden Freiheit bedeuteten, 
so lag jenem Wunsche wohl nur das Streben nach grösserer 
Sicherheit zu Grunde, wie sie jetzt für das Ganze erreicht war. 
Dagegen kamen zwei neue Zugeständnisse hinzu: das eine von 
sehr realer Wichtigkeit, das andere ein löbliches Zeugniss für das 
Trachten der Hansen nach nationaler Ehre und Reputation. Man 
erstaunt billiger Weise, wenn man den König, der so lange und 
energisch den hansischen Begehrungen und üebergriffen in seinem 
Lande entgegengetreten war, der fremden Corporation so Unge- 
heures concediren sieht wie dies, dass bei den Schuld Verbindlich- 
keiten eines Unterthanen oder ausländischen Gastes die Forden 
rangen ihrer Kaufleutc seinen landesherrlichen strafrechtlichen An- 



265 

Sprüchen vorangehen sollten. Die andere Concession verstattet 
ihnen, ihre Schiffe mit dem Topcastell d. h. dem heimischen Ab- 
zeichen in die norwegischen Häfen einlaufen zu lassen, und ver- 
pflichtet erst zur Abnahme unmittelbar vor dem Anlanden. — Auf 
diese Urkunde König Hakons, die in der an die hansischen und 
conf(5derirten Städte gerichteten Adresse und in ihrem sonstigen 
WorÜant den früheren sehr nahe steht, antworteten die Raths- 
sendeboten zunächst mit einer vorläufigen, worin sie städtischerseits 
den Norwegern alle innehabenden Privilegien, Sicherheit von Per- 
son und Sache von neuem zusagten: wieder einmal die wohl- 
klingende, aber hohle Phrase der Gegenseitigkeit, wie sie es bei 
der gänzlichen üeberwucherung des fremden Handels durch den 
monopolistischen Betrieb der Hansen doch war. Demnächst bringt die 
Urkunde ein weiteres Ergebniss der gepflogenen Verhandlungen, 
das zwar auch bei den früheren Verträgen erlangt, jetzt aber von 
erhöhter Bedeutung war. Es wurden nämlich die Beitrittsbedin- 
guDgen für die beiden landsässigen meklenburgischen Städte in der 
alten Form wiederholt, im Wesentlichen also die Verpflichtung zur 
Neutralität bei einer Offensive ihrer Landesherrschaft gegen Nor- 
wegen und die Erlaubniss zu ihrer thätigen Mitwirkung bei einem 
Angriff, den jene von diesem Reiche erführe. Damals war kaum 
ein in grösserem Umfang betriebener Krieg zwischen den erbitterten 
Rivalen zu gewärtigen, jetzt dagegen, da ein neuer und bedeutungs- 
voller Streitpunkt sie entzweite und eine kriegerische Behandlung 
voraussehen Hess, musste es Hakons eifrigstes Bemühen sein, die 
maritimen und finanziellen Kräfte der beiden namhaften Communen 
einem etwaigen Angriffskrieg seines Gegners zu entziehen. Die 
Vertreter der Conföderation aber musston natürlich den Eintritt 
dieser ihrer Mitglieder in den Frieden vorsehen, ohne dass die- 
selben nun irgendwie nach hansischer Verfassungsgewohnheit ge- 
halten gewesen wären, ihn wirklich zu acceptiren, wie auch die 
Urkunde ausdrücklich diese Beliebigkeit hervorhebt. Doch stand 
zu erwarten, dass die hansischen und kaufmännischen Interessen 
der beiden Städte auch diesmal über ihren territorialen Patriotis- 
mus obsiegen würden. Der auffallend kurze Ratificationstermin, der 
für sie, wie überhaupt für die näher gelegenen wendischen Städte 
mit Einschluss Hamburgs im Unterschied zu dem um ein volles 
Jahr weiter gegriffnen der weit entfernten und zum Theil weniger 
wichtigen Bundesmitglieder, schon auf nächstes Michaeli festgesetzt 



266 

wurde, ist recht bezeichnend für den Wunsch König Hakons, nach 
dieser Seite möglichst bald und festen Boden zu gewinnen. 

Etwas anders war der Gang und Effect der Verhandlungen 
mit Dänemark. Hatte König Waldemar die vollgiltig formelle An- 
erkennung des stralsunder Friedens aus seiner persönlichen Ini- 
tiative heraus immer verweigert, so konnte sich sein junger Nach- 
folger ihr nach des Reiches innerer und äusserer Lage ganz und 
gar nicht entziehn. Indessen hatte der Reichsrath inhaltlich die 
Verträge in einem Punkte umgangen; er hatte den König gekflrt 
wohl nach Befragen der Städte aber ohne ihre Bescheidung. 
Strenggenommen bedurfte dieser nun nicht mehr ihrer Anerken- 
nung, da der Vertrag eine vorherige, nicht nachträgliche Zustim- 
mung zur Wahl vorschrieb. Jedenfalls aber scheint mir ausge- 
macht, dass sie einen solchen formellen Act nicht vornahmen. 
Bekanntlich wurde von der Friedensbestätigung, die hier erfolgte, 
nach Vorgang der von Waldemar durchgesetzten Exception der 
auf Warberg bezüglichen Bestimmungen das harte Recht an der 
Königswahl ausgenommen. Da diese Vereinbarung zu den Ab- 
machungen vor dem Abschluss gehörte, so setzte sie das Aner 
kennungsrecht auch für diesen ersten Wahlfall, wenn es nachträg- 
lich überhaupt noch wirksam War, ausser Kraft. Welche Vernunft 
hätte es auch haben können, dasselbe einmal noch zu üben und 
dann für immer aus der Hand zu geben? Nicht eine einzi||e 
urkundliche Spur von einem gegentheiligen Verfahren, wie sie 
seiner Wichtigkeit gemäss der Recessbericht trotz aller Kärglich- 
keit aufweisen müsste, stellt jene Behauptung in Zweifel, und 
dies ist ein Zwang mehr, sie für richtig zu halten. So blieb denn 
dem deutschen Bürgerthum, das einst in dem rapiden Vordrängen 
des rheinischen Bundes und dann fast gleichzeitig in dem macht- 
vollen Aufschwung der Hanse und der grossartigen Organisation 
der südwestdeutschen Städteeinung seine grössten politischen 
Triumphe erlebte, doch der versagt, das ungeheure Recht unmit- 
telbarsten Einflusses auf eine fremde Thronfolge wirklich zu exe- 
quiren. Die merkantile Richtung ihrer Politik, wie wir sie mit 
ihren Consequenzeu darzulegen versucht, wies die Städte aus jener 
gewagten und immer exponirten Position zurück. Hätten sie un- 
nachgiebiger an ihr festgehalten, so würden sie damit der impo- 
santen und erfinderischen Politik, welche die drei nordischen 
Reiche unter einem Scepter einigte, ein erhebliches freilich kaum 



267 

anüberwiDdlielies ijinderuiäs iu den Weg gelegt Laben. Dass sie 
dieselbe aber schon jetzt iu einer so ungemein günstigen Situation 
aufgaben, bezeichnet sie in überzeugender Weise als eine übereilte 
Schöpfung im Siegesrausch, die in ihr sonstiges politisches Glan- 
bensbekenntniss nicht hineinpassen wollte. 

Dagegen nahm der junge König resp. sein Rath keinen An- 
stand, unter reichlicher Zeugenangabe alles Uebrige in den so 
abgeänderten Friedensurkunden zu bekräftigen, deren ursprüngliche 
Conception er als mit völliger Genehmigung und Wissenschaft 
seines Grossvaters geschehen ausgab; ja in einem besonderen Do- 
kamcnt erkannte er noch ausdrücklich die Versäumniss desselben 
in Betreff der Besieglung an. 

Was aber, muss man fragen, ist aus dem Ersatz des mannig- 
fachen Schadens geworden, den die Dänen in den letzten Jahren 
den Städten zugefügt, und ihre Boten nicht müde geworden 
waren dem verstorbnen König und Beichsrath zu klagen? Keine 
Spur in unseren Akten, dass er bei dieser Gelegenheit geleistet 
oder nur versprochen wäre. Und erlaubt schon dieser Mangel, 
beides mit Sicherheit zu verneinen, so geschieht es mit voller 
Evidenz, wenn man 13. Juni 1385 die Preussen den von den 
Dänen seit dem stralsunder Frieden erlittnen Schaden aufrechnen 
sieht K Also über diese fürwahr nicht unwichtigen Anliegen glit- 
ten die Verhandlungen oder doch ihre Ergebnisse hinweg. Ist 
das nicht eine erstaunliche Nachgiebigkeit und Leisetreterei der 
Städte V Mau sage nicht, dass sie eine Art Aequivalent war für 
die holsteinischen Verluste, über deren Mitverschuldung durch die 
Städte die dänischen Gesandten jüngst geklagt hatten; denn wie 
liess sich dieser Vorwurf im Ernste halten? Genug, wenn man 
mit Recht in der Aufgabe jenes Rechts einen Act verständiger, 
n achter ner merkantil gerichteter Politik erblickt, so wird man 
andrerseits anerkennen müssen, dass sie grade ihre eigensten In- 
teressen in dieser Angelegenheit allzu schüchtern und bescheiden 
unversorgt Hessen. 

Aber der volle Frieden mit beiden Reichen war gewonnen 
und damit erst der von der kölner ConfÖderation ausgehenden 
grossen Angriffsbewegung des Bundes der definitive Ruhepunkt 
gegeben. Und wie sie nur der gewaltigere Rückschlag der von 



) H. R. 11 Nr. 30.3 § %. 



268 

dem kräftigen Dänenkönig mit Gothlands Ueberzug hervorgerufenen 
Bewegung war, so gaben diese Verträge, die einen halbhundert- 
jährigen Friedenszustand einleiteten und mitbedingten , zugleich 
einer wechselreichen Entwicklung von IV2 Jahrzehnten ihren 
Abschluss. Norwegen trat aus ihr so gut wie völlig intact an 
Besitz und Recht hervor, und Dänemark brauchte sich bloss in 
die zeitweiligen schonischen Verpfändungen und einige dauernde 
Vergünstigungen des hansischen Handels zu finden, während das 
diplomatische Geschick seines Königs die fürstlichen Gegner gänz- 
lich aus ihren militärischen Erfolgen herauszudrängen verstanden 
hatte. Dass in dem Interregnum Schleswig an Holstein kam, freilieb 
um hernach doch als dänisches . Lehn anerkannt zu werden, ist 
nicht eine unmittelbare Folge des grossen Hansekrieges. Ja die 
immer noch ansehnliche Insel Gothland hatte das Reich dauernd 
behauptet, und wenn noch ein Zweifel an dem gesicherten Fort- 
bestand dieser Erwerbung aufkommen konnte, so schwand er jetzt 
völlig dahin. Am 15. August, also fast gleichzeitig mit den Ver- 
trägen der Städte beurkundeten Rath und Gemeinde von Wisby, 
König Olav zum rechten Erbherrn empfangen und sich auf ewige 
Zeiten mit Zuerkennung aller je von einem ihrer Könige genossenen 
Rechte der Krone Dänemark untergeben zu haben. Die beiden 
wichtigsten, daher besonders namhaft gemachten waren, 
Wisby alljährlich Maria Geburt eine feste Steuer von 60 löth. 
Silber lüb. Gewichts (= ca. 12,600 Rm.), auch in lüb. Pfennigen 
nach dem jeweiligen lüb. Curs zahlbar, an den dänischen König 
entrichten und ihm in allen Nöthen ein offnes Schloss sein 
sollte. In wirksamer Weise wurden diese Versprechungen durch 
die weitere garantirt, dass ein jedes Rathsmitglied vor seiner Auf- 
naiime dem König resp. stellvertretend dem Rathe den Treueid 
zu leisten habe. Bezeichnend aber für die fast republikanische 
Selbständigkeit der Stadt scheint mir die eigenthümliche Erklärung, 
dass alle Herzoge, Grafen, Herrn oder wer sonst dem König 
Waldemar zur Occupation behülflich gewesen, von jeder Ansprache 
frei sein und einen ganzen Frieden haben sollten. Ich kann kaum 
zweifeln, dass auf dem letzten von den Wisbyern beschickten 
Städtetage sie dieses vielleicht in Folge einer dänischen Anregung 
gefasste Vorhaben vorgetragen und sich dabei der Zustimmung 
der Mehrheit erfreut haben. Die Thatsache, dass die damals nicht 
vertretenen und kaum von den dortigen Besprechungen näher 



269 

unterrichteten Livländer sich im nächsten Jahre durch eine Ge- 
sandtschaft bei den Preussen Erkundigung darüber einholten, ob 
die Gothen für Dänen oder deutsche Kaufleute gehalten sein 
wollten , kann wohl keine Zweifel begründen K In keinem Fall 
jedoch kann ich mich nach der seitherigen Lage und Haltung 
Wisbys der Meinung Koppmanns anschliessen , der jenen Huldi- 
gungsbrief durch eine Aufopfrung der Städte bedingt sein lässt^. 
— Diese aber hatten als beste Frucht jenes kriegerischen 
Jahrzehnts ihre mächtige und ausgedehnte Verbindung heimge- 
bracht, die sie befähigte, auf mehr als anderthalb Jahrhunderte 
maritim die erste und politisch eine der ersten liollen im Norden 
zu spielen. 

') Ebend. Nr. 145 
'') Ebend. p. V. 



Balle, Druck von E. Karra». 



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g. Die Gelianf>'lö''i ''ö'"- ^'^ schoniBche VerkehrBB^aon. 









rif. 



sträge, auch umgerechnet in deutsche Reichswährung. 



Lauf" 



Stillstand 1364. 



N- 



tinimteu 



Die vuD den Städten in Yorduhlug 
gebrachten Sätze. 



Freibriefe 13Gi$;70. 






Hm. 
:Rm. 

J Rm. 

i Rm. 



Km. 



Km. 






ij Km. 



IC 

ir 

12 Rm. 

13 Rm- 
l^olls. 

1 glichen. 



l ^re = c. 4 Rm. 



10 schon, d). = c. 1,8 Rm. 



20 schon, d). = c. 3,7 Rm. 

(bei Butter pro Tonne). 

5 schon. ^. = 0,9 Rm. 



10 schon. ^. =r c. 1,8 Rm. ' I , . 

5 schon. ^. = c. U,9 Rm. \ ^^ «'''»°"- ^- = «•!.« Km. 



2 artich = c. 2,b Rm. 



2 artich = c. 2,8 Rm. 



l artich = c. 14 Rm. 



2 idre = c. 8 Rm. 

■ 

2 artich = c. 2,8 Rm. 

20 schon. ^. = c. 3,7 Rm. (nahe- 
zu V4 % des Werths). 

1 ß grote 8 grote =c. 224 Rm. 
,20 schon. ^. = c. 3,7 Rm. 



2 .d^re = c. 8 Rm. 

1 ^re = c. 4 Rm. 

frei. 



beseitigt. 



Rm. 



1 artich = c. 1, 4 Rui. 



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